Veröffentlicht am 13. September 2019 In Solidarisches Bündnis

Jenecherú – lebendiges Feuer der Hoffnung

BOLIVIEN, Alexandra Kempff •

In einer Zeit, in der das Feuer einen Teil der wichtigsten Naturschutzgebiete des Planeten verschlingt, was bedeutet es da, das Motto „lebendiges Feuer der Hoffnung“ zu haben? Unsere Wälder in Santa Cruz brennen seit mehr als 20 Tagen unkontrolliert, eine Million Hektar wurden bereits beschädigt, Fotos von verbrannten Tieren erreichen uns, uns alle springt die Frage an, was als nächstes passieren wird, wir sind fünfhundert Kilometer entfernt, aber unsere Kinder atmen seit Tagen nichts als Rauch und es Regen ist nicht in Sicht… ein trostloses Panorama. —

 

Bildstock Santa Cruz de la Sierra

Ich fühle viel Hilflosigkeit, viel Schmerz…. Ich fühle Hoffnungslosigkeit, die gerade durch lebendiges Feuer verursacht wird. Also versuche ich, über die Stimmen Gottes inmitten dieser Tragödie zu meditieren: Gott, warum? Was schreist du uns zu? Das sind keine Stimmen mehr, das sind Schreie! Was bedeutet es für uns, ein lebendiges Feuer der Hoffnung zu sein? Ich will nicht das Feuer sein, das nie erlischt; ich will Regen sein, ich will grün sein, ich will ein Fluss sein. Aber es ist kein Zufall, dass wir dieses Motto für diesen Moment des Baus des Heiligtums haben, und ich brauche Antworten.

Die brasilianische Umweltschützerin Marina Silva nannte diese Umweltkatastrophe einen „Holocaust“, und dieser Begriff forderte mich sofort heraus. Unser Gründer erlebte den Holocaust des Zweiten Weltkriegs und verlor inmitten des Schreckens nie das Vertrauen eines Kindes in den Armen seiner Mutter. Natürlich könnten mein Glaube und meine Spiritualität mit Glück auf den Fingernagel des kleinen Fingers von Pater Kentenich passen, deshalb fühle ich mich so trostlos und vergesse, dass die Gottesmutter einen Bund mit uns geschlossen hat und wir ihr die Blankovollmacht gegeben haben.

Inmitten all des Unglücks sehe ich die Hand Gottes in jedem der Freiwilligen, die buchstäblich alles hinter sich lassen, um zu versuchen, das Feuer einzudämmen, mit keiner anderen Ausrüstung als dem Mut, der nur durch die Tausenden von Menschen erhalten wird, die aktiv für sie beten. Ich muss aufhören, darüber nachzudenken, wie die Politiker versuchen, die Situation auszunutzen, denn wir sind nur noch wenige Monate von den Wahlen entfernt, und ich konzentriere mich darauf, wie sich die gesamte Bevölkerung selbstlos dazu entschlossen hat, Lebensmittel, Wasser, Ausrüstung, Geld usw. zu sammeln. In Santa Cruz funktionieren vielleicht die Versuche nicht, das Verkehrschaos zu beheben, aber innerhalb weniger Stunden ist jeder bereit, in Notfällen zusammenzuarbeiten. Auch wenn ich selbst aus Santa Cruz komme, hört diese unsere Tugend nicht auf, mich zu beeindrucken.

El ser fuego vivo nos tocará cuando las llamas físicas se hayan apagado, la adrenalina haya bajado y los corazones se sientan sin esperanza. Nuestro santuario será el refugio y nosotros los portadores de la alegría. ¡No dejemos que nada ni nadie nos quite la alegría!

  • Jenecherú: Spanische Version des Wortes aus dem  Guaraní, das in unserer Region verwendet wird, um die Glut zu nennen, mit der das Feuer zum Brennen gebracht wird. Es ist das Feuer, das nie erlischt.

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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