Veröffentlicht am 24. September 2018 In Kentenich

50 Jahre später … 15. September in Schönstatt

DEUTSCHLAND, Roberto González •

Am vergangenen Wochenende haben wir das 50-jährige Jubiläum der Heimkehr Pater Kentenichs zu Gott begangen. Hier in Schönstatt war eine zahlenmäßig recht große Feier. Eine Frage ist mehrfach aufgetaucht: 50 Jahre sind vergangen, wohin gehen wir? —

Während der sogenannten „Gründer-Nacht“ am 14. September traf sich die deutsche Familie in der Anbetungskirche, um offiziell das Jubiläum zu beginnen. Es wurde eine Analyse darüber gemacht, was diese 50 Jahre nach dem Tod des Gründers für Schönstatt bedeuten, und als Impuls wurde ein neues Fenster für die heutige „Gründerkapelle“ geschenkt mit einer Darstellung des Pfingstfeuers.

Schon seit Freitagabend und dann vor allem am Samstagmorgen trafen etwa 2000 Pilger aus verschiedenen Teilen Deutschlands und einigen anderen Ländern ein, um dieses Ereignis geistlich verbunden mit dem Vater zu feiern; bei dieser Gelegenheit erhielten wir alle ein „Feuer von seinem Feuer“ für die Zukunft Schönstatts und der Kirche.

Das Feuer des Vaters wurde von seinem Grab aus zu fünf Schalen gebracht, die die fünf Kontinente darstellen sollten, die wir als Schönstätter mit seinem Feuer entzünden möchten.

Im Geist dieses Feuers, des Gründergeistes (Gründergeist ist das zentrale Wort im der Jahresparole der deutschen Schönstattfamilie) haben sich weitere Fragen gestellt: Was würde unser Vater und Gründer über die Zeit sagen, in der wir als Kirche und Gesellschaft leben? Ist Schönstatt bis heute so gewachsen, wie er es sich vorgestellt hat? Erfüllen wir treu „seine stille Lieblingsidee“?

Heilige Messe mit Weihbischof Gerber zur Todesstunde P. Kentenichs in der Dreifaltigkeitskirche, 5.09.2018 – Foto: Epele

Sein Leben und seine Vision „aus dem Grab holen“

P. Alexandre Awi de MelloPater Alexandre Awi de Mello hat uns in seiner Predigt am Samstagmorgen eingeladen, mehr über seine Pädagogik und die Kapitel seines Lebens zu erfahren, um seine Vision der heutigen Welt „aus dem Grab zu holen“ in einer Kirche, die Dialog und Vielfalt in Föderativität braucht, wie wir sie als Bewegung anbieten können.

Von den Stimmen der Zeit her

Am Tag darauf, am 16. September, feierte Kardinal Marx, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, die heilige Messe in der Pilgerkirche. Pater Kentenich sei wach für seine Zeit gewesen und habe Ausschau nach dem Neuen gehalten. „Das muss auch unser Auftrag heute sein, die Zeichen der Zeit zu erkennen und den Blick auf das Neue zu wagen.“ Schönstatt mit seiner Gnadenkapelle sei ein Ort, der inspiriere und ermutige, an dem man hören könne, was der Geist zu sagen habe. „Wir sind hineingenommen in die Gemeinschaft der Kirche, wie es Papst Franziskus betont, als ein Volk, als eine Gemeinde. Der Geist ist immer am Werk, wir müssen nur aufmerksam sein für ihn und hören auf das, was er uns in dieser Zeit sagt. Dazu brauchen wir Mut, neue Wege zu gehen“, so Kardinal Marx. Er dankte Schönstatt als Bewegung für die Arbeit, die sie in der Kirche leistet, vor allem in der Zusammenarbeit von Priestern und Laien.

Die ganze Zeit zwischen dem Tod des Gründers und heute sei geprägt von einem Wachstumsprozess der Bewegung als solcher. In dieser Zeit suchten viele Menschen neue Wege der Bindung an Gott, und für viele sei die Verbindung mit Maria und der Kirche durch das Liebesbündnis und die Pilgernde Gottesmutter eine Antwort geworden, diese Brücke zum Himmel für viele, die einfach jemanden brauchen, der zuhört.

