Navidad Solidaria

Veröffentlicht am 2021-12-29 In Projekte, Solidarisches Bündnis

Solidarische Weihnacht in La Plata: „Heute kann ich sagen, dass ich gespürt habe, wie Jesus in meinem Herzen geboren wurde“

ARGENTINIEN, Weihnachten der Solidarität, Maria Fischer •

„Heute kann ich sagen, dass ich gespürt habe, wie Jesus in meinem Herzen geboren wurde“, heißt es in einem Instagram-Beitrag über die Navidad Solidaria, die Solidarische Weihnacht 2021 in La Plata. Zeugnis eines Jugendlichen, der an Heiligabend auf die Straßen von La Plata ging, um die Weihnachtsfreude mit denen zu teilen, die in dieser Nacht dort sind, und das Weihnachtsfest der Einsamen zu verändern. —

Navidad Solidaria„Nachdem ich durch die Stadt gegangen bin und all die Realitäten gesehen habe, die Jesus in meine Begegnung einbringen wollte, bin ich heute glücklich und froh, im anderen, im Bruder, im Einsamen und im Hilflosen ein klares Bedürfnis nach Liebe zu sehen. Ein Bedürfnis, glaube ich, das nur mit Jesus erfüllt werden kann“, sagt Geronimo Donati.

„Meine Erfahrung bei Navidad Solidaria war wunderschön. Mit meiner Gruppe gingen wir zur Kinderklinik, zur DDI (Polizei in gerichtlicher Funktion) in der 61. Straße, zu einer Apotheke in der 12. Straße und zum Sanatorio Argentino. Wir trafen einige sehr freundliche Menschen, mit denen wir lange Gespräche führen konnten. Man merkte, dass einige von ihnen diese Gesellschaft brauchten, da sie an Weihnachten wegen ihrer Arbeit allein waren.

Es erfüllt die Seele, wenn man sieht, dass man mit einer einfachen Geste jemandem, der Weihnachten nicht mit seiner Familie verbringen kann, den Abend verschönern kann. Navidad Solidaria ist eine Erfahrung, die jeder machen sollte, um eine andere Art von Christnacht zu erleben“, so Maximiliano Giannota.

Seit 20 Jahren versammelt sich an Heiligabend eine große Gruppe von Jugendlichen nachts um halb zwei am Schönstatt-Heiligtum in La Plata, um an der solidarischen Weihnacht teilzunehmen.

Ihre Motivation ist es, all jenen die Freude an Weihnachten zu bringen, die es aus verschiedenen Gründen nicht im Kreise ihrer Lieben erleben können, sei es, weil sie allein sind oder auf der Straße leben, weil sie krank im Krankenhaus liegen oder weil sie aufgrund ihrer Arbeitszeiten nicht bei ihren Familien sein können.

Navidad Solidaria

Der Ursprung von Navidad Solidaria in La Plata

Navidad SolidariaNavidad Solidaria begann mitten in den Momenten großer Unsicherheit und Verzweiflung während der Krise im Dezember 2001. In ganz Argentinien waren die Plünderungen in den Nachrichten zu sehen und verdeutlichten die Tragödie eines Landes, das in die schwerste Wirtschaftskrise seiner jüngeren Geschichte gestürzt wurde. Vandalismus und soziale Verwahrlosung erreichten sogar kleine Geschäfte und Restaurants. Der damalige Präsident, Fernando De la Rúa, trat unter dramatischen Umständen zurück, und in diesen sieben Tagen der Plünderungen und Gewalt auf den Straßen wurden sieben Menschen getötet.

In dieser Situation, in der Desillusionierung und Zukunftsangst herrschten, beschloss eine Gruppe von 20 jungen Leuten aus der Schönstatt-Bewegung, ein Zeichen zu setzen, dass es auch anders geht, denn auch inmitten großer Krisen ist immer noch Weihnachten und Jesus wird wieder geboren, mitten in der Nacht und in einer Krippe, um den Leidenden Hoffnung und Freude zu geben.

Heute, 20 Jahre später, ist diese Gruppe auf mehr als 200 Mitglieder angewachsen, die verschiedenen religiösen Gemeinschaften und Jugendbewegungen der Erzdiözese La Plata angehören, um denselben Geist zu leben, nämlich die Freude von Weihnachten zu vermitteln und „Zeugen der Hoffnung“ zu sein. Jeden 24. Dezember gehen sie in Krankenhäuser, auf Plätze, Tankstellen, Polizeistationen, Feuerwachen, Bushaltestellen, in Geschäfte in der Stadt, zu Bereitschaftsdiensten, um geschwisterlich eine Geste der Nähe mit einem „Pan Dulce“ (Weihnachtsbrot), einer Weihnachtskarte und einem Moment des Dialogs zu teilen.

