Veröffentlicht am 28. Juni 2017 In Projekte

Die Madrugadores von Nueve de Julio

ARGENTINIEN, Carlos Cappelletti •

Eine beachtlich große Gruppe von Madrugadores gibt es seit wenigen Jahren in Nuevo de Julio, einer Stadt im Nordosten der Provinz Buenos Aires in Argentinien, wo im Jahr 1920 der Diener Gottes Kardinal  Eduardo Francisco Pironio geboren wurde, der erste Lateinamerikaner, der als Kardinal eine Aufgabe in der römischen Kurie erhielt, und der viele Jahre lang Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien war (1984 – 1996). Kardinal Pironio, der bei der Entstehung der Weltjugendtage eine entscheidende Rolle gespielt hat, war ein Mann von ausgeprägter theologischer und spiritueller Tiefe, der sich durch seine Freundlichkeit und sein immer neues Verkünden der Hoffnung, der Rolle der Mutter des Herrn und seinen gradlinigen und transparenten kirchlichen Weg auszeichnete. Er befindet sich im Prozess der Seligsprechung.

Wie hat diese Männergruppe von Nueve de Julio angefangen?

Es waren die ersten Julitage des Jahres 2014. Analía Guaragna, Koordinatorin der Schönstatt-Bewegung in Nueve de Julio, schlug mir aus heiterem Himmel vor, in unserer Stadt eine Gruppe der Madrugadores zu gründen – von Männern also, die sich samstags in aller Frühe, wenn der Rest der Familie noch schläft und damit weder gestört wird noch mitkommen will, zu Gebet und Frühstück treffen. Sie erklärte mir, dass wir samstags um sieben den Rosenkranz beten und danach frühstücken würden, Männer unter sich. Ich erklärte ihr, ich hätte viel zu tun und ging.

Zwei Wochen später traf sie mich auf der Bank und wiederholte die Einladung. Um sie loszuwerden, antworte ich ihr, ich würde es mir überlegen, und vergaß das Thema anschließend schnell und gründlich. Drei Wochen später traf sie mich erneut, denn Analía folgt einem, wie Sie schon bemerkt haben werden, beharrlicher als ein Schwarm Mücken, und sie lud mich schon wieder ein. Ich sagte ihr, ich würde mir die Sache genauer überlegen und drehte mich um, ohne sie noch eines einzigen Blickes zu würdigen.

Wieder zu Hause begann ich zu überlegen, ob es am Ende vielleicht Maria war, die mich mit der Einladung verfolgte. Ehrlich gesagt habe ich viel den Rosenkranz gebetet, früh aufzustehen fällt mir nicht schwer und das Frühstück nach dem Beten schien mir eine gute Idee. Wenige Tage danach rief Analía mich an, um mir zu sagen, dass sie zwei Männer kenne, die mich beím morgendlichen Beten begleiten würden. Ich ging gleich los und besuchte sie. Der erste sagte zu, während der zweite mir erklärte, er bete von Montag bis Freitag morgens um sechs den Rosenkranz, samstags wolle er ausschlafen. Aber immerhin waren wir schon zwei.

Mit dreien kann es losgehen

Einer mehr, und wir könnten anfangen. Ich machte mich dann auf den Weg zu sechs treuen Kirchgängern, spirituell immer sehr engagiert, und zu meiner großen Überraschung lehnte einer nach dem anderen die Einladung ab. War das etwa der Pferdefuß (der Teufel, Luzifer oder wie Sie ihn nennen wollen), dem die Idee nicht gefiel, und der gegen mich agierte? Wilder entschlossen als je zuvor ging ich zu einem guten Freund, und der nahm ohne eine Minute zu zögern die Einladung an. Es konnte losgehen. Ich machte aber weiter mit den Einladungen, sprach mit dem Pfarrer, dem ich die Idee schmackhaft machte, und am 24. September 2014 hielten wir mit acht Männern in Begleitung des Pfarrers die erste Madrugada (Gebets-Morgenwache) in Nueve de Julio.

Am Schluss des Rosenkranzes geschah das erste Wunder: Der Pfarrer öffnete die Türen des Pfarrhauses und lud alle zum Frühstücken ein – und dass ein Priester einlädt, ist nun wirklich nicht so einfach.

Foto: Madrugadores aus Nueve de Julio mit Octavio Galarce (Gründer der Madrgadores, Chile) und Roberto Horat (Madrugadores aus Buenos Aires)

Und jetzt sind es 186 Männer im Bündnis mit der MTA

 

Und so begann die Gruppe der Madrugadores in unserer Stadt. Das Wachstum war atemberaubend – innerhalb von zweieinhalb Jahren haben 186 Männer zu Füßen der Dreimal Wunderbaren Mutter den Rosenkranz gebetet, gedankt und Bitten ausgesprochen in ihren Anliegen und denen ihrer Familie und Freunde. Nach dem Gebet bleiben alle, die nicht dringend zur Arbeit müssen, zum Frühstück im Pfarrhaus, doch bereits seit der zweiten Madrugada bringt jeder Mate, Kaffee, Kekse und anderes mit.

Wir sind überzeugt, dass die Gottesmutter uns ruft. Unter den Madrugadores sind viele, die nicht jeden Sonntag zur Messe kommen, aber alle zwei Wochen sind sie um sieben Uhr morgens zur Stelle. Wir haben viele geschiedene, wiederverheiratete Madrugadores und Männer, die zu anderen Konfessionen und Religionen gehören und ganz selbstverständlich dabei sind. Jeder hat seinen Platz und wir machen keine Unterschiede.

 

Foto: Madrugada in der Kathedrale von Nueve de Julio

Original: Spanisch, 12 June 2017. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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