ermita Villa 31

Veröffentlicht am 2021-12-08 In Kampagne

18. Dezember: Segnung des Bildes der Gottesmutter in der Kapelle Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz im Barrio Mugica

ARGENTINIEN, Maria Fischer •

Wir trafen ihn in der Kapelle Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz im Barrio Mugica (früher und auch heute noch besser bekannt als Villa 31), wo er mit Besen in der Hand, Kehrblech und Putzlappen die Kapelle reinigt, in der eine Stunde später die Heilige Messe beginnen wird. Pfr. Ignacio Alejandro Bagattini ist einer der drei Priester (und ein Diakon), die in der Pfarrei und den Kapellen dieses Viertels arbeiten. Er ist sichtlich erfreut über unseren Besuch und freut sich noch mehr über meine Überraschung, als ich an der Wand links ein großes Bild der Gottesmutter von Schönstatt entdecke. —

ermita Villa 31

Pfr. Ignacio Alejandro Bagattini , in der Kapelle Nuestra Señora del Rosario

Die Muttergottes von Schönstatt gehört zusammen mit der Jungfrau von Luján (Argentinien), der Jungfrau von Caacupé (Paraguay), der Jungfrau von Copacabana (Bolivien) und der Jungfrau von Guadalupe zu den beliebtesten Bildern und Statuen in diesem Viertel und seiner multiethnischen Bevölkerung.

Am 18. Dezember, dem Bündnistag, wird die Segnung gefeiert, aber da die Kapelle gerade gestrichen und etwas renoviert wurde, hat man beschlossen, das Bild jetzt schon aufzuhängen. Der Pfarrer sagt uns, dass es nicht nur eine Kapelle ist, sondern ein Haus für die ganze Gemeinschaft. Sie helfen Kindern und älteren Menschen mit Frühstück und Mittagessen, und die Kinder erhalten Katechese für ihre Erstkommunion und Firmung.

ermita Villa 31

Eine Geschichte der Begegnung: vom Heiligtum von Belgrano zum Bildstock der Villa 31

Während Adela, die kürzlich wiedergewählte Gemeinderätin der Villa 31, kurzentschlossen zu Besen und Kehrblech greift, erzählte uns Pfr. Ignacio Alejandro seine Geschichte mit der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt. Es war im Jahr 2009, dem Priesterjahr, am Tag seiner Priesterweihe. Er wollte zu Fuß zu einem Heiligtum pilgern, das ihm sehr am Herzen lag, aber da es an diesem Tag in Strömen regnete, bot ihm ein Freund an, ihn in seinem Auto mitzunehmen – unter der Bedingung, dass er einen Umweg macht, um das Heiligtum „seiner“ Gottesmutter zu besuchen. So kam er zum Schönstatt-Heiligtum von Belgrano und bot der Gottesmutter dort sein Priestertum an… Jahre später, bei seiner Arbeit im Elendsviertel, begegnete er ihr wieder, in den Armen der Missionare der Pilgernden Gottesmutter des Viertels und später, im Oktober 2021, am Bildstock, der nur wenige Schritte von der Kapelle entfernt gebaut wurde, vor dem Bildungsministerium der Stadt Buenos Aires, in der Nähe eines Urbanisierungsgebietes mit Sozialwohnungen, mit Blick auf den Fußballplatz des Viertels und auf die Ecke, wo zu dieser Zeit Open-Air-Musik gespielt wird und sonst auch Politiker auftreten und auch sonst einiges los ist, das ich gar nicht genauer wissen will.

ermita

Ein Bildstock, ein Ort der Begegnung

Das Gesicht des Barrio Múgica – ehemals Villa 31 – hat sich seit Jahren gewandelt. Gepflasterte Straßen, neue Wohnungen, Schulen und das Bildungsministerium sind einige der sichtbarsten Meilensteine des von der Stadtverwaltung eingeleiteten Urbanisierungsprozesses. Vor kurzem haben die Straßen des Barrios Namen erhalten. Nach einem partizipativen Prozess mit den Bewohnern des Viertels verabschiedete die Legislative das Gesetz, mit dem die Namen aller Straßen und öffentlichen Plätze formalisiert wurden: eine ausstehende Forderung des Barrio Mugica. Für die Nachbarn, die dort leben, ist dies ein Erfolg, denn es ist ein weiterer Schritt zur Annäherung der Chancen und zur Angleichung der Verantwortlichkeiten an die aller anderen Bürger. Eine Adresse zu haben, erleichtert die Arbeitssuche und die Erledigung von Formalitäten, verbessert den Zugang zu Dienstleistungen und vermeidet Verwirrung bei der Identifizierung von Adressen mit wiederholten Haus- und Blocknummern. Doch direkt daneben sind die engen Straßen, durch die Kardinal Jorge Mario Bergoglio so oft gegangen ist, Straßen mit dem Geruch von Armut, Gewalt, Drogen und Verzweiflung und mit Tausenden von Geschichten über den Kampf um ein würdiges, ein glückliches Leben, ein Leben im Glauben.

