Veröffentlicht am 28. Dezember 2016 In Schönstatt im Herausgehen

„Die Stadt heiligtumisieren“ – Eine Messe im Einkaufszentrum mitten in der Stadt

PARAGUAY, José Argüello •

Einige Stunden nachdem alles zu Ende war, entdeckte und teilte jemand ein Kapitel aus dem Buch „Mit Maria leben. Ein Gespräch mit Papst Franziskus“, dem großen Interview von P. Alexandre Awi mit Papst Franziskus über seine Begegnungen mit Maria (und manches mehr).„Die Stadt heiligtumisieren“ ist der Titel des besagten Kapitels, einer jener ebenso beliebten wie einprägsamen „Bergoglionismen“, die einen Lebensvorgang verbalisieren eben mit diesem Touch von Neuheit und Irritation, die die Frohe Botschaft braucht in dieser Zeit der Abnutzung guter Worte durch inflationären Gebrauch.  „´Die Stadt heiligtumisieren‘ gilt in Bezug auf das ganze Phänomen der paradigmatischen Mission der Kirche, oder anders gesagt, im Geist von Aparecida alles (das heißt, alles kirchliche Handeln) vom Missionarischen her angehen… Insgesamt einfach ein Klima von Heiligtum in der Stadt, in den Straßen der Stadt…“ – das war die Antwort von Papst Franziskus in jenem Interview auf die Frage: „Und die Stadt heiligtumisieren?“ (S. 82). Ein Klima von Heiligtum in der Stadt, in den Straßen der Stadt, oder eben genau dort, wo die allermeisten Menschen in der Regel die Tage vor Weihnachten verbringen: im Einkaufszentrum.

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Der „Shopping del Sol“ als große Krippe

Als die Idee das erste Mal bei einem Treffen aufkam, waren die Kommentare sehr gemischt. Die üblichen Pro und Kontra jeder pastoralen Initiative fern der Annehmlichkeiten im Binnenraum unserer Bewegung, die Paradigmen bricht – das ist bei den meisten nicht Liebe auf den ersten Blick.

Doch der Heilige Geist wirkte. Gegen alle Prognosen, jede andere Erwartung, jeden Pessimismus wurde am Mittwoch, 14. Dezember, im größten Einkaufszentrum von Asunción, dem Shopping del Sol, eine heilige Messe gefeiert.

Es war eine gemeinsame Arbeit auf Bitten von Vertretern des Erzbistums gegenüber der Schönstatt-Bewegung.

Doch der eigentliche Hauptmotivator dahinter war Christus selbst, der einfache Werkzeuge gebraucht hat, um sich als Brot des Lebens den Menschen zu nähern, und diesmal auf besondere Weise an einem Ort, an dem er oft vergessen wird.

Jesus wollte mit uns feiern. Wollte unsere Herzen in diesem Advent bereiten und wie immer herausgehen zur Begegnung mit uns.

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Ein Heiligtum ist nach Papst Franziskus da, „wo ein Priester den ganzen Tag Beichte hört“

Der Generalvikar der Erzdiözese Asunción, Oscar González, war Hauptzelebrant der Messe, einer der Konzelebranten Pater Santiago Cacavelos von den Schönstatt-Patres. Fast ein Dutzend ständiger Diakone aus dem Erzbistum wirkte als Akolythen mit.

Von 18.00Uhr an gestalteten der „Rosenkranz der kühnen Männer“ den Rosenkranz, der der heiligen Messe vorausging und das Herz auf dem Weg zur Begegnung mit dem Herrn bereitete.

Obwohl die Messe an einem ganz normalen Werktag mit viel kommerzieller Aktivität stattfand, oder vielleicht gerade deshalb, sah man immer wieder, wie Kunden oder Besucher des Einkaufszentrums, überrascht vom logistisch günstigen Schauplatz der heiligen Messe direkt am Eingang unter dem Markenzeichen der Sonne – oder dem Stern -,  näher kamen und gerne teilnahmen. Und bis unmittelbar vor der Messe konnte man beobachten, wie Leute, die aus dem Einkaufszentrum kamen, etwas verschämt sich den Priestern näherten, die schon da waren, und das Sakrament der Versöhnung empfingen.

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Stadtpastoral

Um 19.00 Uhr begann die heilige Messe, und es war ein Fest! Es war, als würden das Einkaufszentrum und der Lärm rundherum nicht mehr da sein, und wir erlebten diese Eucharistiefeier in einer sehr tiefen Nähe zu Jesus.

Wir, die wir dabei mitwirkten, sind einfach überzeugt, dass der Herr verschiedene Bewegungen und Pfarreien der Erzdiözese in der Gestaltung dieser heiligen Messe zusammenführen wollte als ein großes Geschenk seiner Barmherzigkeit und Liebe.

Eine Messe im Einkaufszentrum? Aber klar. Dazu ist unsere Kirche gerufen. Und dazu ist Schönstatt gerufen. Antwort zu geben auf das, was Papst Franziskus wünscht – eine Kirche im Herausgehen, ein Schönstatt im Herausgehen zu sein. Das Einkaufszentrum war nur der erste Ort, um noch unbegrenzt viele Möglichkeiten zu entdecken, dem Herrn beim Herausgehen zur Begegnung mit den Menschen zu helfen. Vor allem an den Orten, an denen man ihn nicht kennt oder schlicht und einfach nicht an ihn denkt, möchte er sein und sich mit all seiner Liebe schenken.

Und wie wichtig ist es im Advent und in der Weihnachtszeit, sich daran zu erinnern, wen wir feiern, und ihn gegenwärtig zu haben. Viele Leute sind an diesem Tag ins Einkaufszentrum gegangen, um Weihnachtsgeschenke für einen Angehörigen oder Freund zu kaufen, und haben dabei vielleicht nur den dickbäuchigen Mann in seinem roten Filzmantel vor Augen gehabt. Doch nach dieser Begegnung und mit einem berührten Herzen sind sicher manche von ihnen nach Hause gegangen und haben von einer Freude erzählt, die sie erlebt haben und vom wahren Sinn der Weihnacht, der wirklich Grund ist zum Feiern. Christus, der Herr, der in die Welt gekommen ist, um sein Leben zu geben aus Liebe zu uns.

Die Kraft des Heiligen Geistes gebe uns in diesem Advent, in dieser Weihnachtszeit den Mut, Schönstatt im Herausgehen zu sein während des ganzen kommenden Jahres, das jetzt beginnt.

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Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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