Veröffentlicht am 2015-10-11 In Im solidarischen Buendnis mit Franziskus

Rückblick auf die Botschaft von Papst Franziskus an die Schönstattfamilie – Teil 3: Jugend und Zeugnis

von Sarah-Leah Pimentel, Südafrika •

Eines meiner Lieblings-Kirchenlieder hat den Refrain: „Und an unserer Liebe werden sie erkennen, dass wir Christen sind“.

Das erinnert mich an das genaue Gegenteil. Mahatma Ghandi wird mit folgendem Ausspruch zitiert: „Ich mag euren Christus, mir gefallen aber eure Christen nicht. Eure Christen unterscheiden sich so sehr von eurem Christus.“

Ghandis Kommentar berührt den Kern dessen, wo wir oft versagt haben, wirkliche Christen zu sein. Christ ist man nicht wegen einer Anzahl Messen, die wir besuchen, der Anzahl der Rosenkränze, die wir beten oder wegen der Beteiligung an allen Diensten in der Pfarrgemeinde. Christ zu sein bedeutet, Christus nachzufolgen. Nachfolge Christi verlangt, dass wir Christus ähnlicher werden. Christus ist die Verkörperung von Liebe. So müssen auch wir Liebe werden in allen Situationen unseres Lebens. „An unserer Liebe werden sie erkennen, dass wir Christen sind.“

Zeugnis

Im letzten Jahr hat die Schönstattfamilie Papst Franziskus gefragt, wie man junge Leute zu einem erfüllteren Leben in Christus einladen kann. Wir können seine Antwort in einem Wort zusammenfassen: Zeugnis.

Was ist die beste Art und Weise der Evangelisierung? Zeugnis. Was ist unser Lebensauftrag? Zeugnis. Im Prinzip fordert Papst Franziskus uns auf – sowohl Junge wie Alte – „zu leben, dass andere Lust bekommen, wie wir zu leben“… Damit sie genug interessiert sind und „fragen, warum du so lebst“.

Warum reagiert sie nicht mit Ärger auf Verleumdung?

Warum zieht er nicht mit seiner Freundin vor der Hochzeit zusammen, auch wenn es praktischer ist?

Warum hat dieses Paar die Kraft, miteinander verheiratet zu bleiben trotz so vieler Schwierigkeiten?

Zeugnis .

„Kohärenz des Lebens”

Wenn unser Verhalten mit Werten übereinstimmt, die im Gegensatz zur heutigen Kultur stehen, bemerken die Menschen das. Sie erkennen, dass wir nach einem anderen Wertesystem leben. Viele mögen uns dafür verspotten, aber da sind auch diejenigen, die – durch das Zeugnis unseres Lebens – angeregt werden, eine andere Lebensweise, die sie vielleicht vorher nie für lebbar gehalten haben, zu bedenken-

Darum ist es so wichtig, dass es eine „Kohärenz im Leben“ gibt, sagt Papst Franziskus. Er erklärt das, indem er sagt, unser Auftrag, die Welt zu evangelisieren, werde dann erfolgreich sein können, wenn wir kein „Doppelleben“ führen. Wenn wir uns Christen nennen, aber wie die Heiden leben, senden wir eine verwirrende Botschaft aus, und die Leute werden uns in vielem so beschreiben, wie es Ghandi tat.

Die Worte des Heiligen Vaters rufen uns vielleicht auf, nachzudenken, ob alle Aspekte unseres Lebens damit übereinstimmen, was es bedeutet, ein Christ zu sein. Gibt es Aspekte in meinem Leben, in denen ich mich zu einer Änderung gerufen fühle, damit mein Leben kohärenter, stimmiger wird?

Demut und Vergebung

Natürlich sind wir nicht perfekt. Der Heilige Vater erinnerte uns in der Audienz letztes Jahr in Rom: „Natürlich werden wir alle einmal lahm, natürlich sind wir alle schwach, natürlich haben wir alle Probleme“. Aber dennoch, das wird eine Gelegenheit, uns „innerlich demütig zu machen und … um Vergebung zu bitten“.

