Catalina Kentenich Rancagua

Veröffentlicht am 2021-05-02 In Maria Ayuda, Projekte

Was ist im Kinderheim „Catalina Kentenich“ in Rancagua vorgefallen?

CHILE, Maria Fischer •

Zurzeit macht Maria Ayuda, dieses große solidarische Werk Schönstatts in Chile, wegen der Vorfälle im inzwischen geschlossenen Kinderheim „Catalina Kentenich“ in Rancagua weit über Chile hinaus negative Schlagzeilen. Die Klärung der genauen Vorgänge und Fakten durch die Staatsanwaltschaft, das Jugendamt und den SENAME (Nationaler Dienst für Minderjährige) ist im Gange. Getreu unserer Verpflichtung zu Information und Transparenz und angesichts der vielen durch die Netze geisternden „Weiterleitungen“ wie der Funkstille auf der offiziellen Webseite von Maria Ayuda versuchen wir, die verifizierbaren Informationen anzubieten. —

Catalina Kentenich Rancagua

Ferientag am Meer im Jahr 2019

Das „Catalina Kentenich“-Heim in Rancagua war ein Heim für 30 Kinder zwischen 6 und 12 Jahren, das Kinder aufnahm, deren Würde und Rechte verletzt wurden, die sich in einer Situation von Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung befanden, um ihre Bindungen zu heilen und sie in kürzester Zeit wieder in ein familiäres Umfeld einzugliedern – so wie es in allen Heimen von Maria Ayuda im ganzen Land geschieht.

Am 29. April teilte der Bürgermeister der Region O’Higgins, Ricardo Guzmán, mit, dass María Ayuda nicht mehr als Kooperationspartner des Nationalen Dienstes für Minderjährige (Sename) arbeiten wird. Diese Entscheidung wurde getroffen, nachdem neun Kinder aus dem Catalina-Kentenich-Heim, das von Maria Ayuda getragen wird, ausgerissen und barfuß und halbnackt aufgegriffen worden waren.

Was ist über das Geschehen bekannt?

  • Sonntag, 25. April: 9 Minderjährige laufen aus dem Catalina-Kentenich-Heim in Rancagua weg und werden halbnackt von Nachbarn gefunden.
  • Am Montag, den 26. April, protestieren die Minderjährigen des von Maria Ayuda geführten Heims auf den Dächern der Einrichtung wegen der dortigen Zustände. Verwandte und Nachbarn schließen sich den Demonstrationen draußen an, sowohl vor dem Heim als auch vor dem Regionalbüro des Sename, was zu Zwischenfällen führt, die mit Aggressionen gegen das Personal und der Verhaftung von 10 Personen enden. In der Nacht von Montag auf Dienstag eskaliert die Situation, mehrere Personen brachen in das Heim ein, das von der Polizei evakuiert werden musste.
  • Am Dienstag, den 27. April, werden die Minderjährigen auf Anweisung der jeweiligen Gerichte in verschiedene Zentren verlegt; eine Welle der Kritik wird durch das Vorgehen der Regionalregierung und Sename ausgelöst. Unterdessen pilgerten Angehörige der umgesiedelten Kinder zu verschiedenen Polizei- und Regierungsbehörden, um Informationen über den Verbleib der Minderjährigen zu erhalten.
  • Vorläufiges Ende: Schließung des Catalina-Kentenich-Heims mit sofortiger Wirkung.

Berichte des Kinder-Ombudsmannes

In dem als Akte 420 bezeichneten Bericht vom 27. November 2019 werden die guten Praktiken dieses Heims lobend hervorgehoben, aber einige Monate später gab es einen Wechsel in der Leitung, der auch Jugendliche betraf, was sich im Bericht des Ombudsmanns für Kinderrechte vom Februar 2020 widerspiegelt. Hier werden bereits Situationen der Vulnerabilität festgestellt, die u.a. besagt, dass bei einem der Besuche im Heim „erfahren wurde, dass es mögliche Situationen kommerzieller sexueller Ausbeutung gibt, die Mädchen und Jugendliche im Wohnheim betreffen“ würden. In Anbetracht dieser Situation wurde das Heim mit dem offiziellen Schreiben Nr. 166/2020 vom 9. März 2020 dringend um Informationen gebeten“ (in Spanisch sind diese Unterlagen hier einsehbar: Bericht 2019 und Bericht 2020).

