Veröffentlicht am 12. November 2016 In Kentenich

„Da kommt der Prophet zum Vorschein“ – 50 Jahre Bündnis mit dem Vatergott

DEUTSCHLAND, Maria Fischer •

Der bewegendste Augenblick ist ganz leise und fast so überraschend wie der Moment damals vor 50 Jahren, als Pater Kentenich in Köln das Liebesbündnis der ganzen Schönstattfamilie mit dem Vatergott verkündete und schloss. Es ist nach dem Festgottesdienst, die Organisatoren, die schon vor dem Heiligtum stehen, sind noch dabei, die Prozession zum Heiligtum anzukündigen, und einer von ihnen fragt: „Wo ist denn jetzt das Vatersymbol?“

Das ist in den Händen von Pater Juan Pablo Catoggio, der es aus der Elendskirche herausgetragen und  sich nun umgedreht hat, um jeden, wirklich jeden, einzuladen, dieses Symbol zu berühren und sich so in das Bündnis mit dem Vatergott hineinzugeben. Überraschte Gesichter, manche Zaghaftigkeit mit 50 cm Sicherheitsabstand zwischen Hand und Vatersymbol. „Fassen Sie es wirklich an, berühren Sie es“, macht Pater Juan Pablo Catoggio Mut. Die Kinder sind spontan und legen ihre Hände sofort darauf. Und dann beginnen fast 20 Minuten von persönlicher Begegnung. Alte Hände, zitternde Hände, Kinderhände, junge Hände, große kräftige Hände, Hände von Ehepaaren…

“ Es geht darum, dass wir Gott lebendig erfahren und lebendig erfahren lassen. Gott ist eine Realität, die Realität, hat unser Vater oft gesagt, die Realität aller Realitäten. Dass Gott auch eine lebendige, gegenwärtige Realität ist, eine Person, ein persönliches Du, ja und noch mehr, dass Gott nicht nur Realität und nicht nur persönliches Du, sondern dass er unser Vater ist, er die Liebe schlechthin ist, der barmherzig liebende Vater. Unser Vater versucht manchmal die größtmöglichen Steigerungen zu bieten: der unendlich liebende barmherzige Vater. So ist das Gottesbild, das uns in unserer Erfahrung als Schönstattfamilie geschenkt worden ist und zum Auftrag, zur Sendung geworden ist. Diese Erfahrung des Vaters und dieses Bündnis mit dem Vater als Antwort auf seine barmherzige Liebe ist das Herz, der Kern des Evangeliums“, wird Pater Juan Pablo Catoggio am Nachmittag in seinem Vortrag sagen.  In diesen Minuten geschieht etwas davon.

Ein Schritt des Propheten, der Familie voraus

“ Die Kölner Schönstattfamilie hatte Pater Kentenich eingeladen, er sollte im Heiligtum das Symbol des Vaters, das Vaterauge, anbringen. Er ist gerne der Einladung gefolgt und hat es getan. Aber er hatte etwas viel Größeres vor, er hatte für sich noch etwas darüber hinaus im Herzen, und er hat jetzt von sich aus dieses Ereignis als das Liebesbündnis der ganzen Schönstattfamilie mit Gott dem Vater bezeichnet“, so Pater Juan Pablo Catoggio, Vorsitzender des Generalpräsidiums des internationalen Schönstattwerkes, am 5. November 2016 beim Schönstatt-Heiligtum in Köln, wo gut 250 Menschen zusammengekommen sind, um am Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit ein Ereignis zu feiern, das 50 Jahre zuvor an diesem Ort stattgefunden hat und das die Anwesenden damals nicht wenig überrascht, ja, überrumpelt hat.