Navidad Solidaria

Heilige Nacht auf der Straße

In den frühen Morgenstunden des 25. Dezember 2021 wurden unter den Teilnehmern Gruppen von 5 oder 6 Personen gebildet, die zu Fuß oder im Auto durch verschiedene Teile der Stadt und der Umgebung zogen, um eine Botschaft des Friedens und der Solidarität zu überbringen.

Nachdem jede Gruppe die Tour gegen 5.30 Uhr beendet hatte, versammelten sich alle wieder am Schönstatt-Heiligtum, um ein Zeugnis über das zu geben, was sie erlebt hatten, und um mit der Christmette in der Morgendämmerung, die von Weihbischof Jorge E. González geleitet wurde, die Navidad Solidaria 2021 abzuschließen.

Zu den Teilnehmern der Navidad Solidaria gehört auch Seba Iakonis, der seit mehreren Jahren die Aktion der Jugendlichen aus La Plata aufzeichnet und auf seinen YouTube-Kanal hochlädt, mit einer Zusammenfassung dessen, wie der Anbruch des Weihnachtsfestes erlebt wird. Er erklärt, dass „man hinausgeht, um diejenigen zu treffen, die ein einsames Weihnachten erleben. Denn Weihnachten ist die Geburt Jesu, die Ankunft eines Zeichens der Hoffnung, des Lichts und der Freude für die Welt, und wir wollen diese Botschaft der Freude allen Menschen bringen.“

Nach zwanzig Jahren: Erinnerungen der Ersten

Navidad SolidariaPater José María Iturrería, der als junger Student von Anfang an dabei war, sagt: „Wir gehen hinaus, um eine Botschaft der Hoffnung zu vermitteln, dass es eine mögliche Zukunft gibt, dass nicht alles verloren ist, weil Jesus wiedergeboren ist. Das Teilen eines Pan Dulce, einer Glückwunschkarte oder eines geschwisterlichen Augenblicks, selbst in Krisenzeiten, ist ein Zeichen dafür, dass Freude auch in den schwierigsten Situationen vermittelt werden kann. Ich erinnere mich, wie ich damals Busse anhielt und die Fahrer verwirrte, weil wir, anstatt nach einem Fahrschein zu fragen, ihnen „Frohe Weihnachten“ sagten und: Wir wollen dir ein Pan Dulce geben und mit dir feiern“.

Carlos Fiorucci, ein weiteres Mitglied der ersten Stunde, erzählt: „Als ich 19 Jahre alt war, nahm ich 2002 an meiner ersten Navidad Solidaria teil. Damals waren wir etwa 40 junge Leute mit einigen Priestern. Das Schönste an dieser Erfahrung war zu sehen, wie eine so einfache Geste so viel für diejenigen verändert, die Weihnachten nicht mit ihren Familien verbringen können. Und an diesem Tag hatte ich den ersten Klick, um zu verstehen, dass der Wandel bei jedem von uns beginnt, dass wir nicht darauf warten sollten, dass andere die Realität verändern, sondern dass wir die Protagonisten sein müssen. Ich erinnere mich an Momente großer Rührung, an Menschen, die nicht damit gerechnet hatten, an diesem Abend ein Weihnachtsbrot mit jemandem zu teilen, weil sie arbeiten mussten. Jetzt, wo ich 38 Jahre alt bin und zwei Töchter habe, schätze ich das, was wir früher gemacht haben, viel mehr als früher. An diesem Abend nicht mit Freunden „feiern“ zu gehen, sondern auf die Straße zu gehen, um denjenigen, die ihre Kinder, ihren Partner, ihre Geschwister nicht sehen können, weil sie arbeiten müssen, diese kleine, aber so wichtige Geste zukommen lassen zu können. Es war eine Schule fürs Leben, die mir Freunde und ein sehr wichtiges Zeichen hinterlassen hat“.

„Nimm`s wieder mit und gib es einem anderen!“

Navidad SolidariaSofi Andrade, eine junge Studentin, die seit ein paar Jahren mitmacht, erzählt uns: „Bevor ich von Navidad Solidaria hörte, sah ich keinen Sinn darin, an Weihnachten lange aufzubleiben. Im Jahr 2019 erzählte man mir von dieser Initiative, und dass man im Vorfeld ein Treffen abhalten würde, um Krippen zu basteln, die an Menschen auf der Straße verteilt werden sollten, und ich zögerte nicht, an der Aktion teilzunehmen. Ich kannte fast niemanden, aber ich traf sehr menschliche Menschen, die etwas für andere tun wollten. Es kam die Heilige Nacht, und ich ging zum Schönstatt-Heiligtum. Es waren viele Leute da, und ich erinnere mich, dass sie mir erklärten, wie wir fahren mussten, also bildete ich eine Gruppe mit Leuten, die ich nicht kannte, und wir machten die Tour mit dem Auto.

