Veröffentlicht am 31. Januar 2016 In Leben im Bündnis

Sie haben Ihr Ziel erreicht! – Eine App zu den 200 Heiligtümern der Welt

CHILE/WELT, von Alberto León und Maria Fischer

“Sie haben Ihr Ziel erreicht“, sagt die Stimme des Navigationsgerätes mit fester Überzeugung. Aber von meinem Ziel sehe ich absolut nichts. Ich weiß ja, dass die Schönstatt-Heiligtümer nicht so groß sind und manchmal auch etwas versteckt liegen. Aber hier, mitten auf dem zentralen Platz dieser Stadt ist wirklich weit und breit kein Heiligtum zu sehen … und es liegt nicht an meinem Navi, dass ich hier gestrandet bin. Sondern daran, dass ich mich auf die GPS-Daten in der bisher besten Quelle für Informationen zu den Schönstatt-Heiligtümern der Welt – dem Dienst  santuarios.schoenstatt.de –verlassen habe, bei dem nun einmal viele der Daten einfach in die Stadtmitte führen und nicht zu den Heiligtümern dort. Pech.

„Wo liegt das Heiligtum von Costa Rica“, fragt ein Schönstatt-Pilger-Tourist im Service von schoenstatt.org. „Es gibt noch keines“, antworten wir wie schon so oft zuvor, genauso wie denen, die nach der Adresse des Heiligtums von San Francisco oder in Kenia fragen. Da gibt es noch kein Heiligtum. Aber woher sollen die es auch wissen? – „Ich bin gerade in Nordfrankreich, im Auto, wie komme ich denn von hier aus zum Heiligtum in Cambrai?“ Eine Frage auf Französisch, angekommen frühmorgens europäischer Zeit. Wer im Team kann Französisch, ist gerade online und kann auch noch beschreiben, wie man zu dem Heiligtum kommt, das alle als „Heiligtum von Cambrai“ kennen, das aber bei Thun Saint Martin liegt?

„Wieviele Heiligtümer gibt es weltweit?“ – „Ich bin Schülerin der Schule in Londrina und brauche die Fotos aller Heiligtümer  für eine Schularbeit, könnten Sie mir die schicken?“ – „Wir sind gerade im Urlaub in Viña del Mar, welches Heiligtum ist am nächsten von unserem Hotel?“ – „Ich mache eine Tour durch Indien und möchte so viele Schönstatt-Heiligtümer wie möglich besuchen, wie finde ich die?“ – Irgendwie ist es kein Wunder, dass die meistbesuchte Seite des Internationalen Schönstatt-Zentrums in Rom die mit der Wegbeschreibung ist.

Die Projekte Schönstatts entstehen im Dialog mit den Stimmen der Zeit. Die Apps und virtuellen Dienste, so scheint es, entstehen im Dialog mit den Seelenstimmen.

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Verregneter Urlaub und eine Weltkarte der Heiligtümer

Es war Pedro Lázaro aus Iquique, Chile, der im vergangenen Jahrhundert (ja, im Jahr 1999) angefangen hatte, eine erste Liste der Heiligtümer der Welt auf seine Internetseite zu stellen – Frucht einer akribischen Forschung in Zusammenarbeit mit dem Team von schoenstatt.org nach Adressen, Sendung, Einweihungsdatum … Damals war es allerdings noch nicht so einfach wie heute, mit Google Earth nach Heiligtümern zu suchen, und das bei Internetverbindungen im Schneckentempo! Einige Zeit später schuf Heinrich Brehm vom (damals internationalen) PressOffice Schönstatt in Schönstatt eine Seite, die leichter zu bedienen war – die schon erwähnte santuarios.schoenstatt.de – mit den Daten aller und den Koordinaten vieler Heiligtümer, aufgrund von fehlenden Informationen und Überprüfungen allerdings oft nicht korrekten.

