Veröffentlicht am 28. Mai 2017 In Leben im Bündnis

Die Leichtigkeit eines Jubiläumsfestes

DEUTSCHLAND, Maria Fischer •

Die Leichtigkeit des Seins: Man erlebt oder hat sie, verbindet sie mit Düften, Farben, Urlaubsflair, verliert sie auch schon einmal und gewinnt sie, vielleicht, wieder zurück. Udo Jürgens besingt sie:

Wie Federn leicht sind solche Tage,
doch von unendlichem Gewicht.
Sie wiegen mehr als Angst und Plage,
ein Lächeln strahlt auf dem Gesicht.
Du atmest frei aus tiefster Seele,
los von der Last des Sorgensteins,
nichts schnürt die Brust
und nichts die Kehle,
da spürst du sie,
da spürst du sie,
Die Leichtigkeit des Seins…
Die Leichtigkeit des Seins…

Und dann kommt da so ein traumhafter Tag, so ein sonniger 21. Mai in Schönstatt auf`m Berg, und der hat so gar nichts von Last und Schwere und Aktenordnern voller Chroniken eines Goldenen Jubiläums, sondern Leichtigkeit wie  50 rote Luftballons, leichte Dekoration in grün und natur überall,  Limonadeflaschen zum Anstoßen, Kinder mit Bauarbeiterhelmen und gut 900  Gästen, die unbeschreiblich leicht durch dieses Fest zu gehen oder fast zu schweben scheinen.

„Leichtigkeit“ – ein Wort, das während und nach dem Fest bei denen, die es geplant und durchgeführt haben und bei denen, die einfach so dabei waren, immer wieder fällt. „Eine ganz neue Leichtigkeit“, sagt einer und bezieht sich dabei auf den Moment, als die Spätzle ausgehen. Wie bitte? „Und als dann eine Mitarbeiterin mit strahlendem Gesicht allen in der Schlange zuruft, wer Asiapfanne oder Salatteller möchte, könne schon kommen, das sei so lecker!“

Fünfzig  rote Luftballons

Gab es eigentlich einen Plan B für Regen? Keine Ahnung, gemerkt hat man nichts davon, und irgendwo war einfach klar, dass dieses Fest mit Sonnenschein beginnen und enden würde, Regengüsse an den Tagen zuvor hin und her. Und so finden sich um 10.00 Uhr auf dem Platz vor dem Heiligtum immer mehr Menschen ein („Als wir so gedrängt da standen, da wusste ich, es werden mehr als die angemeldeten 300“, so Erwin Hinterberger später) und freuen sich einfach, da zu sein – von den Allerjüngsten in den Armen ihrer Eltern bis zu Menschen, die die 80 Jahre weit hinter sich gelassen haben. Sie haben die Geschichte des Heiligtums im Herzen – 50 Jahre oder erst ein paar Tage, wie Weihbischof Michael Gerber später in der Predigt sagt.

„Damals und heute“: Jugendliche und Kinder stellen nach einer kurzen einführenden Begrüßung durch Familie Hinterberger dar, welche Kräfte damals beim Bau des Heiligtums wirksam waren und wie Heiligtum heute gelebt wird – an diesem Ort und in den vielen Haus- und Herzensheiligtümern wie an den Orten, wohin die Pilgernde Gottesmutter von hier aus kommt. Am Schluss steigen 50 rote Luftballons ganz leicht in den Himmel, Luftballons in Herzform, und als die an die Vorderfront des Heiligtums „stubsen“, sagt jemand: „Ich will die jugendlichen Herzen an mich ziehen.“ Dank Spende des regionalen Bier- und Limonadeherstellers gibt es dann für jeden eine Flasche Jubiläumslimonade, und – Leichtigkeit! – auch Leute, die in ihrem Leben noch nie aus der Flasche getrunken haben, tun es, weil die Kinder ihnen die Flaschen so strahlend lächelnd anbieten.

Einfach das machen, woran man Freude hat, oder auch einfach nur im Festklima sein

„Ich konnte es ja gar nicht fassen“, sagt Margit Reich, wieder für alles rund um Verpflegung engagiert. „Da waren die ersten schon um 11.00 Uhr da und wollten Rollbraten mit Spätzle!“ Und manche gingen dann bis zur Messe gar nicht mehr dort weg, wo man so lecker essen, entspannen und mit interessanten Leuten reden kann, ohne dauernd auf die Uhr schauen zu müssen.

