Veröffentlicht am 6. September 2016 In Kentenich

Kongress diskutiert die Schönstatt-Pädagogik

BRASILIEN,  Karen Bueno •

In Londrina im Süden des brasilianischen Staates Paraná fand in der Woche vom 23. – 27. August der Erste Internationale Kongress Schönstatts zu Themen der Pädagogik statt. Zu diesem wissenschaftlichen Ereignis, von der Schule Mãe de Deus der Marienschwestern gemeinsam mit der Staatlichen Universität von Londrina (UEL) sowie der Universität Norte do Paraná (Unopar) veranstaltet, versammelten sich Schüler, Schulträger und Lehrer aus verschiedenen Ländern. Ziel war es, die Pädagogik des Gründers der Apostolischen Schönstatt-Bewegung, P. Josef Kentenich, zu vertiefen und zu diskutieren.

Ungefähr 600 Teilnehmer aus 8 Ländern nahmen an Vorträgen und Podiumsdiskussionen im Theatersaal der Schule teil. Für etliche Fachkräfte aus dem Erziehungssektor war dies der erste Kontakt mit der Schulpädagogik Josef Kentenichs. “Es war eine beglückende Überraschung, die Pädagogik von Kentenich zu entdecken. Ich las bisher nur wenig darüber und fand schön, was ich entdeckte“, sagte Juliana Fernandes. Für Rosana Ribeiro war besonders wichtig, dass es sich um einen internationalen Kongress handelte: “Dies ermöglichte Erfahrungsaustausch und Vertiefung.”

Dom Orlando Brandes - Arcebispo de Londrina

Erzbischof Orlando Brandes von Londrina

Vorträge

Die Vorträge waren geprägt von Fachwissen. Sr. M. Dorothea Schlickmann, die an der Universität Münster, Deutschland, im Fach Pädagogik promoviert hat, bestätigte die Erkenntnis und das Handeln P. Kentenichs, dass nichts die Persönlichkeitsentwicklung stärker fördere als individuelle Wertschätzung, wie P. Kentenich sie schenkte. Als Grundprinzip hat er die seltene Haltung der bedingungslosen und selbstlosen Liebe angewendet. Diese Wertschätzung macht die Liebe echt und weckt im Gegenüber Grundkräfte, die die Selbsterziehung ermöglichen.

Dr. José Moran, Professor der Universität São Paulo, äußerte, dass er bis vor kurzem nichts von der umfangreichen Arbeit Schönstatts gewusst habe und dieser Kongress eine Entdeckung für ihn sei. Er sprach zu den Hörern über neuartige Schulmodelle. “Ich sah interessante und verschiedene Modelle in einigen Institutionen, die Ähnliches anbieten. Was sie gemeinsam haben? Sie haben professionelle Kräfte, angenehmes Ambiente und sind offen für Veränderungen. Eine wichtige Achse ist diese Idee um lebensnahe Projekte, damit der Lernende entdeckt, was er sein möchte und was sein Lebensinhalt sein soll. Dies sind Schulen, die offen sind für die Gesellschaft und damit zu sozialem Engagement beitragen.”

Michael W. Apple, Professor der Universität Wisconsin in Madison, USA, beschloss den Kongress. Sein Thema war die Demokratisierung des Schulwesens: Demokratie heißt immer mehr Auswahlmöglichkeiten anbieten. Aber wie viele können auswählen? In der Praxis sieht es anders aus. Das schwierigste Wort in Englisch, Portugiesisch und Spanisch sei das Wörtchen: “wir”. Es besagt Erneuerung, es bedeutet, dass jeder eine Stimme hat. Wir müssen eine Nation ausbilden, die ein Wir-Gefühl entwickelt, wir müssen eine Pädagogik schaffen, die hilft, dieses Wir-Bewusstsein zu schaffen, wir müssen etwas gemeinsam bilden, ein demokratisches Modell, alle müssen lernen, dass jeder eine Stimme hat, so sein Appell.

Prof Dr. Jose Moran

Dr. José Moran

Das Schüler-Forum

Die Hauptansprechpartner des ganzen Kongresses waren die Schüler. Während des laufenden Kongresses fand gleichzeitig das Erste Forum der Schüler von Schulen mit  Schönstatt-Pädagogik mit 212 Studenten aus 11 Schulen und vier Ländern statt. Die chilenische Schülerin Javiera Alfaro kommentierte: “Es war lustig, wir machten viele Spiele, sangen gemeinsam und lernten viele Leute kennen. Ich schätze das Dokument, das wir über das Erste Forum geschrieben haben, ich meine, dass es etwas sehr Bedeutungsvolles ist, das uns überaus hilfreich werden kann in unseren schönstättischen Bildungseinrichtungen, und ich hoffe weiter, dass es kommenden Generationen hilft.”

Gemeinsam diskutierten die Schüler die Schönstatt-Pädagogik und hatten ebenfalls die Möglichkeit, gemeinsam zu beten, eucharistische Anbetung zu halten und einen Tag für Misiones frei zu halten. Andrés Prieto aus Chile meinte: “Die Misiones waren ein schönes Experiment, wodurch wir unterschiedliche Realitäten in Brasilien kennen lernten. Wir waren in der Kapelle Sant´Ana und spielten mit vielen Kindern, und danach machten wir Hausbesuche.” Die Schülerin Adriana del Salto aus Ecuador meinte schmunzelnd: “Die Kinder verstanden nicht, was wir sagten, aber wir waren alle begeistert und glücklich, und die Lehrer waren auch ganz offen für uns.”

Die Kentenich-Pädagogik

1912 erhielt P. Josef Kentenich die Beauftragung als Spiritual der jungen Pallottiner-Seminaristen. Damit begann er, in der Öffentlichkeit seine bedeutenden Fähigkeiten als Erzieher einzusetzen. Stets versuchte er, den Menschen zu helfen, ihren wahren Wert und ihre Originalität zu entdecken und ihre von Gott geschenkten Fähigkeiten und Anlagen optimal zu entwickeln.

Seine Pädagogik ruht auf 5 Säulen, die Leitsterne genannt werden. Es sind die Bündnis-, Bewegungs-, Ideal-, Vertrauens- und Bindungspädagogik. Eine seiner Zentralideen ist die Selbsterziehung, der Maria als Mutter und Erzieherin zu Hilfe eilt, um feste, freie und apostolische Persönlichkeiten zu formen.

forum de estudantes

Original: Portugiesisch. Übersetzung: Mechthild Jahn und Renate Dekker,  Bad Ems, Deutschland

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