Veröffentlicht am 2015-04-24 In Leben im Bündnis

„Die Stunde ist gekommen, in der der Sohn verherrlicht wird“ – Österliches Triduum in Tupãrendá

PARAGUAY, Tupãrendá, Maria Fischer •

„Die Stunde ist gekommen, in der der Sohn verherrlicht wird“ – Indem er das Thema der Gründonnerstagsliturgie mit dem bewegenden Moment der Fußwaschung aufgreift, rundet Pater Antonio Cosp in der festlichen Messe am Ostersonntag die Feier des großen österlichen Triduums, der Feier des Kerns des Glaubens, ab. Es ist auch der Kern des Liebesbündnisses und der Bündniskultur, die davon ausgeht, und die uns bewegt, herauszugehen an die Peripherien, in Solidarität, Abglanz jener Solidarität mit den Menschen, mit den Verlorenen, die Jesus bewegt hat, in Liebe und Freundschaft bis zum Äußersten zu gehen. „Keiner hat eine größere Liebe…“ Als Pater Antonio Cosp sich in der Predigt auf die beiden Jünger bezieht, Petrus und Johannes, die zum Grab rennen, da kann man nicht anders als an die Ostervigil denken, an diesen unbeschreiblichen Moment, als zum Klang des Gloria und dem Entzünden der Kerzen die Leute vom Liturgieteam zum Altar rannten – ja, rannten, vielleicht noch schneller als die beiden Jünger -, mit Blumensträußen, Kerzen und Altarschmuck.

Es ist Ostern. Das geht nicht langsam. Jesus ist auferstanden. Er lebt. Und sein Volk feiert das mit Klatschen und Freude, die aus dem Herzen kommt. „Gründonnerstag ist die Synthese dessen, was Jesus ist und tut“, sagt Pater Antonio Cosp in der Predigt. Der Meister kniet sich nieder vor seinen Jüngern, verrichtet die Arbeit der Diener und Sklaven, und gibt uns so ein deutliches Beispiel der Dienstbereitschaft. Das ist der Weg, der einzige Weg, so Pater Cosp, um das Leben in Fülle in Christus zu empfangen. Dass Christus in mir auferstehe, damit wir uns den anderen in christlichem Dienst nähern – darum gehe es.

Das österliche Triduum in Tupãrendá ist Feierlichkeit, Ernst, Wallfahrt; es ist einfacher, starker Glaube; es ist Verpflichtung, Einkehr, Beichte, Kreuzweg, Rosenkranz, Begegnung, Segen… und Freude.

Feier des österlichen Triduums im Schönstatt-Heiligtum Tuparenda, Paraguay, April  2015. Produktion:  Claudia Echenique, Team schoenstatt.org

Offene Exerzitien

Die Schönstatt-Mannesjugend hat Exerzitien mit Pater Pedro Miraballes und Pater Santiago Cacavelos. Die Zahl der jungen Männer, viele von ihnen mit den Shirts der einen oder anderen Misiones, scheint mit jeder Mahlzeit zu wachsen.

Eine große Zahl von Menschen, darunter auffallend viele Jugendliche und junge Familien mit kleinen Kindern nehmen an den offenen Exerzitien der Heiligen Woche von Donnerstagnachmittag bis Ostersonntag teil. Ein Team von Ehepaaren, teilweise zusammen mit ihren Kindern, bereitet diese Exerzitien vor und gestaltet sie mit großem Einsatz. Verschiedene Elemente helfen den Teilnehmern, sich aus dem Alltag zurückzuziehen und sich im tiefsten Herzen der Gnade dieser heiligen Tage zu öffnen, Jesus in seinem Leiden, Sterben und seiner Auferstehung zu begleiten. Gleichzeitig bilden alle diese Angebote und die aktive Teilnahme dieser Gruppe einen wesentlichen Bestandteil dessen, was dieses österliche Triduum in Tupãrendá ausmacht.

Zu den liturgischen Feiern kommen viele Pilger aus Asunción und aus den nahegelegenen Orten; manche pilgern im Rahmen der traditionellen Wallfahrt zu sieben Kirchen hierher, nehmen am Kreuzweg teil oder an den Vorträgen von Pater Oscar Saldivar und Pater Antonio Cosp. Die Teilnehmer der Exerzitien leben nicht nur die Geheimnisse der Erlösung mit und erhalten eine gute Vorbereitung auf die Liturgiefeiern, sondern bekommen auch manches mit für den Alltag zu Hause – etwa die Anregung, den Rosenkranz mit persönlichen Anliegen und in denen von Kirche und Welt zu jedem Ave Maria zu beten (sehr ähnlich wie der Lichter-Rosenkranz, wie ihn vor Jahren die Berufstätigen Frauen in Deutschland entwickelt wurde, aber unabhängig davon entstanden), die Übergabe aller Sorgen und Ängste in den Krug, das Schenken von großen und kleinen Dingen ins Gnadenkapital, eine Kultur der Begegnung zwischen den Generationen. Die Teilnehmer sind zwischen 3 Monaten und 78 Jahren alt.

