Veröffentlicht am 5. März 2018 In Schönstatt im Herausgehen, Werke der Barmherzigkeit

Die erste Schönstatt-Straßen-Mission

BRASILIEN, Jumas Jaraguá •

 „Wo Schönstatt ist, darf es da noch Elend geben?“  Diese schlichte und zugleich tiefe Frage bewirkte starke Unruhe bei den Jugendlichen der Region Südost-Brasilien und motivierte sie zu einer im wahrsten Sinne des Wortes hautnahen Begegnung mit Obdachlosen in der Zeit vom 9. bis zum 11. Februar 2018 im Zentrum von  São Paulo. —

 

Aber man muss auch wissen, wie. Die Antwort kam durch den Kontakt von P. Ailton, dem regionalen Standesleiter, mit der Mission „Bethlehem“, die bereits seit Jahren mit Wohnungslosen im Zentrum der Hauptstadt arbeitet und auch ein Aufnahmehaus für Wohnungslose betreibt. So ging ein Vertreter der Schönstatt-Mannesjugend vom Heiligtum in Jaraguá in das Viertel, wo die Mission Bethlehem arbeitet, um sich mit anderen Missionaren zu treffen, die erklären konnten, wie eine Mission unter den Wohnungslosen gehen kann.

Das Loslassen zu Beginn ist schon wichtig, um die Mission überhaupt beginnen zu können und Christus zu den Brüdern und Schwestern auf die Straße zu bringen, richtig in die Realität der Obdachlosen eingetaucht. Mit dem Wechseln der Garderobe, einem Paar Flip-Flops, zwei Müllsäcken als Rucksack und dem Fahrgeld,  machten sich die 13 jungen Männer der Schönstattjugend aus Jaraguá/SP, Vila Mariana/SP, Atibaia, Camoinas, São Bernardo do Campo, São Sebastião do Paraíso/MG zusammen mit den beiden Schönstatt-Patres P. Ailton und P. Afonso sowie dem Seminaristen Vitor Possetti und einigen weiteren Missionaren der Mission Bethlehem auf den Weg.

Begegnung mit denen, die Gott über den Weg schickt

Der erste Nachmittag der Straßenmission fand in der Umgebung der Kathedrale statt, und hier machten die Missionare ihre ersten Schritte, um wirklich ihre Mission zu beginnen und denen zu begegnen, die Gott ihnen über den Weg schickte. In Gesprächen in den Straßen rund um die Kathedrale konnten sie Christus vermitteln und Obdachlose überzeugen, ihr Leben zu ändern und sich in ein Aufnahmehaus der Mission Bethlehem zu begeben. Danach wurden alle eingeladen zur Teilnahme der hl. Messe auf dem Vorplatz der Kathedrale. Mit wenig Aufwand und Menschen, die daran vorbeiliefen und gar nicht wussten, worum es sich handelt, wurde diese Gottesdienstzeit für die Missionare noch beeindruckender.

Abends schützten sie sich mit Pappkartons und zwei Decken vor der Kälte und schliefen auf dem Boden in der Empfangshalle des Kollegs, einem sehr historischen Platz, wo sich die Gründung der Stadt São Paulo ereignet hatte. Und in dieser Nacht erlebten sie – wie viele Obdachlose – das Wertvollste einer Nacht unter freiem Himmel: das sternbedeckte Himmelszelt.

Am zweiten Tag, nach Morgengebet und Rosenkranz, mussten sie sich die erste Mahlzeit erbetteln. Als alle zusammengekommen waren, trafen sie sich mit den anderen Missionaren und anderen Straßenbewohnern zu einer gemeinsamen Mahlzeit und teilten alles untereinander. Ganz in der Nähe konnten sie einen enormen Kontrast beobachten. Auf der einen Seite die Sala São Paulo, wo sich berühmte Musiker und Prominente trafen und auf der anderen Seite die berüchtigte “Cracolândia”, wo viele Drogenabhängige herumhängen. Auch dort sind die Missionare hingegangen und trafen Leute, die von Drogen abhängig ihr Leben nicht leben konnten, ein Leben voll von Sehnsucht, Träumen, in Familien – was sie alles nicht erreichen konnten und können, und in den meisten Fällen waren auch Glaube und Gebet schier unerreichbar und zugleich Gegenstand großer Sehnsucht.

Dank an die Mission Bethlehem

Nach dem Mittagessen, das die Mission Bethlehem der Schönstattgruppe gespendet hatte, sind die Missionare auf die Straße zurück, wo sie ihre sozial-religiöse Arbeit weiterführten. Mit großer Freude waren sie beim Bibelteilen dabei. Nach einer weiteren Nachtruhe kehrten die Missionare nach Jaraguá zurück mit einem besonderen Dank an die Mission Bethlehem. Sie konnten sich über 35 Obdachlose freuen, die sie von der Straße weggeholt haben und noch mehr über die Erfahrungen, die sie gesammelt haben in der Begegnung mit dem leidenden Christus und ihrem Austausch über Christus in den Armen und ihren Reflektionen über den Gott des Lebens.

Quelle: www.jumasbrasil.com.br

Original: Portugiesisch, 23.02.2018; Übersetzung: Mechthild Jahn und Renate Dekker, Bad Ems, Deutschland

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