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Veröffentlicht am 2021-07-04 In Fratelli Tutti, Schönstatt im Herausgehen

Inmitten unseres Volkes: Zeugnisse der sozialen Integration

CHILE, Nicolás Zalaquett •

Angesichts so vieler Banner, die das Siegel der „Würde“ tragen und die vor allem im öffentlichen und politischen Leben notorisch sind, lohnt es sich auch, Beispiele zu nennen, die aus der Kirche und aus Schönstatt heraus zu einem integrierteren und würdigeren gesellschaftlichen Leben beitragen. —

Ein Stil von pastoralen Projekten, der seit vielen Jahren entwickelt wurde und der nicht an Kraft verloren hat – im Gegenteil, er scheint zu wachsen – ist der der Integrationshäuser gefährdeten oder marginalisierten Gemeinden und sozialen Brennpunkten. In diesen Häusern leben Gruppen junger Menschen für eine bestimmte Zeit – von einem akademischen Semester bis zu einem Jahr oder sogar länger – um sich intensiv in die Gemeinschaft um sie herum einzubringen, aktiv in ihren Pfarreien, Kapellen, Nachbarschaftsräten mitzuwirken und verschiedene pastorale und gemeinschaftliche Aktivitäten durchzuführen.

Im folgenden Artikel haben wir vier Jugendliche aus der Schönstatt-Bewegung interviewt, die heute in -nur- einigen dieser Integrationshäuser leben: Arde Puente Alto, Misericordia und Banderas. Wir wollten sie kennenlernen, um zu verstehen, was sie tun und warum. Wir wollen an ihrem Leben und ihrer Arbeit teilhaben, zunächst, um Gott für ihre Sendung zu bitten, und auch, um die Herzen in der Schönstatt-Jugend und -Familie zu entflammen und sie zu motivieren, ein Leben des Herausgehens zu leben, jeder aus seiner eigenen Realität, um die Seele Chiles zu erneuern und die vergessene Würde so vieler unserer Schwestern und Brüder wiederzugewinnen.

José Ignacio Torrealba, Missionar in Banderas (Pastoral der Katholischen Universität) / Gemeinde La Bandera

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José, M. Jesús E., Consuelo G., Gonzalo G, p. Javier Concha

Mein Name ist José Ignacio Torrealba, ich bin 23 Jahre alt. Ich bin in meinem 5. Jahr an der Universität, studiere an der Katholischen Universität im Hauptfach Wirtschaftswissenschaften mit einem Nebenfach in Politik und einem weiteren in Psychologie. Im Moment lebe ich in der Gemeinde La Bandera, San Ramón, für Banderas, ein Projekt der Pastoral der Katholischen Universität.

Wie lange bist du schon bei Schönstatt?
– Schon mein ganzes Leben lang, meine Eltern waren in der Jugend und dann als Ehepaar dabei. Ich war Teil bei der Mannesjugend in Curicó. Als ich die Schule verließ, ging ich für ein Jahr nach Austin, Texas (USA), als Schönstatt-Missionar. Und dann bin ich in Santiago bei den Studenten aktiv geworden, als Aktivist (Mitglied).

Was ist Banderas?
– Banderas ist ein Projekt, das versucht, Räume der Begegnung zu schaffen, in denen potenzielle Lösungen für verschiedene soziale Probleme durch den Dialog zwischen der Intuition des Volkes, der Wissenschaft (Universität) und der Soziallehre der Kirche entstehen können. Auf diese Weise wollen wir Zeugen des Lichts sein, um zu erneuern, sowie Glauben, Hoffnung und Nächstenliebe an den „letzten Orten“ zu teilen. Parallel dazu arbeiten wir mit einem Integrationshaus, einer direkten Brücke zwischen dem Projekt und der Bevölkerung, so dass wir Verbindungen pflegen und Menschen begegnen können, die in Zukunft Protagonisten der Veränderung und der Arbeit sein werden, die wir gemeinsam machen wollen. Heute sind wir vier Studenten der Universität, die in La Bandera leben.

