Providencia digital

Veröffentlicht am 2021-05-08 In Projekte, Werke der Barmherzigkeit

Wenn ein Drittel der Familien kein Internet oder gar keinen Computer hat…

URUGUAY, Providencia •

Die Pandemie hat weiterhin Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. In vielen Ländern mussten die Schulen, sobald sie wieder öffneten, ihre Türen wieder schließen. Kinder und Jugendliche verlieren nicht nur Zeit zum Lernen, sie vermissen auch ihre Klassenkameraden, ihre Spiele… und für die Eltern ist es eine große Herausforderung, sich zwischen Kinderbetreuung, Homeschooling und Telearbeit zu organisieren. Ganz zu schweigen von der ständigen Angst, sich anzustecken und ihre Familienmitglieder zu gefährden und nicht in der Lage zu sein, für sie zu sorgen. Darüber hinaus ist für viele Kinder aus sozial schwachen Schichten die Schulspeisung von entscheidender Bedeutung. Wie das Bildungszentrum Providencia im sozialen Brennpunkt Cerro in Uruguay mit der Situation umgeht, erfahren wir in ihrem Bericht. —

Derzeit hält das Providencia-Bildungszentrum seine Türen mit einem System von Betreuungen offen und arbeitet virtuell, wobei es vor großen Herausforderungen steht. Die Lehrkräfte der einzelnen Programme haben sich organisiert, um die Aufgaben und Aktivitäten für die Kinder zu planen und dabei zu berücksichtigen, was sie im letzten Jahr gelernt haben.

„Mit all unseren Bemühungen, ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot aufrechtzuerhalten und mit verschiedenen Strategien zu arbeiten (virtuelle Plattformen, telefonischer Kontakt und Besuche bei den komplexesten Fällen), sind wir weiterhin mit 100 % der Schüler in Kontakt. Gleichzeitig begleiten wir die Familien eng und arbeiten daran, den Zugang zu qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und Internetzugängen zu gewährleisten“, sagt Laura Voituret, Direktorin von Providencia.

„Heute ist das Hauptziel, dass die Kinder in ihrem Lernen vorankommen und weiterhin virtuell zusammenarbeiten können. Dieses Szenario birgt Herausforderungen in Bezug auf die Konnektivität. In diesem Sinne haben wir eine Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, wie verbunden die Familien mit allen Bildungsprogrammen sind.“

Providencia kits

Konnektivität

Anhand dieser Umfrage konnten wir feststellen, dass 34,4 % der Familien nur einen eingeschränkten oder gar keinen Internetzugang haben und 34,1 % keinen Computer oder Tablet haben, um sich zu verbinden und Hausaufgaben zu machen. Diese Situation bringt mit sich, dass man bei der Suche nach Lösungen kreativ ist.

Im Moment arbeiten wir mit verschiedenen Alternativen, wobei wir jeden einzelnen Fall betrachten und verschiedene Möglichkeiten der Herangehensweise evaluieren. Einige der Werkzeuge, die wir verwenden, sind: WhatsApp, wöchentliche Telefonanrufe, Broschüren, Tutorials, Beratungsstunden und die Möglichkeit für die Kinder, die Internet-Verbindung des Bildungszentrums zu nutzen, um die Materialien herunterzuladen und dann zuhause die Aufgaben zu machen.

Damit sie keinen Hunger leiden

Auf der anderen Seite ist die Sicherstellung der Ernährung der Familien zu einer großen Herausforderung geworden, die von Woche zu Woche zunimmt. Zurzeit liefern wir Mahlzeiten und Körbe an die Familien, die sie am meisten brauchen, und arbeiten mit den verschiedenen Teams zusammen, um in ständigem Kontakt mit den Familien zu sein und die verschiedenen Herausforderungen zu begleiten, die sich ergeben. „Diese Situation der Gesundheitskrise hat viele Situationen der Verletzung von Rechten in der Gemeinschaft verschärft: Arbeitslosigkeit oder unsichere Arbeitsplätze, die Komplexität des Zusammenlebens in kleinen Wohnungen, in denen die Wohnverhältnisse wirklich schwierig sind, Unsicherheit, Mangel an Ressourcen, um die Bedürfnisse des täglichen Lebens zu unterstützen, bringen große Sorgen und neue Herausforderungen, die nicht leicht zu bewältigen sind. In diesem Sinne ist es von grundlegender Bedeutung, nahe zu sein und zur Verfügung zu stehen, um die persönlichen und familiären Prozesse zu begleiten, gemeinsam über Lösungen nachzudenken und Brücken für die Artikulation auf Gemeinschaftsebene zu bauen, um sich dieser Situation zu stellen und nach neuen Antworten auf die entstehenden Probleme zu suchen“, fügt Laura hinzu.

Providencia

Kinder-Club

Im Fall des Kinderclubs wurden die Erzieherinnen nach Stufen eingeteilt. Jede Gruppe setzt sich aus einem Lehrer und verschiedenen Workshop-Erziehern zusammen, die das Angebot ergänzen, unterstützen und bereichern. Alle Kinder werden mindestens einmal pro Woche angerufen, und es werden Folgeanrufe per Video getätigt, um herauszufinden, wie sie mit ihren Hausaufgaben zurechtkommen und um zu evaluieren, wie sie unterstützt werden können.

Die Erst- und Zweitklässler erhielten ein Lernpaket und die Dritt-, Viert-, Fünft- und Sechstklässler ein Aktivitätenheft, damit sie zu Hause arbeiten können.