Denn, so Pater Catoggio weiter: „Das hat natürlich keiner damals geahnt, keiner hat davon etwas gesagt und unser Vater und Gründer hat, ohne etwas zu fragen und ohne jemanden zu fragen und ohne etwas zu erklären einfach so gehandelt. Das ist das Liebesbündnis mit dem Vatergott und zwar der ganzen Schönstattfamilie. Ich bleibe ein bisschen dabei stehen und lade Sie ein,  auch dabei stehen zu bleiben und darüber nachzudenken, denn unser Vater hat nicht so oft solche Dinge gemacht, aber wohl mehrere Male, wo er einfach ohne Absprache und ohne zu warten, dass etwas vielleicht einfach von uns aus, von der Familie aus kommt,  von sich aus eine Initiative ergreift  oder eine Entscheidung trifft, die er eigentlich nur in der Autorität eines Gründers machen kann. Er konnte das machen. Er hatte die Autorität des Gründers. (…) Mir sind diese Momente sehr wichtig, weil sie einmal zeigen, selbstverständlich, wie unser Vater aus dem Vorsehungsglauben immer wieder nach dem Willen Gottes gesucht hat. Ständig! Er war ein Gottessucher, Sucher seines Willens und hat sich ständig nur eines gefragt: Was steht im Plane? Aber oft war er der Einzige, der diese Einsicht gehabt hat, der diese Überzeugung gewonnen hat und danach  einen Schritt getan und damit auf Gott geantwortet hat in der Erwartung, die meistens auch erfüllt wurde, dass die Familie nachkommt, dass die Familie dann seine Lieblingsidee – 18. Oktober – oder sonst seinen Plan mitmacht, diesen Schritt unseres Vaters mitgeht. So war es auch damals vor 50 Jahren. Unser Vater hat einfach einen Schritt getan, der Familie voraus, als Gründer, aber hat den Weg gewiesen, hat den Weg gezeigt und geöffnet, und hat als erster diesen Schritt getan: Das Liebesbündnis mit der Gottesmutter führt uns zum Bund, zum Bündnis mit der Dreifaltigkeit, letztlich besonders mit dem Vatergott. Und das hat er nicht nur verkündet, das hat er getan. Worte und Zeichen, Worte und Taten kommen bei ihm immer zusammen, und man merkt, dass bei diesen besonderen Gründerhandlungen, -entscheidungen oder -akten der Prophet in besonderer Weise zum Vorschein kommt. Da steht er nicht so sehr als der Pädagoge vor uns, der Prozesse anstößt und begleitet, sondern da steht unser Vater als Prophet und als Gründer, der so handeln muss und nicht anders kann.“

Eine entschlossene Deutung von  Pater Juan Pablo Catoggio, der am Anfang seines Vortrags gemeint hatte, er sei nicht so sehr wegen seines Amtes, sondern wegen seiner Herkunft aus Argentinien – dem Land der Vatersendung – zu diesem Fest eingeladen worden: Das Bündnis mit dem Vatergott, das Liebesbündnis mit dem barmherzigen Vater, als prophetischer Schritt Pater Kentenichs wie nur wenige andere, in der Hoffnung, dass die Familie nachkommt.

161105-koeln-vaterbuendnis-39GOTTvertrauen

Etwas davon geahnt, dass ein solcher Vorgang nicht nur mit einer Jubiläumsfeier wie so viele andere auch begangen werden könnte, hatten schon einige Jahre zuvor Familien des Familienbundes, die zu Initiatoren des Projektes GOTTvertrauen wurden, mit dem Mitte des Jahres und mitten im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit das Bündnis mit Gott dem Vater im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße gebracht wurde, in einem Fußpilgerweg von Köln nach Schönstatt.

Auch davon war an diesem Tag in Köln etwas zu sehen und zu hören – nicht zuletzt in der Anwesenheit so vieler Familien des Familienbundes und dem freudigen Wiedersehen vieler Teilnehmer des Projektes GOTTvertrauen.  Am Schluss des Tages gaben Diana und Lukas Schreiber ein Zeugnis davon, wie das Wort Pater Kentenichs von der Sehnsucht des Herzens nach dem Bündnis mit dem Vatergott für sie zur Realität geworden ist. Wenn Gott nur noch ein weiterer Bereich im sowieso schon viel zu vollen Leben ist, dessen Anspruch man gerecht werden muss, dann „gehen wir laufen“, so die beiden. Bündnis mit dem Vatergott dagegen heißt, das ganze Leben von diesem liebenden Gott durchdringen lassen und sich von diesem Vater überraschen lassen.

Um das vielen zur Erfahrung werden zu lassen, haben sie mit anderen zusammen das Projekt GOTTvertrauen angestoßen, von dem dann Werner Philipps berichtete – von diesen 107 Kilometern, die Menschen im Alter von 4 bis 84 Jahren gegangen sind, um dann im Urheiligtum durch die Heilige Pforte zu gehen, um im GOTTvertrauen zurückzugehen in den Alltag und dort GOTTvertrauen zu verbreiten.