Franziskus sagt uns, wenn wir zu perfekt sind, oder denken, dass wir zu perfekt sind, sündigen wir durch Stolz, und das macht uns zu „Snobs”. Wir werden unbeweglich durch das Gefühl der eigenen Perfektion und vergessen, dass unsere Hauptaufgabe ist, hinauszugehen und „Schafe zu suchen“. Die Gefahr beim Einhüllen in einem Gefühl der Selbstgerechtigkeit sei, verblendet zu werden, sodass wir nur in der Gemeinschaft mit Menschen sein möchten, die ebenso heilig und gerecht sind wie wir, oder, mit den Worten von Papst Franziskus: dann „widmen sie … sich dem Grüppchen, dem Kämmen von Schafen …“ Sie werden „spirituelle Friseure!“

Es ist unsere Schwachheit, die uns demütig macht. Das war auch die Erfahrung von St. Paulus:

„Damit ich mich () nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. Er aber antwortete mir: ‚Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit‘. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage.“ (2. Kor. 12, 7-10)

Überwinde die Angst und geh den Weg deines Lebens

Unsere Schwächen halten uns demütig und machen uns freier, unser Leben Gott zu übergeben, ihm zu überlassen, wohin ER uns nach seinem Plan führen will. Papst Franziskus ermutigt uns, unsere Angst abzustreifen und aufzubrechen auf den Weg unseres Lebens. Auf diesem Weg werden wir Fehler machen, aber wir werden auch unsere einzigartige Berufung finden.

Eine Reise ist nie bequem. Sie zwingt uns, unsere Komfortzonen zu verlassen und auf mehr als unsere eigene Kraft zu vertrauen. Sie ist ein Aufruf, alles Gott im Gebet anzuvertrauen und anderen zu begegnen, die wir auf dem Lebensweg finden mögen.

In den Worten von unserem Pater Kentenich finden wir Weg und Mission unseres Lebens ausgedrückt im Vertrauensgebet aus der Morgenweihe in Himmelwärts:

„… wirst du die Treue stets bewahren, in Stürmen auch und in Gefahren. Du wirst uns die Berufe senden, die für dein Reich sich mit verpfänden, uns Arbeit schicken, reichen Segen, zur Ohnmacht deine Allmacht legen.“ (Himmelwärts, Morgenweihe)

Müdigkeit ist ein Symptom für Egoismus

Es ist interessant, darüber nachzudenken, dass wir in unserer Abendweihe um Vergebung bitten für viel geheimen Vorbehalt, der unser Herz müde und kalt gemacht hat. Auch Papst Franziskus warnt uns vor Müdigkeit. Normalerweise ist das etwas, das wir von den Älteren erwarten, aber der Papst sagt sehr deutlich, dass auch die Jungen die „Versuchung der Müdigkeit“ erleben können. Müdigkeit ist ein Symptom für Egoismus, sagt er.

Da mögen wir versucht sein zu sagen: Ich habe mein Teil getan. Jetzt ist jemand anders an der Reihe. Allerdings warnt uns Franziskus vor der Oase in der Wüste, „… da gefällt uns ein schöner Ort und wir bleiben da …“. Aber er sagt uns, dass wir nicht bleiben können. Wir können ausruhen und unsere Kraft wiedererlangen, aber dann sind wir aufgerufen, unseren Weg heraus fortzusetzen, „ …denn man geht hinaus, um etwas zu geben, man geht hinaus in Mission.“

Eine Mission, um jugendliche Herzen zu Gott hinzuziehen

Letztlich könnten wir sagen, die Mission unseres Lebens ist, Werkzeug der Gottesmutter zu sein, um “jugendliche Herzen an sich zu ziehen“, wie sie es in der Gründungsurkunde versprochen hat. Das können wir nur tun, wenn unsere eigenen Herzen jugendlich sind. Unsere innere Jugendlichkeit zeigt sich in der Begeisterung, mit der wir der Welt um uns herum begegnen. Unsere Jugendlichkeit und unsere Begeisterung ist es, was uns für andere anziehend macht. Unser Zeugnis ist das Licht, das leuchtet, damit „die Menschen die guten Taten sehen, die der Vater durch uns wirkt“, schließt Papst Franziskus.

An unserer Liebe werden sie erkennen, dass wir Christen sind. Sie werden erkennen, dass wir Christen sind, an unserem stimmigen Zeugnis.

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Original: Englisch. Übersetzung Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

 

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