Doch zugleich gelte es, die Situation in der Kirche wahrzunehmen, nicht wegzuschauen. „Die Kirche geht durch Höhen und Tiefen. Gerade in diesen Tagen denken wir an die dunklen Seiten dessen, was in der Kirche geschehen ist und geschieht. Tief bedrückt, erschüttert und beschämt sind wir von der Realität sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in der katholischen Kirche …“ Seit 2002, dann besonders ab 2010 und jetzt wieder, spüre die Kirche, dass die tiefe Wunde des Missbrauchs nicht verheile. „Wir stehen an der Seite der Betroffenen sexuellen Missbrauchs. Das ist unsere bleibende Verpflichtung. Es ist noch immer erschütternd, was Kindern und Jugendlichen, die sich Priestern anvertraut haben, durch dieses unvorstellbare Leid widerfahren ist. In den Betroffenen schaut Gott uns an, er leidet wie die Opfer unter dem was Priester – Männer die Gott folgen wollten – Minderjährigen angetan haben. Gott leidet an dem, was wir übersehen, wo wir weggeschaut haben, was wir nicht wahrhaben wollten. Er schaut uns an in den Betroffenen, den Geschlagenen, den Verwundeten. Deshalb braucht es einen neuen Aufbruch in dieser Kirche, gegenüber den Betroffenen und Gott“, so Kardinal Marx. 

„Wir werden darüber in der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda sprechen und uns fragen, was daraus folgt“, sagte Kardinal Marx. Deshalb sei dieser Gottesdienst in Schönstatt in besonderer Weise unter das Erbarmen Gottes gestellt.  „Dieses Erbarmen brauchen wir, um das Geschenk des Glaubens zu erneuern. Wir brauchen das Erbarmen auch für die Wahrheit dessen, was inmitten unserer Gemeinschaft geschieht – durch mangelnde Aufmerksamkeit, fehlende Sensibilität, durch das Fehlen von Liebe. Deshalb bittet die Kirche um das Erbarmen Gottes für die Kirche und alle Menschen“, so Kardinal Marx.

Schönstatt bin ich

Es gab einen Moment des Tages, der vielleicht unbemerkt geblieben ist. Unter all den Aktivitäten und gleichzeitigen Vorträgen, Zeugnissen, Filmen, Präsentationen über sein Leben gab es die Galerie der großen Schönstätter. Es war weder eine weitere Galerie noch eine klassische, sondern dort waren möglicherweise all die großen Menschen, die ihr Leben für Schönstatt und für das Leben des Vaters gegeben haben, versammelt. Zu den bekannten wie Josef Engling, Joāo Pozzobon, Alex Menningen, Franz Reinisch , Mario Hiriart oder Ehepaar Kühr kamen viele der geistlichen Söhne und Töchter Pater Kentenichs, die bis ins Mark „Schönstatt“ aufgenommen haben und aus ihren ganz unterschiedlichen Berufungsoptionen Zeugnis des Lebens für uns sind.

Vater, wohin gehen wir jetzt mit dir?

Unter diesem Gesichtspunkt sollte der 15. September nicht Erinnerung an den Tod des Gründers von Schönstatt sein, sondern sein Leben feiern. Daran erinnerte P. Am Schluss der Feiern am Samstag, als er aufrief, uns die Liebe Pater Kentenichs zu Maria, zur Schönstattfamilie in alle ihrer Vielfalt und seine Liebe zur Kirche, für die er alles gewagt und für die er bis zum Ende gewirkt hat, zu eigen zu machen. Das zusammen ist seine Mission und das Feuer, das er uns hinterlassen hat. Wie ist unsere Antwort als Schönstätter, die wie den Beginn des zweiten Jahrhunderts Schönstatts erleben?

Die Feier des 50. Todestag war so auch indirekt eine Erneuerung des Engagement mit und für Pater Kentenichs, eine Verpflichtung, weiterhin Schönstatt zu bauen und mit ihm in seinem Dilexit Ecclesiam Kirche zu sein. Wir alle haben am Wochenende unser Bündnis mit ihm in seinem Grab geschlossen, weil das ganze internationale Schönstatt dort vertreten war.

Vater, wohin gehen wir jetzt mit dir?

Predigt von Weihbischof Gerber

Predigt von P. Alexandre Awi de Mello

Botschaft P. Juan Pablo Catoggio

Zusammenfassung der Ansprache von Kardinal Marx

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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