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Veröffentlicht am 2021-07-04 In Fratelli Tutti, Schönstatt im Herausgehen

Das Priestertum inmitten der „Freude, Sorgen, Ängste und Hoffnungen“ unseres Volkes leben

CHILE, Redaktion Vínculo •

Das Priestertum inmitten der „Freude, der Sorgen, der Ängste und der Hoffnungen unseres Volkes“ leben: P. Juan Pablo Cruz kann uns von dieser Erfahrung der Integration inmitten unseres Volkes erzählen: vom Prozess, der Entwicklung, der Entscheidung und der Endgültigkeit. —

sacerdocioMein Name ist Juan Pablo, ich bin Priester der Gemeinschaft der Schönstatt-Patres und lebe zurzeit zusammen mit Joaquin (einem Seminaristen) in dem Dorf El Refugio de Puente Alto. Es ist ein Gebiet mit einem hohen Maß an materieller und sozialer Armut, die den Nährboden für den Vormarsch von Drogen, Alkohol und Gewalt bilden, deren Folgen von der Zerstörung der Familien- und Nachbarschaftsbande bis hin zur Tragödie des Sterbens reichen.

Meine Erfahrung dort stammt aus meiner Zeit im Priesterseminar. Zwischen den Jahren 2012 -2014 habe ich an der Gründung der Pater-Joseph-Kentenich-Schule teilgenommen und dann, im Jahr 2018, konnte ich in Puente Alto leben und in den verschiedenen Projekten des Sektors helfen. Zurzeit bin ich Kaplan an der Misericordia-Kapelle und Kaplan an der Kentenich-Schule.

Um zu verstehen, warum wir hier leben, müssen wir zurückgehen zu dem Projekt, das Pater Hernán Alessandri (Gründer von Maria Ayuda) für diesen Ort erdacht hat. Er träumte von einem ganzheitlichen Zentrum, zu dem die Kapelle „El Señor de la Misericordia“, die Pater-Josef-Kentenich-Schule und ein Gesundheitszentrum gehörten. Dieser Block sollte der Treffpunkt für die neuen Bewohner sein, die kamen, um die umliegenden Gemeinden zu bevölkern. Unsere Gemeinschaft der Schönstattpatres hat, diesem Traum folgend, sowohl in der Schule als auch in der Kapelle Hilfe geleistet, aber es war die Erfahrung der Mannesjugend, die mit dem ARDE-Projekt begann (später schloss sich die Mädchenjugend an), gefolgt von den Seminaristen der Schönstattpatres, die die Notwendigkeit sahen, eine stabile Gemeinschaft zu bilden, die in der Nähe der Kapelle und der Schule lebt und arbeitet.

Im Seminar der Schönstatt-Patres entstand die vom Evangelium geprägte Sehnsucht, mehr unter den Armen präsent zu sein, und gleichzeitig sahen sie eine stark segregierte Gesellschaft in Chile, in der sich Menschen aus verschiedenen Schichten nicht sehen, nicht teilen und deshalb auch nicht mitfühlen. Deshalb begann 2012 das Projekt „Sion Puente“ (Sionsbrücke), dessen Ziel es war, eine Brücke der Begegnung zwischen Welten, die sich nicht begegnen, und zwischen Menschen und Gott zu sein. Dafür gingen drei Seminaristen in diese Gegend von Puente Alto und unterstützten in der Kapelle, in der Schule und bei den Nachbarn, während sie ihr Studium fortsetzten. Es ist eine Erfahrung, die 1998 begann und die 2012 als „Sion Puente“ wieder aufgegriffen wurde, um sie bis heute dauerhaft fortzusetzen.