Das Gesicht dieses Viertels verändert sich auch durch die nun sichtbare Präsenz der Gottesmutter. Die Dreimal Wunderbare Mutter von Schönstatt in ihrem Bildstock, den die Schönstatt-Pilger dieser Gegend mit ihren eigenen Händen und ihrer großen Liebe gebaut haben, geschmückt mit Blumen, Pflanzen und sogar mit einer Schindel vom Dach des Urheiligtums, die über dem Bild eingelassen ist.

Wir haben unsere Begegnung an diesem Bildstock begonnen, bevor wir Pfr. Ignacio besuchten, und es war eine echte Begegnung mit Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern, die hier leben und sich bemühen, vorwärts zu gehen. Eine Begegnung mit Freunden. Mit Freunden wie Elva, die mir heute, Jahre später, für den Artikel dankt, den ich nach ihren realen Geschichten geschrieben habe, „nur mit Notizen in deinem Herzen“. Das ist die höchste Auszeichnung, die ich als Journalist je bekommen habe.

En medio del pueblo

Unter ihren Augen

Auf dem Rückweg von der Kapelle zum Bildstock mit Adela, Cristina und einigen anderen Freunden, mit der lauten Musik auf der einen Seite und dem Geschrei des Fußballplatzes auf der anderen, bleiben wir stehen und schauen uns um. Der Standort dieses Bildstocks ist menschlich gesehen der strategisch beste. Es gibt so viele Menschen, die an dieser Ecke vorbeikommen, die Kinder spielen auf dem leeren Grundstück dahinter, die Schönstätter und ihre Freunde treffen sich hier zum Beten und Erzählen…

Aber sie, die Mutter des Herrn und Mutter von uns allen, sieht von diesem Bildstock aus noch viel mehr. Sie sieht die Jugendlichen auf dem Fußballplatz, sie sieht die Künstler an der Ecke davor, sie sieht die mobile Mammographie-Station, an der in diesen Tagen Dutzende von Frauen ihre Mammographie durchführen lassen konnten, sie sieht die Kapelle, sie sieht das Bildungsministerium („Na ja, sie ist die große Erzieherin“), sie sieht die Jugendlichen, die mit ihren Motorrädern vorbeifahren, sie sieht die vielen Kinder, die hier spielen…

„Wäre es nun nicht möglich, dass unser Kongregationskapellchen zugleich unser Tabor würde, auf dem sich die Herrlichkeit Mariens offenbarte?“, fragt Josef Kentenich am 18.10.1914. „Eine größere apostolische Tat können wir ohne Zweifel nicht vollbringen, ein kostbareres Erbe unseren Nachfolgern nicht zurücklassen, als wenn wir unsere Herrin und Gebieterin bewegen, hier in besonderer Weise ihren Thron aufzuschlagen, ihre Schätze auszuteilen und Wunder der Gnade zu wirken. Sie ahnen, worauf ich hinziele: Ich möchte diesen Ort gerne zu einem Wallfahrts-, zu einem
Gnadenort machen für unser Haus und für die ganze deutsche Provinz, vielleicht noch
darüber hinaus.“

Darüber hinaus, weit darüber hinaus, in diese Straßen des Barrio Mugica, der Villa 31, wo wir so viele Menschen treffen, die ihr hier vertrauen, auf der Suche nach einem würdigen Leben.

Beten wir gemeinsam für alle, die an dem Bildstock vorbeikommen, dessen Name „Liebesbündnis mit Maria“ lautet, schlicht und einfach, und auf dem wir auch den Satz lesen können, den Joao Pozzobon auf dem Bildstock an seinem Haus geschrieben hat: „Wenn du hier vorbeikommst, erwarte ich deinen Blick. Ich werde dir nichts von dem verweigern, was du von mir verlangst, wenn dein Herz zu lieben versteht“.

Beten wir in gleicher Weise für alle, die in der Kapelle sein werden, für Pfr. Ignacio und für alle, die an diesem Ort unter dem Blick der Gottesmutter stehen und stehen werden.

su mirada


Video von der Einweihung des Bildstocks der Gottesmutter von Schönstatt in Barrio Mugica:

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