Unsere erste Station war der Busbahnhof, und dort trafen wir viele Obdachlose. Wir blieben noch lange und unterhielten uns und teilten weihnachtliche Dinge, an denen sie sich erfreuen konnten. Was mir am meisten auffiel, war, dass ich, als wir gingen, einem Jungen eine Tüte mit Pan Dulce und anderen Dingen überließ, und er sagte: „Nimm`s wieder mit und gib es einem anderen“. Da dachte ich: Unglaublich, dass derjenige, der am wenigsten hat, an einen anderen denkt, der in der gleichen Situation ist, und statt das Weihnachtsbrot zu behalten, sagt er mir, ich solle es einem anderen bringen.

Ich trage diese Einstellung tief in meinem Herzen, die Weihnachten und dem Leben einen Sinn gibt. Das gibt mir viel Hoffnung.“

Menschen, die Weihnachten auf der Straße schlafen und nichts zu essen haben

Unter den verschiedenen Zeugnissen, die nach der Navidad Solidaria 2021 ausgetauscht wurden, hat das von Martin Cheves viele tief berührt: „Ich möchte mit euch meine Erfahrung mit Weihnachten in Solidarität teilen: Wir teilen uns normalerweise in Gruppen auf, und die Mitglieder meiner Gruppe waren: Agustina Celentano, Matías Mariescurrena, Agustín Olavarría, Estefania Ojeda, Paola Silva und Yessica Silva.

Es war ein Abend des Lernens und des Lachens, des Zuhörens bei jedem Arbeitnehmer, den wir an einem Abend besuchten, an dem er vielleicht gerne Zeit mit seiner Familie verbringen oder sich zu Hause ausruhen würde, dies aber nicht kann. Wir sahen auch die Realität der Menschen, die auf der Straße schlafen und an einem Feiertag wie Weihnachten nichts zu essen haben. Mit unserer Gruppe blieben wir jedoch nicht am Rande, sondern gingen direkt zur Sache: Wir gaben ihnen etwas von der Freude der Weihnacht mit einem Pan Dulce, karamellisierte Mandeln und Rührkuchen, damit sie etwas haben, wenn sie aufwachen, und die Hoffnung haben, dass es irgendwann in ihrem Leben anders oder besser wird. Wir haben ein offenes Ohr für andere, wir begleiten Menschen in guten und in schlechten Zeiten.“

Navidad Solidaria

Die Gegenwart Jesu ist in jedem Herzen, das wir berühren, und unter uns zu sehen und zu spüren

Navidad Solidaria„Navidad Solidaria ist ein sehr konkretes Zeugnis dafür, was Gott mit uns gemacht hat, indem er uns Menschen schenkte, die sich um uns kümmerten, als wir etwas brauchten. Es bedeutet, auf die Menschen zuzugehen, die allein sind, damit sie sich von diesem Jesus begleitet fühlen, der geboren wurde und der alle Menschen erreichen will.

Jesus ist ein Kind, und so wie Maria ihn zu uns gebracht hat, braucht er uns, um ihn zu anderen zu bringen.

Bei Navidad Solidaria erleben wir die Ankunft Jesu in unseren Herzen hautnah, wenn wir dem Lächeln und der Dankbarkeit unserer Brüder und Schwestern auf der Straße begegnen. Die Gegenwart Jesu ist in jedem Herzen, das wir berühren, und unter uns zu sehen und zu spüren.

Erfüllen wir unsere Herzen mit Hoffnung, indem wir Jesus zu den anderen bringen, so wie Gott ihn uns durch Maria und die Menschen gegeben hat, die auf unserem Weg treue Werkzeuge seiner Liebe und seines Friedens waren und uns die Hoffnung geben, dass mit ihm alles möglich ist.

Ein frohes Weihnachtsfest zu diesen 20 Jahren Navidad Solidaria“, kommentierte Juan Martin Dagostino.

Navidad Solidaria ist weder Weihnachtsgeschenke-Lieferdienst noch ein flüchtiger Gruß, so flüchtig wie jeder andere. Es ist eine echte, aufrichtige Begegnung, bei der sich die Überraschung der Empfänger in Freude verwandelt… Wie Kinder, die ihre Geschenke öffnen“, sagte Seba Iaconis auf dem Instagram-Account von Navidad Solidaria. „Und vielleicht gibt es verhärtete Herzen, die sich nicht für eine Begegnung mit uns öffnen, aber die Geste, das Geschenk und die Begrüßung können in jedem Herzen etwas bewirken“.

Navidad Solidaria: „Heute kann ich sagen, dass ich gespürt habe, wie Jesus in meinem Herzen geboren wurde“.

Navidad Solidaria

Mit besonderer Mitarbeit von P. José María Iturrería, La Plata, Argentinien


Original: Spanisch, 29.12.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

 

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