Veröffentlicht am 2016-07-06 In Leben im Bündnis

Überraschende Begegnung mit Zeugen der Einheit

DEUTSCHLAND, von Weihbischof Dr. Michael Gerber •

Die letzte Eucharistiefeier in einer künftig nicht mehr genutzten Kirche ist ein trauriger Anlass. Doch führte eben diese Feier daneben auch zu einer ganz unverhofften Perspektive…

Über 60 Jahre diente das Spätberufenenseminar St. Pirmin in Sasbach bei Achern dazu, jungen Männern das Abitur zu ermöglichen. Ca. 160 von ihnen wurden Priester. Darunter auch die Schönstattpatres Heinrich Walter, Franz Widmaier und viele andere. Inspiriert durch den damaligen Jungmännerpater Tillmann Beller kamen sie in St. Pirmin erstmalig oder vertieft mit der Welt Schönstatts in Berührung. So mancher spätere Schönstattpater oder Verbandpriester hat in der Hauskapelle des Seminars wichtige Lebensentscheidungen getroffen. Ein wertvoller Ort der Berufung also auch für die Schönstattbewegung. Am Vorabend des Hochfestes Peter und Paul fand in dieser Kapelle letztmalig eine Eucharistiefeier statt. In den vergangenen Jahren war die Zahl der Seminaristen dieses „kleinen Seminars“ derart zurückgegangen, dass die auf diözesaner Ebene Verantwortlichen die Schließung verfügten. Für viele Menschen, die mit dem Seminar verbunden sind, war dies ein sehr trauriger Anlass. Als wichtiger kirchlicher Schulort bleibt Sasbach freilich erhalten. Die mit St. Pirmin verbundene und einige Jahrzehnte ältere „Heimschule Lender“ beherbergt über 1000 Schülerinnen und Schüler. Darunter bis zur Stunde auch solche, die sich in der Schönstattjugend engagieren.

Woher stammt das Reliquiar von Vinzenz Pallotti?

Als Zeichen dafür, dass an anderen Orten kirchliches Leben und die Sorge um Berufungen weitergehen, sollten am Ende der Eucharistiefeier wichtige Gegenstände an Vertreter solcher Orte weitergegeben werden. Bei der Inventur zuvor fand sich auch ein Reliquiar von Vinzenz Pallotti. Keiner wusste so genau, wie diese Reliquie nach Sasbach gekommen war. Aufgrund der Bedeutung, die Vinzenz Pallotti für die Schönstattbewegung hat, lag es nahe, angesichts der Auflösung der Kapelle diese Reliquie dem wenige Kilometer entfernt liegenden Schönstattzentrum in Oberkirch anzuvertrauen.

Unmittelbar vor der Übergabe löste sich das Rätsel um die Herkunft des Pallotti-Reliquiars. Ein „Beipackzettel“ berichtete davon, dass einst einem damaligen römischen Brauch entsprechend der spätere Kardinal Bea das Reliquiar bekommen hatte für seine Verdienste um die Heiligsprechung von Vinzenz Pallotti. Der aus dem badischen Riedböhringen stammende Augustin Bea war ebenfalls Gymnasiast in Sasbach gewesen und stattete – inzwischen Kardinal geworden – seiner alten Schule 1961 einen Besuch ab. Dabei schenkte er dem damals gerade neu gegründeten Spätberufenenseminar diese Reliquie.

„Miteinander für Europa“ im Blick

Für die bei der Schließung des Seminars anwesenden Schönstätter wurde die Feier so auch zu einer Begegnung mit Vinzenz Pallotti und Augustin Bea. Von Vinzenz Pallotti hat die Schönstattbewegung unter anderem den Auftrag des Weltapostolatsverbandes geerbt. Kardinal Bea als Pionier der Ökumene steht auch für den Prozess der kirchlichen Anerkennung der Schönstattbewegung und damit die Mitverantwortung Schönstatts für den Weg der Kirche im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil. Es war, als ob beide große Gestalten der Kirchengeschichte sich wenige Stunden vor Beginn des Münchener Kongresses „Miteinander für Europa“ (www.together4europe.org ) sich noch einmal sehr bewusst einschalten wollten auch in diesen aktuellen Vorgang.

Dankbar nahmen der einstige Sasbacher Schüler und heutige Diözesanleiter der Schönstattbewegung, Pfarrer Lukas Wehrle und die heutige Schülerin und Mitarbeiterin in der MJF, Johanna Gerber, das Reliquiar in Empfang. Der Ort der Berufung so vieler Schönstätter wurde nochmals zum Ort, an dem die Berufung Schönstatts für Einheit und ein Miteinander deutlich wurde.

Pallotti-Reliquie 1

Fotos: Roland Spether

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