Beeindruckend sind die Zeugnisse, und das nicht nur in den Momenten, die für persönliche Zeugnisse vorgesehen sind, sondern auch in den informellen Unterhaltungen bei Tisch oder beim Treffen auf dem Flur im Tagungshaus oder auf dem Weg zum Heiligtum. Und man versteht, warum Viviana aus Corrientes, Argentinien, jedes Jahr hierherkommt, oder warum eine junge Mutter voller Stolz auf ihren eineinhalbjährigen Sohn zeigt und sagt: „Das sind seine dritten Exerzitien in der Heiligen Woche. Seine ersten waren, als ich mit ihm schwanger war…“

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Gründonnerstag

Was für ein Fest ist diese Messe vom Letzten Abendmahl! Das Liturgieteam hat an jede Einzelheit gedacht. Gut 300 kleine Kerzen werden an die Teilnehmer in der Dreifaltigkeitskirche verteilt. Der Chor begleitet mit innigen Liedern die Feier, das Gloria, zu dem viele kleine Glocken erklingen, scheint bis zum Himmel zu schallen… Zwölf Jungen aus der Schönstatt-Mannesjugend stellen die zwölf Apostel bei der Fußwaschung dar. Pater Tommy Nin Mitchel, Hauptzelebrant an diesem späten Nachmittag, führt sie durch. Am Anfang sind die Jungen noch etwas verlegen, aber als dieser so wesentliche Ritus beginnt, sind sie auf einmal ganz drin. „Um den Weg zur Glorie zu gehen, müssen wir die Kreuze unseres Lebens annehmen, wie Jesus es getan hat“, sagt Pater Antonio Cosp in der Predigt, und ja, auch wir erleben schwierige Momente: man täuscht und betrügt mich, ich muss mit Menschen zusammenleben, die mir das Leben schwer machen, die böse handeln… Und wir müssen uns vor den anderen niederknien. Waschen wir die Bitterkeit, das was uns stört – um aus der Traurigkeit des Karfreitags weiterzugehen in die Stille des Karsamstag und dann endlich das unglaubliche Gloria des Ostermorgens zu singen…

Und in allem, was man in diesen Tagen erlebt, scheint schon leise dieses verheißene und ersehnte Gloria mitzuklingen.

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Karfreitag

„Kein Zweifel, das Bild, das diesen Tag des österlichen Triduums beherrscht, ist das Bild von Jesus, der das Kreuz hinauf nach Golgotha trägt“, sagt Pater Oscar Saldivar (seit zwei Jahren Korrespondent für schoenstatt.org). „Das Ostermysterium Christi ist die Aufgipfelung unseres christlichen Lebens, nicht nur weil wir Christus uns durch dieses Geheimnis erlöst hat, sondern weil in dem Maße, in dem wir uns in diesen Erlösungsgeheimnis hineingeben – in das Geheimnis seines Kreuzes und seiner Auferstehung -, wir ihm ähnlich werden, wir mehr Söhne und Töchter, mehr Christus werden“. Tupãrendá am Karfreitag – das iste in sonniger und sehr heißer Tag. Am Morgen sieht man viele Pilger auf dem Friedhof, wo ihre Lieben im Schatten des Heiligtums ruhen. Concepción Colman, die Sakristanin, gibt diesem Friedhof Herz und Seele. Wenn jemand kommt, um einen Platz für einen Verstorbenen zu suchen, dann betet sie mit ihm, tröstet, sorgt einfach.

Am Mittag und später, nach der Feier der Sieben Worte Jesu am Kreuz und der Karliturgie, ist Kreuzweg. Der erste wird von den „Estacionistas“ gestaltet, Männern, die mit eigener Tracht und A-capella-Gesang dem Kreuzweg eine besondere Note geben. Sie sind auch für die musikalische Gestaltung der Liturgie verantwortlich.

Später am Nachmittag gibt es einen lebendigen Kreuzweg, gestaltet vom Team der Offenen Exerzitien. Die Stationen werden von Jugendlichen dargestellt, die Teilnehmer sind ins Geschehen einbezogen, etwa wenn sie eingeladen werden, auch ihren Namen auf das Kreuz zu schreiben. Einprägsame Momente, ein Begleiten Jesu ganz aus der Nähe.

Wie an jedem ersten Freitag im Monat, ist am Abend Rosenkranz der Mutigen Männer im Heiligtum – davon folgt ein eigener Bericht.