Was hat dich motiviert, das hier zu machen?
– Mich motivierte die Begegnung und ein tiefer sozialer Sinn. Als ich durch eine Initiative der Universitäts-Pastoral diese bitterarme Gemeinde kennengelernt habe, wurde mir schlagartig bewusst, wie viele Möglichkeiten ich in meinem Leben hatte, wie viele Annehmlichkeiten, und dass ich eigentlich noch nie echt Not gelitten habe. Welchen Sinn konnte ich meinem Leben als apostolischem Studenten geben? Das Mindeste, was ich tun konnte, war, etwas zurückzugeben. Den Fokus auf die zu legen, die nicht sichtbar sind, auf Menschen, die jeden Tag kämpfen, weil sie nicht die gleichen Möglichkeiten haben wie andere. Es war nicht mehr aus Nächstenliebe, sondern aus Gerechtigkeit. Und nun ja, ich hatte das Gefühl, dass es notwendig war, sich umfassend zu engagieren, wie Pater Hurtado sagt: „Wir sollten Ungleichheit und soziale Ungerechtigkeit nicht mit sporadischen Werken der Nächstenliebe zudecken, sondern wir haben die christliche Pflicht, unser Leben zu geben, um diesen Situationen ein Ende zu setzen.“

Wie bringst du das Apostolat mit deinem Universitätsleben in Einklang?
– Offensichtlich ist die Realität der Pandemie etwas anderes als das, was „normal“ wäre. Aber im Grunde genommen geht es darum, tagsüber meine akademischen Pflichten zu erfüllen und abends das Leben mit der Gemeinde zu teilen. Auf dem Platz mit den Kindern spielen und mit den Nachbarn reden, zu den Häusern der Kinder gehen, die wegen der ewigen Quarantäne nicht lesen lernen konnten, in der Pfarrei und im Nachbarschaftsrat mitarbeiten und in meinem Fall auch in anderen Bereichen (wie der Feuerwehr) mitwirken, neben anderen eher sporadischen Aktivitäten. Die Idee ist, teilzunehmen und sich einzubringen, indem wir einer unter vielen, aber gleichzeitig Zeugen des Lichts sind, so wie Johannes der Täufer es war. Manchmal ist es notwendig, lange aufzubleiben und früh aufzustehen, aber nur so kann man sich die Zeit nehmen, die die Gemeinde und ihre Menschen verdienen, und auch die akademischen Verpflichtungen erfüllen.

Wie können wir ein Gespür für die Dringlichkeit der Arbeit für die persönliche Würde vermitteln?
– Der Papst macht in seiner letzten Sozialenzyklika deutlich, dass „wenn die Würde des Menschen geachtet und seine Rechte anerkannt werden (…) Kreativität und Erfindungsreichtum (…) für das Gemeinwohl aufblühen“ (Fratelli Tutti, 22). Genauso glaube ich, dass Weisheit notwendig ist, um zu handeln, „wahre Weisheit setzt eine Begegnung mit der Wirklichkeit voraus“ (FT, 47). Das heißt, dass derjenige, der leidet, der Realität des Leidens begegnet, und auf diese Weise erwirbt er wahre Weisheit zu diesem Thema. Derjenige, der mit dem Verletzlichsten lebt, begegnet dieser Realität, und so erwirbt er Weisheit… dies wiederholt sich für jeden Aspekt des Lebens. Das ist dringend, das Leben ist kurz, und was tun wir heute für den anderen? Oder, was werden wir auf die einzige Frage antworten, die uns gestellt wird, wenn wir diese Welt verlassen: Wie sehr hast du geliebt?

Sofia Jouanne, Missionarin in Arde Puente Alto

inserciónIch bin Sofia, 21 Jahre alt und studiere Grundschulpädagogik. Ich trat in der 2. Klasse der Sekundarstufe in die Mädchenjugend von Colina ein, begann auf Missionen zu gehen und entdeckte die persönliche Freundschaft mit Gott und das Bedürfnis, ihn zu verkünden. Als ich in die Universität eintrat, begann ich bei Arde Puente Alto mitzumachen, einem Projekt, das in den Städten El Refugio, Carol Urzúa und Las Caletas arbeitet. Durch Integrationsgemeinschaften (Freiwillige, die in der Zone leben) und Workshops (akademisch, freizeitmäßig oder prägend) im Colegio Padre José Kentenich in Puente Alto wird versucht, dass jeder Nachbar und jedes Kind erfährt, dass sie von Gott geliebt sind und dass sie gesunde Bindungen zu anderen, zu sich selbst und zu Gott aufbauen können. In meiner Erfahrung im Projekt konnte ich viele Defizite aus der Nähe sehen und wie Gott eine Antwort auf diese Defizite ist. In diesem Semester lebe ich hier mit Berni Strappa und Tutu Garnham und versuche, die Erfahrung von Heimat, die von Gott kommt, zu bringen (zu den Nachbarn, durch den Gottesdienst in der Armenküche, in die Gemeinschaft der Kapelle und zu jedem, der sich nähert).

