Veröffentlicht am 21. Juni 2015 In Misiones

Misión Roma – „Gott lädt uns vor allem ein zum Dienen“

ITALIEN – ROM – PARAGUAY, Maria Fischer

„Ich habe mich schon mit M. in Verbindung gesetzt und anschließend mit C., ihrem Bruder, der hier in Rom ist; wir haben unsere Daten ausgetauscht und sind in Verbindung“, schreibt Nico Prono, Paraguayer in Rom, 21 Jahre alt, weniger als zwei Stunden, nachdem eine Rundmail mit der Bitte um solidarische Unterstützung vom Team schoenstatt.org an mehrere Schönstätter in Rom, die Spanisch können, losgeschickt worden war. Der Bruder einer Schönstätterin aus Chile ist mit seiner Frau im Urlaub in Rom, als diese schwer erkrankt und ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. „Danke für Deine Mail. Natürlich setze ich mich mit M. in Verbindung und helfe, wo ich kann… im solidarischen Bündnis“, antwortet fast gleichzeitig Pamela Fabiano aus der Schönstatt-Bewegung von Rom. „Eine Umarmung und verbunden in diesem Bündnis, das in den ganz kleinen und in ganz großen Dingen real wird.“ Die beiden tun sich zusammen, aktivieren ihre Netzwerke, suchen eine günstigere Unterkunft für den Ehemann, setzen sich mit der besorgten Familie in Chile in Verbindung, und treffen sich am 18. Juni auf dem Petersplatz mit dem Ehemann… Liebesbündnis, real und effizient.

„Gott lädt uns vor allem ein zu dienen“, schrieb Pater Pedro Miraballes, Standesleiter der Schönstatt-Studentenbewegung von Asunción, Paraguay, als Nico Prono und zwei weitere junge Männer sich darauf vorbereiteten, ihr Land, ihre Familien, ihre Freundinnen und Freunde hinter sich zu lassen, um ein Jahr ihres Lebens der „Misión Roma“ zu widmen, einem der größten Abenteuer ihrer Gemeinschaft, dem Abenteuer, als Missionare ins Herz der Kirche zu ziehen, um dort die Schönstattjugend in Rom zu gründen oder zu stärken, und einfach bereit zu sein, dort zu dienen, wo man ihren Dienst erbittet – bei Jugendlichen, Kranken, Migranten, in der Pfarrei der Schönstattpatres… und bei Chilenen, die dank ihnen die Kraft des solidarischen Liebesbündnisses erfahren.

Nico Prono, Braulio Heisecke und Jorge Ortiz gehören zur selben Gruppe, seit sie vor vielen Jahren in der Schönstattjugend angefangen haben. Seit Januar sind sie in Rom, haben ihren „Sitz“ in einer Wohnung in der Nähe der Pfarrei der Schönstattpatres in Trastevere.

Jorge studiert hier weiter Betriebswirtschaft, Braulio macht Physik und Nicolás Privatrecht, jeder also in einer anderen Fakultät. Sie sind also wie ganz normale Studenten im Auslandssemester in Rom – doch geht es ihnen nicht um das, was sie hier lernen oder welche Abschlüsse sie machen, sondern vor allem um die Menschen, denen sie so begegnen. Und sie sind missionarisch einfach dadurch, dass sie da sind, sind missionarisch durch Solidarität, Fußball, Lieder, Essen, Freude, Bindungen und ihr Liebesbündnis, in der Pfarrei, im Italienischkurs, in der Universität, und suchen mit missionarischem Geist die offenen Türen, um Schönstattsaaten auszustreuen.

En el Mar de Ostia

Das Saatkorn des Weltjugendtags in Madrid

Oft, so erzählen sie, lösen sich die Lebensgruppen der Schönstattjugend auf, wenn die jungen Männer mit der Schule fertig sind und zur Universität gehen. Nicht so bei ihrer Gruppe, sie wollten alles tun, damit dies nicht passierte – und es glückte, zum großen Teil einfach deswegen, weil sie eine gemeinsame missionarische Aufgabe suchten. Jetzt sind drei von ihnen in Rom, als Missionare, unterstützt von den anderen aus der Gruppe in Paraguay und vielen anderen Schönstatt-Studenten, die den „kreativen Kern“ der Misión Roma bilden – mit ihren Gebeten, ihren Beiträgen zum Gnadenkapital, ihren Ideen und ihren Bindungen. „Wenn wir Ende des Jahres nach Paraguay zurückkehren“, sagen sie, werden sie in diesem Kern weitermachen. Es ist wichtig für die spirituelle und menschliche Unterstützung, und damit ihr Einsatz etwas schafft, das bleibt – denn nach ihnen kommen andere Missionare, die weitermachen und das voranbringen, was sie gesät haben. „Wir selbst sehen vielleicht gar nichts von den Früchten unserer Arbeit hier“, sagt Nico. „Aber wir säen und wir wissen, dass wir für das Säen verantwortlich sind.“

