Veröffentlicht am 14. März 2015 In Schönstatt im Herausgehen

Der große Meister des Zeitverlierens ist Jesus

DEUTSCHLAND, org.

„Der große Meister des Zeitverlierens ist Jesus, nicht wahr? Er hat so viel Zeit verloren um zu begleiten, um Gewissen reifen zu lassen, um Wunden zu heilen, um zu lehren…“ – Ein Satz aus der Botschaft von Papst Franziskus bei der Jubiläumsaudienz am 25. Oktober, der das Wochenende der Internationalen Kentenich-Akademie für Führungskräfte (IKAF) prägte und bewegte.

 

Zeit verlieren zunächst schon bei der Anreise: durch eine Menge Neuschnee dauerte die Anreise länger, und der eine oder andere Teilnehmer brauchte kräftige Unterstützung auf der letzten steilen Meile hinauf nach „Schönstatt auf`m Berg“. Etwas später als sonst und in einer etwas kleineren, dafür aber umso intensiveren Runde “verloren” die Teilnehmer zunächst viel Zeit damit, einander zu erzählen, was sie im letzten Jahr bewirkt hatten und was sie derzeit umtreibt.

„Das hat ein ganz besonderes Klima geschaffen“, meint einer am Ende der Tagung, „von Anfang an. Einfach Zeit haben, ohne auf die Uhr zu schauen, um zu erzählen, was einem geglückt ist, was einen herausgefordert hat, was einen umtreibt. Und das Interesse und Zuhören der anderen macht das Erlebte noch konkreter, noch größer.“ Jemand anders: „Oft ist das Erzählen wie an der Kasse im Supermarkt in Stoßzeiten. Man schmeißt seine Sachen aufs Band und dann wieder in den Einkaufswagen, so schnell wie möglich, weil hinter einem schon die nächsten ungeduldig warten, dran zu kommen. Und hier war es auf einmal, als hätten alle nur darauf gewartet, jedes Teil ganz entspannt und ganz behutsam in die Hand zu nehmen…“ Ganz behutsam in die Hand nehmen – Geschichten wie die von dem Betrieb, dem gleich zweimal hintereinander und kurz vor Arbeitsantritt der neue Geschäftsführer abspringt und der dann innerhalb weniger Tage genau den findet, der es einfach macht, obwohl er sogar schon leise an Vorruhestand gedacht hatte und den Betrieb sogar schon von früher kennt – so eine Geschichte braucht Zeit, die man zum Erzählen und Zuhören verliert.

Einfach Zeit verlieren

Zeit “verlieren” beim gemeinsamen Beten, beim Ausschlafen am Samstagmorgen, bei langer Mittagspause, an der Kaffeemaschine in der Cafeteria – es war ein Wochenende, das richtig gut getan hat. Und sehr intensiv gearbeitet wurde trotzdem oder gerade deshalb.

So fast den ganzen Samstag über beim Erzählen von Erfahrungen aus dem Berufsalltag. Zeit, einander zu bereichern, Fragen zu entdecken und gemeinsam zu beantworten. Warum hängt der Haussegen in einer Firma so schief, dass geschrien und dann gar nicht mehr miteinander geredet wird, nachdem Mitarbeiter eine neue tolle Kaffeemaschine aufgebaut haben? Und warum bringt das Reden über die Vor- und Nachteile dieser Kaffeemaschine nichts? Weil es gar nicht um die Kaffeemaschine, sondern um das Eindringen in das geschützte Territorium „meiner Büroküche“ geht.

Kompetenzen einbringen

Da arbeitet ein Ehepaar schon lange so miteinander, dass sie als Ehefrau ihre Kompetenz in die Arbeit ihres Mannes einbringt; Personal Coach im besten Sinne des Wortes bei Fragen der Mitarbeiterführung ebenso wie weitreichenden Entscheidungen zum Kurs der Firma. Und dann ist sie bei einer Fahrt zu einer Teambesprechung auswärts dabei und beide erleben, dass etwas nicht stimmt, wenn sie nicht wirklich dabei ist, sondern nur mitfährt, um Freunde am selben Ort zu besuchen.

Stichwort Kompetenz einbringen: Immer geht es darum, so eine Frage, „die Pädagogik und Führungskompetenz Pater Kentenichs in die Wirtschaft einzubringen. Gilt das denn nicht auch umgekehrt? Müssten wir nicht auch die professionelle Kompetenz aus unseren Berufen, die fachliche Kompetenz wie auch die Art des unternehmerischen Denkens und Planens und Handelns in die Kirche, in Schönstatt einbringen? Dürfen wir, die wir im Beruf kaufmännisch, im Projektmanagement, in Personalführung, im Change Management hochprofessionell und kompetent sind, in der Kirche handgestrickte Lösungen ‚wie wir es immer gemacht haben‘ mittragen, oder haben wir als Führungskräfte der Wirtschaft da auch eine Mission?“

Und gleichzeitig: Da wächst durch mehrere konkrete Geschichten aus dem Unternehmensalltag und aus dem Erleben dieses Wochenendes voller Zeitverlieren noch einmal ganz neu die Erkenntnis, dass es etwas bringt, mit Butterbrezeln statt Ganttcharts die nächste Besprechung zu beginnen und Essenszeiten als Erholung zu begehen.

Zeit verlieren mit meinem Mitarbeiter – kann ich mir das leisten?

Und das Thema Zeit verlieren bleibt; die Entscheidung, den nächsten Jour Fixe für Führungskräfte unter das Thema zu stellen, war zwar schon vor dem IKAF-Wochenende und vor dem Impulsvortrag von Melanie und Ulrich Grauert zum Thema gefallen. Und dass diese Entscheidung gut war, wissen alle jetzt.

„Papst Franziskus hat bei der Audienz mit der Schönstattfamilie vom Zeit verlieren gesprochen. Das hat uns angesprochen und gleichzeitig herausgefordert. Was heißt das im konkreten Führungsalltag – kann ich mir das wirklich leisten? Im Erleben ist die Antwort klar, das „ja aber“ bleibt trotzdem“, so Christine und Erwin Hinterberger in ihrer Einladung an Führungskräfte zum Jour Fixe am kommenden 21. März in Memhölz.

Und mit wem und für wen verliere ich Zeit?


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