Veröffentlicht am 14. September 2017 In Leben im Bündnis

Wenn die Gottesmutter U-Bahn fährt…

ÖSTERREICH, Susanne Leibrecht •

Vieles von dem, was ich tun muss-soll-will, notiere ich auf kleinen Zetteln. Sobald etwas erledigt ist, wandert der Zettel zerknüllt in meinen Ton-Krug mit der Aufschrift „Sie haben keinen Wein mehr“. Einer steht bei mir daheim, einer auf meinem Schreibtisch in der Arbeit. Was ich da in den Krug werfe, ist zwar Gnadenkapital, trotzdem denke ich eher an „Gott sei Dank – erledigt!“ als an „Gottesmutter, das schenke ich dir für…“.

Gerade deshalb liebe ich das Virtuelle Heiligtum (VH), www.virtuelles-heiligtum.com: Da suche ich mir ein Anliegen aus, für das ich etwas schenke: erlebten Frust, Müdigkeit, eine anstehende Entscheidung, Vorfreude, schöne Begegnungen – hier hat alles Platz. Ich kann damit einen konkreten Menschen oder das spezielle Anliegen eines anderen VH-Mitglieds unterstützen.

Der Virtuelle Krug prägt meinen Alltag mit, weil ich mir möglichst jeden Tag die Zeit gönne, der Gottesmutter etwas zu schenken. Da ich eh täglich mehrere Stunden am PC verbringe bzw. das Smartphone zu einem „Beinahe-Allzeitbegleiter“ geworden ist, ist der Aufwand, den Krug füllen zu helfen eigentlich gering.

Reale und virtuelle Krüge

Ich mag den Virtuellen Krug mindestens so gern wie meine „realen“ Krüge. Deren Inhalt nehme ich am 18. des Monats zur Bündnisfeier mit ins Heiligtum in Schönstatt am Kahlenberg (Wien), wo am Ende alle gesammelten Beiträge verbrannt werden. Es ist ein tolles Gefühl, die Asche zu sehen und zu wissen: All die Beiträge sind hergeschenkt und wirklich ab- und übergeben – auch wenn manches vielleicht noch immer nagt… Aber man kann es ja wieder verschenken…

Im VH gibt es keine verbrannte Asche. Dafür erfährt man hier, was die Gottesmutter mit unseren Kruggaben macht: Da hat jemand nach einer Kündigung überraschend schnell wieder einen Job bekommen. Das Baby von Familie X. ist gesund zur Welt gekommen. Die FAB und ihr Team erhalten nun auch auf diese Weise Unterstützung. Einem Ehepaar, das zu kämpfen hatte, geht es nun wieder besser, usw. Diese gezielten Beiträge und die vielen „Erfolge“ schaffen ein besonderes Klima der Verbundenheit untereinander.

Die Gottesmutter wohnt im Internet

Mir ist jedoch nicht nur der Virtuelle Krug wichtig – ich besuche die Gottesmutter immer wieder im Virtuellen Heiligtum. So wie sie in jedem (Haus-)Heiligtum ihren Platz hat und wir sie mit einem Bild gleichsam zu uns holen, ist ein Bild von ihr im Virtuellen Heiligtum, weil sie auch dort ihren Thron aufgeschlagen hat. Sie ist da! Sie wirkt im Internet! Man kann hier genauso zu ihr beten und ihre Gegenwart erleben wie in den aus Ziegelsteinen gebauten Heiligtümern oder im Hausheiligtum.

Seit das VH mobil ist, nutze ich das sehr konkret: Immer wieder mal bete ich während meiner U-Bahn-Fahrten oder halte ein Gedanken-Plauscherl mit ihr. Via virtuelles-heiligtum.com/heiligtum/virtuelles-heiligtum durchquert sie dann quasi Wiens Untergrund mit mir – und ich kann ihr dabei in die Augen schauen! Das ist immer wieder etwas Besonderes für mich. Oft denk ich mir mit einem Schuss Heiterkeit: Wenn die anderen Fahrgäste wüssten, dass sie den Wagon mit so einer besonderen Persönlichkeit teilen…

Am Puls der Zeit

Die Gottesmutter ist aber auch eine willkommene „Pausen-Überbrückerin“: Wenn ich auf jemanden warten muss, hole ich sie mir manchmal auf den Bildschirm meines Smartphones, bete für die bevorstehende Begegnung oder Besprechung und schau ihr dabei in die Augen. Ich erlebe, wie gut es mir tut, dass sie so konkret bei mir ist und mich begleitet! Natürlich wohnt sie in meinem Herzen – und jedes Herzensheiligtum ist Gold wert. Doch wir Menschen sind eben auch Bild-Wesen. Diese Begegnung mit dem vertrauten Bild der Gottesmutter und ihrem wohltuenden Blick ist wie ein Heimkommen, egal, wo ich gerade unterwegs bin.

Neben dem Platz, den das VH in meinem Alltag hat, ist darüber hinaus die tiefe Überzeugung in mir: Hätte es das World Wide Web zu Lebzeiten Pater Kentenichs gegeben, hätte er auch hier ein Heiligtum „gebaut“! Die Gottesmutter wirkt überall dort, wo wir sie dazu einladen, die Begegnung mit ihr suchen und sie mit Kruggaben beschenken. Das Virtuelle Heiligtum ist absolut am Puls der Zeit!

Es bedeutet mir sehr viel, bei der Einweihung dieses ersten Schönstattheiligtums im Internet dabei gewesen zu sein und jetzt aktiv mitzuhelfen, dass die Gottesmutter dort wirken kann.
Dass wir im Moment eigentlich viel zu wenige VH-Begeisterte sind, um die große Sendung zu tragen, beunruhigt mich keineswegs: Auch bei der Gründung Schönstatts am 18. Oktober 1914 im Urheiligtum hat alles klein begonnen…

Virtuelles Heiligtum

Fotos: Gerald Karner

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