Veröffentlicht am 2016-10-09 In Misiones

Die Familien-Misiones in Italien

ITALIEN – P. Alfredo Pereira •

Die Kunst Türklingeln zu bedienen, an Türen zu klopfen, die Pilgernde Gottesmutter  überall durch die Stadt pilgern lassen, Gemeinschaftsleben, Liturgie mit den Menschen vor Ort, Begrüßen der Menschen, und miteinander teilen …

Eine Herausforderung unserer Zeit

Wenn es so viele Fragen über die Familie in verschiedenen Genres gibt: anthropologisch, sozial, politisch und vor allem religiös, ruft Gott einige Ehepaare, damit ihre eheliche Liebe auch missionarisch sei – eine Liebe, die sich außerhalb ihres Hauses ausbreitet. Pater Kentenich, der Gründer der Schönstattbewegung, ermutigte Familien damals während der sechziger Jahre, nicht zu vergessen, dass die Familie eine wesentliche Verpflichtung hat zu evangelisieren, und dass sich bei der Bildung der Gesellschaft die gewisse Passivität in diesem Bereich verbunden hat mit der wachsenden Glaubenskrise, und es konsequent zu einer Krise der Familie selbst gebracht hat. Die Familie hat eine Mission in sich selbst, ihre Stärke und Schönheit liegt im echten Zeugnis, wo Bücher, Worte und Vorträge nicht viel bewirken.

Die Familien-Misiones sind Ende der neunziger Jahre in Santiago de Chile rund um die Pfarrgemeinde „Nuestra Señora de los Dolores“ (Schmerzhafte Mutter) entstanden mit der Zielstrebigkeit und Motivierung von P. Hernán Alessandri (ein Schönstatt-Pater, dessen Seligsprechungsprozess vorbereitet wird). Er sprach viel über die Bedeutung einer Pastoral wie dieser. Und er wiederholte häufig: „Die Familie ist nicht als Missionar geboren, aber sie wird es.“ Kurz darauf breiteten sich die Familien-Misiones mit großer Kraft aus nach Paraguay und Argentinien. Derzeit gibt es sie auch in Spanien, Portugal, Costa Rica, Brasilien, Ecuador und Italien.

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Eine Pfarrgemeinde wird ausgewählt, in der die Misiones durchgeführt werden. Normalerweise geht man auf ein Dorf, nicht in eine Großstadt.  Vorher wird mit dem Pfarrer der Gemeinde das Datum für die Misiones abgesprochen sowie alles, was nötig ist im Bereich von Infrastruktur/Logistik, ebenso der spirituelle Aspekt (Monatsimpuls, Beichten, Treffen mit Jugendlichen, Müttern, Familien, Kindern, Theater, etc.), sodass die Erfahrung die Missionare innerlich verpflichten kann. Wir haben beobachtet, dass die ideale Zeit zwischen fünf und sieben Tagen ist.

Eine Misiones-Gruppe besteht aus mindestens fünf Ehepaaren mit ihren Kindern und anderen Jugendlichen, Freunden ihrer Kinder etc. Das ergibt ein Verhältnis von etwa 1 Erwachsenen auf 5 Jugendliche. Es soll so gestaltet sein, dass die Jugendlichen voll einbezogen sind und sie sich wohlfühlen. So zielt die Erfahrung der Familie auf ein eigenes Ziel und der missionarische Aspekt verpflichtet auf einen eigenen, weiteren Horizont. Auf diese Weise gibt es eine werdende Kirche, die gründet auf den Fundamenten einer christlichen Familie und ihrem eigenen Wunsch und Einsatz in ihrer führenden Rolle in der Kirche.

Was ist das für eine Schönheit, von der wir sprechen?

Schönheit liegt in der Tatsache, dass im Lauf der Tage die Familien zu Missionaren werden, Eltern, Jugendliche und Kinder stellen sich zusammen in den Dienst des Evangeliums und für die Brüder und Schwestern der Gemeinde, in der sie wirken. Es ist eine wahre Revolution unter den Erwachsenen und den Jugendlichen, denn es ist das Teilen einer hundertprozentigen Erfahrung von Glauben, von Familie und von Dienst. Das schönste daran ist, dass es gar keine Zeit für Theorien gibt.

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Wie sind sie in Italien entstanden? Menschliche Arbeit und Vorsehung

Pater Alfredo Pereira, Kaplan der Universität Roma Tre und Jugendpfarrer für die Jugend in der Gemeinde Santi Patroni, die von den Schönstatt-Patres betreut wird, erzählte beiläufig bei einem Gespräch einigen Ehepaaren, dass er einem befreundeten Pfarrer während der Karwoche aushelfen würde. Beim Überlegen, wie man Jugendliche und Familien gemeinsam motivieren könne, bringt er die Idee ins Spiel, in der Karwoche etwas Neues zu unternehmen. Mit dem Mut zum Wagnis, herauszugehen und weniger um sich selbst zu kreisen, ganz so, wie es der Papst immer wieder anregt, regt er Ehepaare und Jugendliche an, diese neue Erfahrung auszuprobieren. Das Ergebnis waren die ersten Familien-Misiones in Italien.

