Veröffentlicht am 15. Oktober 2015 In Leben im Bündnis

Überraschungen Gottes

BRASILIEN, Mechthild Jahn und Renate Dekker •

Die Gottesmutter ist treu. So wie sie unserem Vater ins Exil nach Milwaukee gefolgt ist, ist die Gottesmutter auch uns treu geblieben. Sie hat sich genau in unserer Pfarrei São Joã Evangelista in Biguaçu, in Florianopolis, ein Plätzchen ausgesucht. Schon bei unserem Besuch in Deutschland hatten wir gehört, dass ein Heiligtum im Staat Santa Catarina gebaut wird. Aber niemand wusste, wo.

Durch Telefongespräche und Internetsuche bei Googlemaps haben wir den Ort ausfindig gemacht. Wieder in Brasilien angekommen, haben wir uns unverzüglich auf den Weg gemacht, haben gesehen, gestaunt und sind überwältigt. Besser konnte es nicht kommen! Gerade mal 6 km von uns entfernt, im benachbarten Stadtteil Tijuquinhas, wird die Gottesmutter in einer gepflegten, großen Gartenanlage – darin schon ein fertiggestelltes Haus für die Treffen der Schönstätter und ein Wächterhaus – ein Lieblingsplätzchen bekommen.

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An der Peripherie

Als wir uns am Sonntagmorgen, 11. Oktober, auf Spurensuche nach diesem Platz begaben, kamen wir zunächst in eine wenig gepflegte Gegend, echte Peripherie der Stadt Biguaçu. Wir nahmen den Insiderweg durch eine sehr schmale und schmutzige Unterführung der Autobahn BR 101, den wir bereits daher kennen, wenn wir Blumen für die Pfarrkirche im Großhandel kaufen. Weiter ging es an Holzbaracken vorbei, über holpriges Pflaster, bis wir nach kurzer Zeit vor einer langen Mauer mit einem geschlossenen Tor hielten: Hausnummer 249.

„Kann man hier den Platz für das zukünftige Heiligtum der Pilgernden Gottesmutter besuchen?“

War der Weg versperrt? Sollten wir uns durch Hupen melden? Mutig ging eine von uns an die Sprechanlage, schellte und fragte dann: “Kann man hier den Platz für das zukünftige Heiligtum der Pilgernden Gottesmutter besuchen?” Eine Stimme antwortete: „Das Tor ist defekt. Wartet. Ich komme und öffne.” Nach einer ganzen Weile bewegte sich das Tor und – was für eine Überraschung – vor uns stand Sr. Cleonice, die Prokuratorin der Taborprovinz. Sie breitete die Arme aus und rief: „Endlich kommt Ihr! Ich habe schon so viel gebetet, dass Ihr uns entdeckt. Ich habe schon so viele Male telefoniert. Niemand antwortete!”, und sie begrüßte Renate mit einem riesigen Abraço [Umarmung]. Wir fragten: „Wie kommt Ihr zu einer solch edlen Anlage?” „Das ist eine lange Geschichte. Kommt herein, ich erzähle sie Euch”, war die Antwort.

Im Haus trafen wir eine weitere Bekannte von Renate, Sr. Teresinha. Auch sie zeigte spontane Freude und begrüßte uns herzlich. Das dreistöckige komplett eingerichtete Haus mit Aufzug wurde uns präsentiert, die Gartenanlage, eine kleine Kapelle am Ende des Grundstücks, sowie die herrliche Aussicht zum Wald und auch aufs Meer.

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Die Überraschung Gottes

Dann erzählten sie uns von der – auch für sie – überwältigenden Überraschung Gottes.

Keiner hatte auf die Zeit geachtet, und es war sehr spät geworden. Wir luden sie ins nächstliegende einfache Restaurant zum Mittagessen ein. Auch dabei ging das Erzählen weiter.

Aber das Tollste auf dieser Entdeckungsfahrt war für uns die Herzlichkeit, mit der Renate aufgenommen wurde.

Sr. Cleonice erinnerte uns daran, dass Renate seit 50 Jahren immer wieder sagte: Mein Heimatstaat Santa Catarina muss auch ein Schönstatt-Heiligtum haben! Endlich ist es nun soweit! Wunder geschehen immer wieder! Das Wort des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa kam Renate in den Sinn: ‚Wenn der Mensch träumt und Gott denkt, geschieht das Werk.’ Und Mechthild erinnerte an den Ausspruch von Dom Helder Cámara: ‚Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, dann ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit.‘

Als Sr. Cleonice, die sich immer gut mit Renate verstanden hat, und Sr. Teresinha vom Ideal unseres Hausheiligtums ‚Kleines Senfkorn Hoffnung’ hörten, sagten sie spontan: „Das Samenkorn hat nun schon Früchte gebracht.”

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Ist ein solches Gelände kompatibel mit dem Wunsch von Papst Franziskus für eine arme Kirche?

Die Schwestern sind noch überwältigt von diesem Geschenk, das ihnen unser Bischof Dom Wilson quasi ‚aufgedrängt’ hat, da er mit dem großzügigen Geber befreundet ist. Ein Nachbargrundstück wurde von den Schwestern dazu gekauft, damit die anfahrenden Busse Park- und Wendemöglichkeiten haben, die Menschen in Ruhe aussteigen, sich erfrischen und stärken können für ihren Besuch bei der Gottesmutter. Denn im Staat Santa Catarina lebt die Pilgernde Gottesmutter und zieht Tausende Herzen an sich.

Eine der drängenden Fragen vor der Annahme dieses feudalen Hauses und des fantastischen Grundstücks war sowohl für den Bischof als auch für die Schwestern und führenden Laien: Ist ein solches Gelände kompatibel mit den Aussagen unseres Papstes Franziskus? Lange wurde diskutiert und abgewogen mit dem Bischof und mit den Laien, die schon reichlich Zeit und Kraft in die Gartenanlagen und ins Haus gesteckt haben und weiter kräftig mithelfen. Renate meinte: Ihr seid doch in der Peripherie. Macht einfach das Tor auf und schließt Freundschaft mit den Nachbarn! Sr. Cleonice erzählt, dass jeder Besucher sich freut und äußert: Ach wie schön ist es hier! Die Gottesmutter verdient es.

Auch wir sind überwältigt von solch einem großen Geschenk.

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Segnung am 5. September

Im Internet fanden wir die Fotos von der Segnung des Grundstücks, die am 5. September stattgefunden hat, als wir noch in Deutschland waren. Die Gottesmutter wurde bei dieser Gelegenheit in der kleinen Kapelle des Grundstücks inthronisiert. Drei Bischöfe nahmen teil, der emeritierte Bischof Dom Vito, unser Erzbischof Dom Wilson und Dom Rafael aus Blumenau (aus dem Priesterbund), dazu viele Priester, Vertreter aus Politik und Gesellschaft und 1300 Pilger.

Magnificat anima mea Dominum!

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