Bedeutet es für dich etwas Besonderes, dass im Arde-Projekt Frauen leben?
– Obwohl wir nicht die erste Frauengemeinschaft sind, ist die hier lebende missionarische Gemeinschaft von Frauen ein Zeichen der neuen Zeit, in der der große Beitrag, den Frauen, jede auf ihre Weise, zur Mission leisten können, anerkannt und geschätzt wird, was nach unserer Erfahrung anders (weder besser noch schlechter) ist als das, was die Männergemeinschaften bieten.

Was denkst du, wie wir in der Schönstatt-Bewegung arbeiten können, um die Arbeit für die Menschenwürde mehr in den Mittelpunkt zu stellen?
– In den zwei Monaten, die wir hier waren, haben wir sehr harte Realitäten gesehen: Einsamkeit, Armut und Drogenabhängigkeit sind einige davon, und wir haben entdeckt, dass, obwohl wir oft nicht die Werkzeuge haben, um die Probleme zu lösen, die Antwort immer da ist: nicht urteilen und Bündnis mit den Menschen leben. Als Schönstätter sollte die Menschenwürde ein Prinzip sein, das unser tägliches Handeln bestimmt, aber am meisten brauchen diejenigen, die es am nötigsten haben, eine würdevolle Behandlung. Sie befinden sich an der Peripherie, und deshalb müssen wir aus der Bequemlichkeit unserer täglichen Umgebung hinausgehen, um ihnen zu begegnen, ohne Angst.

Vicente Hurtado, Missionar in Arde Puente Alto

inserciónHallo, ich bin Vicente Hurtado, 23 Jahre alt, komme aus Talca und bin im 5. Semester meines Medizinstudiums. Ich habe die Bewegung mein ganzes Leben lang gekannt, weil ich bei den „Cruzados“ (Kinder) und den „Pioneros“ (Jugendliche) mitgemacht habe. An der Universität habe ich dann aus persönlichen Gründen nicht mehr aktiv teilgenommen, bis ich vor zwei Jahren nach und nach wieder anfing. Ich lebe derzeit in Puente Alto wegen des Projektes Arde Puente Alto.

Es handelt sich um ein Projekt, das durch verschiedene Initiativen wie Kunstworkshops, Musik, Nachhilfeunterricht und Sport dazu beitragen soll, „Heimat“ und lebenswerte Nachbarschaften vor Ort zu schaffen, aber auch Gott durch Mission und Beziehungen bekannt zu machen, sei es mit sakramentalen Workshops, Missionen und mit den kleinen Gemeinschaften, die jedes Jahr in die Gegend kommen, um dort zu leben.

Mit wem wohnst du zusammen?
– Ich wohne in „Puente“ mit Tomi (Tomás Prieto), der ist 25 Jahre alt, (sehr gutaussehend, hahaha…) ein Student der Psychologie, und Gusti (Agustín Lorca), 22 Jahre, ein bisschen lustig und ein Student der Soziologie; wir leben seit fast zwei Monaten in der Villa El Refugio und bisher war es eine sehr fruchtbare und schöne Mission, obwohl es nicht ohne Schwierigkeiten ist wegen der Pandemie und der Sorgfalt, die man walten lassen muss, aber ich glaube, dass wir drei uns einig sind, dass wir nichts an der Mission ändern möchten.

Was hat dich motiviert, nach Villa El Refugio zu gehen?
– Ich war mir des sozialen Aspekts immer sehr bewusst, ich glaube sogar, dass mein Glaube darauf basiert, Gott in dieser Art von Aktivität zu finden, in der Hilfe für andere. Deshalb habe ich mich immer nach einer konstanteren Mission gesehnt, die nicht nur im Sommer oder einmal im Monat oder sogar einmal in der Woche stattfindet. Als sich die Möglichkeit bot, nach Puente zu kommen, hatte ich das Gefühl, dass es etwas war, das von oben für mich geplant war. Es war eine dieser leichten und ruhigen Entscheidungen, die man treffen kann, die Art, bei der man sich Hindernisse in den Weg legen kann, aber man weiß, dass man am Ende ja sagen wird, weil man sich gut fühlt und weiß, dass es richtig ist.

Was hat dir da bisher am meisten Freude gebracht?
– In der kurzen Zeit, seit wir dort sind, war das Schönste, dass wir echte Bindungen zu den Menschen aufbauen konnten und dass diese Bindungen auf dem Glauben und Gott basieren. Trotz aller Unvollkommenheiten, die wir haben mögen, ist seine Gegenwart spürbar.

