samietz

Veröffentlicht am 2021-01-17 In Kentenich

SMJ-Webinar zu den Fragen rund um Josef Kentenich

DEUTSCHLAND, P. Hans-Martin Samietz •

Zweiundzwanzig Personen (SMJ*-Gruppenleiter, Mitglieder der SMJ-Zentrale sowie ein Gast) tippten vergangen Samstagnachmittag kurz vor halb drei die Zahlenfolge „870 8299 6990“ und das Kennwort „Generation“ unter die Aufforderung „An einem Meeting teilnehmen“ in die Maske bei Zoom in ihre Endgeräte. Thema des Meetings: „Information über den Stand der wissenschaftlichen Bewertung und Einordnung jüngster Veröffentlichungen über möglicherweise stattgefunden habendes grenzverletzendes Verhalten von Josef Kentenich“.—

Ich, Pater Hans-Martin, hatte mich in den Tagen seit der Jahreskonferenz der SMJ (Schönstatt-Mannesjugend)ausführlich mit dem Buch „Vater darf das“ (von Teuffenbach 2020), mit fünf bisher in deutscher Sprache erschienenen Kentenich-Gesamtbiografien (1975, 1980, 1999, 2005 und 2019) und mit drei seit 2019 in der Zeitschrift Regnum erschienenen Artikeln (Schmiedl (2019/2020), Schlickmann (2021) ) beschäftigt. Ziel meines Inputs war es, zunächst Überblick zu geben über die Kategorien der Vorwürfe gegenüber Josef Kentenich, die aus Briefen und schriftlich festgehaltenen Erinnerungen von Zeitzeugen sprechen, die im Buch „Vater darf das“ dokumentiert sind.

Einordnung versuchen – Abstand gewinnen

Etwa 90 Minuten lang schlüsselte ich die Art der Vorwürfe sortiert nach der Häufigkeit ihrer Nennung im Buch auf:

  1. Machtmonopolisierung (20 Nennungen)
  2. Problematische emotionale und körperliche Nähe
  3. Unterdrückung persönlicher Freiheit (jeweils 13 Nennungen)
  4. Irritierender persönlicher Stil Josef Kentenichs zu konfrontieren (12 Nennungen)
  5. Förderung des eigenen Personenkultes (11 Nennungen) und
  6. Ungehorsam/mangelnde Ehrfurcht gegenüber kirchlichen/gemeinschaftsinternen Autoritäten (9 Nennungen).

Dann gab ich einen Überblick über wichtige historische Ereignisse, welche die Korrespondenz und Notation der Erinnerungen beeinflusst haben können:

  • bischöfliche Visitation (1949)
  • Ende der Amtszeit von Sr. Anna Pries (1949)
  • erste päpstliche Visitation (1950 – 1953)
  • zweite päpstliche Visitation (1964)
  • Eröffnung des Seligsprechungsprozesses (1975)
  • öffentliche Feierlichkeiten um den 100. Geburtstages von Josef Kentenich (1985).

Schließlich ordnete ich die im Buch dokumentierten Texte ein einen größeren historischen Zusammenhang ein:

  • Prozess der Emanzipation des Schönstattwerkes von der Gemeinschaft der Pallottiner
  • das Anliegen der deutschen Bischöfe seit den 30er Jahren ,die Impulse aus Schönstatt und von Schönstättern in die ordentliche Seelsorge zu integrieren
  • die Entwicklung von Brauchtums in der Gemeinschaft der Marienschwestern und
  • die Bedeutung der Inhaftierung Josef Kentenichs (1942 – 1945)

für diese Entwicklungen.

Wie heute vom Wert herzlicher Bindung reden?

Lange nahmen wir uns dann im Meeting Zeit, Eindrücke, Ideen und Sorgen, die sich bei den Teilnehmern des Meetings mit diesen Einführungsimpuls ergaben, zu diskutieren.

Unsere Diskussionen kreisten intensiv um die Frage, inwieweit die (vielleicht ursprünglich didaktisch notwendige) symbolische Bündelung des Anliegens Schönstatts „Bindung an Gott durch Bindung an die Geschöpfe“ in der Person Josef Kentenichs ein System hat entstehen lassen, das vielleicht bereits bei Josef Kentenich, aber vor allem durch Schönstätter und Schönstätterinnen nach seinem Tod vermehrt Situationen hat entstehen lassen, in denen übergriffiges Verhalten und sogar seelische Gewalt geschehen ist.

Eine neue Brille ausprobieren

Wenn sich in Schönstatt die Geltung von Idealen so sehr mit einer Person verbinden, wie es im Fall von Josef Kentenich ist, dann braucht es heute als Ergänzung für eine Zukunft der schönstättischen Spiritualität die Perspektive der Prävention seelischer und natürlich auch sexualisierter Gewalt. In Schönstatt tun wir uns immer noch sehr schwer, den Wert „herzlicher Bindung“ durch den Wert der „Prävention seelischer und sexualisierter Gewalt“ ergänzen zu lassen.

„Schauen wir also genau hin!“, so formulierte es ein Teilnehmer in der Diskussion, wenn in unseren Apostolatsfeldern Strömungen und Bindungen entstehen, die gerne als ideal wahrgenommen werden und werden wollen.

Mit diesem Willen zum Blick durch die Brille der Missbrauchsprävention auf unsere uns so wertvolle Strömungs- und Bindungspädagogik sollten wir in die Zukunft unseres Engagements für und durch die schönstättische Spiritualität gehen, so ein kleines Ergebnis unserer Diskussion im SMJ-Webinar zu den Fragen um die Person Josef Kentenichs von Samstagnachmittag.

* SMJ= Schönstatt-Mannesjugend

 

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