Veröffentlicht am 19. Dezember 2015 In Leben im Bündnis

Belmonte, Ort einer Pfingstkultur

BELMONTE / BRASILIEN,  Interview mit Pfr. Marcelo Cervi, Oberer des Instituts der Schönstatt-Diözesanpriester im Cono Sur (Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay) zum Schönstatt-Heiligtum in Rom •

Pfarrer Marcelo Cervi –allen Pilgern, die im Oktober 2014 in Belmonte waren, bestens bekannt – wurde von Journalisten der brasilianischen Schönstatt-Bewegung interviewt aus Anlass von 50 Jahren der symbolischen Grundsteinlegung des Heiligtums von Belmonte am 8. Dezember 1965 durch Pater Kentenich.

Er hat dieses Interview nun schoenstatt.org für die Verbreitung in der ganzen Schönstatt-Bewegung angeboten.

Beim Pfingstkongress in diesem Jahr hat sich die Schönstatt-Familie verpflichtet, einen aufmerksameren Blick auf Belmonte zu richten. Was bedeutet dieses Heiligtum für die internationale Schönstattfamilie?

Weil Rom der Sitz der katholischen Kirche ist; dort ist der Papst Haupt und sichtbares Zeichen der Einheit der Kirche. Und unsere Bewegung muss beim Papst sein, um sichtbar zu sein und symbolisch als katholische Bewegung erkannt zu werden. Wo der Papst ist, da ist die ganze Kirche und wir möchten dauernd beim Papst sein, nicht nur spirituell verbunden, sondern sozusagen mit einer Postadresse, mit einem bekannten Ort, wie mit einem Haus, in dem alle Schönstätter, die nach Rom kommen, Unterkunft finden können, so dass sich alle in Rom zu Hause fühlen und unsere physische Nähe zum Papst zu erleben. Auch ist da der Wunsch, dass in Belmonte nach Stil und Vision Pater Kentenich eine Pfingstkultur, Einheit in Vielfalt, erfahren werden kann – zuerst innerhalb der Bewegung, unter den verschiedenen Gemeinschaften und Gliederungen. Und genauso unter den verschiedenen Bewegungen der Kirche.

Gibt es eine besondere Mission für das Heiligtum und das Internationale Schönstattzentrum?

An diesem Ort, den wir heute Belmonte („schöner Berg“ in Italienisch) nennen, möchte die Schönstatt-Bewegung die prophetische Vision Pater Kentenichs in verschiedenen Situationen in die Praxis umsetzen. Monsignore Dr. Peter Wolf, Generaloberer des Instituts der Schönstatt-Diözesanpriester, verweist auf mehrere Aspekte:

  1. Pater Kentenich soll in der Ewigen Stadt eine „Kanzel“ haben, ein Podium, wo es immer wieder darum geht, seinen Beitrag für die Kirche von Morgen einzubringen und fruchtbar zu machen. Es soll eine Stätte sein, wo die Möglichkeit besteht, ihn kennen zu lernen und mit ihm und seinen Initiativen ins Gespräch zu kommen.
  2. Weiterhin wollen wir auf Belmonte vertiefen, was das bedeutet, was Pater Kentenich „Kirche am neuen Ufer“ nannte. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Ideen und die Art, wie Pater Kentenich 1965 das Bild der Kirche zeichnete, mit der Art und Weise übereinstimmt, wie Papst Franziskus die Kirche führt. Die Vision Pater Kentenichs war prophetisch!
  3. In Belmonte wollen wir auch in der Praxis zeigen, dass es möglich ist, das „Cor unum in Patre“ und den „Apostolischen Weltverband“ zu leben. Es sind zwei Begriffe, die die tiefe Überzeugung vermitteln, dass es möglich ist, „Einheit in der Verschiedenheit“ zu leben, bewegt von einem gemeinsamen Ideal des Seins, der Mission und des Apostolates. In Belmonte wollen wir sehen, dass es möglich ist, dies innerhalb der Bewegung zu leben, ausgehend von der Art und Weise, in der wir uns dort organisieren: verschiedene Gemeinschaften, die als ein einziges Werk oder eine einzige Familie leben und arbeiten.
  4. Wir wollen auf Belmonte die Möglichkeit schaffen, dass dort immer wieder Begegnung und Austausch mit anderen kirchlichen Gemeinschaften und Bewegungen geschieht. Wir setzen darauf, dass sich hier einmal viele Menschen kennen lernen und sich im Sinne des „Apostolischen Weltverbandes“ zusammentun, wie Vinzenz Pallotti ihn ersehnt und Josef Kentenich ihn in seine Konzeption aufgenom­men hat. Belmonte soll auf lange Sicht ein Ort werden, um den christlichen Glauben in die Zukunft zu tragen und gemeinsam daraufhin zu wirken, dass die Kirche „Seele der künftigen Weltkultur“ wird.

