Veröffentlicht am 26. April 2019 In Projekte

„Rund um den Tisch“ – Menschen in Führung und Unternehmer, seit 10 Jahren

DEUTSCHLAND/SCHWEIZ, Maria Fischer •

Fast schon ganz am Schluss fällt das Wort, das diese zehn Jahre IKAF beschreibt und zugleich für die nächsten Jahre Programm und Herausforderung ist: Rund um den Tisch. Das Wort, mit dem Pater Kentenich einst sein Kommunikationskonzept beschrieben hat. „Rund um den Tisch“ – das ist der neue Name für die halbjährlichen Treffen für Menschen in Führung und Unternehmer, die von der Internationalen Kentenich-Akademie für Führungskräfte (IKAF) gestaltet werden. —

Rund um den Tisch: Entwickelt hat Pater Kentenich das Konzept schon in der Gründungszeit, modellhaft verwirklicht in der Zeitschrift MTA; der Name kommt im Jahr 1938 in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Heimat­klänge“ für die in überseeischen Ländern tätigen Schönstätter Marien­schwe­stern. Darin gibt es eine Rubrik mit Erfahrungsbeiträgen, Anregungen und Fra­gen unter dem Titel „Rund um den Tisch“: „Wir sollten uns vorstellen, wir säßen rund um den Tisch“, schreibt er dazu, und nimmt damit das später vom Zweiten Vatikanischen Konzil proklamierte Bild von den kirch­lichen Medien als „Rundem Tisch“ , an welchem ein innerkirchliches Ge­spräch unter den Bedingungen freier Meinungsäußerung, Gleich­be­rech­ti­gung aller kirchlichen Gruppen und Positionen, um Jahre vorweg.

Rund um den Tisch: das ist das Gegenteil von passivem Konsum und betreuender Abwärts-Kommunikation. Mindestens jeder zweite Artikel in der Zeitschrift MTA enthält eine Aufforderung zur Stel­lungnahme oder eine Stellungnahme zu einem vorherigen Artikel, wodurch nicht nur ein Feedback, sondern ein echter Meinungs- und Erfahrungsaustausch un­tereinander im Sinne gegenseitiger Anregungen, Informationen, Anfra­gen und demokratischer Willens- und Meinungsbildungsprozesse erreicht und von den Dialogpartnern – den Lesern und Verfassern der Artikel – als solcher bewertet wurde.[1]

Rund um den Tisch: das ist zunächst kein Projekt, sondern eine Haltung. Und dann ist es Methode, im Fall der Treffen für Menschen in Führung und Unternehmer eine im Lauf von 10 Jahren entwickelte Methode zur Gestaltung einer ganzen Tagung. Rund um den Tisch sitzen da Notare und Architekten, Leiter von Familienpflegeeinrichtungen, Verantwortliche von Medien, Leiter von Tagungshäusern, Geschäftsführer internationaler Konzerne und deren Ehepartner und gestalten ein ganzes Wochenende mit dem Erzählen von geglückten Lebensvorgängen in ihrer Arbeit und mit Fragen, die sich im Führungsprozess ergeben, kommentieren, helfen, ergänzen mit eigenen ähnlichen oder anderen Erfahrungen und brauchen weder Programm noch vorgegebene Themen, denn selbst die kurzen Inputs sind nichts anderes als erzählte Erfahrungen. Reale Geschichten, wie es bei schoenstatt.org heißt.

Zehn Jahre IKAF – kein Jubiläum wie jedes andere

Zehn Jahre sind es im kommenden Mai, seit das Anliegen einiger Unternehmer und Führungskräfte aus der deutschen und Schweizer Schönstatt-Bewegung nach einem Raum des Austausches zur Weltgestaltung aus dem beruflichen Engagement heraus Realität wurde mit der Gründung der IKAF. Neben den Rund um den Tisch-Treffen sind daraus Projekte entstanden wie der Hirtenclub, in dem sich Schönstätter aus der Schweiz und dem grenznahen Ausland regelmäßig mit Texten des Hirtenspiegels (Pater Kentenichs Anleitung zur Führung freier Persönlichkeiten) beschäftigen, der Jour Fixe (ein Nachmittag für Führungskräfte), Exerzitien für Führungskräfte. Eine interaktive Webseite ist im Entstehen, und manches ist bei diesem Treffen am Palmsonntag angedacht worden im Sinne eines noch entschiedeneren Herausgehens dorthin, wo die Leute sind, die Austausch und Anregung für ihren Führungsalltag suchen.

Ein „Jubiläum wie jedes andere“ mit viel Blick in die Geschichte und Jubilieren sollte es nicht sein. Doch eine spontane Dankesrunde rund um den Tabernakel am Samstagabend, ein Rund den Tisch mit Jesus Christus in der Mitte, wurde zu einem der schönsten Momente dieses Treffens. Vieles wurde dabei gesagt und vieles in eine Geschenkschachtel gelegt, persönlicher Dank für das, was in zehn Jahren geworden und gewachsen ist.

Auf nach Galiläa

„Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.“ – So das Osterevangelium. Also dann auf nach Galiläa. Galiäa, das ist der Alltag, das tägliche Leben, der „Normalfall“ des Christseins, so hieß es in einer der besten (und kürzesten) Osterpredigten in Buenos Aires. Auf nach Galiläa – das hätte auch das Motto dieses Treffens „Rund um den Tisch“ am Palmsonntagswochenende sein können.

Auf nach Galiläa: in die Fragen um die Vereinigung von zwei Firmenkulturen nach einer Übernahme von mehreren Führungskräften eines insolventen Konkurrenten.

Auf nach Galiläa: in die Frage, ob man einen Dienstleister auf seinen katastrophalen Führungsstil hinweisen soll, darf, muss, einen Stil, der dessen Mitarbeiter in die Flucht schlägt und damit Lieferfristen gefährdet.

Auf nach Galiläa in Mitarbeitergespräche mit und ohne Vorlagen, auf nach Galiläa in das Ringen um klarere Ansagen im Arbeitsalltag (die Mitarbeiter müssten sich doch eigentlich denken können, was jetzt dran ist… oder nicht?), auf nach Galiläa in Zeitmanagement, Talentförderung, Neueinstellungen, Entlassungen, Umgang mit kreativen Chaoten…

Auf nach Galiläa in einer neuen Sicht, einem neuen Tun, einem neuen Verstehen, einer neuen Verbundenheit, auf nach Galiläa mit dem Leitbild, das seit zehn Jahren unverändert aktuell ist und Herzen brennen lässt.

Nächste Termine 'Rund um den Tisch'
Fr.-So. 22.-24. November 2019

Fr.-So. 03.-05. April 2020

Fr.-So. 23.-25. Oktober 2020

Ort: Schönstattzentrum Memhölz, Deutschland.

 

[1] Quelle: Episode oder Avantgarde? Josef Kentenich und die Zeitschrift MTA. Eine Studie zu einem „untypischen Typ“ von Re­li­gionspublizistik, Münster 1997

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