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Veröffentlicht am 2021-07-25 In Schönstatt im Herausgehen, Solidarisches Liebesbündnis in Zeiten von Coronavirus

Erfahrungen, Bedürfnisse und Herausforderungen während und nach der Covid-19-Pandemie

CHILE, Verónica Del Fierro G. •

Die Pandemie hat uns unsere Schwäche, unsere Ängste, unsere Anpassungsfähigkeit und unsere Widerstandsfähigkeit vor Augen geführt, als wir mit unseren Patienten das härteste Gesicht des therapeutischen Versagens, den schmerzlichen Verlust von Arbeitskollegen und Familienmitgliedern erlebten und unsere Fähigkeit erprobt wurde, aufzustehen und auf unser Wissen zu vertrauen, Räume zu improvisieren, um Therapien zu begleiten und zu vervielfältigen, zu studieren und uns in Online-Kursen über neue Beatmungs- und pharmakologische Therapien auf den neuesten Stand zu bringen. Wann? In der wenigen und knappen freien Zeit, die noch übrig war, unter Herausschieben der ersehnten Nachtruhe. —

Wie unterstützt man das Team, das man als Chef leitet (etwas mehr als 300 Leute), das man durch eine unbekannte und gefährliche Erfahrung führen muss, einen Sprung ins Leere… wo gelebte Leben so radikal ist und viel, viel mehr als die Anwendung des Wissens der Intensivmedizin? Das Leben einsetzen, auf die Familie verzichten, um sie nicht zu exponieren, auf die Freunde, die Welt…

Als die Tage vergingen, begannen wir die dringendsten Bedürfnisse zu erfahren. Die Teams waren zunächst verängstigt und gelähmt, jeder mit seinem eigenen Urteil, ohne viel Zeit zum Verstehen, das Krankenhaus absolut isoliert, ohne Angehörige, ohne Seelsorger oder Priester, ohne Freiwillige, nur die Kranken und das medizinische Personal …

Es entsteht eine Antwort: Wir werden gemeinsam nach dem Sinn dieser Erfahrung suchen! (persönlich!). Wir wecken uns gegenseitig auf, indem wir uns mit motivierenden Formulierungen menschlich machen und uns identifizieren:

  • Denn wo Dunkelheit ist, werden wir Licht bringen.
  • Die Kranken berühren und verändern unser Leben.
  • Fürsorge ist Liebe.
  • Es ist die Herausforderung unserer Generation, die in der Geschichte der Menschheit bleiben wird.
  • Der Tod ist Teil des Lebens.
  • Für Körper, Geist, Seele und Gemüt von Menschen in Not sorgen.

Für die Gläubigen unter dem Personal:

  • „Im Evangelium leben und sterben“.
  • „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“
  • „Niemand hat eine größere Liebe als wer sein Leben hingibt für seine Freunde.“
  • „Marias Ja und mein eigenes Ja zusammen mit ihr, um im Willen Gottes zu leben.“
  • „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren, und wer sein Leben verliert, wird es gewinnen.“

Für diejenigen, die aus Altruismus an eine Berufung zum Dienen glauben:

  • Für den Helden oder die Heldin in jedem unserer Herzen.
  • Für die Freude jedes Patienten, der es schafft.
  • Für die Trauer und die Tränen im Gebet für jeden Menschen, der in unseren Armen gestorben ist, und für jeden Videoanruf mit unseren Handys, der den Kranken und ihren Familien Trost und Freude brachte.

Wir waren ihre Väter, Mütter und Brüder, ihre geistlichen Begleiter und wir hörten sogar „Beichten“ vor dem Tod, die wir mit Respekt und Vertraulichkeit entgegennahmen.

Wir haben viele Menschen im Tod begleitet … nach dem Vorbild der Ordensleute, mit kamillianischen Geist oder als „Väter des guten Todes“, wie sie es hier in Lateinamerika nennen, haben wir versucht, Tragödien in „Ostermomente“ zu verwandeln, aber wir haben auch teilgenommen an ihrer Heilung im Gang durch die Krankheit zur Genesung und Rückkehr ins Leben und zu einer ganzheitlichen Heilung, mit vielen schönen Bekehrungen zum Glauben.

Herausforderungen während der Pandemie: Aufnahme und Stärkung

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Santuario de Trabajo

Den Glauben stärken, indem ich einen besonderen Ort einrichte, ein kleines und einfaches Marienheiligtum in meinem Büro, wo Bilder von Christus am Kreuz und vom heiligen Kamillus stehen, das Brot des Wortes, eine Kerze, die angezündet wird, wenn irgendein Mitarbeiter das Gefühl hat, dass es jetzt sein muss, wo er seinen Schmerz und seine Sorge im Bündnis mit Maria abladen kann, wo er reden, weinen und gestärkt werden kann, in voller Freiheit.

