San José padre en la sombra

Veröffentlicht am 2021-01-26 In Josefsjahr

Josef, Vater im Schatten

Josefs-Challenge | Miguel Ángel Rubio, Spanien •

The Joseph Challenge 2021 by Schoenstatt.org, only for men (Die Josef-Challenge 2021 von schoenstatt.org, nur für Männer): Männer aus verschiedenen Berufungen im Liebesbündnis, aus verschiedenen Ländern und Generationen lassen sich herausfordern durch den Brief von Papst Franziskus, Patris Corde, über Josef, seinen „Überlegungen zu dieser außergewöhnlichen Gestalt, die einem jeden von uns menschlich so nahe ist.“ Sie lassen sich darauf ein, zu erzählen, was sie an der Gestalt des heiligen Josef und dem Brief des Heiligen Vaters über ihn am meisten beeindruckt und motiviert. Miguel Ángel Rubio aus Spanien fühlt sich stark verbunden mit Josef, dem Vater im Schatten. —

Eine Vaterschaft, die der Versuchung widersteht, das Leben der Kinder zu leben, eröffnet immer neue Räume.
Jedes Kind trägt ein Geheimnis in sich, etwas noch nie Dagewesenes, das nur mit Hilfe eines Vaters zur Entfaltung gebracht werden kann, der seine Freiheit respektiert; eines Vaters, der sich bewusst ist, dass sein erzieherisches Handeln erst dann zum Ziel kommt und dass er erst dann sein Vatersein ganz lebt, wenn er sich „nutzlos“ gemacht hat, wenn er sieht, dass das Kind selbständig wird und allein auf den Pfaden des Lebens geht, wenn er sich in die Situation Josefs versetzt, der immer gewusst hat, dass das Kind nicht seines war, sondern einfach seiner Obhut anvertraut worden war.

Ich habe den heiligen Josef immer als eine heilige Konsequenz der Umstände betrachtet, das heißt, ich dachte, dass die Kirche ihn zu einem Heiligen gemacht hat, weil die Mutter Gottes nicht mit jemandem von geringerem Rang und Würde verlobt sein konnte. Es war nun einmal die Heilige Familie, da konnte es niemanden geben, der nicht ein Heiliger war. Denn der wahre Vater Jesu ist Gott, da Maria „durch das Werk und die Gnade des Heiligen Geistes empfangen hat“. War der heilige Josef also dazu da, alles „politisch korrekt“ zu machen? Was war seine Rolle? Gott hat uns seinen Sohn auf der Erde geschenkt, aber Gottvater ist nicht mit ihm herabgestiegen, sondern die väterliche Komponente wurde dem heiligen Josef anvertraut, der sie verkörperte und aus freien Stücken annahm. Die Heilige Schrift spricht kaum von ihm: still, im Schatten, ohne jegliche Rolle… aber er ist da; er wurde weder ignoriert noch übergangen.

Gottes Pläne sind nicht unsere Pläne

Bis ich geheiratet habe, war das das Bild, das ich vom heiligen Josef hatte: jemand, über den die Heiligkeit gekommen war, ohne sie zu suchen und ohne eigene Verdienste. Seit meiner Heirat wurden wir sehr enge Freunde. Und das lässt sich durch meine persönliche Geschichte erklären.

Bis ich 40 Jahre alt war, hatte ich in der „Wüste“ gelebt. Eine sehr bequeme Wüste, die des „ewigen Junggesellen“, wie mich meine Freunde nannten: ein guter Job mit gutem Gehalt, ein Haus für mich, ohne Verpflichtungen oder familiäre Belastungen, sich frei bewegen, ohne jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen… die ideale Situation. So lebte ich seit über 10 Jahren, als ich meine Heimat Madrid verlassen hatte, in Barcelona.

Bis es Gott einfiel, mir Paz über den Weg zu schicken und wir beschlossen, zu heiraten. Es war keine leichte Entscheidung, aber es war eine schnelle: wir haben innerhalb von nur 6 Monaten geheiratet. Zum Erstaunen und Unglauben vieler (wenn nicht die Ablehnung), denn wie kommt man auf die Idee, in diesem Alter zu heiraten? Und eine Frau, die bereits 40 Jahre alt, außerdem Witwe ist und zwei Töchter von 17 und 20 Jahren hat, die noch bei ihr leben? Das kann die Hölle sein. Und in Barcelona zu leben und sie in Madrid in mehr als 600 km Entfernung, ohne die Garantie zu haben, zusammen leben zu können? Willst du das einfache und komfortable Leben aufgeben, das du hast und um das dich viele beneiden? Diese Ehe ist von der ersten Minute an zum Scheitern verurteilt. Du hast den Verstand verloren.

Zweifel könnten jedem schrecklich vorkommen, und jedes Argument für einen Rückzieher würde sich lohnen. Wenn du aber dein Ohr an das Herz Gottes gelegt hast, ist alles anders und du stellst dich der Herausforderung mit Gelassenheit und vor allem mit Freude. So entschied ich mich trotz aller Hindernisse zu heiraten: „ohne Anästhesie“ und mit der vollen Gewissheit, dass ich dem Plan folgte, den Gott für uns vorbereitet hatte.