„Unser Leben gibt uns unzählige Möglichkeiten, das Ostermysterium Christi zu leben. Jeder von uns hat die Gelegenheit, lebendig an diesem Geheimnis teilzuhaben, weil jeder von uns wie Jesus ein Kreuz trägt. Das Kreuz des Leidens; das Kreuz eines physischen oder moralischen Schmerzes – der Sünde; das Kreuz des Unverstandenseins; das Kreuz einer Situation, die wir nicht ändern können; das Kreuz einer Krankheit; das Kreuz einer schwierigen Familiensituation; das Kreuz der Abwesenheit von lieben Menschen… Jeder von uns trägt ein Kreuz in seinem Leben (…). Und wenn wir heute das Leiden Jesu betrachten, dann sind wir gerufen, uns unseren eigenen Kreuzen zu stellen. Sie anzuschauen, sie zu erkennen und anzunehmen. Wir sind Jünger Jesu und darum wollen wir ihm auf seinem Weg folgen, auch auf seinem Kreuzweg“, lädt Pater Oscar Saldivar in der Predigt ein. „Annehmen, tragen, übergeben und fruchtbar machen. Das sind die Schritte des Jüngers, der sein Kreuz auf sich nimmt und Jesus folgt (vgl Mt 16.24). Das ist unser eigener existentieller Kreuzweg. Ein Kreuzweg des Herzens, der uns hilft, unsere Kreuze zu Liebesgaben zu machen. Und das zur Liebesgabe verwandelte Kreuz wird zum Weg der Hoffnung, zum Ostern, das wir erhoffen und ersehnen.“

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Osternacht und Ostermorgen

Der Karsamstag beginnt mit sintflutartigem Regen und tiefen Temperaturen (tieferen, genau genommen). Die Teilnehmer der Offenen Exerzitien hören einen Vortrag von Pater Antonio Cosp über den Heiligen Geist als Dynamik Gottes in seinem Erlöserwirken, in dem er zeigt, wie der Heilige Geist wie der Wecker am Morgen wirkt. Und er empfiehlt, am Abend zu betrachten, wo der Heilige Geist mich geweckt hat, oder wo der „Engel“ erschienen ist…

Danach folgt in der Form einer Gerichtsverhandlung mit den Akteuren der Verurteilung und des Sterbens Jesu als Angeklagten die große Frage: Wer hat Jesus umgebracht? Diese Betrachtung geht so tief, dass wir sie hier nicht veröffentlichen, sondern als Meditation für die nächsten Fastenzeit auf schoenstatt.org aufheben.

Osternacht in der Kirche Maria von der Dreifaltigkeit. Der Regen hat nicht aufgehört, ist aber weniger geworden. Die Osterkerze, am Osterfeuer vor der Kirche entzündet, braucht einen Regenschirm…

Der Osterweg geht seinem Höhepunkt entgegen. Nach den Lesungen und den meisterhaft gesungenen Psalmen und dem Gloria kommt der schon beschriebene Moment, in dem das Liturgieteam mit Blumen und Kerzen zum Altar eilt, folgen Klatschen und Jubellieder…

„Die Kirche als Mutter gibt uns in der Taufe das Licht, nimmt uns zärtlich, geduldig und weise an die Hand, und führt uns ein in das Ostermysterium Christi im christlichen Leben. Sie nimmt uns zärtlich an der Hand im Sakrament der Versöhnung und heilt unsere Wunden. Sie nimmt uns geduldig an der Hand und zeigt uns in der Eucharistie vielfältige Zeichen, damit unser Herz sich der Gegenwart des Auferstandenen öffne.Und schließlich nimmt sie uns weise an der Hand und erläutert uns die Heiligen Schriften und den Sinn der Geschehnisse in der Erlösungsgeschichte. Und als gute Mutter möchte die Kirche, dass wir leben, was sie uns gelehrt hat und dass wir das Empfangene weitergeben. Darum sendet sie uns aus, den Herrn Jesus in unserem Leben zu verherrlichen, sie sendet uns, damit wir im Alltag österliche Menschen sind“, so Pater Oscar Saldivar in der Predigt.

Die Nacht der Osterfreude ist ein einziges Fest – sogar mit Musik und Tanz bis in den frühen Morgen!

Und wieder ein sonniger Tag. Ostersonne. Festmesse, Ostermesse, die Kirche wiederum bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein anderer Chor, andere Lieder, die gleiche echte Freude. Und danach, um elf Uhr, das Ostern der Kinder – in der Kindermesse. Es ist Ostern, wir sind angekommen. Das österliche Triduum ist vollendet.

Und jetzt geht es darum, uns auf die Ankunft des Heiligen Geistes vorzubereiten. In der Osterfreude, Frucht dieser Tage in Tupãrendá.

 

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