Dignidad CMT

Veröffentlicht am 2021-04-09 In Haus Madre de Tuparenda, Schönstatt im Herausgehen, Werke der Barmherzigkeit

Auferstehung der Würde

PARAGUAY, Casa Madre de Tupãrenda (CMT), Ricardo Acosta •

Die Freude, in der ersten Osterwoche einen Abschluss zu feiern, zeigt uns das menschliche Gesicht Gottes in dem neuen Absolventen, Rubén. Nach mehr als 9 Monaten harten Prozesses, nach vielen Stürzen auf dem Weg, dem Weg nach Golgatha, nach dem Tragen seines eigenen Kreuzes, nach dem Blick auf seine Schwäche und der Betrachtung der ausgestreckten Hand des Zyrenäers, in der Person jedes Erziehers und jeder Erzieherin, die seinen Prozess begleitete. Wir können uns nur freuen und dankbar sein, Zeugen dieses großen Wunders zu sein. So wie wir in diesen Tagen die Freude über die Auferstehung des Herrn erlebt haben, lassen wir uns heute überraschen von der Auferstehung der Würde, von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft im Leben von Rubén und seiner Familie. —

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Rubén mit seinem Vater, dem einzigen Angehörigen, der zu seiner Feier gekommen war

„Gibt es eine bessere Art und Weise, die Osterwoche zu feiern, als mit Rubéns Leistung das menschliche Gesicht der Berufsausbildung zu zeigen?“, so Alfredo Mongelos, Direktor des SINAFOCAL (Nationales System für Ausbildung und Berufsförderung), der bei der Veranstaltung anwesend war, um die Kooperationsvereinbarung mit FUNDAPROVA zu überreichen, mit deren Hilfe die Weiterentwicklung des Programms „Haus der Mutter von Tupãrenda“ gestärkt werden soll.

In genau diesem Sinne sagt der Heilige Vater, Papst Franziskus zum Gebetsanliegen für den Monat April über die Grundrechte des Menschen: „Die Verteidigung der grundlegenden Menschenrechte erfordert Mut und Entschlossenheit.
Ich meine den aktiven Widerstand gegen Armut, Ungleichheit, Mangel an Arbeit, Land, Wohnraum, Verweigerung der sozialen Rechte und der Arbeitsrechte.
Stellt euch vor: die grundlegenden Menschenrechte sind oft nicht für alle gleich.
Es gibt Menschen erster Klasse, Menschen zweiter Klasse, Menschen dritter Klasse und Menschen, die als „Ausschussware“ angesehen werden.
Nein. Sie müssen für alle gleich sein.
Und mancherorts kann die Verteidigung der Menschenwürde bedeuten, ins Gefängnis zu gehen, sogar ohne Gerichtsverfahren. Oder es kann Verleumdung bedeuten.
Jeder Mensch hat ein Recht auf seine ganzheitliche Entwicklung, und dieses Grundrecht kann von keinem Land verweigert werden.
Beten wir für jene, die im Einsatz für fundamentale Rechte in Diktaturen, autoritären Regimen und in Krisenzeiten sogar in Demokratien ihr Leben riskieren, damit sie erleben dürfen, dass ihr Opfer und ihre Arbeit reiche Früchte tragen.“

Das Hauptziel des Programms basiert genau darauf, das Leben eines jeden Teilnehmers in Würde zu gestalten, nicht, indem man ihm alles leicht macht, sondern indem man ihm hilft, das Potenzial zu entdecken, das jeder Jugendliche hat und das der beste Weg ist, dass die Gesellschaft ihn wieder akzeptiert und er sich vollständig wieder eingliedert.

Ein Zuhause finden im Herzen der Casa Madre de Tupãrenda

Rubens Beispiel ist inspirierend. Das Leben hat ihn nicht mit einer stabilen Familie begünstigt und ein Fehler in seinem Leben ließ ihn im Jugendgefängnis von Itauguá landen. Hier lernte er den Wert der Freiheit und Pater Pedro kennen, der ihn ermutigte, sich im CMT-Programm vorzustellen. Es ist klar, dass wir die Defizite, die er seit seiner Kindheit hatte, niemals ersetzen oder wiederherstellen können, aber er wurde aufgenommen und bekam ein Zuhause im Herzen jedes Erziehers, jeder Erzieherin, der Direktorin und jeder Person, die CMT möglich macht. Denn in seinem Zeugnis bemerkte er genau das, die Dankbarkeit, eine vertraute und aufrichtige Hand gefunden zu haben, die ihm gleichzeitig half, seine Autonomie, seine innere Freiheit zu suchen und vor allem, sein eigenes Leben aufzuwerten und ein Prototyp des neuen Menschen zu sein, ein Vorbild in seiner besten Version für seinesgleichen.

