Veröffentlicht am 2020-06-25 In Kentenich, Projekte

Fünfzig Jahre Josef-Kentenich-Institut

Interview mit Dr. Peter Wolf, Gründungsmitglied des  Josef-Kentenich-Institutes •

„Der 50. Gründungstag des Josef Kentenich-Instituts nähert sich. Die große Jahrestagung und der geplante Kongress sind der Corona-Pandemie zu Opfer gefallen.  Vom 6. – 8. Juli wollen wir es hier in Oberkirch am eigentlichen Ort des Geschehens im kleinen Kreis feiern. Ich hätte schon das Interesse, dass diese Initiative für das Werk unseres Vaters nicht ganz in  der Corona-Versenkung verschwindet. Könnten Sie uns helfen?“, schreibt Dr. Peter Wolf an die Redaktion von schoenstatt.org. Wenn es um Pater Kentenich und das tiefere Durchdringen seines Denkens geht, helfen wir gern – und fragten Gründungsmitglied Dr. Peter Wolf nach dem Josef-Kentenich-Institut, seiner Entstehung, seinem Wirken und seiner Relevanz für Schönstatt und darüber hinaus heute. —

Das Josef-Kentenich-Institut (JKI) ist gewachsen aus einer Initiative von Mitgliedern des Schönstatt-Instituts Diözesanpriester. Diese hatten das Anliegen, aus den Erfahrungen ihres Theologiestudiums heraus die Anliegen des Gründers der Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich (1885-1968), in die Diskussion mit aktuellen Ergebnissen der theologischen, pädagogischen, psychologischen und sozialen Wissenschaften zu bringen und sie mit gegenwärtigen Problemen in Kirche und Gesellschaft zu konfrontieren. (Geschichte des JKI) Ziel des JKI ist somit eine tiefere wissenschaftliche Durchdringung des Ansatzes von Josef Kentenich und das Hineintragen seiner Anliegen in die heutige Wissenschaft, so erfahren wir aus der schön gemachten Homepage des JKI (www.j-k-i.de), die eine Reihe von echten Schätzen bietet, unter anderem eine Onlineversion des Schönstatt-Lexikons und eine Onlineversion des Kentenich-Readers in Deutsch und Englisch.

Mons. Dr. Wolf, wie war der Anfang des Josef-Kentenich-Instituts?

Dr. Peter Wolf

Dr. Peter Wolf

Das Gründungsdatum sollte der 8. Juli 1970 sein. Als Ort wählten wir das Schönstatt-Zentrum Marienfried in Oberkirch, wo der Gründer drei Jahre zuvor die Schönstatt-Bewegung der Erzdiözese Freiburg besucht hatte. Wir trafen uns im Konferenzraum des damals neuen Pater Kentenich-Hauses. Ich sollte den Festvortrag zur Gründung halten. Der Titel lautete: Das Charisma Pater Josef Kentenichs in seinem Anspruch an die Theologie. Im Gründungsvortrag wird das Josef-Kentenich-Institut als Jubiläumsgeschenk zum 60. Priesterweihetag des Gründers vorgestellt, das er sich schon lange gewünscht hat.“

Welches Anliegen stand hinter der Gründung damals?

„Vor allem sahen wir die Aufgabe vor uns, was Pater Kentenich in der Theologie seiner Zeit aussagte, verstehend aufzunehmen und es in Konfrontation mit den neueren theologischen Strömungen aufzuschließen und zu übersetzen. Uns war bewusst, dass eine solche Reflexion und Übersetzung getragen sein muss von Menschen, die dem Gründer zutiefst verbunden sind und im Lebensstrom seiner Bewegung stehen.

Bereits in den ersten Jahren weitete sich der Kreis der Mitglieder des JKI über den Priesterverband hinaus, wie es von der Arbeitssatzung bei der Gründung vorgesehen war. Bemerkenswerte Zugänge der ersten Jahre waren: P. Paul Vautier aus der Schweiz und P. Günther M. Boll aus dem Kreis der Schönstatt-Patres. Letzterer galt damals bereits in der Bewegung als ausgezeichneter Kenner des Gründers. Er hatte nach dem Tod des Gründers begonnen, wichtige Texte zu publizieren und war als Mitglied der Redaktion der internationalen Zeitschrift REGNUM und so für das JKI ein wichtiger Kontakt hinein in führende Kreise der Bewegung. Im Wintersemester 1973/74 stieß P. Lothar Penners, der an der Universität Freiburg an einer Dissertation bei Prof. Klaus Hemmerle arbeitete, zum JKI. Seit 1974 arbeite Frau Gertrud Pollak mit, die damals an der Uni in Freiburg Germanistik und Theologie studierte und später mit einer Arbeit über die Säkularinstitute bei Prof. Karl Lehmann promoviert wurde. Solche Zugänge erlebten wir als Ermutigung und Bestärkung auf dem eingeschlagenen Weg.“

Wie haben Sie denn damals angefangen zu arbeiten? Gibt es so etwas wie ein „erstes Werk“?