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Weihbischof Steinhäus

 

Die Heiligen Pforten – Symbol der weit geöffneten Arme des barmherzigen Vaters

Begonnen hatte die Feier am Morgen mit einem musikalisch schön gestalteten Festgottesdienst in der Elendskirche mit Weihbischof Steinhäuser, der Kardinal Woelki vertrat, der an diesem Tag zur Seligsprechung des Kölner Priesters Antonius Joseph Marxen (1906-1946), der zusammen mit 37 weiteren Katholiken als Märtyrer des damaligen kommunistischen Regimes seliggesprochen wurde,  in Albanien weilte.  Weihbischof Steinhäuser betonte, dass er als Nichtschönstätter durchaus das Liebesbündnis mit Maria gekannt habe, die Bündnisbeziehung zu Gott dem Vater ihm aber ganz neu gewesen sei. Doch es sei hochaktuell. Wir brauchten heute nicht einfach ein Bild Gottes, auch nicht das Bild des gerechten Gottes, sondern das des barmherzig liebenden Vaters. Das sei der Kern des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus ausgerufen habe. Im Gleichnis vom Barmherzigen Vater zeige Jesus uns, wie Gott zu uns steht: als unendlich und unbegreiflich barmherziger Vater. Die Heiligen Pforten in Rom und auch etwa am Kölner Dom seien Symbol für die weit geöffneten Arme des Vaters.

Zusammen mit Weihbischof Steinhäuser und Pfr. Schnocks, der den erkrankten Diözesanpräses vertrat, standen über 20 Priester aus den vier Priestergemeinschaften Schönstatts am Altar.

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P. Juan Pablo Catoggio

 

Bündnis mit dem Vatergott: Gabe, Aufgabe, Sendung

Es ist Zeit für persönliche Begegnungen, Gespräche, Gebet im Heiligtum, für einen Rückblick auf den 30. Oktober 1966 – als Zeitzeugin spricht Hildegard Beckmann -, für Zeugnisse aus den verschiedenen Generationen. Dass diese Feier gerade in der Zeit zwischen Tod und Beisetzung von Pastor Heinz Künster, des Hüters des Vatersymbols für das Urheiligtum, stattfindet, bewegt viele.

Es gehe nicht einfach darum, zurückzublicken, sagt Hildegard Beckmann, eine der Motoren für diese Feier, sondern die Bedeutung des Vaterbündnisses für heute deutlich zu machen. So wie es Pater Juan Pablo Catoggio im Vortrag am Nachmittag unternimmt, wenn er aufzeigt, dass dieses Bündnis mit dem Vatergott eine Antwort ist auf die Zeit, dass es der Kern des Evangeliums ist und eine Gnade, die es von Gott zu erbitten gilt; dass es aber auch jedem als Aufgabe gegeben ist – zunächst als Aufgabe, persönlich in dieses Bündnis hineinzufinden, und dann, so davon Zeugnis zu geben, dass auch andere es können. “ Das Liebesbündnis mit Gott dem Vatergott ist eine Gabe, ein Geschenk der Gnade, ist eine persönliche Aufgabe und ist letztlich auch eine Sendung, eine Aufgabe im Dienste der anderen“, sagt er, um dann Pater Kentenich zu zitieren, der am 19. März 1952 bei der Anbringung des Vatersymbols im Vaterheiligtum in Argentinien betete:

„So wollen wir bitten und betteln, dass auch der heutige schlichte Akt seine ganze Symbolkraft entfaltet, wollen bitten, dass Gott uns Männer und Frauen schenkt, die nicht nur schön sprechen können, sondern die die ganze Wucht und Kraft der uns von Gott geschenkten, urgewaltigen Sendung für die heutige Zeit verstehen und bereit sind, ihr Leben dafür zu geben.“

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Vollständiger Text des Vortrags von P. Juan Pablo Catoggio – Autorisierte Widergabe des gesprochenen Wortes

Mitschnitt des Vortrags von P. Juan Pablo Catoggio und der Zeugnisse am Nachmittag

Fotos
05.11.2016 - Köln

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