Veröffentlicht am 2013-12-25 In Leben im Bündnis

Weihnachten verbringt man in der Familie

ITALIEN Federico Bäuml. Am dritten Advent fand das traditionelle Weihnachtsessen der Schönstatt-Jugend statt: eine Gelegenheit zusammen zu sein und die Weihnachtswünsche auszutauschen vor den (verdienten) Ferien.

 

 

Wo zwei oder drei…

Seit diesem Jahr gibt es in der Pfarrei Santi Patroni eine Neuheit: die Sonntagsmesse um 19.30 Uhr, den Jugendgottesdienst. Er wird in der Seitenkapelle der Pfarrkirche gefeiert, wo das Licht etwas dämmrig ist und es nicht so viele Sitzplätz gibt, wo dafür aber eine unglaublich persönliche Atmosphäre herrscht. Eine Herausforderung, ein Risiko, ein Abenteuer, um einen besonderen Augenblick zu schaffen, der das Angebot der Pfarrgemeinde gut ergänzt und zugleich „Unseres“ ist, in der weitesten Bedeutung, die dieses Wort überhaupt haben kann. Eine Herausforderung, wie wir jetzt im Nachhinein sagen können, die mit Pauken und Trompeten gemeistert wurde. Es war eine Freude zu sehen, wie unsere Kapelle im wahrsten Sinne des Wortes „überfloss“, weil es keinen einzigen Raum mehr für einen weiteren Sitzplatz gab, und es hat keinem etwas ausgemacht, dass die Erste Lesung dieses Mal auf Deutsch war, vielmehr hat der dadurch eingebrachte internationale Flair alles noch viel schöner gemacht.

Alles fand statt unter dem sicherlich erfreuten Blick der Mutter, die ihren Platz hatte über unserer Krippe – klein, einfach, genau wie wir.

Jesus hat uns gelehrt, dass, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, er in ihrer Mitte ist. Wenn diese zwei oder drei sich zu dreiundvierzig auswachsen, und sie dann vor der Krippe (aber dieses Mal vor der großen und wunderschönen) ihr Gebet an Maria richten zur Erneuerung des Liebesbündnisses, möchte man die Tradition brechen, gleich die Figur des Jesuskindes auf das Stroh zwischen Maria und Josef in die Krippe legen und in der Gruppe schon die Geburt Jesu feiern.

Jeder bringt etwas mit

Die Tradition verlangt, dass zum Weihnachtsessen jeder etwas mitbringt. Und jedes Mal ist bis zum letzten Augenblick die Angst im Raum, wir könnten dieses Mal fasten müssen: eine Angst, die genau in dem Moment verfliegt, wenn wir wahrnehmen, dass wir mit den Speisen, die wir haben, drei Weihnachtsessen ausrichten könnten. Nun denn, wir sind halt so, wir haben viele Fähigkeiten, aber diejenige der Koordination kommt nicht immer so zum Zug. Aber auch das gehört einfach dazu zum „Jeder bringt was mit“. Denn tatsächlich ist das „Jeder bringt was mit“ nicht nur ein Stil dieses Abendessens, als Alternative zur Pizza oder zum Miteinander kochen. Das „Jeder bringt was mit“ ist das Wesentliche dessen, was wir sind. Papst Franziskus hat uns das lehrreich erklärt, als er uns die Metapher vom Polyeder und der Kugel schenkte: die Einheit in der Vielfalt. Jeder bringt ja immer etwas mit, sein Lächeln, seine Freude, seine Haltung zu Dienen, den Willen, sich zur Verfügung zu stellen, sein Talent, sein Vergessen auf eine mail zu antworten, das Immer unterwegs sein, die Hektik, aber auch die Suche nach einem Rat oder nach Stärkung.

In diesem Blickwinkel  findet dann auch die Solidarität ihren Platz, mit einem Gedanken, den ich den Menschen widme, die weniger vom Glück gesegnet sind, von denen wir an einige Obdachlose Decken schenken konnten, um ihnen ihr Weihnachten, so weit das überhaupt möglich ist, ein wenig weniger traurig zu machen.

Weihnachten ist kein Datum, sondern ein Gemütszustand

Weihnachten verbringt man in der Familie. Von daher gibt es eindeutige Anzeichen, aus denen man ersehen kann, ob man in der Weihnachtszeit in der Familie war oder nicht. Das erste Anzeichen ist natürlich das Essen, das selbstverständlich auch bei uns nicht fehlt. Das zweite Anzeichen ist zweifellos das Bingo-Spiel, klassisches Weihnachtsspiel, bei dem am Anfang überhaupt niemand mitmachen will, aber wenn dann die erste Zahl gezogen ist, sich jeder unglaublich auf die eigenen Zahlen konzentriert in der Hoffnung (was freilich nie so gesagt und hinter der klassischen Phrase versteckt wird: „Ich gewinne ja sowieso nie.“), einen der Preise zu gewinnen, wobei meinen misstrauisch seinen Blick zu jedem schweifen lässt, der ausruft: „Geh für eines.“

Wenn es denn stimmt, dass zwei Indizien schon als Beweis genügen, dann haben wir einen Teil unseres Weihnachtsfestes in der (sehr vergrößerten) Familie damit also schon längst genossen.

Weihnachten ist auch das, aber nicht nur das. Es ist kein Datum, sondern ein Gemütszustand. Das Bild von der Krippe ist für uns der Schlüssel, um zu begreifen, wie wenig schon genügt, um ein angenehmes Klima zu schaffen, auch dort, wo wir meinen, dass es nie im Leben angenehm sein könnte.

Weihnachten ist der einzige Geburtstag, bei dem der Gefeierte den anderen die Geschenke macht. Und deswegen wird es dann so richtig Weihnachten, wenn wir uns einfach daran erinnern und unser Herz vorbereiten, damit Jesus in uns geboren werden kann, und so könnte Weihnachten sogar noch ein wenig öfter sein.

Deswegen ist der Wunsche „Frohe Weihnachten“ der schönste Wunsch, den er umfasst alle anderen.

Original: Italienisch. Übersetzung: Don Stefano Mueller, Rom, Italien

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