Rund um den Tisch

Veröffentlicht am 2022-04-03 In Projekte, Schönstatt im Herausgehen

„Rund um den Tisch“ im Zeichen des Gegenwirbels

DEUTSCHLAND, Melanie und Ulrich Grauert • 

Am vergangenen Wochenende war es wieder so weit: Zeit für ein „Rund um den Tisch für Menschen in Führung und Unternehmer“ im Schönstattzentrum Memhölz im Allgäu. —

Schon im Vorfeld hatte uns ein Artikel von Harry Gatterer vom ZukunftsInstitut angesprochen („Es ist Zeit für einen Gegenwirbel“). Darin heisst es im Blick auf unsere Zeit: „Wir finden uns wieder in einem riesigen, destruktiven Wirbel. Die Entwicklungen und ihre Auswirkungen sind schwer zu fassen. Was passiert noch, was passiert als Nächstes? Wo ist oben, wo ist unten? Solange wir in Schockstarre in den Wirbel blicken, fällt uns die Orientierung schwer. Es geht nun darum, die Energie des Gegenwirbels zu nutzen, um uns vom Wirbel abzuheben.“

Diese Art von Gegenwirbel, ist bei einem Austausch gemeinsamer Erfahrungen, wie wir ihn beim „Rund um den Tisch“ (IKAF: Internationale Kentenich Akademie für Führungskräfte) seit jeher pflegen, auch diesmal wieder geglückt.

Aufgrund der Pandemie, die immer noch kräftig genug war, um die Planung bis zum letzten Tag kräftig durcheinanderzuwirbeln, kam es auch diesmal zu einem hybriden Treffen mit insgesamt 19 Teilnehmern. Fünf per Zoom und 14 vor Ort, was auch diesmal, dank der mittlerweile verbesserten Ton- und Video-Technik, hervorragend funktionierte.

Beziehung baut auf Bindung auf

Da erzählt ein Teilnehmer von der Suche nach einem neuen Mitarbeiter. Die Suche erweist sich als extrem schwer, bereits 3 Personalvermittlungsbüros wurden angesprochen und kein Lebenslauf scheint zu passen. Auf einmal meldet sich ein Geschäftspartner und sagt, dass er von der Stellensuche gehört habe und genau die richtige Person für diese Position hätte. Das Vorstellungsgespräch findet statt, der neue Mitarbeiter wird eingestellt.

Ähnlich berichtet ein anderer Teilnehmer. Auch dort schien die Suche nach einem neuen Mitarbeiter zunächst aussichtslos, bis ein Mitarbeiter der Firma selbst seine Fühler ausstreckt. Bei einem ehemaligen Lieferanten kommt er mit einer Person ins Gespräch, die gerade gekündigt hat und auf der Suche ist nach einer neuen Stelle. Sogar jemand aus der Branche, eine Person, die zufällig die eigene Firma aufgrund der langjährigen Geschäftsbeziehung gut kennt und auch immer wieder Kontakt zu verschiedenen Mitarbeitern hatte. Die Person wird zum Hauptsitz eingeladen, das Gespräch verläuft einfach und so, als ob ein alter Mitarbeiter wieder käme. Man „kennt“ sich.

Im Austausch untereinander wird klar: Gute, persönliche Beziehungen schaffen neue Bindungen.

Oder die Verhandlungen mit zwei Aufzugsfirmen. Ein Wartungsvertrag musste verlängert werden, aber das Geschäftsverhältnis mit der ursprünglichen Aufzugsfirma stand nicht mehr zum Besten. Bei einem aufgetretenen Problem kam von dieser Firma lediglich die Auskunft, dass eine Reparatur nicht möglich sei und ein hoher Kostenvoranschlag für die Behebung des Schadens kam als Angebot. Durch Beziehungen kam der Kontakt zu einer anderen Aufzugsfirma zustande. Diese handelte schnell und behob das Problem mit einer einfachen Reparatur. Nun wurde diese Aufzugsfirma angefragt, ein Angebot abzugeben für die Verlängerung des Wartungsvertrages. Das Angebot war deutlich teurer, aber in einem direkten Gespräch mit der Geschäftsleitung, konnten die Konditionen verhandelt und so verbessert werden, dass das Angebot sogar unter jenes des ursprünglichen Lieferanten zu liegen kam. Im Gespräch wurde ganz offen dargelegt, dass der Preis zu hoch sei, man aber gerne wechseln wolle, weil man mit dem alten Lieferanten nicht mehr zufrieden sei und auch, weil man gerade gute Erfahrungen gemacht habe. Es wurde in Aussicht gestellt, dass man sich neu, langfristig binden wolle und Verlässlichkeit suche. Die neue Firma erhielt den Auftrag.

