Veröffentlicht am 24. Februar 2020 In Laien und Familie

Als wir unser Haus für die jungen Leute in der Vorbereitung auf die Ehe geöffnet haben, hat das vor allem uns als Ehepaar so gut getan

Interview mit Ehepaar José Alejandro Martínez und Anelena Hueda, Costa Rica, engagiert in der Ehevorbereitungspastoral  •

„Die Arbeit mit Paaren auf dem Weg zur Ehe war für uns immer eine Freude. Wir empfinden es als einen Segen Gottes“, so Anelena Hueda und José Alejandro Martínez, als die Ansprache des Heiligen Vaters an die römische Rota in den Netzwerken der Mitarbeiter von schoenstatt.org in Umlauf kam. Die Rolle der „Ehepaare in Bewegung“ im Dienst der anderen Ehepaaren, Verlobten und fest befreundeten Paaren, der Dienst in der Pfarrei – das ist in Costa Rica Schönstatts ureigenstes Feld. „In Costa Rica haben wir eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den Pfarreien… Für die nächste Nationale Führungskräftekonferenz hatten sie die geniale Idee, dass jeder Schönstätter sein „Abzeichen“, sein Credential, mit dem Namen der Pfarrei trägt, zu der er gehört oder mit der er zusammenarbeitet…“ Natürlich darf darum ein Interview mit einem Ehepaar aus Costa Rica, das sich seit mehreren Jahren in der Ehevorbereitung engagiert, José Alejandro Martínez und Anelena Hueda hervorgetan hat, nicht fehlen. —

Ehevorbereitungs-Tagung

Papst Franziskus hat (in seiner Ansprache an die römische Rota) erneut die Bedeutung der „Pastoralarbeit im Katechumenat vor und nach der Eheschließung“ betont. Dabei fordert er, dass Ehepaare diese Aufgabe übernehmen. Wie ist Ihre Erfahrung? Ist die Verantwortung der Ehepaare für die Ehevorbereitung in Ihrem Umfeld eher etwas Gewöhnliches oder noch etwas Einzigartiges oder Ungewöhnliches?

Für uns war die Arbeit mit verlobten und fest befreundeten Paaren eine Freude. Wir empfinden es als Segen von Gott, da es uns erlaubt hat, viele Momente unserer eigenen Beziehung als Paar noch einmal nachzuerleben. Sowohl das Umwerben, das wir vor unserer Ehe erlebt haben, als auch das Umwerben, das wir während unserer Ehe weiterhin erlebt haben und erleben. Es ist sonnenklar, dass wir in der Arbeit mit diesen jungen Leuten, die dabei sind, einen so grundlegenden Schritt zu tun, in all unserer Begrenztheit versuchen, sie zu leiten, indem wir mit ihnen unsere Erfahrungen, Erfolge, Grenzerfahrungen, unsere Phasen des Glücks und der Traurigkeit teilen, und am Ende waren wir es, die am meisten davon profitiert haben!

Ist die Verantwortung von Ehepaaren für die Ehevorbereitungspastoral in Ihrem Umfeld üblich oder eher etwas Einmaliges oder Exotisches?

In Costa Rica gibt es auf Pfarreiebene die Begleitung von verlobten oder fest befreundeten Paaren. Wir denken jedoch, dass die Initiative der Ehevorbereitungspastoral, die Schönstatt hier in den letzten 3 – 4 Jahren entwickelt hat, sehr innovativ und fruchtbar ist. Es scheint mir nicht so, dass viele andere Bewegungen da aktiv sind, und in unserem Fall glauben wir, dass es neben der Neuheit des Angebotes an sich die Pädagogik unseres Vaters und Gründers war, die einen einzigartigen Mehrwert gebracht hat. Hinzuzufügen ist, dass das von Pater Horacio Rivas in Chile entwickelte Programm (das als Grundlage für die Entwicklung unserer Pastoral diente), zusammen mit den Initiativen, die von unserer lokalen Originalität aus durch den nationalen Berater (Pater José Luis Correa) sowie durch die übrigen Paare, die das Pastoralteam bilden, gefördert wurden, zweifellos Werkzeuge sind, die zur Konsolidierung dieses Projektes wesentlich sind.