Hätte man ihn nicht beim vielbesuchten Podiumsgespräch gesehen, nach seinen eigenen Aussagen bei der Predigt und denen vieler anderer würde es so aussehen, als habe sich Weihbischof Michael Gerber aus Freiburg, seit vielen Jahren mit Memhölz verbunden, in der Zeit zwischen Auftakt und Messe (statt Alternativprogramm passt viel besser Leichtigkeitszeit) vor allem beim Kinderprogramm aufgehalten!

Für andere ist die Zeit der Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, die schon am Abend zuvor begonnen hat und durch die ganze Nacht und bis zum Schluss des Festes weiterging, ihr Fest. „Solche Zeiten der Anbetung und des Gebetes habe ich sonst oft in Schönstatt vermisst“, sagt Michael Plitzner aus Füssen. Jetzt hat er mit seiner Frau Michaela diese Anbetungszeit und die unglaublich lebensmäßigen, authentischen Fürbitten der heiligen Messe mitvorbereitet und ist sehr glücklich.

Nicht nur die Kinder genießen den gerade zum Fest fertiggewordenen Teil des neuen Spielplatzes. Ein neuer Platz zum Sitzen und Genießen der Aussicht ist dabei gleich mit entstanden. Leichtigkeit…

Ein Paar kommt zum Essen und geht dann einfach wandern. „Zur Messe sind wir dann zurück, es ist so locker hier, das gefällt uns.“

Andere genießen Einzelsegen und Beichtgespräche, interessante Podien und „Treffpunkte“ zu Themen wie Vaterstudium, Kirche im Herausgehen, Heiligtum in Beruf und Familie … oder gehen ausgiebig, entspannt und erfolgreich im „Lädele“ einkaufen.

Aus dem Besten in mir für das Beste in dir

Aus dem Besten in mir für das Beste in dir – das Festmotto durchzieht den ganzen Tag, auch in einer gewissen Leichtigkeit. Es geht um das Herzensheiligtum, und die Realität von Heiligtum nicht nur drinnen in der Kapelle, sondern überall da, wo man eben gerade ist. Nicht als Zufluchtsort vor der bösen Welt, sondern dynamisch, verändernd, weltgestaltend.

Hier in diesem Heiligtum wird Geschichte geschrieben, sagt Weihbischof Gerber, hier wurden und werden Lebensentscheidungen getroffen, entstehen Berufungen. Er verweist auf die Ostererfahrungen der jungen Kirche.

Die Gemeinde in Jerusalem ist dort zusammengeblieben, hat miteinander gebetet, sich an Jesus erinnert, hat Kirche so gelebt, wie sie es kannten. Dann kam die Verfolgung, sie wurden zerstreut, und statt in Depression zu verfallen, haben sie dies als Impuls genommen, um herauszugehen, aufzubrechen. Was die Kirche heute brauche, sei eine Pädagogik, die den Menschen dazu befähigt, aufzubrechen, statt aufzugeben, wenn etwas Bekanntes und Vertrautes und Sicheres zerbricht.

Und dann geht Philippus ausgerechnet nach Samaria. Keine gute Adresse im strengen Judentum, steht es doch für die Spannung zwischen dem einen und einzig wahren Heiligtum in Jerusalem und den vielen Heiligtümern der ganz unterschiedlichen Gotteserfahrung. Es gibt dieses Heiligtum in Memhölz, aber es gibt darum herum die vielen anderen, wie man so schön an dem Weg vom Parkplatz herauf zum Heiligtum sehen kann, wo die Pfarreiheiligtümer und Bildstöcke im Bistum dargestellt werden; es gibt die Hausheiligtümer, die Orte der Pilgernden Gottesmutter, die Menschen, die zum Heiligtum geworden sind.

Predigt zum Nachhören

Eine Botschaft von diesem Fest, bekräftigt am Ende der Messe mit Segen und Sendung, hinein ins Land, heraus zu den Menschen, mit dem Einsatz der Generation, die dieses Heiligtum mit eigenen Händen gebaut hat und von denen einige das Fest mitfeiern können, und mit der Begeisterung der Jugend, die dieses Fest wesentlich mitgetragen hat und vielleicht dann beim 100jährigen davon erzählt, dass es damals, 2017,  ein Fest gab voller Leichtigkeit.

 

Viele Fotos voller Leichtigkeit
Memhölz 50 Jahre

Lust bekommen auf Memhölz? Mehr auf der pünktlich zum Fest rundum neu gestalteten Homepage

www.schoenstatt-memhoelz.de

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