Erst im Jahr 2014 tauchte etwas Neues auf – eine Weltkarte der Heiligtümer (und einiger Bildstöcke), zusammengestellt von Matías Fortuño aus Chile –und ein paar verregneter Urlaubstage von Gertrud und Norbert Jehle aus Deutschland, die Gertrud zum Zusammenstellen eines Fotobuches nutzte und Norbert für die Suche nach Heiligtümern. Mit Geduld und festem Entschluss suchte er in Google Earth ein Heiligtum nach dem anderen, ausgehend von den Daten auf der Weltkarte aus Chile, um die Koordinaten zu bestätigen und wo nötig zu korrigieren. „Irgendwann weiß man dann, wie ein Heiligtum von oben aussieht! Und ich habe die Markierung vor die Tür des Heiligtums gesetzt, nicht aufs Dach, das würde ja sonst das Heiligtum verdecken!“

„Die Daten sind genial, herzlichen Dank. Ich lade sie diese Woche hoch“, antwortete Matías Fortuño, der früher bei der UNO im Bereich georeferenzierter Informationen gearbeitet hat.

„Die Karte, die ich bei Google zusammengestellt habe, war zeitweilig zur Bearbeitung freigegeben, aber dann haben die Leute die Heiligtümer irgendwohin geschoben, wo sie nicht hingehörten, sogar in den Ozean! Darum habe ich die Bearbeitung geschlossen, aber den Kontakt offen gelassen“, so Matías Fortuño.

Über die Facebookseite der Zeitschrift Vínculo, wo die Weltkarte der Heiligtümer verlinkt war, kamen dann Korrekturen, Daten weiterer Heiligtümer und auch die von einigen Bildstöcken und Wegrand-Heiligtümern, die damit auch auf die Karte kamen.

In Teamarbeit zwischen Chile und Deutschland, teilweise mit Unterstützung von Mitarbeitern aus dem Team von Schoenstatt.org ging es an die Suche nach Heiligtümern, die wie das in Jaragua, Brasilien, etwa, so unter Bäumen versteckt sind, dass sie auf den Satellitenbildern nicht zu sehen sind (Cassio Leal musste zu diesem Heiligtum hinfahren, um die GPS-Daten zu ermitteln) oder das von Paso Mayor mitten im Nichts und ohne irgendwelche Adressangaben (ein Heiligtum, das nicht auf allen Listen geführt wird, das eingefügt wurde, weil es auf den Listen Argentiniens als Filialheiligtum geführt wird, auch wenn es nicht originalgetreu ist), oder Heiligtümer, von denen man nur weiß, dass es sie in oder in der Nähe einer Stadt geben muss, wie manche in Indien …

Nebenher legte Norbert Jehle eine Datei an, mit der die Positionen der Heiligtümer als POI (Point of Interest) in Navis geladen werden können … Wer die Daten in seinem Navi hat, fährt über die Straßen der Welt und bekommt zwischen Tankstellen, Hotels und Sehenswürdigkeiten auf dem Display des Navi auch die Schönstatt-Heiligtümer angezeigt.

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Mein Heiligtum: die App

Screenshot_2016-01-03-16-28-01Im Dezember setzte sich dank der Vermittlung von Carmen Rogers Alberto León aus der Studentenbewegung des Providencia-Heiligtums in Santiago und Gründer der dortigen Schönstatt-Mannesjugend, mit schoenstatt.org in Verbindung, um sein neuartiges Projekt vorzustellen: eine App der Schönstatt-Heiligtümer!

Darauf gekommen war er beim Programmieren einer App namens „Tu Misa“, die den Nutzer zielsicher zur nächstgelegenen Pfarrkirche mit ihren Messzeiten oder zur zeitlich nächstgelegenen Messe in einer Kirche in so und so viel Kilometern Entfernung bringt. So etwas brauchen wir für Schönstatt, dachte er … und fing mit der Arbeit an, die weniger war als gedacht, da er auf die Daten von Matías Fortuño und Norbert Jehle zurückgreifen konnte. Schönstätter vernetzen …

Machen wir sie auch in anderen Sprachen? Klar! Dann brauchen wir aber Übersetzungen… „Machen wir.“ Und ein paar Tage später hatte Alberto die Übersetzungen ins Portugiesische, Englische und Deutsche. Am 2. Februar meldete Claudia Micini: Italienisch fertig!

