Veröffentlicht am 17. September 2016 In Leben im Bündnis

Mit Maria eine neue, dynamische Kirche: Jahrestreffen der italienischen Schönstatt-Bewegung in Belmonte

ITALIEN, Roma – Belmonte, Maria Fischer •

„Eigentlich hätten wir den Termin verschieben müssen, eigentlich gehörten wir alle heute auf den Petersplatz“: zu spät ist den Verantwortlichen klargeworden, dass der traditionelle Termin des Jahrestreffens der italienischen Schönstattfamilie am ersten Sonntag im September mit dem Termin der Heiligsprechung von Mutter Teresa zusammentrifft. Ein gewisses Bedauern bei vielen und deutlich weniger Teilnehmer als sonst, vor allem in Blick auf Gäste aus dem weltkirchlichen Rom, sprechen an diesem Sonntag, 4. September, von der zu späten Erkenntnis. „In Zukunft stelle ich mir vor, dass wir hier in Belmonte solche Ereignisse der Weltkirche aktiv begleiten, sie mitfeiern“, so der zukünftige Rektor, Marcelo Adriano Cervi, „Mit der Kirche fühlen, feiern, danken, leiden – auch dafür soll Belmonte stehen!“

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Toskana kommt mit Fahne

Das Treffen, mit dem nach der Sommerpause die Schönstattarbeit wieder beginnt, hat in diesem Jahr einige besondere Momente: die Europa-Auxiliar, die ab diesem Sonntag erneut Italien besucht, ist zugegen, der zukünftige Rektor von Belmonte, P. Marcelo Cervi hält den Vortrag, zum ersten Mal sind Teilnehmer aus dem hohen Norden Italiens, aus Trient, dabei, aus Brasilien sind Terezinha und Nivaldo Abram, die erste „Wächterfamilie“, gekommen, und Davide Russo stellt über Facebook einen Livestream der gesamten Veranstaltung zur Verfügung.

Und dann kommen die Teilnehmer aus vielen Teilen Italiens. Die Delegation aus der Toskana zieht mit einer schönen Fahne mit dem Bild der Gottesmutter von Schönstatt ein. Sehr viele kommen aus Rom und Umgebung, aber auch aus Apulien ist eine ansehnliche Gruppe gekommen. Mehr als ein Dutzend Bilder der Pilgernden Gottesmutter stehen auf der Balustrade in der Eingangshalle des Domus Pater Kentenich und bilden einen schönen Hintergrund zu Vorträgen und Zeugnissen.

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International und voller Geschichten

Rom ist Zentrum der Weltkirche, und die Treffen der italienischen Schönstatt-Bewegung sind immer international geprägt. Da ist Gisela Ciola, mit ihrem Ehemann Paolo zum ersten Mal dabei. Sie ist Argentinierin, vor vielen Jahren ausgewandert – und hat aus ihrer Heimat Schönstatt und die Pilgernde Gottesmutter mitgebracht. Und nun entsteht in Trient Schönstatt – und Gisela sucht auch auf diesem Treffen Leute, die ihr bei der Vorbereitung anderer zum Liebesbündnis helfen. Oder Padre Valentino aus Uruguay, der zurzeit in Rom studiert: er hat im Heiligtum von Nueva Helvecia sein Liebesbündnis geschlossen. Schönstatt kennengelernt hat er, als er in Montevideo in eine Pfarrei kam, in der die Schönstattjugend stark war. „Dann haben sie mich eingeladen, mit ihnen die Bündnismesse zu feiern, ihr Liebesbündnis entgegenzunehmen, sie haben mir Bücher geschenkt über Schönstatt … und sie haben mich überzeugt und gewonnen!“ Da ist die Frau aus Ecuador, die lange in Venezuela gelebt hat und um Gebet für dieses gepeinigte Land bittet. Da ist P. Rolando Montes, Bundespriester aus Kuba, der nachmittags dazukommt und gleich an der Tür mit der Bitte „überfallen“ wird, doch die Beichte entgegenzunehmen. „Das ist meine erste Beichte in Italienisch“, sagt er etwas unsicher. Er ist erst seit zwei Wochen in Rom. „Macht nichts“, erklärt sein Beichtkind. „Ich kann ja Italienisch und ich will wirklich beichten.“ Padre Rolando kommt aus dem improvisierten Beichtraum ziemlich lange nicht mehr heraus, da es sich schnell rundspricht, dass es man heute doch beichten kann!

Am Schluss des Festes gibt es eine schlichte „missionarische Aussendung“ im Heiligtum. P. Rolando hat seine Pilgernde Gottesmutter daheim in Kuba gelassen, weil die Menschen sie dort ja weiter brauchen. Ein Vollblut-Missionar der Pilgernden Gottesmutter ohne Pilgermutter? Irgendwann im Laufe der Messe hat die Gottesmutter so heftig ans Herz einer Missionarin geklopft, dass die kleine Pilgermutter, die seit ein paar Tagen im Heiligtum steht, für die nächsten drei Jahre den Besitzer wechselt.

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Die Mission von Belmonte

P. Marcelo Adriano Cervi, der zukünftige Rektor von Belmonte, spricht in seinem Vortrag über die Einladung des Heiligen Vaters, eine Kirche im Herausgehen zu sein, im Herausgehen zu den Menschen – und dass dafür auch Belmonte mit seiner Mission stehe. Und das habe zu tun mit Pater Kentenich, mit Belmonte und der Kirche.

