Veröffentlicht am 2016-02-26 In Misiones

Drei Missionare in Rom

ITALIEN, Federico Bauml •

Im Jahr 2015 hatte die Schönstatt-Bewegung von Italien das Glück, drei Jugendliche aus Asunción, Paraguay, zu empfangen. Eine gute Erfahrung sowohl für die Jugendlichen wie für uns, die wir sie empfangen haben und denen wir darum diese Zeilen widmen möchten.

„Was bedeutet missionieren?“

Als Pater Alfredo uns nach der Sommerpause 2014 sagte, dass im Jahr 2015 drei junge Missionare aus Paraguay nach Rom kommen würden, da herrschte unter den vielen gemischten Gefühlen, die aufkamen, vor allem eines vor: Neugierde.

Neugierde von seiten der Älteren, die wir neun Jahre zuvor die Erfahrung mit den Missionaren aus Argentinien und Paraguay hatten und uns fragten, ob eine solche phantastische Erfahrung wiederholbar sei. Neugierde seitens der Jüngeren, die noch nicht so lange zur Pfarrei kommen, hin- und hergerissen zwischen der Faszination des Neuen und der Zweifel angesichts von Veränderungen.

Neugierde, ja, und auch eine große Frage. Die Jahre vergehen, die Kontaktpunkte verändern sich,  man wächst, wird erwachsen, doch vor dieser Erfahrung erhebt sich immer die gleiche Frage: Was bewegt drei Jugendliche von 23 Jahren, ihr Zuhause, ihre Familie, ihre Freude, ihre Freundinnen zu verlassen, um nach Rom zu gehen und ein Jahr „in Mission“ zu leben?

Und dann, was heißt das denn konkret, „missionarisch sein“?

Der Fuchs im Kleinen Prinzen würde auf diese Frage wie auf die nach dem „Zähmen“ antworten: „Bindungen schaffen“, und dann, würde er erklären, dass es auch für das Missionarische Geduld braucht, und dass die festen Bräuche das sind,  „was einen Tag vom andern unterscheidet, eine Stunde von den andern Stunden“.

Ich, der ich nicht ein Tausendstel des Talentes von  Saint Exupéry habe, möchte sagen, missionarisch sein heißt Zeit schenken.

Klar, Zeit verliert man normalerweise, oder man schlägt sie tot, hat keine, viel zu wenig oder sie ist viel zu kostbar, um sie zu verschwenden; wenn man dann jemandem begegnet, dem einfällt, sie zu schenken, dann merkst du, dass da etwas ganz, aber wirklich ganz Besonderes ist.

Missionari montagna

Die drei Ritter der MTA

Beschreiben wir also die drei Ritter der Königin, die da aus Asunción gekommen sind.

Einer von ihnen ist blond und hat sehr blaue Augen, scheint weniger aus den Landen der Guarani als von den Fjorden Norwegens zu kommen. Er möchte Präsident der Republik werden und auch wenn er keine Ahnung hat, wer der Autor von “I Promessi Sposi” ist, spricht er Italienisch, als er schon seit 15 Jahren hier. Der zweite ist groß und kräftig, hat ein Herz so groß und weit wie seine Schultern, ein ansteckendes Lachen und eine gewisse ungezügelte Leidenschaft für Eintopf. Dann kommt der dritte, kleiner – aber nur nach Zentimetern – und immer zu allem bereit; er redet wenig, aber klar und lässt vor allem seine Gitarre sprechen.

Aber nun konkret: Was machen die, wenn sie „in Mission“ kommen?

Zuerst einmal singen sie immer, denn Singen ist doppelt gebetet. Und dann gehen sie, ohne stehenzubleiben und ohne zu rennen, um sich nicht zu verlaufen. Sie beheimaten, denn Schönstatt ist zuallererst Beheimatung. Sie teilen, was sie sind, was sie haben, was sie träumen, was sie ersehnen. Sie hören zu und interessieren sich. Und dann sind sie immer froh,  bereit, mit einem Lächeln im Gesicht – und immer zu spät, aber gut, man kann nun einmal nicht perfekt sein!

In einem Wort: sie sind ansteckend. Sie stecken alle an, die sie umgeben, von den Kindern in der Katechese über die Familien der Pfarrei und der Bewegung bis zu den Älteren und, klar, den Jugendlichen. Sie stecken an mit einem Lächeln, einem Gebet, einem Wort, einem Lied, einem Fußballspiel, einem Bier oder einem Asado.

Auch weil, um ein Wort von Mark Twain zu zitieren – sorry Nico, ich leihe mir jetzt das Zitat -, „die beste Weise, glücklich zu sein, die ist, andere glücklich zu machen.“

„Wir haben die Farbe des Weizens gewonnen“

Abschiede sind immer traurig.

Zurück zum „Kleinen Prinzen“; mit fällt da immer die Frage ein, die der kleine Prinz beim Abschied dem Fuchs stellt: „Und was hast du jetzt dadurch gewonnen, dass du mich gezähmt hast?“ Und der Fuchs antwortet mit Blick auf die Farbe der Haare seines kleinen Freundes: „Wir haben die Farbe des Weizens gewonnen.“

Und wir? Was haben wir gewonnen, die wir Nico, Jorge und Braulio ein Jahr bei uns hatten?

Denken wir darüber nach.

Was sind die paar Abschiedstränen im Vergleich mit einem Jahr voller Lachen, voller Fußballspiele, mit der Ostermission, dem Jakobsweg und all den vielen Augenblicken, die wir miteinander verbracht haben? Was ist die Trauer beim Abschied im Vergleich zur geschenkten Zeit? Und was sind schon diese 10.000 km Entfernung, um uns einander nahe zu wissen mit einem Lied oder einem Whatsapp?

Wir haben ein Heiligtum mit 70 Leuten drin gewonnen, ein Heiligtum voller Jugendlicher, das sich anfühlte wie das Urheiligtum.

Wir haben eine Wette gewonnen, die es noch zu gewinnen gilt; denn die Mission, die jetzt beginnt, ist die, das Feuer brennen zu lassen, das die drei entzündet haben.

Wir haben die Gewissheit gewonnen, dass unsere Wege sich wieder kreuzen werden, früher oder später.

In Paraguay sagen sie: „Entfernung kann Körper trennen, Herzen nicht.“

Missionari Santuario

Original: Italienisch. Übersetzung: Maria Fischer/schoenstatt.org

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