Rund um den Tisch

Ehrlichkeit, Offenheit und Transparenz schaffen neue Bindungen

Es kommt auch beim Geschäftlichen wesentlich auf die Beziehung an, auf die Ehrlichkeit, mit der man miteinander umgeht, eine Beziehung, die man pflegt, oder eine die schief geht. Oft nicht durch Verschulden, sondern durch mangelnde Kompatibilität der Personen oder der Verhältnisse.

Das kann schwierige Situationen ergeben. Es kommt letztendlich auf die Beziehung an – Sicherheit geben – den Kopf hinhalten – durchziehen auch in schwierigen Situationen.

Beziehung baut auf Bindung auf und Bindung hat mit innerer Haltung zu tun.

Die innere Haltung des Liebesbündnisses führt zu solchen Beziehungen. Einfach mit Menschen offen umgehen, einander zu verstehen suchen, Kompromisse suchen. Das ist Ausdruck einer inneren Spiritualität und Haltung.

Dabei gibt es verschiedene Grade der Bindung:

  • Begegnung
  • Beziehung (auf sachlicher Ebene/Geschäftsbeziehung)
  • Vertrauen
  • Verantwortung/Verpflichtung
  • Bündnis

Wie baut man Bindung auf?

In der Kommunikation bei den Menschen gibt es verschiedene Grade. Ich begegne jemandem einfach, dann habe ich einen ersten Eindruck. Mit dem ersten Eindruck gehe ich um, das bleibt unverbindlich. Dann kommt aus der Begegnung allmählich eine Beziehung. Die Beziehung kann noch ganz sachlich sein, z.B. eine Geschäftsbeziehung: wir gehen halt gut miteinander um.

Aber von da geht es dann weiter, jetzt geht es in den Bereich von Vertrauen. In den Bereich von Verantwortung. In dem Moment, wo ich von der reinen Geschäftsbeziehung in den Bereich der Bindung komme, gibt es auch eine Verantwortung. Wenn ich mich an jemanden binde, dann habe ich eine gewisse Verantwortung für diese Bindung und der andere auch.

Und aus dieser Bindung erwächst dann Bündnis. Wir sind fest miteinander gebunden, das sind verschiedene Stufen. Da kann man gucken, im Beruf z.B., auf welcher Stufe ich mich befinde, bei dem und dem Geschäftspartner. Die Tendenz wäre immer, dass es zu Bindung kommt. Das ist nicht immer möglich, aber doch bei Einzelnen. Mit diesen Personen kann man dann sogar ein kleines Bindungsnetzwerk bauen, das grössere Zuverlässigkeit bringt.

Wieder zusammenkommen nach zwei Jahren, was machen mit Spannungen?

Nicht nur geglückte Lebensbeobachtungen werden an diesem Wochenende geteilt. Viele Teilnehmer haben auch konkrete Fragen aus dem Führungsalltag mitgebracht.

Eine Frage, die beschäftigt sind Gruppen, Abteilungen oder Projektteams, die sich erstmals wieder in größerem Kreise nach zwei Jahren Pandemie treffen. Wie umgehen mit den Spannungen? Worauf kann man achten?

Und durch den Austausch kommt es zu praktischen Erkenntnissen für den eigenen Führungsalltag:

  • Zeit nehmen für eine Ankommrunde, für ein offenes Erzählen in der Runde, alle sind beteiligt und kommen zu Wort, die Dinge benennen und aussprechen
  • Spannungen nicht unterdrücken, sondern zulassen, ins Wort fassen
  • Gemeinsam feiern, Freude des Wiedersehens!
  • Herzarbeit, Spaß haben
  • Spannungen aushalten, zulassen
  • Raum geben für gemachte Erfahrungen der letzten Jahre, was waren die positiven Seiten, was ‚braucht‘ man nicht noch einmal, was wurde vermisst
  • Gemeinsam herausarbeiten, wie wir für uns wieder eine klare, feste Ordnung finden, ein gemeinsamer Grund, auf dem wir stehen.

