Veröffentlicht am 2020-01-14 In Gefängnispastoral, Projekte, Werke der Barmherzigkeit

Jesus wird geboren, wo niemand es erwartet

PARAGUAY,  Cristy Santa Cruz •

Obwohl der Dezember ein Monat voller Feste, Abschiede und noch mehr Festen ist… vergessen wir leider manchmal den tiefsten und ursprünglichsten Sinn dieses Festes, und auch diejenigen, die keine Ahnung haben, was Weihnachten ist. Es war das sechste Jahr, in dem wir, die wir an der Gefängnispastoral „Heimsuchung Mariens“ teilnehmen, uns an die Bedeutung dieses Festes erinnern und uns um jene kümmern, die viele vergessen haben. — 

 


„Als ob die zu uns kommen würden, ausgerechnet an Weihnachten!“

Gemeinsam mit Pater Pedro beginnen wir jedes Jahr Anfang Dezember unsere Aktion „Solidarisches Weihnachtsessen“, die nichts anderes ist als das Sammeln von Spenden, um am Heiligabend einen Teller leckerem Essen, einen Nachtisch und Limonade zu bringen, begleitet von einigen Geschenken für die in den Jugendgefängnissen Itaugua und La Esperanza inhaftierten Jugendlichen und Heranwachsenden.

An mehreren Samstagen haben wir die Jugendlichen gebeten, für all jene zu beten, die an diesem Abendessen mitgearbeitet haben, und wir erinnern sie daran, dass wir am Heiligen Abend und Weihnachten. bei ihnen sein werden. Natürlich gibt es auch den „Neuen“, der zu seinen Gefährten in Guarani und mit leiser Stimme sagt: „Als ob die zu uns kommen würden, ausgerechnet an Weihnachten!

Seit Beginn der Kampagne haben wir wie jedes Jahr Gottes Segen und Marias schützende Hand in jeder Spende, in den Vorbereitungen und in den Worten der Ermutigung vieler großzügiger Menschen gespürt, die ihr Ja zu dieser Kampagne gegeben haben.

 

Alle Mitarbeiter zusammen

Und dann das mit dem Brot

Die vorhergehenden Tage waren schon sehr aufregend. Und als es soweit war, hatte die Gottesmutter vom Morgen an einige Geschenke für uns vorbereitet.

Als wir in den Supermarkt gingen, um Brot für das Abendessen zu kaufen, trafen wir Sergio, der in der Bäckerei arbeitete – erst vor wenigen Jahren hatten wir ihn Jugendgefängnis kennengelernt. Als er schließlich entlassen wurde, beschloss er, sein Leben zu ändern und trat in das Programm für die Zeit nach dem Strafvollzug im „Haus Madre de Tupãrenda“ ein. Dort schloss er das Programm ab, und heute arbeitet er mit Würde und Selbstbewusstsein in einem guten Beruf. Es war ein sehr schönes Geschenk zu wissen, dass das Brot, das das Abendessen der jungen Leute begleiten würde, von jemandem gebacken wurde, der einer von ihnen war, einer, der wusste, was es bedeutet, Weihnachten dort im Gefängnis zu verbringen.

Und nächstes Mal sehen wir uns in Casa Madre de Tupãrenda

In Itaugua angekommen, wurde die Feier komplett, die Dekoration, die Musik, das Essen… all das unter den neugierigen Blicken der Jugendlichen, die gespannt waren, was wir für sie auf Lager hatten.

Wir begrüßten jede Gruppe mit Liedern, Applaus und vielen Umarmungen, sie waren die Ehrengäste dieses Tages! Sie gingen zum Speiseraum, einige mit einem Gesicht des Staunens, andere mit unermesslicher Freude, aber alle bereit, das zu genießen, was für sie ein echtes Bankett sein würde.