Die Gemeinschaft der Schönstatt-Patres wollte sich auch mehr in den Ort einbringen, deshalb lebe ich in Puente Alto. Einige der Gründe, die uns meiner Meinung nach zu diesem Schritt veranlasst haben, sind: die lange gemeinsame Geschichte, die von Pater Hernán initiiert wurde; der Wunsch und die Erfahrungen der jungen Priester, die an Sion Puente teilgenommen haben; die geistlichen und pädagogischen Bedürfnisse der Kentenich-Schule; die Unterstützung der Misericordia-Kapelle, dem Zentrum der Einheit der Gemeinschaft; das Zeugnis des Projektes „ARDE“ mit seiner ständigen Hilfe; die zunehmende Verschlechterung der sozialen Bindungen und der Vormarsch der Drogen. All dies hat uns gezeigt, dass wir eine größere Präsenz haben sollten und wir hoffen, hierin Zukunft ein Haus mit mehr als einem Priester aus Sion bilden zu können.

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Welche priesterlichen Aktivitäten haben Sie in diesem Sinn entfaltet?

Pastoral arbeiten wir mit der Umgebung, der Schule und der Kapelle. In der Kapelle gibt es von Montag bis Freitag eine gemeinschaftliche Suppenküche und es werden Monat für Monat Lebensmittelkisten ausgeliefert. Auf der anderen Seite haben wir die ganze Sakramentenpastoral geöffnet, und auch wenn man sich nicht von Angesicht zu Angesicht treffen kann, versuchen wir es digital zu tun. Auffallend ist das Bedürfnis der Menschen, sich in der Kapelle zu treffen, um gemeinsam zu feiern. Viele der Gemeindemitglieder, die heute ihre Häuser nicht verlassen können oder sich nicht trauen, sagen, dass sie eine Leere spüren, sie vermissen die Bindungen, die sie aufgebaut hatten, die Kapelle ist ihr Ort der Zugehörigkeit, dort finden sie Kraft und Hoffnung, um inmitten der komplexen Realitäten zu leben. Darüber hinaus ist es für einige von ihnen der einzige soziale Kontakt.

Hier befinden wir uns heute, aber es gab schon mehrere frühere Aktivitäten. Um nur einige zu nennen: Es gab Misiones, die vom Schönstatt-Seminar organisiert wurden und seit 2018 in das „Junge Ostern“, eine Ostererfahrung für Jugendliche übergegangen sind.

Die Schönstatt-Jugend hat auch ein adventliches Missionsprojekt namens „JAS“, das nicht punktuell, sondern kontinuierlich funktioniert. Wir haben Jahresend-Treffen mit der Gemeindejugendarbeit durchgeführt.

Auf der anderen Seite gab es dank der Hilfe von ARDE-Freiwilligen eine Reihe von Workshops in der Schule. Jetzt, in der Pandemie, haben Nachhilfe und Verstärkung für die Schüler eine besondere Bedeutung bekommen.

Haben sich Schönstattgemeinschaften gebildet und wenn ja, wie stellen Sie sich deren Anbindung an die allgemeine Schönstattfamilie vor?

Momentan gibt es eine Gruppe der „Pilgernden Gottesmutter“. Sie erneuern ihr Bündnis jeden 18. und sind mit dem Heiligtum von Bellavista verbunden. Es sind Frauen, die sich in der Sozialpastoral und bei Krankenbesuchen engagieren. Eine Zeit lang wurden sie von Seminaristen und anderen Leuten der Bewegung geschult.

Wir haben auch eine Gruppe der Mannesjugend, die mit Kindern angefangen hat und jetzt schon in der Jugend sind. Sie haben an Camps mit anderen Gruppen aus Santiago und der Südstadt teilgenommen. Die Erfahrungen waren ein großer Beitrag im Sinne von Horizonterweiterung, Rausgehen aus der gewohnten Umgebung, Naturbegegnung und Freundschaften schließen. All das ist durch die Erfahrung eines lebendigen Glaubens vermittelt worden. Ich persönlich habe großes Vertrauen in dieses Projekt und die Auswirkungen, die es auf die Kinder haben kann, bevor sie in die Pubertät kommen, ein Alter, das in dieser Gegend wegen des Einflusses von Drogen besonders schwierig ist.

