Veröffentlicht am 21. Oktober 2015 In Dilexit ecclesiam

„Wir brauchen mehr Solidarität in Europa“: Aufruf der Europäischen Provinziälekonferenz der Jesuiten

Bei ihrem Jahrestreffen in Ariccia (Italien) haben die Europäischen Jesuitenprovinziäle eine Erklärung zur Flüchtlingssituation verabschiedet, die aufruft zu mehr Solidarität und einer Kultur konkreter Gastfreundschaft und Großzügigkeit

CEP2014

Seit Januar dieses Jahres sind Hunderttausende von Flüchtlingen auf verschiedenen Wegen in Europa angekommen. Wir sind sehr traurig über die Leiden, die sie erdulden mussten. Wir sind entsetzt über den Tod von Hunderten bei der Überfahrt über das Mittelmeer oder derer, die auf ihren Weg nach Europa in Lastwagen erstickt sind.

Flüchtlinge

Diejenigen, die flüchten, kommen aus Bürgerkriegsländern wie Syrien, Somalia oder Eritrea, und oft lassen sie Häuser, Freunde und Verwandte zurück. Sie suchen verzweifelt nach Schutz und unternehmen dabei sehr gefährliche Reisen. Die Mehrheit kommt aus Ländern, wo offener Krieg herrscht. Sie verdienen den Schutz, den Flüchtlinge normalerweise bekommen, mit allem, was dazu gehört.

Gastfreundschaft und Großzügigkeit

Wir sind uns der großen Zahl von Flüchtlingen bewusst, die in Ländern wie im Libanon oder in der Türkei aufgenommen wurden. Wir erleben deren Großzügigkeit wie auch die Belastung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Strukturen. Ebenso loben wir die Großzügigkeit vieler europäischer Bürger und deren Zivilgesellschaft. Berührt von der Not der Ankommenden, öffnen die Menschen ihre Häuser und Herzen.

Eine neue Politik

  • Unser gegenwärtiges System der Grenzkontrollen funktioniert nicht. Diese Kontrollen müssen ersetzt werden durch sichere und legale Wege, um in Europa Schutz zu suchen. Das schließt humanitäre Visa ein, Resettlement-Programme und Familienzusammenführungen.
  • Wir brauchen mehr europäische Solidarität. Die Asylverfahren und Aufnahmebedingungen dürfen nicht einzelnen Ländern an den Außengrenzen überlassen werden, wie es gegenwärtig der Fall ist. Wir brauchen ein wirksameres und gerechteres europäisches Asylsystem. Gastfreundschaft und gute Integrationspolitik sind entscheidend.
  • Wir sind schockiert, dass einige Politiker die gegenwärtige Situation ausnutzen, um Wahlen zu gewinnen, indem sie Ängste schüren, statt mutig die Führung zu ergreifen und ein neues politisches Vorgehen zu entwickeln.

Die Antwort von uns Jesuiten

Wir unterstützen unsere jesuitischen Gefährten und alle, die im Jesuiten-Flüchtlingsdienst in ganz Europa in dieser Zeit der Ängste und Herausforderungen mit ihnen zusammenarbeiten. Besondere Anerkennung verdienen die neuen JRS-Initiativen in Griechenland und Ungarn.

Besonders wollen wir die Arbeit würdigen, die in den letzten Jahrzehnten von den Jesuiten und ihren Mitarbeitern in den Gemeinschaften von Flüchtlingen und Migranten geleistet wurde. Sie haben sich unermüdlich dafür eingesetzt, Flüchtlinge zu erreichen, sie zu begleiten, sich mit ihnen anzufreunden, ihnen bei der Integration zu helfen und so ein neues Leben zu ermöglichen. Sie haben dabei ohne großes Aufsehen gearbeitet, mit wenig Mitteln und nicht im Rampenlicht. Ja, ihr Werk ist ein Zeugnis, dass Integration möglich ist, dass unsere Ängste oft grundlos sind, dass unterschiedliche Kulturen und Religionen wirklich miteinander sprechen können, dass wir über alle Unterschiede hinweg einander erreichen können, dass wir es wagen können, einander Freund zu nennen. Ein solches Zeugnis ist heute nötiger denn je.

Weitergehende Überlegungen

Als Provinziäle und Regionalobere der Gesellschaft Jesu in Europa, werden wir weiter prüfen, wie wir in unseren Provinzen und Regionen besser den aktuellen Herausforderungen begegnen können. Das schließt ein Nachdenken darüber ein, wie wir junge Menschen an unseren Schulen und Universitäten zu einer Haltung des tätigen Mitleids gegenüber dem Fremden erziehen können, wie wir unsere Kommunikationsmittel einsetzen können, um auf die öffentliche Meinung einzuwirken, wie wir noch effektiver mit anderen in Kirche und Gesellschaft zusammenwirken können

Unser Gründer, der hl. Ignatius, sagte, dass sich die Liebe und der Einsatz für andere mehr in Taten als in Worten ausdrücken müsse. In dieser Tradition wollen wir uns dafür einsetzen, ein Europa aufzubauen, in dem Solidarität und Gastfreundschaft nicht nur bloße Worte sind, sondern sich in Taten zeigen und Wirklichkeit werden.

 

Übersetzung aus dem Englischen Gundikar Hock, www.jesuiten.org – Mit freundlicher Genehmigung des Öffentlichkeitsreferates der Deutschen Provinz der Jesuiten, www.jesuiten.org

Quelle:Europäische Jesuiten für Solidarität und Gastfreundschaft

Statement in Deutsch (pdf)

Read the statement in English

Lire la déclaration en française

Leer la declaración en español

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