Wir sind überzeugt, dass die Gottesmutter auf den richtigen Zeitpunkt gewartet hat, und glücklicherweise haben wir auf das Zeichen reagiert.

Die Offenheit von Pfr. Moreno von Val di Zoldo für diese neue Initiative war ein weiteres Zeichen der Vorsehung. Ohne viel zu wissen, was da auf ihn und die Gemeinde zukommen würde, sorgte er mit Eifer, Aufmerksamkeit und Nähe für uns und für alles.

Nach der ersten kam die zweite … und warum nicht die dritte?

Nach der guten Erfahrung war es leichter, für die zweiten Misiones Zustimmung zu finden. Mund-zu-Mund-Propaganda und die Begeisterung der ersten waren sehr überzeugend für die Einladung zu den zweiten Misiones. Wir kommen hier auf ein altes Sprichwort zurück: „Worte verweht der Wind, Taten sind es, die zählen …“. Ohne Zeugnis gibt es keine Möglichkeit, missionarische Erfahrungen zu entwickeln.

Aus den zwei Familien wurden fünf, dazu weitere 35 Jugendliche. Insgesamt waren wir fünfzig Personen.

Dieses Mal stellte Pfr. Moreno uns das Gebäude eines Kindergartens zur Verfügung, der schnell zum Mittelpunkt der Misiones wurde.

Nach der zweiten Erfahrung von Familien-Misiones hatten wir nicht nur mehr Erfahrung gewonnen, sondern auch die Erkenntnis, dass Gott sich hier sehr stark zeigt, und dass wir wiederum uns verpflichten müssen, auf diesen Ruf treu zu antworten. Und damit steht dritten Misiones dort nichts mehr im Weg…

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Die Atmosphäre macht es

Intern vertieft sich die Familie mit all ihren möglichen Nuancen, was die Bedeutung der Familienerfahrung im Inneren der Evangelisierung betont. Ausgehend von dem Beispiel der Kleinsten, die von morgens bis abends unermüdlich Freude bringen, Begeisterung und was für einen Tumult! Ohne Zweifel bringt das eine Art Kettenreaktion hervor, die Eltern, Studenten und Jugendliche ansteckt. Es ist nicht leicht zu erklären, aber Unschuld und Freude, mit der die Kinder an den Aktivitäten und an den Misiones in den Häusern teilnehmen, wird zu einer Lektion für uns Erwachsene, denn häufig sind die Dinge einfacher, als wir sie uns vorstellen, und in dieser Hinsicht sind sie uns weit voraus.

So wie die Anwesenheit der Familien, Eltern und Kinder wichtig ist, ist auch die Anwesenheit der Jugendlichen und jungen Studenten wichtig, denn auch sie sind es, die die Schönheit der Misiones hervorbringen. Wenn die Atmosphäre nicht die Frische der Jugend hat, spüren die Kinder das sehr schnell und verlieren allmählich das Interesse. Dann ist es auch wichtig, an dem Wachstum der Erfahrung der Jugendlichen zu arbeiten, sichtlich ihre Unvollkommenheit und Unreife zu akzeptieren, aber die Kraft, Kreativität, Freude und Hingabe zu schätzen, die junge Leute im Inneren der Misiones hervorbringen.

Das Leben in Gemeinschaft

Die Familien-Misiones haben zwei Dimensionen, eine äußere und eine innere. Die innere Dimension gründet auf dem geistigen und gemeinschaftlichen Teilen der Missionare. Jeden Tag beginnt der Weg in der Kapelle mit dem Morgengebet. Jeder Missionar gehört zu einer Misiones-Familie. Nachdem wie in einem ganz normalen Ferienlager die verschiedenen Dienste gemacht sind (Spiritualität, Essensdienst, Putzen) gibt es immer eine Betrachtung, die der Priester hält, der die Misiones begleitet. Er beschreibt den Tag mit einigen Werten und Aspekten der Mission. Dann erneuern die Eltern die Aussendung ihrer Kinder für die Misiones, und sie gehen auf Tür-zu-Tür-Misiones, um die Menschen aufzusuchen. Der Ort ist unter den Misiones-Familien aufgeteilt, sodass der gesamte Bereich abgedeckt ist.