Andererseits gibt es dank der Präsenz von Priestern, Seminaristen und jungen Missionaren der Bewegung viele Gemeinschafts-, Gebets- und Arbeitsgruppen, die einen schönstättischen Stil haben.

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Gruppe von Firmlingen aus dem Colegio Padre José Kentenich

Es gibt mehrere frühere Projekte, einige schon mit langer Erfahrung (Initiativen von Pater Hernán, Arde Puente Alto, Colegio Padre José Kentenich, Integrationsprojekte des Seminars der Schönstattpatres): Wie ist die Beziehung, das Zusammenspiel und die Ergänzung untereinander?

Heute scheint es mir, dass wir wichtige Schritte gemacht haben, zumindest was die Kapelle und die Schule betrifft. Es gibt eine gute Beziehung zwischen den beiden und es herrscht ein Klima der Zusammenarbeit. Das zeigt sich z.B., wenn die Schule Essen verteilt und Obst, Gemüse oder andere Dinge übrigbleiben, rufen sie die Kapelle an und spenden sie in den gemeinsamen Topf. Das Gleiche passiert, wenn die Schule die Kapelle nutzen muss und wir haben sogar (unter Ausnutzung der digitalen Plattformen) Momente des Gebets, die auf die Schulgemeinschaft und die Kapelle ausgerichtet sind. In diesem Sinne ist das gute Verhältnis zwischen den Verantwortlichen der beiden Einrichtungen erwähnenswert. Was die Arbeit mit ARDE und den Seminaristen betrifft, so hat sich natürlich eine Atmosphäre der Freundschaft und der Zusammenarbeit entwickelt, ohne die Aufgaben und Akzente jeder Gemeinschaft zu berühren; es ist üblich, dass wir uns hinter den gleichen Projekten treffen und natürlich meditieren wir gemeinsam über die Zukunft Schönstatts in der Region. Vor der Pandemie trafen sich einmal im Jahr alle Mitglieder der Bewegung, die sich in irgendeiner Weise in Puente Alto engagierten, und wir hatten ein „Reflexionstreffen“, um zu analysieren, wie es weitergehen sollte.

Wie können wir als Schönstattfamilie ein Teil davon werden?

Vielleicht vor der eigentlichen Antwort noch etwas, das mir wichtig erscheint. Es geht um den Empfang, den wir Seminaristen, Priester und Missionare in Puente Alto erfahren haben. Zahlreiche Nachbarn, Gemeindemitglieder, Eltern, Großeltern, Jugendliche und Kinder haben uns mit großer Zuneigung aufgenommen. Es ist nicht normal, dass sie ihre Türen für uns öffnen, dass sie uns anlächeln, dass sie sich für uns interessieren, für unsere Familien, für unsere Gesundheit. Es gibt viele Gesten der Dankbarkeit für eine kleine Aufmerksamkeit, für das Teilen des Brotes, das Beten eines Gebetes oder einfach das Grüßen. All diese Zeichen der Zuneigung geben dir das Gefühl, geliebt zu werden und so beginnt dieser Ort, dein Zuhause zu werden. Dann verflechten sich die Leben und wir beginnen, komplexe Sorgen zu teilen, für die es oft keine einfachen Lösungen gibt, und tiefe Freude über die kleinen Verbesserungen, die sich im Alltag ergeben.

Du kannst uns helfen, indem du dich für Puente Alto interessierst und materielle, professionelle oder spirituelle Unterstützung anbietest. Wir laden dich auch ein, für die Familien in der Gegend zu beten, von denen viele wegen der Drogen eine echte Tortur durchmachen.

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Quelle: Zeitschrift „Vínculo“, Chile, mit freundlicher Erlaubnis des Herausgebers

Original: Spanisch, 01.07.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

 

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