Encuentro

Veröffentlicht am 2020-12-28 In Projekte, Schönstatt im Herausgehen, Werke der Barmherzigkeit

Projekt Encuentro: Weihnachten auf den Straßen von Madrid

SPANIEN, Pilar de Beas •

Weihnachten stand vor der Tür und schon im Advent begannen wir, die Rucksäcke mit Essen und warmer Kleidung für unsere Freunde, die Ärmsten, die nicht einmal ein Dach über dem Kopf haben, vorzubereiten. —

Der große Tag der „Übergabe“ naht, an dem wir uns wie die „Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland“ fühlen und denen, die auf uns warten, das einzige Geschenk bringen, das sie zu Weihnachten erhalten werden: die Rucksäcke. Und dieses Mal sind sie mit Arbeit, Gebet und Gnadenkapital gut ausgelastet, weil die Menschen mit der Pandemie und den Einschränkungen offensichtlich solidarischer werden.

In manchen Einkaufszentren gingen die Rucksäcke aus

Mit dem gesammelten Geld konnten wir Rucksäcke kaufen (und mehrere Einkaufszentren hatten danach ein Schildchen „ausverkauft“ da hängen, wo Rucksäcke gewesen waren) und Essen, um sie aufzufüllen, sowie Thermohemden, Mützen, Schals, Unterwäsche und sogar Pullover, Sweatshirts oder jede Art von warmer Kleidung, die den Obdachlosen helfen wird, mit dem harten Winter zurechtzukommen, der bereits in unserer Stadt Einzug gehalten hat, mit Nachtfrösten, die es schon für uns hart machen, hinauszugehen und Geschenke zu bringen;  ich kann mir nicht vorstellen, wie es sein muss, bei diesen Temperaturen auf der Straße zu leben.

Diese Zeit der Vorbereitung bringt uns näher an das Geheimnis von Weihnachten… Wurde Jesus nicht auch in einem kalten Winter in einem einfachen Stall geboren? Oder zumindest stellen wir uns das so vor. Und so ist in jedem Rucksack, den wir packen, eine Erinnerung an das Jesuskind und eine Motivation, denn in jedem Gesicht, dem wir begegnen, erscheint das Gesicht des Jesuskindes, das uns sagt: „Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben…“

Vom Heiligtum aus zu den Armen der Stadt

Dieses Jahr starteten wir nach Motivation und Gebet von unserem Heiligtum in Serrano aus.

Es waren viel mehr Leute da als in den Vorjahren, so dass viel mehr Wege genommenwerden konnten, wir haben sogar neue Wege eröffnet, wie es bei uns der Fall war.

Ich war mit einigen Jugendlichen und zwei Freundinnen unterwegs, eine von ihnen Journalistin, die einige unserer Leute, die auf der Straße leben, interviewen wollte.

Nachdem wir einige von ihnen gesehen und die Rucksäcke verteilt hatten, war das beeindruckendste Erlebnis der Nacht, einen Jungen von etwa 15-16 Jahren zu sehen, der einen riesigen Mantel trug, um sich zu bedecken, obwohl er nicht sehr warm war, und drunter schien er nichts zu tragen, sogar seine Füße waren nackt bei der großen Kälte, die es war.

Er hatte Angst!

Wir näherten uns ihm und er rannte weg. Ein kleiner dunkelhäutiger Junge, der bei ihm ´gewesen war, erzählte uns, dass er mit seinen Eltern auf der Straße lebe und dass er weggelaufen sei, damit wir nicht die Polizei rufen, weil er minderjährig ist und Angst hat.

Er hatte Angst!!! Nicht nur Kälte und Hunger, sondern blanke Angst. Wir waren alle ziemlich geschockt und beschlossen, alle Klamotten, die wir dabei hatten, bei seinem Partner zu lassen und auf die Suche nach ihm zu gehen. Doch es war, als ob er von der Erde verschluckt worden wäre… Wir konnten ihn nicht finden. Unsere Frage war: „Vielleicht ein Zeichen? Vielleicht ein ‚Geschenk‘? Vielleicht eine Berührung unseres Herzens, um uns daran zu erinnern, dass es in jeder Stadt Menschen gibt, die nichts haben, nicht einmal das Allernötigste zum Leben?“

Sie brauchen uns das ganze Jahr über

Jeder muss in seinem eigenen Herzen meditieren, um auf den Herrn zu hören, der zum Kind und Armen wurde, um zu sehen, was er von uns verlangt.

Es ist leicht, dass an Weihnachten Gefühle auftauchen, es scheint, dass wir solidarischer sind, offener, wir haben mehr Bewusstsein, ein wenig von uns selbst zu geben. Zum Teilen…. Aber diese Menschen leben das ganze Jahr über in unseren Straßen und sie brauchen uns jeden Tag.

Dank Gott gibt es jeden Tag mehr Menschen, die sich berufen fühlen, die Bedürftigsten zu begleiten und ihnen zu helfen, und ich hoffe, dass wir alle lernen, in jedem von ihnen das Antlitz des Herrn zu sehen, ohne den Blick zu senken, ohne zu urteilen und ohne zu werten, im Bewusstsein, dass wir alle Söhne desselben Gottes sind und dass wir vielleicht morgen einer von ihnen sein können.

Und vielleicht erwacht in einigen Seelen der Wunsch nach Encuentro, nach Begegnung, in den Straßen der eigenen Stadt…

Encuentro

Original: Spanisch, 26.12.2020. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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