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Wie können wir die Sendung von Belmonte umreißen?

Diese Frage möchte ich gerne mit einigen Ausschnitten aus den Vorträgen beantworten, die unser Vater und Gründer auf dem Gelände von Belmonte gehalten hat, und zwar am Tag seines 80. Geburtstags (16.11.1965) und am Fest der Darstellung des Herrn, auch „Maria Lichtmess“ genannt, am 2.2.1966. Lassen wir den Vater zu uns sprechen:

  1. „Wir wollen in der Heiligen Stadt der lieben Gottesmutter, der Dreimal Wunderbaren Mutter und Königin von Schönstatt ein Heiligtum errichten, wollen sie hier heimisch machen, wollen sie hierher führen, damit sie auch von hier aus sich hinausführen lässt auf das Schlachtfeld der Zeit.” (16.11.1965)
  2. “Wir hatten uns draußen, draußen an der Peripherie, draußen im Lande, nicht wir, sondern die Gottesmutter hatte uns drüben ein Nest gebaut, eine Aufgabe gestellt. Und wenn wir katholisch sein wollen, dann brauchen wir in allem letzten Endes den Segen des Heiligen Vaters. Marsch nach Rom! Es war immer meine Absicht, (…): Ich wollte alles, was wir glaubten, wähnten, von der Gottesmutter geschenkt erhalten zu haben, vor das Forum der Kirche, vor das oberste Forum der Kirche bringen.
  3. „Marsch nach Rom! … Nicht um Schönstatt zu erobern, (…) sondern um von dort(en) aufgenommen zu werden in das Gefüge der Kirche offiziell; und dann in der Kirche, mit der Kirche und durch die Kirche den Flug in die weiteste Welt, bis ans Ende, „der Zeiten Ende“!“
  4. “Weshalb haben wir das Gelände erstanden? Was wollen wir hier? (Wir wollen) ein Heiligtum bauen! In gewissem Sinne, ach, nicht nur in gewissem Sinne, ganz zweifellos reflexiv bewusst wollen wir, dass die Gottesmutter von hier aus dafür sorgen soll, dass die Weltkirche in ihrer Leitung ein herzhaftes Ja sagt zu Schönstatt, dass sie Schönstatt anerkennt. D Der Heilige Vater und in und mit dem Heiligen Vater der Heilige Stuhl, ja darüber hinaus der gesamte Episkopat soll ein herzhaftes Ja zu Schönstatt sagen. Und zwar soll er Schönstatt so bejahen, wie es im Plane (Gottes) stand und steht…” (02.02.1966)

Der Bau dieses Heiligtums geht auf einen Wunsch Pater Kentenichs zurück. Warum hat er so auf dem Bau in Rom bestanden?

Der Vater und Gründer hat das Geschenk der Internationalen Schönstattfamilie mit großer Herzlichkeit aufgenommen. Er wusste, dass es notwendig ist, einen Raum in der Stadt Rom zu haben, beim Sitz des Papstes. sowohl physisch wie spirituell. Darum bat er die ganze Schönstattfamilie,  diese Mission anzunehmen und diesen Raum zu schaffen. Und er hat die Aufgabe, den Bau zu verwalten und danach die Aktivitäten an diesem Ort – Internationales Heiligtum und Zentrum – zu koordinieren. Am Tag der Einweihung des Heiligtums (8. September 2004 – vierzig Jahre nachdem Pater Kentenich das Geschenk angenommen und den Bau angeregt hatte), waren Schönstätter aus aller Welt und aus allen Gliederungen und Gemeinschaften der Schönstattfamilie in Belmonte. Seit diesem Tag begannen viele Menschen das Heiligtum „unser aller Heiligtum“ zu nennen. Heißt, nicht nur das Heiligtum einer Gemeinschaft oder mit einer mit einem Teil Schönstatts verbundenen Aufgabe. Das Heiligtum in Rom Belmonte ist ein internationales Heiligtum, wo alle Institute und Bünde vertreten sind und die Aufgabe übernehmen, Schönstatt zusammen mit seinem Gründer zu sichtbaren Gaben für die ewige Stadt zu machen. Belmonte soll „das Haus Pater Kentenichs und seiner geistlichen Söhne und Töchter in Rom“ und auch „das Gesicht Schönstatts in der Kirche“ werden. Genau aus diesem Grund hat Pater Kentenich den Bau eines Schönstattzentrums in Rom angestoßen.