Was nehme ich mit?

Am Sonntag in der abschließenden Runde „Was nehme ich mit?“ von diesem reich gefüllten Wochenende, wird die Energie des Gegenwirbels in mancher Rückmeldung fast greifbar, wenn es heisst:

  • Meinen Traum: Zeithaberin sein. Vielleicht gibt es jeden Tag eine kleine Zeit, wo ich sagen kann: Jetzt bin ich Zeithaberin.
  • Diese Atmosphäre hier: die Einstellung zur Arbeit und zu den Mitarbeitern, die ich hier immer wieder finde. Ein Auftanken. Einige konkrete Ideen für mich nehme ich mir mit.
  • Wenn ich die stressige Arbeitssituation nicht ändern kann, kann ich doch die Sicht darauf ändern: ich bin froh, dass ich so viel Arbeit habe. Aufhören die Situation ändern zu wollen. Wenn ich arbeite, dann arbeite ich – das ist schön. Und wenn ich nicht arbeite, dann arbeite ich nicht – das ist auch schö
  • Nicht schon den übernächsten Schritt vorm nächsten machen.
  • Die bereichernde Runde. Der andere ist wichtig.
  • Unglaublich wohltuend hier einzutauchen, das bringt neue Energie.
  • Was mich momentan beschäftigt: Die einzelne Situation der Menschen! Gott hat sich
  • uns in den Weg gestellt durch das Zeitgeschehen – ER ist da. In welcher Form ist er da? Wie sehen wir ihn, wie sehen wir die Menschen? Wie können wir Menschen stärken in all dem, was sie beschäftigt?
  • Die Katastrophen der letzten Zeit haben uns aus unserer vermeintlichen Sicherheit ein Stück rausgeworfen. Es gibt eine Verunsicherung. Geglaubte Sicherheiten sind erschüttert. Wir sind ein Stück rausgeworfen aus unserer selbstsicheren Sattheit und müssen uns neu orientieren.
  • Der Satz von Pater Kentenich «Wo Gott brechen und zerbrechen lässt, da will er neu aufbauen. Es muss eine herrliche Welt sein, die er auf den Trümmern schaffen will.» hat für mich neue Bedeutung gefunden: Gott ist nicht destruktiv, er will etwas erreichen.
  • Nicht beim Problem hängenbleiben, sondern konstruktiv auf Lösungen hinarbeiten.
  • Ich kam unter Strom hierher, die Erfahrung ist die gleiche wie so oft: man geht gestärkt wieder nach Hause. Es hat gut getan hier zu sein in dieser Runde. Auch neue Leute Jede Person hier ist bereichernd.
  • Für die Zukunft wünsche ich mir noch mehr zu studieren: Was sind Zeitenstimmen? Was ist um uns los? Zu lernen wahrzunehmen, was um uns los ist – in dieser Zeit, in der wir uns befinden. Auch: Was sind die Beweggründe der Menschen, dass sie so handeln, wie sie handeln. Um zu verstehen.
  • Die eigenen Gesichtspunkte werden nochmal erweitert durch die vielseitigen Geschäftsbereiche der anderen Teilnehmer
  • Ich nehme meine Karten mit und weiss schon, was ich Montagmorgen als allererstes mache.
  • Mich berührt es, dass man hier die Herausforderung und Probleme, die jeder einzelne
  • von uns mitbringt – ganz offen diskutiert und auch kontrovers diskutiert, dazu gehört auch mal: ich sehe es anders. Ich habe das Gefühl: ich gehöre so richtig dazu. Dafür bin ich dankbar.

Auch in dieser Runde kommt das Leitbild der IKAF erneut zum Leuchten.

Rund um den Tisch

Kontakt:
Melanie und Ulli Grauert (IKAF)
[email protected]
http://ikaf.academy

 

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