Veröffentlicht am 16. August 2017 In Leben im Bündnis

75 Jahre …

DEUTSCHLAND, Roberto M. González •

Normalerweise sind die großen Jubiläen oder Geburtstagsfeiern immer etwas Großes und Festliches. Dieses Jahr ist das keine Ausnahme bei der Geburtstagsfeier von Zwillingen, die an einem absolut nicht zu erwartenden Ort das Licht der Welt erblickt haben, nämlich in der „Heiden-, Sklaven-, Narren- und Todesstadt“, wie ein Pater Kentenich sagt, in der Hölle auf Erden, im Hungersommer 1942 im Konzentrationslager Dachau.

Die Rede ist von der Gedenkfeier zur Gründung des Institutes der Familien und des der Marienbrüder; diese Zwillinge kamen mit zwei Stunden Abstand auf die Welt und in einer sehr armen und gefährlichen Geburt, auf Block 3 der Baracke 14, auf den Knien vor einem kleinen Altar mit dem Allerheiligsten, einem Bild der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt und einem Foto des Urheiligtums, das alles auf dem Fußboden, hinter Tischen und Strohsäcken versteckt, zum Schutz, um vor den Blicken der Wachen und anderer Personen den Eindruck von ganz normaler Arbeit zu erwecken; denn entdeckt zu werden hätte den Tod bedeutet.

Hier, in dieser prekären Situation wurden Kinder des Krieges und des Hasses auf eine Kirche, die sich geweigert hatte, sich den Zeiten anzupassen und der Situation, in die sie gedrängt wurden; in einem gewagten Schritt Pater Kentenichs, der durchs Fenster in die Baracke 14 hereingekommen war, um hier seine Antworten zu vervollständigen, die Antwort Schönstatts für die Welt von heute, für diesen neuen Menschen in der neuen Gesellschaft.

Wallfahrt nach Dachau

Am 16. Juli 2017, 75 Jahre nach diesem Tag, sind wir an den Ort zurückgekehrt, wo alles begann. So wie wir zum Urheiligtum pilgern, um Marias Gnaden zu erbitten, so sind wir nach Dachau gepilgert, um uns daran zu erinnern, woher wir kommen, was die Mission ist, die wir von unserem Vater und Gründer erhalten haben, und um die von den Mitgründern übernommene Verpflichtung zu erneuern.

 

(l)Dr. Fritz Kühr, geb. 14.12.1885 –  27.10.1950 in Dachau 1.04.1938 bis  19.07.1943
(r) Dr. Eduard Pesendorfer, geb. 01.12.1904 –  06.12.1974, in Dachau 17.06.1938 bis  29.12.42

Eine Begegnung in Dachau und weltweit

Und es war viel mehr als ein Fest; es war eine Begegnung der ganzen Schönstattfamilie in ihren verschiedenen Vertretern, national wie international, in Dachau. Am Vormittag gab es verschiedene Impulse zu den Ereignissen auf der Grundlage der persönlichen Notizen der Mitgründer: Dr. Fritz Kühr (Institut der Familien/Familienwerk) und Dr. Eduard Pesendorfer (Marienbrüder). Beide waren politische Häftlinge und hatten die Gnade, von P. Kentenich persönlich erzogen zu werden – da, wo es niemand erwartet hätte, und wo Maria als Mutter und Königin des Konzentrationslagers wirken wollte.

Am Nachmittag versammelten wir uns mit etwa 250 Personen im ehemaligen Konzentrationslager, wo wir nach einer Einstimmung zum Block 14 pilgerten, um dann in der Todesangst-Christi-Kapelle die Heilige Messe zu feiern.

So wie der Vater und Gründer in Dachau eine internationale Gemeinschaft fand, war auch diese Gedenkfeier nicht nur auf die an diesem Tag im ehemaligen Konzentrationslager versammelten Schönstätter beschränkt, sondern auch in anderen Ländern wie Australien, Brasilien (in Santa Maria, Londrina, Atibaia) und USA (Lamar) gedachten gute 2000 Personen der Ereignisse von 1942 und dankten den beiden Mitgründern für das größte Ja ihres Lebens.

Nach all diesem Erinnern sind wir heute, innerlich tief erneuert, bereit, um weiter für dieses Ideal zu arbeiten, das vor 75 Jahren in der Todesstadt geboren wurde.

Original: Spanisch, 30. 07. 2017. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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