Vieles von dem, was in diesen Berichten stark kritisiert wird, ist auf Geldmangel und daraus resultierende Sparmaßnahmen zurückzuführen.

Kommuniqué von „Maria Ayuda“

Maria Ayuda schickte mehrere Tage nach dem Vorfall ein Kommuniqué an die lokalen Medien, in dem es hieß:

„In Bezug auf die Schilderungen der Kinder, die angeben, Schläge sowohl durch Mitarbeiter des Heims als auch durch Polizisten erlitten zu haben, ist es gemäß den geltenden Vorschriften so, dass unser Unternehmen den Hintergrund dem Ministerium zur Verfügung stellt, um die von den Kindern erzählten Tatsachen zu klären“, heißt es in dem Kommuniqué.

„Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass nach den Erzählungen der Kinder und den Aussagen der Erzieher, die für sie verantwortlich sind, die Erklärung in dem Gefühl der Isolation liegt, das durch die Pandemie verursacht wird, da sie die Durchführung der Prozesse der Besuche und der regelmäßigen Verbindungen mit den Familien, die Teilnahme am Unterricht, die Teilnahme an den Wiederherstellungs- und psychischen Gesundheitsprogrammen sowie die Teilnahme der Kinder an sozio-gemeinschaftlichen und Freizeitaktivitäten mit anderen Kindern nicht erlaubt, was ein Gefühl der Enge erzeugt, das sie dazu gebracht hat, das Heim verlassen zu wollen“, heißt es weiter.

Eine Geschichte, um vielleicht etwas mehr zu verstehen

Diese Art von Vorfällen sind in Kinderheimen in vielen Ländern bekannt. Vor ein paar Jahren sind mehrere Kinder aus einem Heim in Deutschland, das sehr professionell und mit engagierten Mitarbeitern geführt wird, weggelaufen und tagelang auf Trebe gewesen. Sie berichteten von Misshandlung, Missbrauch, Mangel an Nahrung und Kleidung, Eingesperrtsein und Diebstahl ihres Taschengeldes. Eine der damaligen Ausreißerinnen, heute eine 29-jährige Frau mit einer guten Berufsausbildung, einem guten Job und einem Freund, die hofft, bald eine eigene Familie zu gründen, sagt:

„Ich habe immer noch eine Bindung zu meinen damaligen Erziehern, die die wichtigsten Menschen in meinem Leben waren, auch wenn ich ihnen das Leben zur Hölle gemacht habe mit meiner Ausreißerei, meinen Denunziationen, meinen Lügen, meinen Drogen, meinen Diebstählen. Ich werde diesen Tag, der mich für immer verändert hat, nie vergessen. Die Polizei brachte mich zurück ins Heim, schmutzig, betrunken, schreiend und um mich schlagend. Die Erzieherin kam herüber, öffnete ihre Arme weit, drückte mich fest und sagte: „Ich bin so froh, dass du wieder da bist.“ Ich habe stundenlang geweint, wegen all dem Elend in meinem Leben. Sie verstand, was ich selbst erst Jahre später verstand. All meine Aggressionen und mein Wunsch, wegzulaufen und Theater zu machen, waren auf das zurückzuführen, was ich ein als ganz kleines Kind erlitten habe… Dank ihr fühle ich mich heute wie eine starke und glückliche Frau“.

Ein Nachbar aus Rancagua kommentiert:

„Vielleicht war die Schließung auf die Dringlichkeit des Umzugs der Kinder zurückzuführen. Die impulsive Aktion der Menschen, das Problem mit Gewalt zu lösen, hat die Behörden veranlasst, das Haus endgültig zu schließen. Es muss doch bedacht werden, dass diese Kinder aus dysfunktionalen Elternhäusern kommen, daher sind die dysfunktionalen Familienmitglieder selbst am meisten betroffen.“

Am Dienstag, den 27. April, wurde unterdessen ein Bericht von zwei Richtern veröffentlicht, der die Verletzung von Rechten im Heim ausschließt: weder Misshandlung noch Mangel an Nahrung oder Kleidung, hieß es.

Beten wir, dass diese Ereignisse aufgeklärt werden und dass die Kinder dieses Heims, wie alle verletzlichen Kinder in Chile und auf der ganzen Welt, offene Arme finden, um ihre Wunden an Körper und Seele zu heilen.

Original: Spanisch, 02.05.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

 

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