Was ist das Wichtigste, das in dieser deiner Umgebung würdevoll sein sollte?
– Ich denke, das Wichtigste ist die fehlende Sicherheit, sich in der Nachbarschaft frei zu entwickeln. Der geringe familiäre Zusammenhalt, der Drogenhandel, die fehlende Bindung an die Gemeinschaft, die fehlende wirtschaftliche Stabilität, neben vielen anderen Faktoren, machen diese Populationen weder zu wünschenswerten Orten zum Leben, noch zu sehr geeigneten Orten, um sich im Alltag zu entwickeln.

Und was können wir einbringen?
– Es gibt eine Welt von Dingen zu tun und zu helfen, wie finanzielle Unterstützung des Projektes, an Workshops teilzunehmen, sich eine Gruppe von Leuten zu schnappen und die Straßen zu reinigen. Du kannst alles machen, vom Einfachsten bis zum Kompliziertesten. Man muss sich nur den Unterschied zwischen dem Busfahren an einer Bushaltestelle voller Müll überall, ohne Bäume oder Gras und mit kaputten Bürgersteigen und dem Busfahren im Stadtteil Providencia vorstellen. Es fängt mit kleinen Dingen an, die es zu würdigen gilt und von dort aus kommen große Dinge.

María Jesús Tocornal, Missionarin in Misericordia / Gemeinde La Pincoya

inserciónHallo zusammen! Mein Name ist María Jesús Tocornal und ich bin Missionarin in La Pincoya in Huechuraba. Ich bin Familienwissenschaftlerin und arbeite als Erzieherin in der Fundación Misericordia.

Meine Zeit in Schönstatt begann 2012 am Wegrand-Heiligtum in Melipilla und 2015 am Providencia-Heiligtum. Ich war bei zahlreichen Tagungen, Begegnungen und Missionen. In der Bewegung entdeckte ich, wie wichtig es ist, zu wissen, was meine Mission ist, um mich anderen zu schenken.

Zurzeit lebe ich mit drei Missionarinnen in einem Haus in der Ortschaft. Hier widmen wir unsere Zeit, um von Tür zu Tür zu evangelisieren, mit der Absicht, einen barmherzigen Gott zu zeigen, der uns ständig vergibt und uns einlädt, ihm nahe zu kommen und auf seine unendlichen Gnaden zu vertrauen.

Meine größte Motivation war es, eine andere Realität kennenzulernen, in der ich die Freude erleben konnte, Freundschaft mit Einfachheit und Barmherzigkeit zu leben. Hier wird die wahre Liebe aus aufrichtigen Bindungen geboren, die bereit sind, alles zu zeigen, was sie sind und alles, was sie haben, wo wir uns erlauben, mit ihnen viele Freuden, Sorgen und so viele Erfahrungen zu teilen, die wir in unseren Herzen haben.

Wie lebst du die Beziehung zu deinen Freunden und deiner Familie von La Pincoya aus?
– Das war das Schwierigste für mich, denn obwohl ich ihnen von der Entfernung her nahe bin, habe ich mich weit weg gefühlt, da ich nicht so viel Zeit habe, wie ich gerne hätte. Dies hat mich jedoch dazu gebracht, eine größere Tiefe in Gesprächen zu erzeugen, detaillierter zu sein und jede Nachricht oder jeden Anruf zu schätzen. Es ist unglaublich, wie die Menschen, die dir nahestehen, sich freuen, dich glücklich zu sehen, und das lässt uns beide die Zeit nachgeben, wissend, dass nicht dadurch, dass wir uns weniger sehen, die Zuneigung weniger wird, und naja, man lernt auch, Freundschaften mehr zu schätzen, sie bringen auch ein Opfer, um hierher zu kommen und das zeigt, was Freundschaft wert ist.

Welche Rolle können persönliche Bindungen für die Würde eines jeden Mannes und einer jeden Frau spielen?
– Persönliche Bindungen sind grundlegend in menschlichen Interaktionen, damit sie erlernt werden können und sich im Menschen festsetzen.

Wenn zwischenmenschliche Beziehungen oberflächlich sind, wird die notwendige Entwicklung, um den anderen zu würdigen, nicht erreicht, deshalb muss Respekt die Basis sein. Das mag offensichtlich klingen, aber wir vergessen es jeden Tag. Wir müssen damit beginnen, uns bewusst zu machen, dass die Person eine Geschichte hat, die wir noch nicht kennen und dass jede Aktion Teil eines Meilensteins in ihrem Leben ist. Das bringt uns dazu, mit einem demütigeren und schlichteren Blick einzutreten, um den anderen mit Augen voller Barmherzigkeit anzuschauen, in denen er die Liebe Gottes spüren kann.

inserción socialQuelle: Revista Vínculo, Mit Erlaubnis des Herausgebers

Original: Spanisch, 30.06.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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