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Warum hat Pater Kentenich die Verantwortung für Verwaltung und Koordination des Lebens am Heiligtums von Belmonte dem Institut der Diözesanpriester übertragen?

Aus einem einfachen Grund: die Diözesanpriester erfüllen, weil sie in der Diözese sind und mit den Bischöfen arbeiten, alle Bedingungen, um „Brücken zu bauen“ zwischen dem pastoralen Leben in der Diözese und den Idealen der Bewegung. Die Diözesanpriester stehen nicht ganz im Dienst der Bewegung und haben einen eigenen Stil der Arbeit in den Pfarreien  und in anderen Aufgaben, die der Bischof ihnen aufträgt. Sie sind „mitten im Volk“, im täglichen Kontakt mit anderen Bewegungen und Gruppen der Kirche, und es ist normal für sie, in der Spannung der beiden Realitäten – Bewegung und Diözese – zu leben; es ist normal für sie, Terminkonflikte zu managen und Dinge abzusagen und dabei immer die Brücke zu finden zwischen den beiden Realitäten im Sinne einer harmonischen Eingliederung Schönstatts in die universale Pastoral der Kirche.

Insgesamt gehört das Heiligtum von Rom Belmonte nicht „den Diözesanpriestern“, es ist „unser aller Heiligtum“.

Wie können wir unser Wissen über die Mission von Belmonte vertiefen?

Es gibtein ausgezeichnetes Video auf der Webseite mit den Informationen über Belmonte.

In diesem Video können wir Belmonte als Traum Pater Kentenichs sehen und Belmonte so, wie wir es heute aussieht. Weiterhin gibt es ausgezeichnetes Material: ein kleines Buch vom Generalrektor des Institutes der Schönstatt-Diözesanpriester, Msgr. Dr. Peter Wolf, in dem die drei Vorträge sind, die Pater Kentenich über Belmonte und seine Mission gehalten hat. Das Buch gibt es außer in Deutsch auch in Portugiesisch, Spanisch und Englisch und außer in Deutsch auch als E-Book für Kindle, Android und iPhone.

Wie können wir bei der Verbreitung der Sendung mitarbeiten, die Pater Kentenich Belmonte gegeben hat?

Wir  können auf zwei Weisen mitarbeiten. Erstens indem wir uns vertraut machen mit dem, was Pater Kentenich über Belmonte gedacht hat und diese Vision, dieses Denken für die Schönstatt-Bewegung heute übernehmen. Wir stehen am Anfang eines neues Jahrhunderts und unsere Aufgabe ist jetzt, voll und ganz in der Kirche zu sein, im Stil der von Pater Kentenich angekündigten und heute von Papst Franziskus verwirklichten Kirche, und so „alles für Schönstatt, Schönstatt für die Kirche, die Kirche für den Dreifaltigen Gott“ zu leben.

An zweiter Stelle können wir finanziell mitarbeiten. So wie Belmonte „unser aller Heiligtum“ ist, kann das Wenige von jedem Einzelnen Großes bewirken, damit wir endlich das Internationale Schönstatt-Zentrum Belmonte, die Kanzel Pater Kentenichs in Rom, eröffnen können. Im Tagunshaus von Belmonte gibt es viele Zimmer. Und es gibt den Vorschlag, dass jedes Land, in dem es Schönstat gibt, eines dieser Zimmer finanziert. Heißt, dass die Bewegung (Institute, Bünde, Gliederungen usw.) aus jedem Land die Kosten für den Bau eines Zimmers tragen und in diesem Zimmer das Hausheiligtum mit typischen Symbolen ihres Landes gestalten.

Mehrere Länder haben diese Herausforderung schon angenommen, und so werden wir verschiedene thematische Zimmer auf Belmonte sehen, wie auch Räume, die von den verschiedenen Bünden und Verbänden finanziert wurden. Noch fehlt unser „brasilianisches Zimmer“… und wenn wir uns alle zusammentun würden, dann wäre es ein Kinderspiel, denn die Bewegung ist in unserem Land so groß und so bekannt!

Wer mehr wissen möchte, kann mich persönlich anschreiben oder sich direkt auf der Webseite von Belmonte informieren: www.roma-belmonte.info, für Spenden und Mitarbeit hier: www.offerta.roma-belmonte.info , oder per Mail: [email protected]

Original: Portugiesisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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