Paso Mayor

Veröffentlicht am 2021-04-27 In Kentenich

Der österliche Mensch und die einzige „Volksmission“ von P. Kentenich

P. Daniel Jany, Schönstatt-Priesterbund, Argentinien •

Im Jahr 1952, auf dem Weg in sein „Exil“ in Milwaukee, hielt Pater Kentenich eine „Volksmission“, die einzige seines Lebens. Er tat es in Paso Mayor, in der argentinischen Pampa, für eine Gemeinde, die aus deutschstämmigen Familien bestand. Seine Botschaft: Der auferstandene Herr will uns zu österlichen Menschen formen. —

Paso mayor hombre pascualUm 1940 wurde ein deutschstämmiger Priester mit Schönstatt-Ausbildung, Pater Franz Maibach, von der Diözese Bahia Blanca beauftragt, die Bewohner der Kolonie der Wolgadeutschen zu begleiten, die sich im Bereich der Station „Paso Mayor“ (so genannt wegen der Nähe zum „Paso del Mayor Iturra“, am Fluss Sauce Grande), 40 km von der Stadt entfernt, befand. Ein paar Jahre später weihten diese Siedler und ihr Kaplan eine kleine Kapelle der Dreimal Wunderbaren Mutter.

Im Jahr 1948 besuchte Pater Kentenich Paso Mayor und versprach, mit einem Originalbild der Gottesmutter von Schönstatt zurückzukehren. Dieses Versprechen löste er zu Ostern 1952 ein, als er persönlich eine Volksmission abhielt und das Marienbild unter dem Titel „Mutter und Königin des Volkes“ in der Kapelle inthronisierte.

Es ist bemerkenswert, dass Pater Kentenich beschloss, Ostern 1952, in einem so entscheidenden Jahr in seinem Leben, zu feiern, indem er das Versprechen einlöste, den Siedlern von Paraje Paso Mayor ein Originalbild der Gottesmutter von Schönstatt zu bringen. Umso mehr, wenn wir bedenken, dass er die Gelegenheit nutzte, um zum einzigen Mal in seinem Leben das zu predigen, was man damals „Volksmission“ nannte, eine übliche Aufgabe für Mitglieder von Ordensgemeinschaften wie der seinen.

Dazu kam, dass er am 12. April dort ankam, einem für ihn sehr wichtigen Datum, weil er immer an die Marienweihe dachte, die 1894 von seiner Mutter ausging, auf die er schon früh verschleiert hinwies und von der er später ausdrücklich sagte, dass das ganze Schönstattwerk dort keimhaft gegründet wurde. Wenn wir zwischen den Zeilen seiner Vorträge lesen, entdecken wir, dass er in jenen Tagen viel von dem ausdrückte, was er in dieser Hinsicht in seiner Seele fühlte. Und er drückte es in dem marianischen Titel aus, den er dem Heiligtum gab: „Mutter des Volkes“.

Er deutete den Umstand vor allem dahingehend, dass die Maria die Verantwortung dafür übernehmen solle, dass die Osterglocken dort immer erklingen würden. Das hat er in der ersten besonderen Gnade des Heiligtums konkretisiert: Sie wacht über uns, damit wir an die Auferstehung glauben. Er entwickelte dieses Thema in den beiden Ostermessen, die er nach den Bräuchen der Zeit feierte in der Morgenfrühe und „am Tag“ feierte.

Auf den ersten Blick wirken sie wie typische Predigten, aber jemand mit viel Erfahrung wies auf die Originalität der Überlegungen Pater Kentenichs. Es ist zu bedenken, dass sich damals (zehn Jahre vor der Erneuerung durch das Zweite Vatikanische Konzil) alles um das Kreuz drehte. Deshalb ist es wichtig, den ungewöhnlichen Akzent zu betonen, den Pater Kentenich auf die Zentralität der Auferstehung legt. Zwar bleibt er innerhalb des traditionellen Denkens, aber die Züge einer neuen Perspektive sind schon umrissen, wenn er unsere Teilhabe, schon hier auf Erden, an den Eigenschaften des auferstandenen Jesus betrachtet, Eigenschaften, die er in dem Satz zusammenfasst: „Der österliche Mensch ist der Mensch der Freude“.

„Wir schauen noch einmal ins Heilandsleben hinein.

Der Heiland braucht nun nie mehr zu leiden.

Wie jubeln die alten Volkslieder: Gottes­mutter, dein Leid ist zu Ende…

Auch meine Seele soll ständig in der geistigen Freude leben. Der österliche Mensch ist der Mensch der Freude, der inneren Freude. Kennen wir diese innere Freude?

Das ist die Freude da­ran, dass Gott uns mag. Das ist die Freude, dass Gott die Zügel unseres Lebens in der Hand hat. Das ist die Freude an einem echten Mädchen, das rein geblieben ist, dass ich Gutes tun darf selbstlos, ohne etwas dafür wiederzubekommen.

Wer sich auf Gottes Willen verlässt, ist immer froh, denn Gott ist die Ursache seiner Freude.“

P. J. Kentenich, Paso Mayor, 13. April 1952.

 

Paso Mayor hombre pascualWie können wir in diesem Licht das Osterereignis von Jesus heute verstehen? Es ist logisch, dass die ersten Christen den schrecklichen Skandal der Kreuzigung Jesu ausgehend von der jüdischen Auferstehungslehre aufnahmen, obwohl sie erkannten, dass dies das Geheimnis Jesu nicht ganz widerspiegelte; deshalb gibt es eine Vertiefung, die im Johannesevangelium mündet, als Martha ihre jüdische Überzeugung darlegt und als Antwort die christliche Neuheit erhält: „Ich bin die Auferstehung“ (Joh 11,21-25). Die gesamte Existenz Jesu (einschließlich natürlich des Kreuzes) ist der Einbruch der vorsehenden Liebe des Vaters.

In der Sprache Schönstatts könnten wir sagen, dass das letzte Pascha Jesu der „kulminierende Meilenstein“ ist, der einen letzten Akzent auf die Offenbarung seiner Person und seiner Sendung setzt: Er ist das wahre Lamm des endgültigen Pascha, das durch sein ganzes Leben den Neuen und Ewigen Bund mit Gott dem Vater besiegelt. Aus diesem Grund fasst der heilige Johannes selbst den ganzen Vorgang des Glaubens an die Begegnung mit Jesus in zwei Worten zusammen, indem er bekräftigt, dass der geliebte Jünger, als er das leere Grab und die schlaffen Laken entdeckt, „sah und glaubte“ (Joh 20,8).

In diesem Sinne schlagen mehrere aktuelle christliche Denker vor, dass wir sagen sollten, dass „Jesus aufersteht“, um das Bild eines Ereignisses der Vergangenheit zu vermeiden und zu sagen, dass Jesus heute, wie vor zweitausend Jahren, in unserem Leben durch Zeichen gegenwärtig ist, durch die er uns die Liebe Gottes, des Vaters, zeigt.

Ein älterer und weiser Mönch wurde einmal gefragt, ob er „wirklich wisse“, dass Jesus auferstanden sei, oder ob er es „einfach glaube“; das Dilemma wirft die Frage auf, dass die Auferstehung Jesu keine greifbare Tatsache ist (wie das Verschwinden seines Leichnams), aber der Glaube ist auch nicht etwas Willkürliches. Ich hoffe, dass die Antwort des Mönchs uns hilft, zu meditieren und die erste Gnade des Heiligtums lebendig werden zu lassen: „Ich glaube es wirklich“.

Quelle: schoenstatt.org.ar – mit Genehmigung der Redaktion

Original: Spanisch, 25.04.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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