„Die erste Aufgabe, der wir uns als neu gegründetes Institut stellten, war die Überarbeitung der Ergebnisse des Mariologischen Seminars und deren Herausgabe als Buch, mit dem wir uns in der eigenen Gemeinschaft und in Schönstatt „vorstellen“ wollten. Als Titel entschieden wir uns für: „Maria, der neue Mensch in Christus“. Die Herausgabe in Buchform lag in den Händen von Karl-Heinz Mengedodt, dem ersten Präsidenten des JKI. Er war es auch, der eine bezahlbare Druckerei in studentischer Trägerschaft in der Freiburger Altstadt, in der Nähe der Gaststätte „Wolfshöhle“, ausfindig gemacht hat. In den unterirdischen Räumen der Druckerei hingen überall Plakate von kaum bekleideten Damen. Wir spürten, dass die Umgebung nicht recht zu unserem Buch und unserem Thema passte. Ich erinnere mich, dass ich mich bei der Gottesmutter quasi entschuldigte mit den Worten: „MTA, mach die Augen zu!“ Dreihundert Exemplare hatten wir drucken lassen. Jedes von unseren ersten Mitgliedern des JKI sollte ein Exemplar erhalten. In der eigenen Gemeinschaft und in Schönstatt boten wir es zum Selbstkostenpreis (5 DM) an. Ich erinnere mich neben besorgten und kritischen Rückfragen (auch eine Vorladung in der Marienau) an viele positive und dankbare Echos, vornehmlich aus dem Kreis interessierter Mitbrüder im Priesterverband.“

In den 50 Jahren seines Bestehens hat das JKI zahlreiche weitere Bücher und Schriften herausgegeben und Fortbildungen, Kurse und Studientagungen veranstaltet. Gibt es einen besonderen Meilenstein?

Anfang der 90 Jahren entstand die Idee, einen Preis auszuschreiben und so Kräfte über den Kreis des JKI hinaus zu Studien über Kentenich anzuregen. Es war in einem Gespräch zwischen Frau Dr. Gertrud Pollak und mir über die Frage, wie wir Studierende interessieren und dafür gewinnen könnten, sich in ihrem Studium stärker mit Kentenich und Schönstatt zu befassen. In Freiburg waren für Theologen wiederholt Preise ausgeschrieben für Abschluss-Arbeiten zur schlesischen Kirchengeschichte. So etwas wollten wir für unser JKI und entwarfen bald ein Prospekt mit den konkreten Bedingungen und mit einem Preisgeld von 500 DM. Der neue Preis wurde gerne aufgegriffen und schon 1994 konnten wir den ersten Preisträger ehren. Bis zum Jahr 2019 gibt es 22 JKI-Preisträger, davon neun Autorinnen und 13 Autoren.

Der Preis hat dazu geholfen, unser Institut unter der Schönstatt-Jugend bekannter zu machen, hat uns aber nicht den erhofften Zuwachs an neuen Kräften für das JKI gebracht.

Auch die über die Schönstatt-Bewegung hinaus sind die Kurse zur Geistlichen Begleitung bekannt. Was ist das Besondere daran?

Bei anregenden Pastoral-Tagungen Anfang der 80er Jahre, bei denen auch Referenten aus dem JKI mitwirkten, kam das Thema der geistlichen Begleitung ins Wort. Das Thema war immer dringlicher geworden und sollte mit dem Wagnis eines „Grundkurses für Geistliche Begleitung“ vom JKI aufgegriffen. Damit geschah der wichtige Schritt zu einer neuen Erfahrung unseres Instituts durch das Angebot von Ausbildungskursen. Der erste Grundkurs stand unter der Leitung von P. Peter Locher und startete im Jahr 1986. In die Startzeit der Kursangebote zur Geistlichen Begleitung fällt die Veröffentlichung des Buches: Weg-Begleitung: Geistliche Führung zu mündigem Christsein, Hrsg. Karl Heinz Mengedodt, Vallendar 1987. Es wollte die Spur zeigen, in der wir diese Angebote des JKI verstanden wissen wollten.

Zwischen 1986 und 1998 wurden auf Berg Moriah insgesamt sieben Grundkurse Geistliche Begleitung durchgeführt. Nachdem die Kurse zunächst eher von Mitgliedern der Schönstatt-Bewegung besucht wurden, weitete sich der Teilnehmerkreis mehr und mehr zu pastoralen Mitarbeitern und Mitgliedern verschiedener Orden und geistlicher Gemeinschaften aus verschiedenen Diözesen. In den Jahren 2002 bis 2008 folgten Kurse zu verschiedenen Fragen innerhalb der Geistlichen Begleitung. Heute gibt es weiterhin den Grundkurs Geistliche Begleitung sowie Fach- und Vertiefungstagungen.

In den Kursen zur Ausbildung von Geistlichen Begleiterinnen und Geistlichen Begleitern entwickelte sich neben den Standards, die für diese Ausbildungsgänge vorgesehen sind, immer auch das Arbeiten mit den jeweils neuen Erkenntnissen im Bereich der Psychologie, der Gesprächsführung, der Theologie, der Anthropologie und der Pädagogik. Im Sinne Josef Kentenichs haben die Kurse jeweils die persönlichen Prozesse und die prozessorientierte Arbeitsweise der Gruppen im Blick. In jedem der Teilbereiche war es dem JKI wichtig, mit Kursbegleiterinnen und Kursbegleitern zu arbeiten, die sich selbst durch Fortbildungen oder Studium entsprechend qualifiziert hatten.

Die Angebote der Ausbildung zu Geistlichen Begleiterinnen und Begleitern haben das JKI deutlich über Schönstatt hinaus bekannt gemacht und dem Institut Beachtung und Anerkennung auf dem Gebiet der Ausbildung zur Geistlichen Begleitung eingebracht.

 

Herzlichen Dank, Dr. Wolf, für die interessanten Einblicke in das JKI. Ich wünsche mir, dass es noch viel mehr bekannt wird. Was Sie und die anderen Teilnehmer der Feier im kleinen Kreis sich für die Zukunft des JKI vorstellen, hoffen wir, danach von Ihnen zu erfahren!

Herzlichen Glückwunsch, JKI!

Internetauftritt des JKI

 

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