  • Pater Kentenich, so P. Cervi, habe der Kirche nicht nur die Liebe zu Maria geschenkt, sondern auch eine neue Vision des Lebens von aktiven Vorsehungsglauben her. Heute reiche es nicht, einfach irgendwie zu glauben – wir müssten an den persönlichen barmherzigen Gott glauben, der konkret mit meinem Leben zu tun hat. Dass Josef Kentenich selbst erleben musste, keinen Vater zu haben, hat ihm die Lebenssendung gegeben, für viele ein Vater zu sein – und zwar nicht nur eine Idee von Väterlichkeit, sondern ein realer Vater. Er habe im Konzentrationslager Dachau die Priester zum Träumen gebracht, zum Träumen von einer neuen Welt, und habe dort, ausgerechnet dort, die Schönstätter Internationale gegründet, denn Schönstatt sollte eine Bewegung nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt sein. Die Kirche habe ihn lange Zeit hinweg nicht verstanden, habe ihn sogar 14 Jahre lang ins Exil geschickt – und dann habe er auf seinem Grab nur zwei Worte haben wollen: Dilexit Ecclesiam, er liebte die Kirche.
  • Belmonte sei das Geschenk der gesamten Schönstatt-Bewegung an Pater Kentenich nach seiner Rückkehr aus dem Exil. Doch es gehe nicht um ein Heiligtum und ein schönes Haus, sondern um das Symbol für die Mission Schönstatts für die Kirche, für die Aufgabe, die Originalität Schönstatts der Kirche anzubieten und ihr so zu dienen. Zentral sei dabei die atemberaubende Vision Kentenichs von der Kirche – von einer einfacheren, menschlicheren, brüderlicheren Kirche, einer Kirche im Herausgehen aus ihren Komfortzonen, einer Kirche, die dort sein will, wo die Menschen im materiellen und menschlichen Elend leben. Wie aber erfährt die Kirche von dem, was Schönstatt anbieten kann? Sicher nicht durch Werbespots. Sondern indem sie erlebt, wie etwa das neidfreie, machtsuchefreie Zusammenleben und –wirken der verschiedenen Gemeinschaften Schönstatts funktioniert und Synergien schafft und so eine Vorstellung davon entsteht, wie ein Apostolischer Weltverband, ein Zusammenarbeiten aller apostolischen Kräfte zum Wohl der Menschen, gehen kann.
  • Eine Kirche für den heutigen Menschen, mit dem heutigen Menschen sei die große Herausforderung, die ein P. Kentenich schon erkannt habe und um die es einem Papst Franziskus heute gehe. Es gebe heute nicht mehr die sichere christliche Gesellschaft. Die einen reagierten darauf mit der Tendenz zum Rückzug in Festungen und Rigorismus. Das sei aber nicht die Reaktion Schönstatts, sondern diese sei, mit Freude in neuen Worten und Formen den Menschen die Wahrheiten Gottes anzubieten. Das Liebesbündnis sei die Medizin für Menschen: denen, die keinen Sinn finden, biete es den Vorsehungsglauben; denen, die Mauern bauen und keine Solidarität leben oder erfahren, die Bündniskultur, und denen, die im Materialismus versinken, die echte Freude am Leben.

Zu groß für uns? Keineswegs, so P. Marcelo, und verwies auf Mutter Teresa und ihre Größe im Dunkel des Glaubens und auf Joao Pozzobon, das „Eselchen“, das „die Gnade hatte, den Ursprung zu verstehen.“

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Strahlende heilige Messe

Nach dem Mittagessen und während des wegen der schwülen Hitze im Haus gebeteten Rosenkranzes kommen immer mehr Menschen dazu – viele von ihnen waren am Morgen bei der Heiligsprechung gewesen und bringen etwas mit von diesem strahlenden Ereignis, einem der Höhepunkte des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Das kurze Zeugnis von Ehepaar Abram und ein italienisch synchronisierter Film über Joao Pozzobon bilden das weitere Programm.

Fünf Priester aus den vier Schönstatt-Priestergemeinschaften und fünf Ländern konzelebrieren die von einem Chor und einer Musikgruppe unter der Leitung von Schwester Giulia gestaltete heilige Messe: P. Daniel Lozano als Hauptzelebrant, P. Marcelo Cervi (Institut), P. Rolando Montes (Bund), P. Heinrich Walter (Schönstatt-Patres) und P. Valentino (Liga). Argentinien, Brasilien, Kuba, Deutschland, Uruguay.

Wir seien Werkzeuge, die Gott so benutze, wie er es braucht – auch und gerade in unserer menschlichen Schwäche, erklärt Rektor Daniel Lozano in der Predigt und erinnert daran, dass die Königin von Belmonte im Heiligtum uns befähigt, Jünger und Apostel des Herrn zu sein.

Dort im Heiligtum ist dann auch der Abschluss des Tages mit dem Segen und der Erneuerung des Liebesbündnisses … das heißt, nicht ganz, denn das Wichtigste kommt noch: diese lange, ungezwungene Zeit des Redens und Austauschens, die man „Verabschieden“ nennt.

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Fotos: Maria Fischer, Davide Russo

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