Veröffentlicht am 2016-11-11 In Schönstatt im Herausgehen

Ein paar Priester, verrückt nach Maria, und eine Begegnung, die noch nicht zu Ende ist

ITALIEN, von Pfr. Rolando G. Montes de Oca Valero •

Missionar der Pilgernden Gottesmutter sein bedeutet, ihr die Wahl der Methoden zu überlassen. Ich erwartete, dass mein Mitbruder Marwan – ein libanesischer Priester des maronitischen Ritus, mit dem ich die gleiche Universität besuche – mir das Bild mit mehr „Feierlichkeit“ zurückgeben würde. Die Pilgernde Gottesmutter hatte ihn in der Woche zuvor besucht, ihn in einem wichtigen, schwierigen Moment begleitet, und er, so dachte ich, würde nun dankbar sein und bereit zum Gegenbesuch. Als er dann die Peregrina zwischen Büchern und Heften aus seinem Rucksack zog und sie mir mit einem nüchternen „Danke“ in die Hand drückte, war ich doch sehr überrascht, und während ich versuchte, meine Fassungslosigkeit zu überspielen, fragte ich mich: Wie kann jemand aus einem orientalischen Ritus nicht einen etwas heiligeren Rahmen wählen?

Etwas Besseres als ein Vortrag: eine Erfahrung

Die Antwort bekam ich von Maria selbst, als Pfr. Gintaras, ein litauischer Priester, der mit uns studiert, sie mit Freude erkannte und verblüfft „Schönstatt, du auch?“ sagte. Ja, erkannte sie von der Schweiz, wunderbar … und der Pole Pfr. Grzegorz, der dabei stand, fragte: Und was ist das? – „Äääähm, eine marianische apostolische Bewegung, eine geistliche Familie in der Kirche, wir machen einen Bund mit Maria… ääähmmm …“, versuchte ich in den zwei Minuten, die noch bis zum Erscheinen des Professors blieben, zu improvisieren, mit dem starken Eindruck, dass noch viel mehr zu sagen wäre und das Gesagte vielleicht auch nicht das Entscheidende war …

In der nächsten Vorlesungspause begann dann ein Plan zu entstehen, dass nämlich die Gottesmutter selbst ihnen etwas Besseres als einen Vortrag bieten könnte: eine Erfahrung.

Dem schlossen sich nach und nach der Brasilianer Pfr. Rodrigo, der Filipino Pfr. Nathaniel und der Kolumbianer Pfr. Edgar Dario an. Dann fragte Pfr.  Gintaras, ob noch zwei weitere Litauer mitkommen könnten: Diakon Elias und  Pfr. Andreas. Der Plan bekam einen Namen, der auch Herausforderung war: „ein Morgen mit Maria“.

Sie sorgte sogar fürs Auto

Nun blieb noch eine Schwierigkeit: Der Zugang zum Cor Ecclesiae-Heiligtum ist ohne Auto schwierig und sogar etwas gefährlich, da es auf der vielbefahrenen, engen Straße keinen Bürgersteig gibt, und die Leute fahren dort sehr schnell. So war mein Plan noch etwas defizitär, als ich Pfr. Eduardo vom Spanischen Kolleg davon erzählte und sagte: „Ich denke, das Gescheiteste ist, wenn wir ein Taxi nehmen und …  „Nein“, unterbrach der mich, „wenn du willst, fahre ich euch mit meinem Auto. Aber dann will ich mit.“ Er war auch ein Teil des Plans der „Missionarin“.

Mit Studenten der Fakultät für Kommunikation der Universität „Santa Croce“ und Freunden aus dem Spanischen Kolleg waren wir schließlich 10 Priester, die am Morgen des 5. November aufbrachen zu dem Haus, wo Maria uns erwartete. Die ästhetische Wirkung war beachtlich: „Was für ein schöner Ort“- und daneben das Erstaunen darüber, wie klein dieses Heiligtum ist.  Bevor wir ins Heiligtum gingen, trafen wir uns in einem Raum, den die Marienschwestern uns schön gerichtet hatten, um etwas über Schönstatt und die Bedeutung von „noch einem“ Marienheiligtum zu sprechen und so die Begegnung vorzubereiten.

Der Rosenkranz verbindet uns alle

Ich erlebte noch einmal meine ersten Schritte, als ich jetzt aus dem Mund von Mitbrüdern genau die Fragen hörte, die ich selbst eines Tages gestellt hatte. Nachdem alle Fragen und Zweifel geklärt waren, gingen wir ins Heiligtum, schenkten uns dort zuerst eine Viertelstunde persönlichen Gesprächs mit Maria und holten dann unsere Rosenkränze aus der Tasche.

Vor der Betrachtung jedes Geheimnisses des Rosenkranzes wird ein Marienlied aus einem der Völker gesungen, die durch uns hier vertreten sind. Und auch wenn man die Worte nicht versteht, drücken sich die Liebe zu Maria und die Beheimatung, die die Mutter des Herrn in den verschiedenen Titeln und Anrufungen den Völkern schenkt,  in einem Klima aus, das durchtränkt ist von der Schönheit Gottes, der die Tiefengründe des Herzens anzurühren versteht.

Als uns dann bewusst wird, dass wir genau zehn sind, betet jeder von uns ein Ave Maria in seiner Muttersprache vor, und alle beten in Italienisch weiter. Am Schluss schenken wir der Gottesmutter das Gnadenkapital, das wir unter der Woche bereitet haben, und schließen diese Gnadenstunde mit der Kleinen Weihe.

Eine priesterliche Gemeinschaft, versammelt um Maria

Da wir merkten, dass wir noch etwas Zeit hatten, setzten wir uns hin, um Erfahrungen auszutauschen über das, was die Mutter des Herrn in unserem Leben gewirkt hatte. Was für ein Reichtum und was für eine Vielfalt! In diesem Moment war auch Pfr. Valentino dabei, ein Uruguayer, der am Lateinamerikanischen Kolleg studiert, der sein Liebesbündnis geschlossen hat und jeden Samstag zum Heiligtum pilgert. Eine priesterliche Gemeinschaft, um Maria versammelt, die den unschätzbaren Reichtum der persönlichen Erfahrung teilte: einige, wie Elisabeth, kommen zu Jesus, weil Maria sie besucht hat; andere, wie Johannes, lernten Maria kennen weil Jesus sie ihm anvertraute und sie dann für immer blieb; alle aber wissen wir, dass es heute nicht möglich ist, dem Herrn zu folgen und ihm treu zu sein ohne die freundschaftliche Hand unserer Mutter und Erzieherin.

Und wieder einmal hatte ich mich getäuscht, als ich dachte,  unser „Morgen mit Maria“ habe mit der anschließenden Pizza und dem brüderlichen Zusammensein voller Freude und Gelächter seinen Abschluss gefunden. Nichts da. Kurz nach der Verabschiedung bekam ich ein WhatsApp von Pfr. Rodrigo: „Danke für heute, mein Herz ist erfüllt von Marias Gegenwart“; Pfr. Grzegorz schickte eine Nachricht: „Danke … was war das doch für eine gute Idee.“ Nathaniel und Gíntaras sehen mich zwei Tage danach in der Universität und danken, während jemand anders vorschlägt: „Das sollten wir öfter machen …“ Nein, unser Morgen mit Maria hat noch nicht aufgehört, und sie wird zu diesem Thema das letzte Wort haben.

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Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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