Während der Mahlzeiten teilen sie nicht nur das Essen miteinander, sondern auch die Erlebnisse des Tages. Dann gibt es eine gemeinsame Entspannungszeit,  um einander kennenzulernen, zu lachen und zu spielen, und schließlich eine Zeit der Andacht in der Misiones-Kapelle, um den gesamten Tag in die Hände Gottes zu legen.

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Maria, die erste Missionarin

Was die externe Dimension anbelangt, ist Maria die erste Missionarin, sie, die sich völlig dem Willen Gottes auslieferte und ohne ihre vollständige Hingabe an Gott zu vernachlässigen, immer, wirklich immer für die Menschen zur Verfügung steht. Maria lehrt uns die harmonische Beziehung zwischen Kontemplation und Dienst, zwischen persönlichem und gemeinschaftlichem Leben, zwischen Gebet und Apostolat. Gerade weil sie die erste ist, die daran interessiert ist, dass die Liebe ihres Sohnes alle erreicht, ruft sie uns, wählt sie uns, lädt sie uns ein; sie öffnet Türen, sie ist diejenige, die spricht und Fürbitte einlegt, sie sorgt für ihre Kinder, sie wandelt eine Gemeinschaft in eine Familie um. Aus diesem Grund bringt jedes Misiones-Ehepaar ein Bild der Pilgernden Gottesmutter mit, und das Ziel des Besuches ist nichts anderes als Gebet, Teilen und gegenseitiges Zuhören. Wir lernen voneinander, wir unterstützen uns gegenseitig. Darüber hinaus laden wir – wenn es die Gelegenheit erlaubt -, Menschen ein zu Aktivitäten der Pfarrgemeinde und zur Liturgie. Wir lassen ein kleines Bild der Gottesmutter bei den Leuten und versprechen, sie mit in die kleine Kapelle zu nehmen, wo wir, vereint mit Maria, füreinander beten.

Die Heilige Woche – das Pascha des Herrn

Die Heilige Woche ist das wichtigste Fest der Christen, und leider sind in großen Städten manchmal gewisse Traditionen verloren gegangen. Die Jugendlichen sind weniger engagiert und ergriffen; manchmal erkennen sie wegen der langen Zeremonien, die sie langweilen, die Schönheit der Symbole und die Kraft dieser Feiern nicht. Deshalb gibt uns die Heilige Woche die Gelegenheit, das wichtigste Fest des Glaubens mit einem ganzen Dorf zu leben und die Auferstehung Jesu gemeinsam zu feiern. Es ist ein gemeinsames Durchleben der Passion, des Todes und der Auferstehung des Herrn, und zugleich ein schnelles Vertiefen in Geheimnis und Herz des Dorfes. So schafft die Karwoche die Gelegenheit für einen großen Austausch.

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Vor allem bedeutet auf Misiones gehen zu empfangen, oft viel mehr als das, was wir geben

Natürlich ist die Wirkung wechselseitig bei den Familien, die auf Misiones gehen wie auch in den Dörfern, die sie besuchen. Für Eltern ist es eine einzigartige Befriedigung, zu sehen, wie ihre Kinder auf Misiones gehen und voll Freude an den Aktivitäten teilnehmen. Andererseits spüren die Jugendlichen, wie nützlich sie sein können, wie viele Talente sie haben und wie gut es der Seele tut, freigebig zu teilen. Wir können sagen, dass sie auch ihre Berufung zur Kirche entdecken, eine Berufung, die immer da war, aber die bestärkt wird, wenn sie betätigt wird; sie können feststellen, dass sie Kirche sind, und dass es ohne sie nicht das gleiche wäre. Darüber hinaus wird eine Frische und einzigartige Vitalität wiedergeboren in den Erwachsenen durch die Kraft der Jugendlichen und der Kinder. Es ist wirklich eine „Pilot“-Erfahrung. Die Kraft und die Reinheit der Liebe einer Familie haben eine wunderbare Kraft. Gewöhnlich erzeugt die Begrüßung der Menschen, die Vertrautheit, die Bindungen, die aus dem Nichts entstanden sind, die Antworten auf die Fragen, die sie haben, und das Glück eines Teilens, an das sie nie gedacht haben, eine umwandelnde Wirkung.

Nichts ohne dich, nichts ohne uns

Schließlich entdecken die Familien und die Jugendlichen, was es heißt, Werkzeug zu sein, denn die Misiones sind nichts anderes als ein Geschenk Gottes. Mutter Teresa von Kalkutta sagte, wir sind ein Bleistift in Gottes Hand, denn Gott füllt uns dauernd mit Geschenken und Segen; es ist nur so, dass wir nicht immer die Zeit und den Mut haben, sie zu sehen.

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Original: Italienisch.  Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland/mf

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