Vater-Sohn-Wochenende

Veröffentlicht am 2021-07-24 In Schönstatt im Herausgehen

„Papa, was hat dich bewogen, die Frau zu heiraten, die heute meine Mutter ist?“

ÖSTERREICH, P. Elmar Busse/Ronald Bieber •

Papa, wie war das bei deinem ersten Kuss mit deiner Freundin?“ –  „Papa, was hat dich bewogen, die Frau zu heiraten, die heute meine Mutter ist?“ – Fragen, die man als Sohn nicht mal einfach so beim sonntäglichen Mittagessen den Vater fragt. Und doch sind es Themen, die die Heranwachsenden beschäftigen. In der Gesellschaft ist das Thema Sexualität vielfach enttabuisiert, aber nicht in den Familien. So war es verständlich, dass nach sechs Jahren Pause das Interesse am Vater-Sohn-Wochenende groß war.—

Der weite Weg ist den anreisenden Vätern und Söhnen nicht zu lang, geht es doch um ein besonderes Abenteuer, das sich im Laufe der Jahre zur Marke gemausert hat: „Männer beim Raften und Reden – Wenn Väter mit ihren Söhnen über Freundschaft, Liebe und Sexualität ins Gespräch kommen“.

Trotz Wochenendverkehr und Unfall-Stau auf dem großen deutschen Dreieck sind gegen 20 Uhr alle vierzehn Paare aus ganz Österreich und Bayern angekommen. Der einsetzende Starkregen macht gleich mal einen Strich durch die Rechnung. Aus der geplanten Almmesse wird nichts. Die feiern wir in der Dorfkirche. Dann lässt der Regen nach und wir können trotzdem zu der Jausenstation (für Nichtösterreicher = Almwirtschaft ) wandern. Dort stellen sich Väter und Söhne gegenseitig vor und bringen ins Wort, was sie gegenseitig besonders aneinander schätzen – ein stimmungsmäßig schöner Moment zum Auftakt der Tage.

Vater-Sohn-Wochenende28 Männer und ein Pater beim Rafting

Nach dem Frühstück am Samstag geht es zum Rafting nach Haiming am Inn. Neoprenanzüge, Schuhe, Helme, Schwimmwesten – für die meisten ist das ein ganz ungewohntes Outfit. Kleinbusse bringen die Gruppe 15 km stromauf. Jedes der drei Schlauchboote für jeweils 10 Personen hat seinen eigenen Guide. Unter seiner Führung sind das wilde Wasser, die schäumende Gischt und die ins Boot schwappenden Wellen keine Bedrohung. Ganz nah dran an der Urgewalt des Wassers prickelt es im Bauch, und Adrenalin wird freigesetzt. In den ruhigeren Phasen der Bootsfahrt blieb Zeit für Gleichgewichtsübungen auf dem Bootswulst, Wasserschlachten mit den anderen Booten oder ein kühles Bad im Inn, dessen 9°C Wassertemperatur an den ungeschützten Händen schnell ungemütlich werden – trotz sonnigen Sommerwetters. Nach 90 Minuten ist der Spaß leider schon wieder vorbei.

Nach dem Mittagessen präsentiert Pater Busse die Aufzeichnung einer Talkshow der Serie ‚Treffpunkt Wien‘, in der er selbst vor Jahren aufgetreten war. Das Thema dieser Talkshow: „Kein Sex vor der Ehe – die neue Keuschheit.“ Alle denkbaren Positionen kommen zur Sprache: ein Sexshop-Besitzer, der meint, dass der Mensch von Natur aus nicht monogam sei; ein Psychologe, der Enthaltsamkeit als krankmachend einstuft; ein freikirchlicher Pastor, der erst ein wilder 68er war und nach seiner Bekehrung nun anders über Sexualität denkt; junge Ehepaare, die bis zur Hochzeit „gewartet“ haben; Jugendliche, die meinen, man müsse möglichst bald alles ausprobiert haben, junge christliche Ehepaare, die sich das intensivste Zeichen der Liebe für die Hochzeitsnacht aufgehoben haben. Sprengstoff und Argumente genug, um sich eine eigene Position zu erarbeiten und intensiv miteinander zu diskutieren.

