Veröffentlicht am 21. Oktober 2017 In Leben im Bündnis

Wie man einen Teenager zu einer Familienwoche mitnimmt – mit Erfolg

ENGLAND, Clare Lyddieth-Barnes •

Die Vorbereitung auf die diesjährige Familienwoche war in vielerlei Hinsicht ähnlich wie die Vorbereitung irgendeiner Familienwoche, besonders in Großbritannien: 13 Outfits packen für jedes Kind, Shorts und Sandalen ebenso wie Strickjacken und Pullover, dazu Kostümierung und Kleidung für einen Konzertbesuch, Eimer und Spaten samt Gummistiefeln und Regenmänteln, 70 Windeln und einen Kinderwagen mit Regenschutz. Meine gesamte Packliste würde wahrscheinlich die ganze Zeitschrift füllen, und wenn auch Patty eifrig auf Artikel aus ist, denke ich, so verzweifelt ist sie dann auch nicht!

Warnung: Frühstück endet um 8.45 Uhr, kein Fernseher, kein WLAN

Es gab einen großen Unterschied in unserer diesjährigen Vorbereitung, nämlich, dass wir meine fünfzehnjährige Cousine mitnahmen. Wir wissen alle, damit man die Familienwoche versteht, muss man eben mitmachen, aber wir mussten Holly vorher doch eine Vorstellung davon geben, was sie erwartete.

Das fing an mit den praktischen Dingen (bring ein hübsches Outfit mit für die letzte Mahlzeit), ging hin zu den größeren Herausforderungen für Teenager (Frühstück endet um 8.45 Uhr, was prompt bewirkte, dass sich ihr Vater an seinem Tee verschluckte und uns Glück wünschte) und, als wir ziemlich sicher waren, sie nicht abzuschrecken, wagten wir uns an die „erschreckenderen“ Aspekte von Familienwochen: „Es gibt keinen Fernseher“.

„Das ist in Ordnung, das habe ich sowieso nicht vor, das Programm ist viel zu öde. Solange ich mein WLAN habe um meine Streaks auf Snapchat zu machen“ (Mit 32 Jahren betrachte ich mich – vielleicht irrtümlich – noch als sei ich ‚einer der Jüngeren‘, aber selbst ich verstehe diesen Satz nicht!). Atemlose Pause, dann hauche ich: WLAN gibt’s auch nicht.

Tragödie – Glaube?

Der Hauptgrund, warum Holly zu dieser Woche mitkommen sollte, war der Terroranschlag in der Arena von Manchester. Obwohl sie selbst nicht direkt betroffen war, hatte Holly an diesem Abend mehrere Freunde in der Arena, darunter zwei, die bei dem Anschlag ihre Mütter verloren haben. Ein so furchtbarer Angriff auf unsere Stadt musste alle unsere jungen Leute berühren, und es ist verständlich, dass sie deswegen ihren Glauben in Frage stellten. Deshalb hat meine Mutter als Hollys Tante und Patin Holly vorgeschlagen, mit uns nach Whitby zu kommen, um ihr zu helfen, sich in ihrem Glauben wieder sicherer zu fühlen.

Evangelisierung 101: Freude!

Während unserer Diskussionen blieb eine Botschaft bei mir hängen; du evangelisierst nicht, indem du Leute belästigst oder ihnen Bibelzitate an den Kopf wirfst – der beste Weg für die Menschen, unseren Glauben zu verstehen ist, die Freude zu sehen, die er uns bringt. In unserer Gruppe erzählte Bill die Geschichte von einer Familie, die auf das Geheimnis ihres Glücks angesprochen wurde. Ihre Antwort war, die Fragesteller in ihr Hausheiligtum zu führen. Liz erzählte auch, dass sie sich früh in der Woche ein paar Momente Zeit genommen hätte um sich in der Gruppe umzusehen, und sie hat alle glücklich, lächelnd, lachend und eingetaucht in die Atmosphäre erlebt, trotz – wie sie wusste – realer Schwierigkeiten und Sorgen, denen die Einzelnen ausgesetzt waren. Es kam mir in den Sinn, dass es das ist, was wir füreinander tun – und das ist einer der Gründe, warum wir die Familienwochen so lieben –: Wir versorgen uns gegenseitig mit Freude; die Freude am Zusammensein und Witze erzählen, die Freude eines Zweijährigen und eines 70jährigen, der an dem gleichen Rounders Spiel [Ballspiel] teilnimmt, und die Freude, unseren Glauben zu teilen. Besonders für Teenager, glaube ich, ist das wichtig, zu wissen, dass sie Gleichaltrige haben, die denken wie sie und leben wie sie. Das war sicher wichtig für meine Gruppe von Schönstatt-Teenagern.

Vielleicht ist das der Grund, warum sich unsere Familie so gut gefühlt hat, als wir Whitby verlassen haben. Holly war glücklich und hat Spaß gehabt = Arbeit erledigt!

Weit mehr als Glück: ARBEIT ERLEDIGT!

Aber es war weit mehr als Glück. Schon eine Stunde nach der Ankunft fragte sie mich, ob sie im nächsten Jahr wiederkommen könnte. Während der Woche kämpfte sie mit vielen unerwarteten Ereignissen wie z. B. einer spontanen Darbietung als Ergänzung des Quizabends; an der Stelle fragte sie mich mit etwas panischer Stimme: „Was ist das? Was muss ich da tun?“ Und meine ebenso spontane Antwort war: „Tu so als wärst du eine Ente und stell keine Fragen.“ Weil sie kein Wort irgendeines der Lieder bei dem Mitsing-Abend kannte, saß sie höflich da und nippte an verbotenerweise gekauftem Malibu und Cola (Vorteil der großen Cousine). Zur Zeit des legendären letzten Nachtkonzerts, denke ich, hatte sie sich an das Unerwartete gewöhnt und den Glauben daran gefunden, dass jeder Augenblick voller Freude ist, egal, was geplant war.

Um die Woche abzuschließen, schrieb ihr „Wichtel“ ihr eine Karte, die, obwohl sie einfach war, mich fast zu Tränen rührte, als Holly sie mir zeigte. „Für die mutigste der Feriengäste, gut, dass du gekommen bist und so gut mitgemacht hast. Ich hoffe, du hast die Woche genossen.“ Ich fragte sie, ob das stimmte, und sie antwortete mit Nachdruck: „Ja, ich will nicht nach Hause.“ Ich sagte ihr, dass ich froh bin, weil wir uns auch immer so fühlen. Sie sagte: „Warum ist das so?“  „Sogar ohne Fernseher?”, fragte ich. „Jaaa“. – „und begrenztes WLAN?“ „Jaaa, ich habe es nicht einmal benutzt.“ ARBEIT GETAN!

Als wir zur Rückfahrt getrennt in die Autos stiegen, sagte sie, sie wolle jedes Jahr wiederkommen, und ich bin zuversichtlich, dass sie ihren Glauben erneuert hat und diesem nächsten Jahr mit einer etwas anderen Sichtweise gegenübersteht als der, die sie ohne das Erlebnis unserer Familienwoche gehabt hätte. Ich danke allen für eine weitere durch und durch erfreuliche Woche und dafür, dass ihr Holly gezeigt habt, worum es in unserer Familienwoche geht.

P.S. Sie schaffte es, jeden Tag beim Frühstück zu erscheinen (und das ist weit mehr, als ich jemals mit 15 bei einer Familienwoche geschafft habe!)

Original: Englisch,16.10.2017. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

Quelle: MTA Magazine. Zeitschrift der Schönstattfamilien in England. Herbst 2017

Foto: IStockGettyImages, max-kegfire

 

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