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Veröffentlicht am 2020-11-14 In Kentenich

Offener Brief an Frau von Teuffenbach

Von  Paz Leiva, Madrid, Spanien, 07.11.2020 •

Frau von Teuffenbach: Ich habe Ihr Buch gelesen. Es war nicht leicht, und zwar nicht wegen der Sprache. Durch die Dokumentation, die Sie zur Verfügung stellen, war der Bildschirm manchmal verschwommen, ich hatte einen Kloß im Hals, und mir drehte sich der Magen um. Ich habe eine schwere Zeit hinter mir.

Dennoch muss ich meine Bewunderung für Sie gestehen. Sie haben in Rekordzeit ein Werk vollbracht, das Schönstatt (spätestens) 1975 hätte beginnen sollen. Aber wir waren sehr beschäftigt, feierten Meilensteine, Jubiläen, Daten, und wenn wir nicht gerade dabei waren, krönten wir die Gottesmutter.

Sowohl mein Mann als auch ich sind seit 50 Jahren Schönstätter. Wir lernten die Bewegung während unserer Jugendzeit kennen. Wir hatten das Glück, auf diesem Weg Menschen zu treffen, die uns nicht belogen haben, wenn wir unbequeme Fragen gestellt haben. Ihr Buch deckt Geschichten auf, die wir nicht kannten. Natürlich standen sie unter dem „Geheimnis der Heiligsprechung“.

Das Werkzeug, das Gott auserwählt hat, um uns dieses Erbe zu hinterlassen

Was wir in Schönstatt gelernt und erlebt haben, verdanken wir Pater Kentenich. Wir werden ihm für alles, was wir erhalten haben, immer dankbar sein. Wir haben nie das idyllische Bild eines „Heiligen schon in den Windeln“ gehabt, wir haben ihn weder auf die Altäre gestellt, noch haben wir Kerzen angezündet oder Blumen vor sein Bild gestellt. Wir lieben ihn mit einer reifen Liebe, nicht blind, mit einer Liebe, die fähig ist, alles zu ertragen.

Deshalb wollen wir, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Wir werden sie mit all ihren Konsequenzen annehmen, wir werden die Geschichte annehmen und wir werden weiterhin hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und im Rahmen unserer Möglichkeiten all das Gute weitergeben, das wir in Schönstatt gelebt und gelernt haben.

Ob das Werkzeug, das Gott gewählt hat, um uns dieses Erbe zu hinterlassen, heiliggesprochen wird oder nicht, ist für uns nicht von Bedeutung. Sein Werk liegt uns am Herzen, denn wir sind davon überzeugt, dass es für viele ein guter Weg ist.

Frau von Teuffenbach: Vielen Dank für Ihre Arbeit: Sie gibt uns die Möglichkeit, zur Wahrheit zu gelangen. Es gibt viele von uns Schönstättern, die sicher sind, dass es nicht hilft, den Kopf in den Sand zu stecken, im Gegenteil: das erzeugt bloß Unsicherheit und damit Misstrauen. Und das ist es, was wir vermeiden wollen. Besser die Wahrheit, so schwer sie auch sein mag, als mit Zweifel und Misstrauen zu leben.

P. Kentenich 1945 (tercero de derecha)

P. Kentenich 1945 (dritter von rechts)

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