Säen. Wer hat eigentlich die Idee der „Misión Roma“ gesät? „Das war Pater Alfredo Pereira, der Pater Pope“, sagt Nico. Schon als Student der Schönstattpatres war der in Rom und bald nach seiner Priesterweihe kam er wieder, um in der Pfarrei zu arbeiten und in der entstehenden Schönstattjugend in Rom. „Als ich beim Weltjugendtag in Madrid war, damals 2011, beim Unanimiter-Treffen der SMJ, hat er mir gesagt: Nico, wir müssen etwas tun für die Schönstattjugend in Rom.“

Ein Samenkorn, das auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

En la Piazza San Pietro

Sie wussten gar nicht, was Misiones sind und wie das geht

Ein besonderes Erlebnis waren die Misiones in der Karwoche in Fusine, einem kleinen Ort im Zoldotal im Norden Italiens, in einer bekannten Touristenregion für alle, denen Bergsteigen, Natur, Schnee und Ski gefällt. Dort waren sie mit etwa 30 jungen Leuten, Schülern, Studenten, ein paar Familien, alle mit der Pfarrei in Rom verbunden, die den Schönstattpatres anvertraut ist.

„Die wussten gar nicht, was Misiones sind und wie das geht, aber wir haben es mit ihnen gemacht, so wie wir die Misiones kennen, und sie haben gelernt, indem sie als Missionare losgezogen sind…“, erzählt Braulio. Sie baten bewusst eine der jungen Frauen, den Bericht für schoenstatt.org zu schreiben – einen Bericht voller Staunen, voll „erster Liebe“. „Die haben sich in die Gottesmutter verliebt, ins Liebesbündnis …“, erzählen sie. Heute bereiten sich einige der Jugendlichen auf das Liebesbündnis vor.

Die Pfarrei und die beiden Heiligtümer in Rom sind Orte der Begegnung. An einem Nachmittag der Woche beten Jugendliche im Cor Ecclesiae-Heiligtum der Marienschwestern gemeinsam. Die drei Missionare machten beim Heiligtum von Belmonte einen Einkehrtag (und kamen zum Interview für diesen Artikel dorthin). Die Messen der Jugend in der Pfarrei „sind natürlich nicht wie die Messen bei uns im Jungen Heiligtum, wo wir Schönstätter sind und andere einladen, sondern es sind die Messen der Pfarrei – aber sie haben etwas von Bündnis.“

Jetzt bereiten sie die Wallfahrt nach Compostela mit Jugendlichen der Pfarrei vor, gemeinsam mit der Campusseelsorge der Juristischen Fakultät der Universität Roma Tre, deren Seelsorger Pater Pope ist: sie wollen den Jakobsweg auf der portugiesischen Seite gehen. Das sind 120 km Wallfahrt von Süden nach Norden, verteilt auf sechs Tage, von Tui nach Santiago de Compostela in Spanien, wohin jedes Jahr Tausende von Pilgern aus allen Teilen der Welt kommen, die dieses Abenteuer aus verschiedenen Gründen und mit unterschiedlichsten Motivationen angehen, religiös, rein kulturell, ganz persönlich, spirituell oder einfach weil es gerade Trend ist.

Wir sind Werkzeuge

„Jetzt sind es schon drei Monate, seit wir angekommen sind, und es ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir konkretere Schritte für die Gründung der Mannesjugend tun können“, berichten die drei.

„Wir haben eine gute Beziehung zu den Familien, die zur Pfarrei gehören und erst recht mit den Jungs… ein klares Zeichen dafür ist, dass sie uns das Training der Fußballmannschaft der Jungen übertragen haben bei einem Turnier gegen eine andere Pfarrei; und jetzt kommen die Lektionen, wie man einen Ellbogenstoß versetzt, ohne gesehen zu werden, wie man ein Foul mogelt, einen Freistoß erfindet und eine Rote Karte schafft, und eben all diese Dinge aus der Fußballkultur…

Eine halbe Stunde Fußball und fünf Minuten Gruppenstunde, das ist ein Anfang.

Wir können schon Treffen leiten und eine Botschaft vermitteln, und mit all den Schwierigkeiten, Risiken und Nebenwirkungen bleibt nur, einfach weiterzumachen und Vertrauen auf die Pläne Gottes für uns und diese Mission zu haben. Wir sind uns sehr bewusst, dass wir seine Werkzeuge sind, und so gehen wir mit vielen Beiträgen zum Gnadenkapital, viel Selbsterziehung und einer intensiven Geistpflege ans Werk, wobei unsere Mutter und Königin uns den Weg zeigt.“

„Correspondencia“ – ein Newsletter aus Rom

Um den Kontakt mit der Studentenjugend von Paraguay und der gesamten Schönstatt-Bewegung dort aufrecht zu erhalten, schreiben sie einen monatlichen Newsletter namens „Correspondencia“.

In Spanisch hier die ersten drei Ausgaben. Wir veröffentlichen Monat für Monat das Beste daraus auf schoenstatt.org.

Feb MISION ROMA NEWSLETTER

Marzo MISION ROMA NEWSLETTER

Abril MISION ROMA NEWSLETTER

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Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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