Vater-Sohn Gespräch – einer der Kernelemente des Wochenendes

Nach dem Video referiert Pater Busse über die ganzheitliche Sicht von Liebe und Sexualität. Anschließend sucht sich jedes Vater-Sohn-Paar ein ungestörtes Plätzchen, um sich miteinander über das Gehörte auszutauschen. Außerdem kann jeder Vater anhand mitgebrachter Fotos aus seiner Jugendzeit seine eigene Geschichte und seine ersten Schritte auf das andere Geschlecht erzählen. Am Ende des Gespräches können die Väter mit den Söhnen noch ein Vater-Sohn-Liebesbündnis schließen und gegenseitig vereinbaren, was sie dem anderen schenken wollen und was sie von ihm erwarten. Das Ganze wird in einer Urkunde festgehalten, aber es bleibt das Geheimnis jedes Paares.

Grill- und Fußballabend

Gott sei Dank haben wir auch drei begeisterte Grillväter mit dabei, die sogar ihren eigenen Griller mitnahmen und so ein köstliches Abendessen mit Burger servierten. Der Abend wurde gekrönt mit einem gemeinsamen Fußballgucken – Achtelfinale der Europameisterschaft, Italien gegen Österreich. Leider verliert Österreich 1:2 und scheidet somit aus dem Turnier aus.

Vater-Sohn-WochenendeIch-Werdung und Reifwerdung für eine Partnerschaft

Der letzte Vormittag gehört der spannenden Phase der Ich-Werdung und der Reifwerdung für eine Partnerschaft. Es geht um die vielen Wege und Umwege, die ein Mann erlebt, bis er „die Richtige“ findet. Dabei weist Pater Busse immer wieder auf Pater J. Kentenich hin, der in seiner Spiritualität der Sehnsucht etwas Großes erreichen zu wollen, dem Wachsen und Bemühen um Heiligkeit, der Leidenschaft als Energiequelle, der Fähigkeit, Gefühle in Worte fassen zu können und dem Ernstnehmen der eigenen Person und Würde großen Raum eingeräumt hat. In seinen Montagabendvorträgen für Ehepaare in Milwaukee hatte Pater Kentenich 1962, also lange vor der 68er Revolution den Paaren eine positive Sicht der Sexualität vermittelt. [nachzulesen in: Kentenich, Eheliche Liebe als Weg zur Heiligkeit, in der Reihe „Am Montagabend …“ Band 20, Schönstatt-Verlag 1994] Der Vormittag endet mit einer gemeinsamen Eucharistiefeier mit der Pfarrgemeinde. Der Himmel spielt mit: Der Gottesdienst kann bei strahlendem Sonnenschein neben der Kirche auf dem Friedhofsgelände gefeiert werden. In diesem Jahr haben wir viele musikalische Väter, so dass wir das Kirchweihfest dieser kleinen Filialgemeinde mit eine Projektband verschönern können.

Nicht das letzte Mal …

Nach dem Mittagessen in der Feed-back-Runde wird öfters die Sehnsucht ausgedrückt, ein solches Veranstaltungsformat um einen Tag zu verlängern. Auch wird die Idee geboren, dass man Vater-Sohn-Wochenenden auch zu anderen Themen anbieten könnte. Die neu entstandene seelisch-geistige Nähe ist der große Gewinn. – So der Tenor vieler Rückmeldungen. Eine neue Beziehungsqualität!

Aaron-Segen – ein schöner Abschluss

Zum letzten Programmpunkt versammeln sich die Teilnehmer zu einem Segensgebet in der Kirche Die Väter legen ihren Söhnen die Hände auf und beten den alttestamentlichen Aaron-Segen. Die Söhne antworten: „Ich nehme mein Leben an zu dem Preis, den es dich gekostet hat und den es mich kostet und verspreche dir, das Beste daraus zu machen.“ Der Friedensgruß bildet den stimmigen Abschluss dieser kurzen, aber eindrucksstarken Liturgie. 2022 wird es wieder ein solches Vater-Sohn-Wochenende geben.

 

Vater-Sohn-WochenendeQuelle: www.schoenstatt.at

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