Machen wir es mit Fotos? Ein Probelauf mit den Fotos einiger Heiligtümer, und die Entscheidung ist klar: mit Fotos!, und so geht die Bitte an alle Kontakte heraus: Schickt die schönsten Fotos von eurem Heiligtum!

Mit kompletter Adresse oder nur GPS-Daten? Da, wo wir die Adressen haben, schreiben wir sie auch dazu … und der nächste Ruf nach Mitarbeit geht ins Land, diesmal an die Mitarbeiter von schoenstatt.org und die Kontakte der beiden Chilenen, Alberto und Matías: Wer kann mithelfen, Adressen einzutragen?

Findet Heiligtümer!

Screenshot_2016-01-03-16-27-35Von den 200 Heiligtümern weltweit fehlen die GPS-Daten nur noch von diesen

  • Betzdorf, Deutschland
  • Mutumba, Burundi
  • Isingiro, Tansania
  • Aloor, Indien
  • San Francisco de Macoris, Dominikanische Republik
  • Chilapa, Mexiko
  • Irinyalakuda, Indien
  • San Luís Potosí, Mexiko – am 19.01. gefunden!
  • Bangalore, Indien
  • Thrissur, Indien

Daten bitte senden an: [email protected] (nur verifizierte GPS-Daten).

Wer mit Adressdaten (Straße, Ort…) der Heiligtümer seines Landes oder anderer helfen kann, melde sich bei der gleichen Adresse – dann gibt es die Zugangsdaten zur Dropbox, um dort die Daten direkt einzugeben. Die Adressen von Chile, Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien und Spanien sind schon komplett.

Schickt uns Fotos!

Wir haben schon eine Menge schöner Fotos. Trotzdem ist es gut, neuere Fotos der Heiligtümer zu schicken! Schicken Sie das Beste von Ihrem Heiligtum!

Wie funktioniert die App?

Screenshot_2016-01-03-16-26-22„Genial ist eben, dass man vom aktuellen Standort aus das nächstgelegene Heiligtum suchen kann – mit Entfernung, Foto, Adresse und GPS-Daten“, erklärt Alberto.

Ganz einfach kann man sich anzeigen lassen, wie man am schnellsten dorthin kommt – im Auto oder zu Fuß, genau wie bei der Gottesdienst-App.

„Dann kann man natürlich auch einfach die ganze Welt der Heiligtümer in einem Land, einem Erdteil anschauen, man kann virtuell per Smartphone von Heiligtum zu Heiligtum pilgern“, so Alberto.

Und braucht damit auch nicht mehr nach Heiligtümern zu fragen, die es noch nicht gibt, nach Anschriften oder Fotos, und mit der App sind dann auch all die Geschichten von vergeblichen Suchen und vom Stranden auf dem Marktplatz einer unbekannten Stadt – Geschichte.

Alberto denkt darüber nach, dazu noch eine Webseite anzubieten, auf der man die wichtigsten Daten findet, wenn man denn einmal ohne Smartphone unterwegs ist!

Und darum die Bitte oder eigentlich die Einladung:

Findet die noch ungefundenen Heiligtümer!

Schickt Fotos!

Freut euch auf die App der Heiligtümer und werdet Teil ihrer Entwicklung!

Und es ist schon die nächste Idee entstanden…

„Könnten wir nicht demnächst das Leben von Pater Kentenich georeferenziert darstellen? Wie sähe das wohl auf einer Weltkarte aus?“

Großartige Idee, Matías.

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer/schoenstatt.org

 

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