Das Beste in jedem Menschen zum Vorschein bringen, den Schmerz, täglich mit Leid und Tod konfrontiert zu sein, annehmen, helfen, in der Person jenen Ort der HOFFNUNG zu erwecken, der Freude und Glück in der Seele schenkt, menschenwürdige Pflege leisten, die mit der Berufung in den von Gott gegebenen Gaben mitschwingt und die man in sich selbst erkennt – in der CARITAS, in der reinen NÄCHSTENLIEBE.

Die Pflege und Erfahrung anderer integrieren. Sehr wichtig, die Naturmedizin, die Medizin der Urvölker, kennenzulernen und zu erhalten, Mapuche (eine Ahnenmedizin) mit den Gebeten eines Machi, der uns in diesem Prozess half und begleitete. Ich habe Mapuche-Mitarbeiter, die eine Harmonie und eine Strömung der Liebe und der Integration, der gegenseitigen Hilfe, des Teilens des Reichtums der Spiritualitäten in einem interreligiösen Dialog ermöglichten, der immer von der Verkündigung Christi, des Vermittlers und Erlösers, begleitet wurde.

Die Verankerung in den kirchlichen Gemeinschaften, die mich mit ihrem ständigen Gebet bis heute getragen haben: die Kamillianische Laienfamilie von Chile, der Apostolische Bund der Schönstatt-Mütter.

Die Fürsorge von Zivilisten, Firmen, die uns Botschaften der Ermutigung schickten, begleitet von Geschenken, Mahlzeiten, Frühstück, Cremes für die Pflege von Händen und Gesicht…

Herausforderungen nach der Pandemie

Das Gesundheitspersonal in Fällen wie diesen zu begleiten, mit erneuerten Programmen der Beteiligung unabhängig von Konfession und Religion, mit der universellen Sprache der Liebe, wo die Erfahrung des Lebens geteilt wird- nicht nur die psychologische Komponente -, wo das Leben erhellt werden kann aus jenem heiligen und tiefen Kern eines jeden Menschen, der innere Heilung ermöglicht, mit Moderatoren, die verstehen, dass in dieser Pandemie Christus und Maria wirklich mit uns gegangen sind, anwesend waren und unterschiedliche persönliche Reaktionen geweckt, aber in alle Herzen gesät haben…

Die Pandemie ist im Krankenhaus ein fruchtbarer Boden gewesen, den die Kirche als Zeichen unserer Zeit zu deuten wissen und hinausgehen muss, um die von Gott in unterschiedlichem Grade berührten Herzen, in denen das Bild Christi und der Mutter Maria zweifellos latent vorhanden ist, zu gewinnen.

Ich glaube, dass die Herausforderung der gegenwärtigen post-covidalen Situation und die kulturellen Veränderungen uns als Kirche zu einer sensiblen und detaillierten Lektüre verpflichten, die es schafft, neue Szenarien des Wandels und der Innovation in der Evangelisierung zu schaffen, für die Sorge um die Menschheit, nach dem Kontext des Schmerzes und des Leidens, im Verständnis, dass die Bedeutung der wahren Liebe in der Einfachheit liegt, wie der heilige Franziskus, der sein Leben für die Sorge um die anderen hingibt; wie der heilige Kamillus, der sich mit einem mütterlichen Geist um sie kümmert, als wären sie sein einziges krankes Kind. Es gibt viele namenlose Personen, die eine solche Pflege durchgeführt haben.

Nach der Pandemie müssen wir verstehen, dass es auf eine ganzheitliche, heilende Versorgung ankommt.

Auch die Gesundheitspflege geht Hand in Hand mit der Erdheilkunde in einer „integralen Ökologie“, wie Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato Si sagt. Sich um unseren Körper zu kümmern, bedeutet auch, sich um unser Territorium in all seinen Aspekten zu kümmern, indem wir den Wert der natürlichen Medizin und die Weisheit unserer indigenen Völker anerkennen.

Viele Menschen wurden verletzt, aber „Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern das Gleichgewicht, das uns erlaubt, mit ihr zu leben, um in der Liebe zu wachsen“.

Zweifelsohne eine Erfahrung, die Berufung, Werte, Überzeugungen, Ängste und Selbsterkenntnis stark in Frage stellt. Menschen so zu pflegen, als ob es um dein eigenes Leben ginge, ist ein Weg des gegenseitigen Überlebens mit den Kranken, ohne den Sinn schon zu verstehen, und der den Arzt und Pfleger täglich zu einem Prozess der Unterscheidung führt. Wo ist die Grenze des Einsatzes des eigenen Lebens für das Leben vieler anderer?

Ein Erlebnis der wahren Liebe!

 


Veronica Del Fierro ist Mitglied der Familienbewegung von Bellavista, des Mütterbundes und der Mitarbeiter des Kamillianerordens, der die Kranken in ihrem Schmerz und ihrem Tod begleitet. Leitende Krankenschwester in der Notaufnahme des Krankenhauses Padre Alberto Hurtado.

Quelle: Vínculo, Chile, Juli 2021. Mit Genehmigung des Herausgebers

Original: Spanisch, 24.07.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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