In diesem Jahr haben wir uns entschieden, einen Großteil der Arbeit auf die Begleitung und Unterstützung der Schulen zu konzentrieren, um den Kontakt zu allen Kindern sicherzustellen und die Schüler bei der Durchführung der Aufgaben auf der CREA-Plattform zu begleiten. Dazu arbeiten wir sowohl in Papier- als auch in digitaler Form und in ständiger Kommunikation mit den Schulen, in die die Kinder gehen, um gemeinsam Strategien zu formulieren und zu überlegen. Ziel ist es, ihre Vorschläge zu verstärken und die Schüler bei ihrer Arbeit auf der Plattform zu begleiten, damit sie mit den Aufgaben der Schule auf dem Laufenden bleiben können.

Andererseits entstand auch ein „spielerisches Angebot, das auf Spaß und Spiel abzielt“, so Leticia Dubcovsky, Koordinatorin des Kinder-Clubs.

Sie fügte hinzu: „Die Kinder und Familien schätzen die Videoanrufe sehr. Wenn sie sich sehen können, genießen sie es sehr, sie leben es mit großer Freude“. „Wir haben große Fortschritte in der Selbstständigkeit der Kinder gesehen, besonders in den älteren Klassen“, sagte sie.

Gymnasium Providencia

Derzeit arbeitet die Schule über die CREA-Plattform und nutzt das CREA-Konferenz-Tool, bei dem die Schüler täglich einen Raum für Beratungen mit verschiedenen Lehrern haben.

„Aus den Erfahrungen des letzten Jahres haben wir uns dieses Mal für einen wöchentlichen Fächerkalender entschieden, der sicherstellt, dass die Schüler jeden Tag Kontakt mit dem Bildungsangebot haben und sich mit mindestens zwei Lehrern treffen können“, sagt Laura. Agustina Berchesi, Direktorin des Gymnasiums, fügte hinzu: „Jeden Tag um 10 Uhr werden Aktivitäten aus zwei verschiedenen Fächern hochgeladen… und das hat sehr geholfen, was das Niveau der Übermittlung angeht. Alle Aktivitäten haben eine Frist von einer Woche.“

In der Tat hat „ein großer Prozentsatz der Kinder im Gymnasium ihre Hausaufgaben zu 100 % erledigt“, bemerkte Agustina.

Die Schüler machen in jedem Fach Fortschritte und die Lehrer achten besonders darauf, dass die Aufgaben an die Plattform angepasst sind. „Wir denken an Aktivitäten, die aus CREA stammen und in CREA durchgeführt werden können“, sagt Carolina Quiroz, Lehrerin für spanische Sprache und Literatur am Gymnasium.

Der Raum der CREA-Konferenz hat sich als sehr nützlich erwiesen, um Austausch zu generieren und Zweifel zu klären. „Das ist etwas sehr Gutes, das in diesem Jahr eingebaut wurde und das es ihnen ermöglicht, Zweifel auszuräumen oder sogar Aktivitäten direkt vor Ort durchzuführen“, sagte Carolina. Sie fügte hinzu: „Ich denke, wir sind alle besser vorbereitet, die Lehrer und die Kinder“.

Gleichzeitig haben die Schüler WhatsApp-Gruppen nach Generationen mit ihrem Stufenlehrer und einen speziell für sie eingerichteten Instagram-Account, auf dem „Herausforderungen generiert werden, um sich mit dem Raum zu verbinden, Wettbewerbe und Aktivitäten, um sich auf eine andere Art und Weise zu verbinden und zu treffen“, so Agustina.

Ebenso gibt es eine ständige Kommunikation mit den Familien, um zu wissen, wie es ihnen geht, welche Schwierigkeiten oder Herausforderungen sie haben, sowohl in der pädagogischen Begleitung als auch in der sozioökonomischen Situation; um sie zu begleiten und sich auszutauschen, um Lösungen zu finden.

„Sie wollen zurück zum Präsenzunterricht. Sie vermissen es, und sie sagen es selbst“, fügte Carolina über die Kommentare hinzu, die sie von einigen Schülern erhält.

In diesem Sinne sagte uns Jhonn, ein Gymnasiast: „Ich vermisse meine Klassenkameraden, den Spaß, die Lehrer, wenn sie einem Dinge erklären. Ich würde gerne (mit Präsenzunterricht) beginnen“. Er erzählte uns auch, dass es nicht so einfach ist, von zu Hause aus zu arbeiten, weil „man zu Hause niemanden hat, der es einem erklärt“, aber „wenn man in Ruhe liest und sich Zeit nehmen kann, ist es einfacher“.

Jugendzentrum

Vom Jugendzentrum aus stehen die Pädagogen in Kontakt mit den weiterführenden Schulen und Familien, um die Schüler bei der Durchführung der Aufgaben zu begleiten.

Sie begleiten sie auch, um herauszufinden, wie es ihnen in Bezug auf das Zusammenleben und die Gesundheit zu Hause geht. Und um die enge Verbindung und die Motivation aufrechtzuerhalten, „werden mehr spielerische Aktivitäten durchgeführt, bei denen wir uns über Instagram und andere Netzwerke treffen können“, so Florencia Cruces, Koordinatorin des Jugendzentrums.

Bei allen Bildungsprogrammen ist es unser großes Ziel, die Bildungsprozesse zu begleiten, den Zugang zum Bildungsangebot zu gewährleisten und nahe bei den Schülern und Familien zu sein. Das bringt uns auch dazu, nach den unterschiedlichsten Strategien zu suchen und gemeinsam mit der gesamten Gesellschaft Lösungen zu erarbeiten.

Providencia Uruguay

Quelle: www.providencia.org.uy

Original: Spanisch, 7.5.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

 

Bildungszentrum Providencia, Uruguay – Erziehen fürs Leben

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