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Rubén, Alfredo Mongelos, Dr. José Marín

Das Ziel vor Augen

Trotz der Covid-Pandemie mit all ihren gravierenden Auswirkungen sind es viele Jugendliche, die sich nicht unterkriegen ließen und am Ziel festhielten, das Programm zu absolvieren. Der Präsident von FUNDAPROVA, Dr. José Marín (Familienbund), reflektierte in seiner Rede über die Wichtigkeit dieses kleinen Sandkorns dessen, was das Programm bewirkt, denn oft fangen wir nie wirklich an, etwas zu tun, wegen des großen Berges an Aufgaben, der vor uns steht. Doch wir sollten nicht auf die Menge dessen schauen, was getan werden muss, sondern verstehen, dass ich mit diesem Beitrag, den ich leiste, den Berg ein bisschen abtrage und ein Leben unter vielen anderen rette, die auch gerettet werden müssten; doch ohne dieses kleine Sandkorn wäre das Leid noch größer.

Die schleichende Gefährdung der psychischen Gesundheit

Die Schwierigkeiten, die die Pandemie mit sich bringt, können wir nicht nur von der Veränderung des Lebensstils, dem Verlust oder dem Mangel an Arbeit oder rein wirtschaftlich betrachten, sondern auch als ein stilles, schleichendes Übel, das viel Belastbarkeit von allen Menschen und erst recht von Jugendlichen erfordert, die ihre emotionale Reife erst entwickeln und auf der Suche nach ihrer eigenen Identität sind. In diesem Sinne betonte auch der Direktor von SINAFOCAL, Alfredo Mongelos: „Das größte Problem, das diese Pandemie mit sich bringen wird, wird nicht nur ein Beschäftigungs- oder Wirtschaftsproblem sein, sondern diese Gefährdung der psychischen Gesundheit unseres Volkes, das sich davon nur sehr schwer erholen wird.“ Im Programm gibt es eine starke und permanente psychologische Begleitung, die auch in dieser Linie mit jedem Teilnehmer arbeitet, der aus Realitäten kommt, die bereits extrem traumatisch sind.

Die extrem wichtige Rolle der Unternehmen

Besonders erwähnen möchten wir die privaten Unternehmen, die uns immer wieder unter die Arme greifen, denn wenn die Ausbildung der Jugendlichen im Programm abgeschlossen ist, suchen wir für sie einen anständigen Job, damit sie weiterkommen und ihren Angehörigen helfen bzw. ihre eigene Familie ernähren können. Die Rolle der Unternehmen in diesem Teil des Prozesses ist von grundlegender Bedeutung, denn mit den Möglichkeiten, die sie den Absolventen bieten, geben sie der integralen sozialen Wiedereingliederung einen Sinn und ergänzen damit eine der Säulen der Würde des Menschen.

Solidarische Verbündete

Mit Blick auf „die solidarischen Verbündeten“, also jene Schönstätter aus Paraguay, Spanien, der Schweiz, Österreich und Deutschland, die Casa Madre de Tuparenda mit Beiträgen zwischen 10 und mehreren Tausend Euro unterstützen, sagte José Marín dieser Tage zu Maria Fischer: „Bitte drücken Sie ihnen unseren Dank aus, und dass wir dank ihrer Spenden dieses Jahr 2020 ohne jeden Beitrag des Staates überleben konnten. Wir haben das ganze Jahr überlebt dank der Mitarbeiter, die auf einen Teil ihres Gehaltes verzichtet haben, und dank der Unterstützung von großzügigen Menschen durch dich, durch schoenstatt.org.“

Die vielfachen Nöte und das soziale Elend der Jetztzeit stehen vor der Tür und harren der Abhilfe bzw. dem Aufzeigen von Lösungsansätzen“, so Martin Flesch kürzlich in einer Kolumne auf schoenstatt.org. „Bewegt sich Schönstatt derzeit auf dieser Ebene der Zeit? Oder besteht nicht etwa die Gefahr, dass zahlreiche Ressourcen durch einen alles überschattenden Prozess – der sicherlich auch erfolgen muss – dualistisch und narzisstisch gebunden werden könnten? […] ¿Haben wir Antworten auf die menschenrechtsverachtende Ausgrenzungspolitik der Europäischen Union gegenüber Geflüchteten, haben wir caritative Antworten auf die soziale Wohnungsnot in unserem Land, haben wir Antworten auf die weiter auseinanderklaffende Vermögensschere, haben wir caritative, pastorale und seelsorgerische Lösungsansätze für die Suchenden, die Entwurzelten, die Traumatisierten – sehen wir die Randfiguren unserer Gesellschaft, kümmern sie uns?

Im Fall der Schönstätter, die in und für Casa Madre de Tupãrenda arbeiten, können wir diese Fragen mit einem klaren JA beantworten.

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Original: Spanisch, 09.04.2021. Übersetzung: Maria Fischer

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