Veröffentlicht am 29. März 2015 In Kentenich

Fastenzeit 2015: Die Fruchtbarkeit des Samens – Teil VI

von Sarah-Leah Pimentel, aus Kapstadt

Gott schreibt auf krummen Zeilen gerade. Das ist unsere Lebenserfahrung. Manchmal funktionieren unsere perfekten Pläne nicht. Ein andermal fühlen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und die Umstände stellen alles auf den Kopf. Die neugeborene Schönstattbewegung von 1914 konnte sich die Ereignisse nicht vorstellen, die die Geschichte ihrer ersten hundert Jahre geformt hat.

Gott schreibt auf krummen Linien gerade

2016-03-04-2-01-josef-englingImmer wieder schien alles dagegen zu wirken. Josef Engling, Max Brunner, Hans Wormer – einige der ersten Sodalen – bekamen nicht einmal die ersten fünf Jahre vom Schönstattleben zu sehen. Die ersten Schönstätter Marienschwestern waren nach Südafrika ausgesandt, und dann hatten die amerikanischen gerade kaum ihre Gründung abgeschlossen und fanden sich in einer Art Exil in fremdem Land, wo sie herausfinden mussten, wie es mit ihnen weitergehen sollte. Und niemand geht in ein Konzentrationslager und erwartet zu überleben.

Das ist kaum der beste Weg, um die Grundlage zu einer internationalen spirituellen Bewegung zu bauen. Und doch, Gott hat diese krummen Zeilen ausgewählt um auf ihnen zu schreiben. Wenn wir also diese Fastenzeit-Serie abschließen, lassen Sie uns wieder darauf schauen, wie Pater Kentenich den besten Boden für das Wachstum beschreibt: „Die nützlichen äußeren Wachstumsbedingungen sind Schwierigkeiten verschiedenster Art und verschiedenen Grades, sind dauernde innere und äußere Kämpfe.“ (Josef Kentenich, 1954/55, Kentenich Reader Bd. II, S. 26) Und ich will den Satz hinzufügen, der aus dem Zitat erfolgt, mit dem wir fünf Wochen gearbeitet haben: „Das ist [Was ist] gemeint, wenn wir sagen, dass Schönstatt ein Kriegskind ist.“

Kriegskind

Niemand bittet um Kampf in seinem Leben. Aber es sind die Zeiten des Kampfes, die uns stärker machen. In der Drangsal erkennen wir, dass wir uns nicht nur auf uns selbst verlassen können. Stattdessen werden wir aufgefordert, uns – zuallererst – auf Gottes Festigkeit zu verlassen, auf die Fürbitten der Gottesmutter für uns und auf die Führung des Heiligen Geistes. Wir müssen uns aber auch aufeinander verlassen. Jeder von uns ist schwach, aber wenn wir geschlossen zusammenkommen, sind wir stark, und unser Glaube kann sogar das Unmögliche möglich machen. Die Gebete und das Streben vieler war es, was Pater Kentenich heimbrachte … zweimal.

Wenn wir in unser zweites Schönstatt-Jahrhundert gehen, können wir sicher sein, dass diese Bewegung, die ein Kriegskind ist, manchen Kämpfen gegenüberstehen wird. Aber wir können versichert sein, dass Pater Kentenichs Wort von 1929 sich weiterhin als wahr erweisen wird: „Im Schatten dieses Heiligtums werden sich die Geschicke von Kirche und Welt für Jahrhunderte wesentlich mitentscheiden.“

Und wir sollten keine Angst haben um Kreuz und Leid zu bitten, wie wir es jeden Tag in unserem Morgengebet tun: „ Benütze uns nach deinem Willen …. Du magst zur Arbeit uns verwenden, magst Kreuz und Leid und Not uns spenden; ob Misserfolg, Erfolg wir finden, wir wollen deine Liebe künden.“ (Morgenweihe, Himmelwärts) Wenn wir in dieser Woche den Kreuzweg mit unserem Herrn gehen, können wir vielleicht mit Dankbarkeit überlegen, dass Jesus diesen Weg schon für uns gegangen ist und durch seinen Tod und seine Auferstehung den Anspruch auf den Sieg über alle Schwäche, Not und Versagen geltend gemacht hat.

Dass unsere Vielfalt nicht zum Krieg führt

Aber wenn wir uns auf die Kämpfe, die kommen werden, vorbereiten, lasst uns nicht vergessen, dass wir eine Familie sind, damit unsere individuellen Unterschiede nicht eine Quelle für die Spaltung sind, sondern vielmehr ein Geschenk der vielen Gnaden, die wir erhalten haben.

Möge die Liebe die einzige Rechtfertigung sein für all unsere Kämpfe, denen wir uns stellen sollen. Verfallen wir nicht in Machtkämpfe und Rivalitäten untereinander, sondern behandeln wir einander vielmehr mit Mitgefühl und Güte, auch wenn unsere Ansichten auseinander gehen. Lassen Sie uns freiwillige Fußsoldaten sein auf den Schlachtfeldern der Ungleichheit und Armut, wozu uns Papst Franziskus aufgefordert hat, und uns selbst hingeben im liebevollen Dienst an all jenen, die die Gottesmutter ruft. In allem was wir tun, lasst uns nie Angst haben, für die Wahrheit und Gerechtigkeit einzustehen, auch wenn es uns unseren guten Namen kostet. Vor allem lasst uns unser Liebesbündnis leben in Einheit mit der Kirche, die wir lieben und der wir dienen, damit man uns nie den Skandal von Ausschluss oder Gleichgültigkeit vorwerfen kann.

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Gebet: Liebster Jesus, in dieser Woche gehen wir mit dir durch die Straßen von Jerusalem, breiten unsere Palmzweige aus, um dich als unseren König zu ehren, und wir weinen mit dir, wenn du hinaufsteigst nach Golgatha. Wenn wir den Kreuzweg gehen, beten wir, dass wir sowohl unserer Familie als auch den Fremden auf dem Weg begegnen. Wir beten, dass wir ihnen allen mit derselben Liebe begegnen, die du hattest, als du vom Kreuz herab auf deine geliebte Mutter geschaut hast, und dasselbe Mitgefühl, dass du dem Mann gezeigt hast, der neben dir gekreuzigt wurde. Wir bitten dich auch um all das Kreuz und Leid, dass wir brauchen, um tiefer in dich hineinzuwachsen und die Nöte unsere Brüder und Schwestern um uns herum besser zu erkennen. Amen.

 

Original: Englisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

 

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