Irgendwann saß ich neben Pepito, und zwischen Tränen und Umarmungen sagte er mir: „Noch einmal hier, aber jetzt ovalema (es reicht), ich will dieses Leben nicht mehr.“ Wir haben schon nicht mehr gezählt, wie viele Weihnachten er dort verbracht hat, aber als ich fragte, wo ich ihn als nächstes sehen würde, antwortete er mir: in Casa Madre de Tupãrenda: „Ich habe schon eine Abmachung mit Pater Pedro getroffen“.

Wenn Mauern des Stolzes einstürzen

Wir sahen viele Mauern des Stolzes durch die Kraft einer Umarmung zerbröckeln. Einige, die immer hart, arrogant, „großspurig“, wie wir hier sagen, waren, erlagen der Liebe Jesu und Mariens in jedem Detail, in jedem Lied, in jeder Umarmung.

Viele von ihnen haben noch nie einen Tisch mit einer Tischdecke gesehen, hatten nie ein Weihnachtsessen, ihre Weihnachtsabende verbrachten sie auf der Straße, oder wenn sie zu doch zu Hause waren , gab es wahrscheinlich nur Alkohol und Drogen im Überfluss.

Eine Weihnachtsbotschaft über Funk

Die Pädagogen konnten von dieser ganzen Feier nicht ausgenommen werden. An einem Punkt nähere ich mich einem von ihnen und frage ihn, ob alle, die ein Funkgerät haben (so kommunizieren sie miteinander), die innerhalb der Einrichtung und die, die die Umgebung bewachen, den gleichen Kanal haben. Als er ja sagt, frage ich ihn, ob es möglich sei, dass Pater Pedro per Funk ein paar Worte an alle richten würde. Mit der positiven Antwort und nicht mehr Zeit zu verlieren, fragte ich den Vater, ob er bereit wäre, eine Nachricht im Radio zu geben. Er hielt es für eine gute Idee. Wir konnten sie nicht aus der Feier herauslassen, diejenigen, die sich um die Jugendlichen kümmern. Und so bedankte sich Pater Pedro am Ende der Veranstaltung auf ganz besondere Weise bei allen Pädagogen und Aufsehern und gab ihnen seinen Segen. Ohne sie, ohne ihre Bereitschaft, wäre das Wenige, das wir tun, nicht möglich, und wenn es ihnen gut geht, wird es den Jungen gut gehen.

Wir haben das wahre Weihnachten erlebt

Wir alle beendeten den Tag mehr als glücklich, wir beteten, wir sangen, wir dankten für so viele Segnungen, die, wenn auch nicht greifbar, doch zahlreich sind. Das Wissen, dass wir einen Moment von so viel Glück, von so viel Barmherzigkeit und Liebe mit so wenig bieten können, erfüllt wirklich unsere Herzen. Heute werfen wir nur einige Samen in den Wind, Gott weiß, in welchen Boden sie fallen werden, aber wir sind sicher, dass ihre Zeit perfekt ist und die Früchte eher früher als später kommen werden.

Was wir am 24. und 25. Dezember erleben, ist nichts anderes als die wahre Gegenwart des Heilandes, des Emmanuel, des Gottes-mit-uns, präsenter denn je an einem Ort, den viele vergessen haben.

Jesus wird dort geboren und wird dort gegenwärtig, im einfachen, aber aufrichtigen Gebet, in langen und stillen Umarmungen, in der Freude des Singens, des Teilens, des Lachens und des Weinens. Es mag wenig erscheinen, aber für diejenigen, die nichts haben, ist es unendlich viel.

 

Cristy Santa Cruz, links, Verfasserin des Artikel, mit einigen Mitarbeitern der Gefängnispastoral

Möchten Sie mitmachen? Vielleicht zu Kakao und Keksen am Sanstagnachmittag beitragen?

Spendenmöglichkeiten:

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Schönstatt-Patres International e. V.
IBAN DE91 4006 0265 0003 1616 26
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VWZ: P. Pedro Kuehlcke, Pastoral penitenciaria

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