Veröffentlicht am 14. Januar 2010 In Leben im Bündnis

Seid Licht – Solidarische Weihnacht 2009

Sei Licht - Motto und Logo der Solidarischen Weihnacht in Sao Paulo- Foto: Caio Bonicontro

BRASILIEN, Cássio Leal/Daniela Gomes. Die Schönstattjugend und die Jugend der Pfarrei Maria Empfängnis in Jaraguá in São Paulo haben zum vierten Mal ihre Initiative „Solidarische Weihnacht“ durchgeführt und in der Heiligen Nacht notleidende Menschen im Stadtzentrum besucht und beschenkt. Es ist eine unvergessliche Erfahrung für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ihre Familien zu Hause zurücklassen und aufbrechen, um in dieser Nacht Hunderten von Obdachlosen nicht nur Brot und Süßigkeiten, sondern auch etwas vom Licht der Weihnacht zu bringen.

 

Über 70 Jugendliche in der Pfarrkirche, bereit zum Aufbruch -  Foto: Cássio Leal

Weihnachten, Feier der Geburt Jesu, Gedenken des Wunders der Gegenwart Gottes unter den Menschen in seinem Sohn, Licht und Erlösung der Welt. An diesem Tag versammeln sich rund um den Erdball die christlichen Familien, feiern, machen sich Geschenke, gehen in die Christmette. All das haben die Jugendlichen der Pfarrei Maria Empfängnis und die Schönstattjugend von Jaragua am 24. Dezember auch gemacht. Aber als die Zeiger der Uhr auf zwei Uhr morgens standen, verließen sie ihre Familien, um Weihnachten mit Leuten zu feiern, die sie vorher kaum einmal gesehen hatten – mit Hunderten von Obdachlosen, die auf den Straßen einer der größten Städte der Welt leben, und ebenso mit Menschen, die wegen ihres Berufes Weihnachten nicht zu Hause feiern konnten: Wachen, Busfahrer, Polizisten …

Seid Licht

P.  Severino  spricht vor der Aussendung zu den Jugendlichen - Foto: Cássio Leal Die „Solidarische Weihnacht“, die vor vier Jahren angeregt durch die Initiative „Weihnachten für alle“ der Schönstattjugend von Buenos Aires entstand, ist inzwischen schon Tradition in der Jugend von Jaraguá. Das Thema dieses Jahres war „Licht“. Christus ist das Licht der Welt, und darum wollten diese Jugendlichen in dieser solidarischen Weihnacht 2009 Licht für viele Menschen im Dunkeln werden. Caio Bonicontro aus der SMJ entwarf das Logo für die T-Shirts; dabei gab es eine besondere Würdigung von Michel de Silva, einem Jungen aus der SMJ, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist; sein Name stand auf dem Ärmel. Seine Eltern sind aktiv in der Pfarrei und waren berührt von dieser kleinen Geste. Für die Jugendlichen ist Michel vom Himmel aus ihr Licht…

Daniela Gomes, eine der Verantwortlichen - Foto: Cássio Leal Doch ganz so einfach war das Ganze auch wieder nicht. Am Anfang waren nur wenige Jugendliche aus der Schönstattjugend richtig aus ganzem Herzen dabei, und es war eigentlich eher die Pfarrjugend von Maria Empfängnis, die sich ins Zeug legte für die „Solidarische Weihnacht“. Viele Leute machten sich daran, Spenden an Pannetone, Getränken und Süßigkeiten für die Kinder zu erbitten. Es waren viele Stunden an Arbeit, Telefonaten mit Firmen und „Türklingelputzen“, um Spenden für die Aktion zu erbitten, und manche Stunde Schlaf ging dabei drauf. Doch offensichtlich war Gottes Vorsehung mit den Initiatoren, und schließlich waren 1600 Tüten mit Pannetone, Getränken und Süßigkeiten gepackt. Daniela Gomes aus der Mädchenjugend bekam sogar eine Spende der Mannesjugend von Guayaquil, Ecuador, sie sich auf diese Weise an der Sache beteiligen wollte.

Am Schluss waren es dann 70 Jugendliche, die in vier Gruppen nach Sé, República, Anhangabaú und Santa Cecília aufbrechen würden – die Stadtteile von Sao Paulo mit der höchsten Rate von Straßenkindern und Obdachlosen. Am 23. Dezember, gerade als die Organisatoren dabei waren, die Tüten zu füllen, tauchte ein Fernsehteam auf, um die Jugendlichen zu interviewen …

Viel mehr als etwas Schönes zu essen

Jovenes caminando por la ciudad -  Foto: Cássio Leal Um zwei Uhr morgens am 25. Dezember trafen sich die Jugendlichen zum Gebet in der Pfarrkirche, bevor sie mit dem Bus ins Stadtzentrum fuhren. Pater Severino Araújo, zur Zeit Pfarrer Jaraguá, war bei der Aussendung dabei und gab den Jugendlichen mit dem Segen auch eine Worte auf den Weg. Es geht ja bei diesem Projekt nicht allein und eigentlich nicht einmal zuerst darum, den Straßenkindern und Obdachlosen etwas zu essen zu bringen. Mit ihnen reden, etwas erfahren von ihrer Geschichte, ihnen ein gutes Wort der Freundschaft, des Glaubens und der Kraft geben, das ist es. Nur wer um diese Uhrzeit durch die Straßen der Stadt geht, merkt, wie viele Menschen auf der Straße leben: ganze Familien, Behinderte, schwangere Frauen, Kinder, Greise – und jeder von ihnen mit seiner Geschichte, die die Jugendlichen, die in dieser Nacht das Licht der Weihnacht weitergeben wollten, oft tief berührte.

Man kommt anders nach Hause

Weihnachtsfrühstück für alle - Foto: Cássio Leal Unzählige Geschichten haben sie erlebt. Da begegneten sie Mann, der verzweifelt durch das Stadtzentrum lief, in der Nähe von Patio del Colegio, wo die Jesuiten die Stadt im Jahr 1554 gegründet haben. Er war kein Obdachloser, hatte Haus und Familie in Sorocaba, etwa 90 Minuten von Sao Paulo entfernt. Er war nach Sao Paulo gekommen, um auf dem Stadtmarkt als Verlader zu arbeiten. Am Tag vor Heiligabend war er an einer U-Bahn-Station überfallen worden. Er hatte weder Papiere noch Geld, um zu Weihnachten heim zu seiner Familie zu fahren. Die Polizei hatte ihn zum Sozialdienst geschickt, dort konnte man ihm aber auch nicht helfen. Als die Jugendlichen seine Geschichte gehört hatten, brachten sie ihn zur Bushaltestelle und kauften ihm von ihrem Geld eine Fahrkarte nach Hause. Weder er noch die Jugendlichen werden diese Heilige Nacht je vergessen.

Als die Gruppen mit ihrem Weg durch die Stadtteile fertig waren, trafen sie sich am Stadttheater und nahmen den Bus zurück zur Pfarrei. Andre Jugendliche und einige Eltern hatten für alle das Frühstück vorbereitet, um so die „Solidarische Weihnacht“ als große Familie zu beschließen. Die Organisatoren der „Solidarischen Weihnacht“ danken allen, die es möglich gemacht haben, so vielen Menschen in Sao Paulo das Licht der Weihnacht zu bringen.

 

El equipo de Navidad Solidaria 2009  - Foto: Cássio Leal

Die Organisatoren der „Solidarischen Weihnacht“ danken allen, die es möglich gemacht haben, so vielen Menschen in Sao Paulo das Licht der Weihnacht zu bringen.

Fotalbum

Traducción: Carmen Rogers, Santiago, Chile