 

Tagung für befreundete und verlobte Paare auf dem Weg zur Ehe

Wie reagieren Brautpaare oder junge Ehepaare auf die Begleitung eines oder mehrerer Ehepaare in der (vor-)ehelichen Seelsorge?

Die Reaktionen waren äußerst positiv. Der Ansatz, den wir schon immer geben wollten, besteht darin, dass die Paare das Gefühl haben, von Paaren begleitet zu werden, die sie als eine Art „ältere Geschwister“ identifizieren. Mit anderen Worten, weder so jung, dass sie sie als Gleichaltrige sehen, noch so alt, dass sie sie als ihre Eltern sehen. Dadurch können sie sich nahe genug fühlen, um sich zu öffnen, ohne jedoch diese Beziehung des Respekts zu verlieren. Darüber hinaus finden die Treffen im Haus des begleitenden Ehepaares statt, was dem Brautpaar, das heiraten wird, die Möglichkeit gibt, die Familiendynamik zu spüren, die bald in dem Haus, das sie aufbauen wollen, vorhanden sein wird.

In seiner Ansprache an die römische Rota sagt der Heilige Vater, ausgehend vom Beispiel des Ehepaares Priscilla und Aquila, die Ehepaare,  „die der Heilige Geist gewiss auch weiterhin beseelt, müssen bereit sein, »aus sich selbst herauszukommen und sich gegenüber den anderen zu öffnen, die Nähe zu leben, den Stil des Zusammenlebens, der jede zwischenmenschliche Beziehung in eine Erfahrung von Brüderlichkeit verwandelt«.“Wie wird diese Haltung in der apostolischen Arbeit, die Sie als Ehepaar leisten, erlebt und gelebt?

Die Öffnung unseres Hauses, um diese jungen Leute zu empfangen und zu begleiten, hat uns als Paar einander näher gebracht und uns als Familie mit unseren Kindern vereint. Natürlich exponieren wir uns dabei auch in unserem eigenen Notstand, denn es gibt keine Ehe ohne Probleme und keine perfekte Familie, aber diese jungen Leute an den Themen und Workshops arbeiten zu sehen, die das Programm bietet, und sie dann nach Abschluss eines Treffens gemeinsam in unserem Hausheiligtum beten zu sehen, stellt für uns eine direkte Gegenleistung Gottes dar. In einer Welt, in der die Familie und die Ehe mit einer noch nie dagewesenen Grausamkeit angegriffen werden, hat uns das Geben und Sichgeben durch dieses Apostolat mit großer Hoffnung erfüllt.

„Die Kirche ist gesandt, das Evangelium auf die Straßen zu tragen und menschliche und existentielle Randgebiete zu erreichen. Sie lässt uns an die neutestamentlichen Eheleute Aquila und Priscilla denken“, sagt Franziskus den Bischöfen und Priestern. Aus Ihrer Erfahrung: Warum und wie können Paare das Evangelium besser auf die Straße bringen als andere? Warum und wie erreichen Ehepaare die menschlichen Peripherien besser?

Wir würden nicht unbedingt sagen, dass Paare das Evangelium besser als andere auf die Straße bringen können. Was wir sagen können, ist, dass es sehr wichtig ist, dass sich die Ehepaare an der Evangelisierungsarbeit beteiligen. Um das Evangelium zu anderen Menschen zu bringen, ist es notwendig, es zuerst zu leben. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht geben können, was wir nicht haben. Wenn unsere Berufung die Ehe ist, dann sollte das Leben des Evangeliums in der Ehe eines unserer Hauptanliegen als Ehepartner sein. Und von dort aus können wir als Ehepaar in dieser heiligen Mission der Evangelisierung zusammenarbeiten, sowohl durch unser Zeugnis als auch durch die Originalität unserer Eheideale.

Wenn ja, wie und warum kommen Ehepaare besser an die Peripherien?

