Veröffentlicht am 12. September 2018 In Misiones

„Gott wollte uns als Komplizen und nicht als Darsteller“

COSTA RICA, Rafael und Jessica Pérez de Araya/Michelle Ramírez •

Mission Monterrey 2018: Jedes neue Tun erzeugt erst einmal Angst, Unsicherheit und innere Fragen, wenn wir nicht genau wissen, was Gott von uns will und was sein Wille ist. Das hat uns aber nie daran gehindert, ihm dienen zu wollen. —

Mit Spannung haben wir uns geistig auf die neue, wichtige Aufgabe vorbereitet, seit wir letzten Februar den ersten Anruf bekommen hatten. Unsere ersten Familien-Misiones! Trotz aller Spannung und Bereitschaft tauchten dann wenige Tage vor Beginn gleich mehrere Situationen auf, die uns die Teilnahme kompliziert machten, aber wir haben nie die Hoffnung verloren, geschweige denn zu denken, dass wir nicht teilnehmen könnten. Alles war in den Händen Gottes und unserer Mutter des Himmels, und Stück für Stück, ohne größeren Aufwand unsererseits, hat sich alles gelöst. So brachen wir als auf zu unserer ersten Mission in Monterrey de San Carlos, drei Stunden von der Hauptstadt San José, wo wir wohnen, entfernt. Wir gingen auch in benachbarte Dörfer wir La Garita, das am weitesten entfernte, fast eine Stunde von Monterrey entfernt.

Im Zelt unter freiem Himmel

Seit vielen Jahren wollten wir mit unseren Kindern einmal einen Campingurlaub machen, und nie war etwas daraus geworden. Aber Maria, die Mutter Jesu, war nicht nur bei der Hochzeit zu Kana kreativ, auch wenn es „nur“ um einen schönen Genuss geht. Dank der Misiones haben wir unseren Traum vom Zelten verwirklicht! Gott gewährt uns immer wieder auch die leisesten Herzenswünsche, wenn wir nur vertrauen.

Das Reich Gottes gehört den Kindern

Wir wissen es ja: wenn wir einen selbstlosen Dienst leisten, erhalten wir mehr als wir geben. Zweifellos hat uns Gott in diesr Zeit in den Kindern und Jugendlichen, die mit dabei waren, berührt.

Am ersten Tag der Misiones tauchten Fiorella (14 años) und Eber (de 21 años) auf, Jugendliche aus San Miguel und La Garita, zwei hilfsbereite und selbstständige junge Menschen. Fiorella ging mit uns auf Mission, Haus um Haus, war unser lebendiges Navi und gab uns Informationen über die jeweiligen Familien, bevor wir sie besuchten.

Eber sorgte in der Küche fürs Mittagessen; er hatte seine Mutter an einem Heiligabend und seinen Bruder an Sylvester des gleichen Jahres verloren, als er zehn Jahre alt war, und war seitdem mit einem seiner Brüder auf sich allein gestellt. Dank der köstlichen Desserts, die Eber uns mit Liebe zubereiteet, trafen wir Francini, ein Mädchen von etwa acht Jahren, charmant und ein kleiner Genießer, die mit ihren Freunden mit Begeisterung alles übriggebliebene Dessert verputzte.

„Komplizen, keine Darsteller“

Am späten Nachmittag eines Tages bat man uns um einen Besuch im – wie wir glaubten – letzten Haus, wo eine Witwe mit ihrem Sohn wohnte. Doch berührten die Gnaden der Mission das Herz von uns vier Missionaren und wir spürten das Bedürfnis, noch ein weiteres Haus zu besuchen. Wir hatten keine Ahnung, dass dort ein Erlebnis auf uns warten würde, das unser Leben prägen sollte.

Uns empfing Joselyn, ein Mädchen von sechs Jahren, voller Leben. Während wir zusammen für die Anliegen der Familie beteten, hob sie etwas zaghaft die Hand und wollte etwas sagen. Auf unsere Frage, was sie sich denn vom lieben Gott wünschte, antwortete sie: „Eine Bibel“. Ohne zu zögern antworteten wir, dass Gott ihr den Wunsch erfüllen würde, keine Sorge. Sofort begannen wir mit den Gebeten, damit Gott uns als Werkzeuge benutze, damit Joselyn ihre Bibel bekäme!

Gottes Vorsehung ließ nicht auf sich warten, und kommenden am Tag kam aus San José eine Bibel in kindgemäßer Sprache; ihre Besitzer hatten schon längere Zeit vorher beschlossen, sie zu spenden. Ohne lange nachzudenken, wollten wir das Geschenk, das Gottes Vorsehung uns in die Hände gespielt hatte, gleich weitergeben, und es war auch egal, dass wir für Hin- und Rückfahrt zwei Stunden brauchen würden.

Und als wir nun zum Haus von Joselyn kamen, da war niemand zu Hause, sie waren weg. Und auch wenn wir nun nicht ihr Gesicht voller Leben und Freude sahen, ließen wir die Kinderbibel auf einem Stuhl neben ihren Schuhen zurück. Wir kehrten zurück voller Freude darüber, dass wir ihr schenken konnten, was sie sich so sehr gewünscht hatte, und dachten: „Gott wollte uns als seine Komplizen, nicht als Darsteller“ dieses Geschenkes vom Himmel.

Wer ist das? Und die Antwort: Mama!

Als ob wir nicht schon den erstne Tag der Misiones intensiv gelebt hätten, kamen wir am nächsten Tag in eine Haus, wo wir einen zwei-jährigen Jungen antrafen. Als wir mit dem Bild der Gottesmutter eintraten, fragte ihn seine Schwester: Und wer ist das? Seine Antwort: Mama! Uns blieb fast die Luft weg… Ähnlich wie in dem Moment, als P. Alexandre Papst Franziskus fragte: „Wer ist Maria für Sie?“, und er spontan antworte: „Sie ist meine Mama“, was nachher in der spanischen und portugiesischen Ausgabe der Buchtitel wurde (in Deutsch: Mit Maria leben).

All diese Erfahrungen und viele andere bewahren wir im Herzen und nehmen immer mehr die tiefe Wahrheit der Bibelstelle auf, die sagt: „Amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen“ (Mt 18,3).

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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