Veröffentlicht am 23. Januar 2017 In Leben im Bündnis

Ein Heiligtum, Wind und Meer ausgesetzt – ein Heiligtum an der Peripherie

ARGENTINIEN, Pfr. Egon M. Zillekens, Pfr. Alejandro Blanco, Maria Fischer

„Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.  Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.  Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.  43 Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt“ (Lk 1, 39-40)?

Wer bin ich, dass die Bundespriester zu mir kommen?

Es war nicht Maria, die sich auf den Weg machte, sondern  Rektor Egon M. Zillekens, Pfr. Benno Riether und Pfr. Alejandro zusammen mit zwei weiteren Bundespriestern, und sie eilten auch nicht in eine Stadt im Bergland von Judäa, sondern nach Comodoro Rivadavia, einer Stadt in Patagonien, wo das südlichste Heiligtum der Welt steht, das Heiligtum des Meeres und des Friedens von Comodoro Rivadavia. Doch die Reaktion der kleinen Schönstattfamilie von Comodoro Rivadavia hatte etwas von der der Elisabet, irgendwo zwischen Freude und Erstaunen über den Besuch von fünf Schönstattpriestern auf einmal. Und obwohl die Nachricht davon nur sehr kurzfristig gekommen war und das mitten in den Sommerferien, eilten sie alle herbei, um die Priester zu begrüßen und bei der heiligen Messe dabei zu sein, die diese im Heiligtum feiern würden.

Von Pico Truncado, etwa 200 km südlich von Comodoro Rivadavia gelegen kommend, nahmen die fünf Priester sich Zeit für diese kleine und etwas vergessene Schönstattfamilie. „Wenn wir in Europa an Lateinamerika denken, denken wir an Bolivien oder Kuba, oder wir denken an ein Schönstatt mit großen Zahlen in großen Städten … Ich zumindest war mir nicht bewusst, dass es hier aus ein Schönstatt gibt mit wenigen Leuten in etwas vergessenen Gegenden, wie diese kleine Schönstattfamilie an diesem Heiligtum“, so Rektor Egon M. Zillekens. Alle waren überglücklich, vor allem Señora Julia mit ihren über 90 Jahren, die immer noch diese kleine Familie koordiniert. Sie war viele Male in Schönstatt, trägt die ganze Geschichte dieses Heiligtums im Herzen und glaubt unerschütterlich an die Sendung dieses Heiligtums am Ufer des Meeres …   Da waren auch Inés und Daniel, ein Ehepaar, das die Sendung Schönstatts weiterträgt, und einige andere, die stolz alles zeigten, was es in diesem Heiligtum und rundherum gibt.

Ein Heiligtum im offenen Raum

Das Tagesevangelium war wie gemacht für diesen Besuch – die Geschichte von Jesus und seinen Jüngern am Ufer des Sees von Galiläa (vgl. Markus 3, 7-12). Dieses Heiligtum am Ufer des Atlantischen Ozeans gibt den Blick frei auf den Horizont, einen Blick über die schier unendliche Weite des Wassers. Dieses Heiligtum, von dem aus die Dreimal Wunderbare Mutter freien Meerblick hat, lädt ein, hinauszufahren in die Weite.

Und es ist ein dem für diese Gegend so typischen heftigen und ständigen Wind und dem Wasser ausgesetzt, ein Heiligtum im ungeschützten freien Raum, ein Heiligtum an der Peripherie.

Die Stadt Comodoro Rivadavia ist bei einem sehr trockenen, fast wüstenhaften Klima die Stadt mit dem stärksten Wind auf dem argentinischen Festland – 40 Stundenkilometer durchschnittlich, bei den häufigen Unwettern über 100 Stundenkilometer).

Schönstatt ist in dieser Stadt von Wind und Meer im Jahr 1978 entstanden; für die Schönstattfamilie ist das Gründungsdatum der 15. September 1979, der Tag, als in der Kathedrale St. Johannes Bosco – der einzigen Kathedrale weltweit, die dem Gründer der Salesianer und Patron der katholischen Presse wie Patagoniens geweiht ist –  das Bild der Gottesmutter von Schönstatt angebracht wurde.