In einer so säkularisierten Welt wie dieser, in der wir leben und in der Gott immer mehr vergessen wird, ist es notwendig, ihn zu unseren Nachbarn, zu den Familien, nach Hause, in die Schulen und Universitäten, an den Arbeitsplatz, in die sozialen Netzwerke oder andere virtuelle Räume, kurz gesagt, in alle Bereiche unseres Lebens zurückzubringen. In der heutigen Realität ist dies eine Herausforderung, der wir Katholiken von heute, ob verheiratet oder ledig, ob Mann oder Frau, ob Laien oder Ordensleute, uns mit großem Mut und Elan stellen müssen. Wir sollten keine Angst davor haben, Träger der Erlösungsbotschaft Christi zu sein und so aus unseren verschiedenen Modalitäten und Berufungen heraus zu aktiven Akteuren der Heiligen Kirche zu werden. Katholischen Paaren kommt bei dieser Aufgabe eine wichtige Rolle zu, und wir sollten uns immer von der Heiligen Familie inspirieren lassen, Christus überall hinzubringen.

Ehepaare in Bewegung „ist es, was unserer Pfarrgemeinden bräuchten, vor allem in den städtischen Gebieten, in denen der Pfarrer und seine Mitarbeiter im geistlichen Amt nie die Zeit und die Kraft haben werden, Gläubige zu erreichen, die sich zwar als Christen bezeichnen, aber den Sakramenten fernbleiben und Christus nicht kennen oder fast nicht kennen“, sagt Franziskus. Was sind Ihre Erfahrungen in diesem Bereich?

Nun, bei dieser Arbeit der Begleitung von Pasaren auf dem Weg zur Ehe glaube ich, dass wir als Ehepaare die Möglichkeit haben, diese jungen Leute aus unseren Erfahrungen und Erlebnissen heraus zu begleiten und zu beraten. Ihnen Hoffnung und Vertrauen zu vermitteln, dass die Entscheidung für die Ehe und die Familie, Hand in Hand mit Christus und Maria, uns zur Fülle führen wird. Dass es möglich ist, aus unserer ehelichen Berufung heraus zu kämpfen und nach Heiligkeit zu streben, und dass wir immer zum Weg der Heiligkeit unseres Ehepartners beitragen können. Dass es möglich ist, unsere Kinder im Glauben zu erziehen, und dass wir ihnen die Gabe vermitteln können, dass dieser Glaube stark und gut verwurzelt ist. Dieser Auftrag, die Kirche zu einem Haus zu machen, ist zweifellos ein hohes Ideal, das wir, wenn wir es erreichen, durch das Zeugnis sowohl in unseren Häusern (mit unseren Kindern) als auch außerhalb, in unserer Umgebung, reflektieren können.“Worte überzeugen, Beispiele reißen mit“ – dass das wahr ist, können wir mit absoluter Sicherheit bestätigen!

Welcher andere Aspekt der Rede lässt Sie über ihre Arbeit nachdenken, im Sinne von Bestätigung oder Herausforderung?

Bei der Lektüre der Rede hat der konkrete Aufruf des Papstes, dass Ehepaare die Pastoralarbeit im Katechumenat vor und nach der Eheschließung übernehmen sollen, zweifellos einen starken Widerhall in uns gefunden. Denn wir fühlen, dass Gott uns durch Franziskus sozusagen direkt bestätigt in der Aufgabe, die wir übernommen haben und die uns soviel Freude macht. Darüber hinaus fand auch der Satz über die „zwei Perlen“, auf die er sich bezieht (Nähe und Unentgeltlichkeit. ), ein sehr starkes Echo in unseren Herzen. Denn nach der Begleitung des Ehepaares waren diese beiden spezifischen Punkte ein gemeinsamer Nenner, für den sie uns immer wieder gedankt haben. Sie haben die Nähe der Begleitung sehr geschätzt, die es ihnen durch das Programm, das wir in Costa Rica umgesetzt haben, ermöglicht hat, sich sowohl einander als auch uns in unserer Rolle als Paar, das sie führt, zu öffnen. Und sie haben in besonderer Weise gewürdigt, dass diese Arbeit des Paares, das sie auf diesem Weg begleitet, ein Geschenk war (das ist der Faktor der Unentgeltlichkeit, den der Papst erwähnt). Aus diesem Grund haben wir uns riesig gefreut, diese beiden besonderen Punkte in dieser Rede zu hören.

 

Tagung für fest befreundete Paare

Titelfoto: Unsere Interviewpartner (rechts) mit einem Paar, das sie begleiten und das sie gebeten hat, demnächst bei ihrer Hochzeit ihre Trauzeugen zu sein.

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

Schlagworte: , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.