Nihil obstat

Trotz der Gewissheit, dass Gott mit dir ist, ist nicht alles ohne Schwierigkeiten. Die erste Schwierigkeit, die ich überwinden musste, um zu heiraten, war das Einholen der entsprechenden Zustimmung. In normalen Situationen ist die Bitte um die Hand eine reine Formalität des Bräutigams vor den Eltern der Braut in einem gesellschaftlichen Akt. Aber in meinem Fall war es ganz anders. In erster Linie, weil die Bitte um meine Hand nicht vor meinen Schwiegereltern (die letztlich kein Vetorecht hatten), sondern vor den Töchtern von Paz gestellt wurde. Und das nur, weil ich Teil einer bereits gefestigten Familie sein wollte und ein bereits bestehendes Gleichgewicht gefährden könnte. Obwohl wir uns beide liebten und fest entschlossen waren, zu heiraten, bat ich Paz, ihre Töchter zu fragen, wie sie unser Heiratsprojekt sehen. Wenn sie nicht das „nihil obstat“ geben würden, würde ich nicht weitermachen und unsere Beziehung beenden. Zum Glück gab es „weißen Rauch“ und die Mädchen definierten mich gegenüber ihrer Mutter als „einen normalen, arbeitenden Mann“. Letzteres hat uns sowohl überrascht als auch beruhigt.

Josef, der Vater, der nie einer war

Im ersten Jahr unserer Ehe lebten wir getrennt: Paz in Madrid und ich in Barcelona. Schließlich bekam ich die Versetzung nach Madrid und – endlich – konnten wir zusammen leben. Dann beginnt das „echte“ Familienleben, alle im selben Boot: Paz und ich, jetzt mit den Mädchen. Eine ziemliche Herausforderung. Hier war es wichtig, sich seines Platzes im „Feld“ bewusst zu sein. Ich bin der Ehemann von Paz, aber nicht der Vater ihrer Kinder. Letzteres zu behaupten, hätte bedeutet, die Persönlichkeit eines anderen zu usurpieren und ein Recht auszuüben, das mir nicht zusteht. Es ging auch nicht darum, jemandes Ersatz zu sein. Meine Rolle war es, unbeirrbar an der Seite meiner Frau zu sein, damit die Mädchen sehen, dass wir beide ein Team sind, einzigartig und unzertrennlich. Die gesamte Jugendzeit der Mädchen hatte Paz allein an der „Front“ gestanden. Meine Aufgabe war es, meine Frau zu beobachten und sie in ihren Meinungen, Ratschlägen und Entscheidungen für sie zu unterstützen. Ich muss zugeben, dass es nicht einfach war und ich nicht immer erfolgreich war.

Während all dieser Zeit muss ich sagen, dass es der Heilige Josef war, der mir als Referenz diente und zu dem ich bei unzähligen Gelegenheiten ging. Seine Lebenseinstellung war eine unschätzbare Hilfe für mich und ich muss anerkennen, dass er mein Wegweiser war, um diese Phase meines Lebens zu meistern.

„Ich will dich mit vielen Nachkommen segnen, wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meer.“

Die Mädchen haben geheiratet, und aus ihren Ehen kamen bald Früchte. Ich habe mit 46 Jahren angefangen, Großvater zu werden und so jedes gerade Jahr, bis ich 7 Enkelkinder hatte. Der Titel des Großvaters wurde mir von den Mädchen vom ersten Moment an verliehen und sie lassen es ihre Kinder wissen. Ich war nicht nur der Ehemann ihrer Mutter, sondern auch der Großvater ihrer Kinder. Und sie haben es ganz selbstverständlich angenommen und sind auch sehr stolz darauf, denn sie gehen erst einmal davon aus, dass sie 5 Großeltern haben (4 biologische und einen „de facto“). Das ist das Paradoxon (oder das Wunder), ein Großvater zu sein, ohne ein Vater gewesen zu sein.

So fand ich Gnade vor Gott, der mir, wie Abraham, zahlreiche Nachkommen geschenkt hat wie die Sterne des Himmels und den Sand des Meeres. Oder zumindest sehe ich das so.

Epilog

Dieses Zeugnis beabsichtigt in keiner Weise, für irgendjemanden als Beispiel fürs Leben zu dienen. Mein Leben war völlig anarchisch, wobei ich alles zur falschen Zeit gemacht, Risiken mit unabsehbaren Folgen eingegangen bin und einen Cocktail gemischt habe, der eigentlich wie gemacht war für den totalen Misserfolg!  Aber ich möchte die großmütige und barmherzige Liebe, die Gott für mich hatte, bezeugen, der sich in den Umständen,  die ich erlebt habe, verherrlicht und mich hundertfach belohnt hat.

sombra

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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