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Veröffentlicht am 19. März 2015 In Kentenich

Fastenzeit 2015: Die Fruchtbarkeit des Samens – IV

Sarah-Leah Pimentel.

Wir haben die ersten drei Wochen der Fastenzeit damit verbracht, Pater Kentenichs Metapher für unser geistliches Leben als Samen zu erwägen und die Eigenschaften zu untersuchen, die er für sein Wachstum braucht. Soweit waren es unsere Überlegungen über unsere individuelle Spiritualität. Aber Pater Kentenichs Worte sind auch von Bedeutung im Zusammenhang mit der Schönstatt-Spiritualität, für uns als internationale Familie, ein Geschenk für die Kirche und die Gesellschaft.

Lasst uns damit beginnen, den ersten Teil des Textes, mit dem wir gearbeitet haben zu untersuchen: „Die innere Keimkraft [des Samens] drängt zu einer eigengearteten Spiritualität und zum universellen Apostolat.“ – (Josef Kentenich, 1954/55, Kentenich Reader Bd II, S. 25).

Ebenso wie wir die notwendigen Elemente besitzen, um unsere Spiritualität schon in uns zu entfalten, hat auch Schönstatt schon den Grund gelegt, der es möglich macht, dass unsere Spiritualität im zweiten Jahrhundert Schönstatts noch reichlicher blüht.

Die Gottesmutter hat den Boden für uns bereitet, indem sie ihre Beziehung zu uns begonnen hat. Sie errichtete ihr Zuhause in unseren Heiligtümern – Filialheiligtümern, Hausheiligtümern, Büroheiligtümern, Herzensheiligtümern. Ihr Liebesbündnis mit uns ist der erste Baustein für unsere Schönstatt-Spiritualität. Wenn wir darauf antworten, indem wir unser Bündnis mit ihr schließen, festigen wir dieses Beziehungsband.

Unsere Heiligtümer stellen einen Ruheplatz zur Verfügung, ein Zuhause, einen ruhigen Ort um unsere Wurzeln auszubreiten und ihnen festen Halt zu geben, so dass die Pflanze wächst und kräftig wird. Die Gnade, die von diesem Ort fließt, wo Herzen sich einander schenken, wird eine Quelle von lebensspendendem Wasser, aus dem andere Kraft schöpfen können. Viele werden zu unseren Heiligtümern kommen auf der Suche nach Frieden, nach Antworten, nach Liebe. Aber meistens werden wir die lebendigen, wandernden, hörenden Heiligtümer sein, denen Schmerz, Verzweiflung, Einsamkeit und Leiden an all den Orten begegnen, die wir in unserem Leben durchwandern. Unsere Schönstatt-Spiritualität ist eine Spiritualität, die sich bis jenseits der Mauern unserer eigenen Komfortzone erstreckt.

Im inneren des Samens unserer Schönstatt-Spiritualität liegt eine reiche Geschichte derer, die diesen Weg vor uns gegangen sind, die uns gezeigt haben, was es bedeutet, im Alltag aus dem Liebesbündnis zu leben, für andere zu leben, auch an den unwahrscheinlichsten Orten, wo wir erwarten, eher dem Tod als dem Leben zu begegnen – die Schlachtfelder des ersten Weltkrieges in Frankreich, die Todeslager in Deutschland, das Blutbad der Verkehrsunfälle, das Blut eines Märtyrers, dessen einzige Gefolgschaft Gott und der Gottesmutter gehörte. Es gibt diejenigen, die sich nach dem Weg ausstreckten, den wir weitergehen werden, indem sie in die dunkelsten Ecken menschlichen Elends gingen, jene, die an der Verlassenheit des Exils leiden und die lähmenden Schmerzen von Krankheit erdulden, die langsam all ihre Lebenskraft aufzehrt. Trotzdem haben sie durchgehalten. Sie fuhren fort zu lieben, sie fuhren fort zu dienen – bis zum Ende.

So viele dieser Geschichten sind lebendige Gebete der Begegnung, der Solidarität, der Liebe ohne Maß. Wir sind gerufen, in ihren Fußspuren zu gehen und das gleiche zu tun.

Manchmal fühlen wir, dass sich die Zeiten geändert haben, und es ist wahr, die Reise in das zweite Jahrhundert wird geformt von anderen Kämpfen und neuen Triumphen. Und schon haben wir Helden, die in unserer Mitte stehen, als Herolde stehen, die den Weg zeigen, wie Schönstatt weiterhin aus seinem Liebesbündnis leben soll im Dienst für die Kirche und für die Welt. Die solidarischen Häuser in Paraguay sind nur ein kleines Beispiel.

Papst Franziskus verkörpert das, was schon natürlich und lebendig in uns ist – ein Schönstatt, das danach strebt, dem neuen Menschen am neuen Ufer zu begegnen, eine der Gaben des 31. Mai. Wie auch immer, Papst Franziskus erinnert uns daran, dass das neue Ufer möglicherweise nicht da ist, wo wir es zu finden erwarten – in unseren Kirchen und unseren Schulen. Sehr oft sind jene die neuen Menschen, zu denen wir gerufen sind, die wir erreichen und denen wir begegnen sollen, die Verarmten, die Kranken, die Ausgegrenzten, die Ängstlichen, jene, die alle Hoffnung verloren haben, jene die nicht einmal wissen, dass sie Gott suchen, jene die vertrieben wurden – oft durch ihre eigenen Brüder und Schwestern im Glauben.

In diesem neuen Jahrhundert sind wir gerufen, Schönstatt in den neuen Boden zu pflanzen. Wir sind aufgefordert, die verkümmerten Pflanzen zu pflegen und zu vertrauen, dass sie wachsen werden. Zuversichtlich sein, dass sie reichlich Frucht bringen werden.

 

Reflexion: Wo sehe ich mich in der Schönstatt-Familie? Was ist meine Sendung in Schönstatt? Wohin beruft mich die Gottesmutter, welchen Spielraum gibt sie mir? Wo kann ich mein Liebesbündnis in Solidarität mit anderen ausleben? Wo ist mein lebendiges Heiligtum?

Gebet: Lieber Jesus, in dieser vierten Woche der Fastenzeit erinnern wir uns, dass es nur Gnade ist, durch die ich durch den Glauben gerettet wurde, und dass diese Gnade dein Geschenk an mich ist. Lehre mich, mit diesem Geschenk großzügig zu sein und es mit anderen zu teilen. Ich bin glücklich, dass ich dich kenne, aber es gibt so viele Menschen in meiner Stadt – in meiner Familie – die verloren sind, weil sie dir nicht begegnet sind. Lehre mich, wie ich ihnen mit Liebe begegnen kann, ohne Bewertung, und freudig zu teilen, was du uns gegeben hast. Amen.

 

Original: Englisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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