Die Bewegung ist hier entstanden durch den Einsatz eines jungen Laien aus Buenos Aires, Roberto Horat, der aus Liebe zu Schönstatt und der Pädagogik Pater Kentenichs sich entschied, hier eine Schönstattfamilie zu gestalten. Während der Feiern zum 100.Geburtstag Pater Kentenichs im Jahr 1985 hatte Roberto Horat eine Begegnung mit Pater Alex Menningen, der, nachdem er die Geschichte der Schönstattfamilie von Comodoro Rivadavia gehört hatte, sich entschloss, das MTA-Bild für das künftige Heiligtum zu stiften. Handschriftlich taufte er darauf dieses Heiligtum, das noch nur in den Herzen existierte, „Heiligtum des Meeres und des Friedens“.

Dieses Heiligtum ist nicht nur Meer und Wind, sondern auch den Menschen ausgesetzt, allen, immer – und nicht alle kommen immer mit guten Absichten. Das Heiligtum wurde beschädigt, in Brand gesetzt, profanisiert. Das ist ein Grund für Schmerz und Trauer in der kleinen Schönstattfamilie. Trost sind die Worte von Papst Franziskus: „Wir müssen herausgehen aus uns selbst an die existentiellen Peripherien. Eine Kirche, die nicht herausgeht, wird über kurz oder lang krank in der stickigen Atmosphäre ihres Eingeschlossenseins. Es ist auch wahr, dass einer Kirche, die herausgeht, das gleiche passieren kann was jedem Menschen, der auf die Straße geht: sie kann verunglücken. Aber angesichts dieser Alternative möchte ich frei heraus sagen, dass mir eine verunglückte Kirche tausendmal lieber ist als eine kranke. Die typische Krankheit der in sich selbst verschlossenen Kirche ist ihre Selbstreferenz; sie schaut auf sich selbst, ist ständig über sich selbst gebückt wie jene Frau des Evangeliums. Das ist eine Art Narzissmus, der uns zur spirituellen Weltlichkeit führt und zum affektierten Klerikalismus und uns dann darin hindert, die tröstliche und schöne Freude des Evangelisierens zu erfahren“ (Brief von Papst Franziskus an die 105. Bischofsversammlung Argentiniens).

Bindungen schmieden

Die Priester des Priesterbundes aus Deutschland und La Plata, Argentinien, kamen nach einer Reise von Coyhaique im chilenischen Patagonien ins argentinische Patagonien, einer langen Fahrt durch diese endlos weite, karge Landschaft, die dem starken  Wind dieser südlichen Gegenden ausgesetzt ist, einer Landschaft mit wenigen Menschen und mit Tieren, die man nur hier trifft – wie dem Guanako oder dem Ñandú, dem patagonischen Strauß.

Sie besuchen in diesen Tagen zwei Bundespriester, die in Patagonien leben, und wohnen dabei im Pfarrhaus von einem der beiden in Pico Truncado, einer Ölstadt im Norden der Provinz Santa Cruz. Es ist ein großes Gebäude, das früher den Salesianern gehört hat und genügend Platz für Besucher hat. Der Pfarrer hier und der andere Bundespriester sind die Mitglieder des Priesterbundes, die am weitesten entfernt von all den anderen leben, und darum wollte Rektor Egon Zillekens sie besuchen und ein paar Tage mit ihnen verbringen. So werden Bindungen geschmiedet, diese Bindungen, die ein Leben an der Peripherie und in der Härte einer Landschaft, die der Unbarmherzigkeit des Klimas und der pastoralen Herausforderungen heute ausgesetzt ist, möglich macht. Das Schönstatt im Herausgehen hängt ab von einem Schönstatt starker, solidarischer, herzlicher Bindungen.

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