Veröffentlicht am 23. September 2017 In Projekte, Schönstatt im Herausgehen

Wenn die Menschen nicht in die Kirche gehen, geht die Kirche heraus zu ihnen

DEUTSCHLAND, Gisela Sonka, Rita Löhr, Sr. Cordula-Maria Leidig •

Einige Schönstätter aus Wiesbaden gingen am 22. September mit Teelichtern und zitternden Knien auf den Wochenmarkt in Wiesbaden-Biebrich und luden ein, eine Kerze anzuzünden für einen lieben Menschen, und zwar  in der Kirche St. Marien, wo zeitgleich Eucharistische Anbetung stattfand. Und sie kamen herein… Angefangen hat das alles mit stillen Anbetungszeiten im Heiligtum und dem „Sonntags-Café“.

Das Sonntags-Café

Seit 1. September 2016 gibt es im Schönstatt-Heiligtum in Wiesbaden etwa viermal pro Woche jeweils eine Stunde stille eucharistische Anbetung. Der Kreis derer, die regelmäßig dazu kommen, umfasst etwa sieben Personen, darüber hinaus fühlen sich noch vier bis fünf Personen angesprochen und beten ab und zu mit.

Darüber hinaus findet einmal monatlich am Sonntag eine zweistündige Anbetungszeit mit Lobpreis und Fürbitte statt, wozu etwa ähnlich viele Personen kommen, aber auch Leute von auswärts dazu stoßen. Bei dieser Lobpreis-Anbetung gibt es etwa viermal im Jahr vorher einen Impuls und ein „Sonntagscafé“, denn gerade der Sonntag ist für viele Singles, Witwen und Witwer eine Herausforderung – eine Beobachtung, die wach aufgenommen wurde.

„Sonntagscafé“ ist der Untertitel, „Gott sei Dank, es ist Sonntag“ der eigentliche Titel. Der Impuls hängt immer mit dem Jahresmotto der deutschen Schönstatt-Bewegung zusammen, in diesem Jahr z. B. geht es im Rahmen von „Er kam hinzu und ging mit ihnen…“ um die Frage, wie man die Heilige Messe tiefer miterleben kann. Die Werkzeugsmesse aus dem „Himmelwärts“ bietet dafür viel Stoff.

Hörendes Herz

An diesen vier Sonntagen im Jahr wirkt auch immer Sr. Angelus mit, sie gehört hier in Wiesbaden zu den indischen Anbetungsschwestern. Während  in der Kapelle Lobpreis und Anbetung gestaltet wird, bietet sie ein hörendes Herz an, die Menschen gehen abwechselnd zu ihr in die Sakristei für ein geistliches Gespräch oder Fürbittgebet. Die Schwester ist sehr gefragt, denn nach jahrelanger Gesprächserfahrung in einer psychiatrischen Klinik kann sie hervorragend auf die Menschen eingehen.

Dahin gehen, wo die Menschen sind

Eigentlich lebt sie in Wiesbaden-Biebrich, wo das Anbetungszentrum aller indischen Anbetungsschwestern, die in Deutschland arbeiten, eingerichtet wurde. Sechs bis acht Stunden täglich ist dort in der Kirche „St. Marien“ eucharistische Anbetung, aber die Schwestern fragten sich seit langem, wie man Außenstehende dazu einladen kann. Zuerst versuchte der Kreis vom Schönstatt-Heiligtum, einmal in der Woche in „St. Marien“ eine Lobpreiszeit zu gestalten – da kam niemand. Dann entstand die Idee, die Lobpreiszeit in Biebrich genau während der Zeit des Wochenmarktes zu halten, der direkt vor der Kirche im Schatten der Mariensäule stattfindet.

Am 22. September war der große Moment! Zwei Frauen aus der  Schönstatt-Familie sprachen – zuerst mit zitternden Knien – die Menschen an, die auf dem Markt ihre Einkäufe erledigten. Es wurde ein Teelicht verschenkt mit der Frage, ob man es nicht in der Kirche für einen lieben Menschen, für einen Kranken der Familie oder in der Nachbarschaft anzünden möchte – man könne dann auch noch länger in der Kirche verweilen, mit dem Hinweis auf die Musik und die Anbetung.

Die Gegenwart des Herrn auf dem Wochenmarkt

Das  „Experiment“ dauerte ca. 45 Min, aber das Ergebnis war überwältigend:

Wir trafen eine „Lichtzeichen-Mutter“ wieder! Zwei junge Frauen kamen, die sich wöchentlich einmal zu einem gemeinsamen Gebet in irgendeiner Kirche in Wiesbaden oder Mainz treffen, heute hatten sie sich erstmals in St. Marien verabredet. Fügung? Insgesamt kamen 13 Personen mit ihrem Teelicht in die Kirche und verweilten meist erstaunlich lange. Etwa 10 weitere kamen nicht herein, aber mit einigen von ihnen ergaben sich wertvolle Gespräche, z. B. warum sie aus der Kirche ausgetreten sind oder dass sie immer als Marktbetreiber den Eindruck haben, die Kirche sei so „zugeknöpft“, fast abstoßend. Das wird sich in Zukunft ändern…

Die beiden Teelicht-Verteilerinnen strahlten sozusagen um die Wette: „Das müssen wir wieder machen! So tolle Begegnungen!“ Wir haben alle die Gegenwart des Herrn gespürt, der mit Maria die Menschen in seine Nähe einlädt, die Herzen öffnet, Versöhnung schenkt, Missverständnisse klärt…

Nächsten Freitag, 29. September, 12.30 – 14.00 h, setzen wir dieses „Experiment“ fort…

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